B. B. KING

B. B. King  (* 16. September 1925 in Berclair, Mississippi; † 14. Mai 2015 in Las Vegas, Nevada) war einer der einflussreichsten Blues-Gitarristen und -Sänger. Das „B. B.“ in seinem Namen steht für Blues Boy, sein Moderationspseudonym beim Radiosender WDIA. Als Kind und Jugendlicher sang er Gospelmusik, war aber auch begeistert von Bluesmusikern wie Blind Lemon Jefferson oder Lonnie Johnson, deren Musik er auf Schellackplatten seiner Tante hörte. Zu seinen weiteren Vorbildern zählten vor allem der Bluesgitarrist T-Bone Walker, aber auch Jazzmusiker wie Charlie Christian und Django Reinhardt.

In Memphis traf King einen entfernten Verwandten seiner Mutter, den Bluesmusiker Bukka White, der ihm eine Arbeit als Schweißer besorgen konnte. Zusammen mit Walter Horton gründete King schließlich ein Blues-Duo und gemeinsam traten sie in Juke Joints und Parks auf. Nach acht Monaten in Memphis kehrte King jedoch zurück nach Indianola. Er zweifelte an seinem instrumentalen Können, da es seiner Meinung nach bessere Musiker in Memphis gab.

Trotzdem kehrte er Ende 1948 nach Memphis zurück und lernte in West Memphis den Gitarristen Robert Lockwood kennen, mit dessen Hilfe er sein Gitarrenspiel wesentlich verbessern konnte. Anfang 1949 traf er Sonny Boy Williamson II., der ihm gestattete, in seiner Radioshow auf KWEM ein Stück zu singen. Durch Bukka White erfuhr King kurze Zeit später von der Radiostation WDIA. Im April 1949 bekam er dort seine eigene – von Lucky Strike gesponserte – 15-minütige Sendung, in der er live spielte. Im folgenden Jahr übernahm er als DJ den Sepia Swing Club auf WDIA. Nun hatte er Zugriff auf Tausende von Platten, die er intensiv anhörte und auch nachzuspielen versuchte.

Seine ersten Aufnahmen machte B. B. King 1949 für Bullet Records in Nashville. Die beiden daraus resultierenden Singles verkauften sich jedoch sehr schlecht und gaben seiner musikalischen Karriere keinen Anstoß. Während eines Besuchs der Radiostation WDIA im Juni 1950 hörten die Brüder Jules und Saul Bihari von Modern Records B. B. King und waren so begeistert, dass sie ihn für ihr Sublabel RPM unter Vertrag nahmen. Modern Records mit Sitz in Los Angeles zählte zwar damals zu den führenden unabhängigen Plattenlabels im Bereich des Jazz und Blues, verfügte jedoch in Memphis über kein eigenes Aufnahmestudio. Deshalb fanden die ersten Aufnahmesessions mit B. B. King für RPM im damals neuen Studio von Sam Phillips statt.

Nachdem die Biharis sich Mitte 1951 aufgrund geschäftlicher Konflikte mit Sam Phillips überworfen hatten, fand im September 1951 in einer Schule und mit portablem Aufnahmegerät jene Session statt, die B. B. Kings ersten Hit 3 o’Clock Blues hervorbrachte, der Platz Nr. 1 der R&B-Charts wurde. Aufgrund des großen Erfolgs dieser Single folgte eine Tournee mit Tiny Bradshaws Orchester. Wenig später schloss sich B. B. King mit der Band des Saxofonisten Bill Harvey zusammen, die dann bis 1955 seine Tour-Band blieb.

1952 bzw. 1953 hatte King mit You Know I Love You und Please Love Me zwei weitere Nr-1-R&B-Hits, die seiner Karriere einen entscheidenden Auftrieb gaben. Am 24. April 1954 zierte sein Bild die Titelseite des Cash Box Magazins. Einen Monat später gab King sein Debüt mit Bill Harvey’s Orchester im Apollo Theater in Harlem. Im Dezember folgte eine Westcoast Tournee. B. B. King war nun aufgestiegen zum nationalen Star, ganz dem Blues verschrieben und kaum interessiert an der sich bereits abzeichnenden Rock ’n’ Roll-Revolution. Es folgten weitere Tourneen quer durch die USA mit Auftritten in den großen Theatern der Städte (wie etwa Washington D.C., Chicago, Los Angeles, Detroit und St. Louis), sowie zahlreiche Gigs in den kleineren Clubs und Juke Joints der Südstaaten. King tourte mittlerweile den kompletten Chitlin’ Circuit und war 1956 mit 342 Konzerten recht ausgebucht.


Kings Gitarre "Lucille"
Foto: Werner100359

Zu Beginn der 1960er-Jahre war B. B. King einer der wenigen Bluesmusiker, die nach wie vor regelmäßig in den R&B-Charts vertreten waren. So landete er im Frühjahr 1960 mit seiner Interpretation des Big Joe Turner Klassikers Sweet Sixteen sogar nochmal einen No. 2 Hit in den R&B Charts. Während andere Bluesmusiker wie Muddy Waters oder John Lee Hooker in Folge des Folk-Musik Booms ein neues, vor allem weißes Publikum fanden, blieb B. B. King seiner angestammten Zuhörerschaft treu. Anstatt ein trendiges Folk-Blues-Album einzuspielen, trat er weiterhin mit seiner 13-köpfigen Band in Hauptzentren der afroamerikanischen Kultur, wie etwa dem Apollo Theater in Harlem auf. In Europa waren seine Platten kaum erhältlich, da sich die Bihari-Brüder beim Lizenzieren ihres Katalogs recht schwer taten.

Seine neue Plattenfirma ABC-Paramount wusste zunächst nicht genau, welche Richtung B. B. Kings musikalische Laufbahn einschlagen würde. Die beiden anderen R&B-Stars des Labels Ray Charles und Lloyd Price hatten bereits ihre Nischen irgendwo im weiten Bereich zwischen Pop und R&B gefunden. Doch B. B. King war ein reiner Bluesmusiker; ein Übertritt ins Pop- oder Soul-Lager schien nicht möglich. Nach einigen Singles und zwei von Johnny Pate produzierten Alben, veröffentlichte ABC-Paramount 1965 das Album Live at the Regal, das ein Überraschungserfolg wurde.

Mitgeschnitten im Chicagoer Regal Theater am 21. November 1964, präsentierte es einen sehr lebhaften und mitreißenden Auftritt Kings vor einem afroamerikanischen Publikum.

Etwa um 1966/67 stellte B. B. King fest, dass sich die Zusammensetzung seines Publikums langsam zu ändern begann. Während die afroamerikanische Jugend sich vom Blues distanzierte, interessierten sich plötzlich immer mehr weiße Jugendliche für Kings Musik und besuchten seine Konzerte. Das zu dieser Zeit erschienene Buch Urban Blues von Charles Keil enthält ein Kapitel über B. B. King und stellte ein Pionierwerk dar. 1967 wurde Sidney Seidenberg Kings neuer Manager. Sein Hauptziel war es, mit einem neuen Konzept B. B. King einem breiteren Publikum zugänglich zu machen.

Fortan trat er auch bei Rockfestivals und in Zentren der Hippiekultur – wie etwa dem Fillmore West – auf. Obwohl er unter Seidenbergs Management einige Hits auf dem ABC-Sublabel Bluesway Records hatte, dauerte es fast weitere drei Jahre, bis das Konzept vollständig aufging und B. B. King mit The Thrill Is Gone seinen bis dahin größten Hit (Platz 15 in den US-Popcharts) landen konnte. 1969 spielte B. B. King neben Ike & Tina Turner bei der US-Tournee der Rolling Stones im Vorprogramm. Im folgenden Jahr war er der erste Bluesmusiker, der in der Tonight Show auftrat, und im Oktober 1970 folgte ein Auftritt in der Ed Sullivan Show.

Nach dem Erfolg von The Thrill Is Gone spielte B. B. King 1970 das Album Indianola Mississippi Seeds mit weißen Rockmusikern wie Carole King und Leon Russell ein. Dies war eine Idee seines Produzenten Bill Szymezyk. Insgesamt klang das Album sanfter und weicher als seine vorherigen Veröffentlichungen und enthielt mit Chains and Things, Ask Me No Question und Hummingbird drei Hit-Singles. 1971 nahm B. B. King in London mit britischen Gastmusikern wie Alexis Korner, Peter Green, Steve Winwood und anderen das Album In London auf. Hier spielte er zum ersten Mal seit 1946 bei einem Titel wieder eine akustische Gitarre.

1972 nahm B. B. King an einem Konzert teil, von dem er im Anschluss sagte: „Das war das beste Konzert, das ich jemals gegeben habe.“ Zwei Dokumentarfilmer hatten ein Filmprojekt mit Insassen von Sing Sing, dem großen New Yorker Gefängnis, ins Leben gerufen und es ein Jahr lang begleitet (Sing Sing Thanksgiving). Als Abschlussarbeit war dieses Gefängniskonzert zum amerikanischen Thanksgiving geplant, zu dem viele Künstler eingeladen wurden, aber nur wenige zugesagt hatten.

Die Musiker waren die Voices of East Harlem, Joan Baez und eben B. B. King. Im folgenden Jahr spielte B. B. King in Philadelphia das Album To Know You Is To Love You ein. Dieses Album war stark beeinflusst von der Soul-Musik jener Tage. Begleitet wurde King unter anderem von den Memphis Horns sowie bei dem Titelstück von Stevie Wonder. Vor dem Boxkampf um den Weltmeistertitel zwischen Muhammad Ali und George Foreman im Stadion von Kinshasa, Zaire, im Oktober 1974 ("Rumble in the Jungle") trat B.B. King mit seiner Band auf. Dieses Konzert wurde auf einer DVD veröffentlicht.

Mit U2 spielte er für deren Album Rattle and Hum den Song When Love Comes to Town ein. Außerdem nahm B. B. King an der darauffolgenden „Lovetown“-Tour im Jahr 1989 teil. Im Jahr 2000 produzierte er mit Eric Clapton das Album Riding with the King .

King besitzt mehrere Bluesclubs in den USA, unter anderem an der Beale Street in Memphis, Tennessee, in New Orleans und in Nashville, in denen er hin und wieder auftritt. Unter seinem Namen werden auch Merchandising-Artikel wie Barbecue-Zubehör und Gitarrensaiten vermarktet. Er unternahm regelmäßig ausgedehnte Tourneen und spielte mitunter über 200 Konzerte pro Jahr. Seit 2004 tritt B. B. King, der seit über 60 Jahren fast ununterbrochen unterwegs war, altersbedingt und aus gesundheitlichen Gründen seltener auf. Im Sommer 2005 unternahm er eine „Final Farewell Tour“ durch Europa. Aber auch 2006 trat er in den Vereinigten Staaten und erneut in Europa auf und 2009 folgte eine weitere Europatournee.