DAVID BOWIE

David Bowie  David Bowie (* 8. Januar 1947 in Brixton, London; † 10. Januar 2016 in New York City), bürgerlich David Robert Jones, war ein britischer Musiker, Sänger, Produzent, Schauspieler und Maler. Bowie, der mehr als 140 Millionen Tonträger verkauft hat, gilt als einer der einflussreichsten Musiker der jüngeren Musikgeschichte

Im Alter von erst neun Jahren begegnete David dem Rock ’n’ Roll, ausgelöst durch seinen Vater, der ihm die ersten Singles schenkte. Neben seinen Eltern förderte sein Bruder Terry das in David ausgelöste Interesse weiter, indem er ihn mit US-amerikanischen Beat-Poeten und Jazz bekanntmachte. Terry nahm den damals 13-jährigen mit zu Konzerten im Londoner Unterhaltungsviertel Soho. Bereits 1962, im Alter von 15 Jahren, sang Bowie und spielte Saxophon unter dem Künstlernamen Dave Jay in der Gruppe The Kon-Rads, die im August 1963 für Decca eine von Bowie mitkomponierte Single I Never Dreamed aufnahm. Das Lied blieb erfolglos und Bowie verließ die Gruppe.

1964 nahm er seine erste eigene Single Liza Jane auf, die ebenfalls keinen Erfolg hatte. Über die 1960er-Jahre sammelte er Erfahrungen als Sänger und Musiker in verschiedenen weiteren Bands wie den Manish Boys oder den Lower Third, die alle keine größere Bekanntheit erlangten. 1967 arbeitete er mit dem britischen Pantomimen Lindsay Kemp zusammen, dessen Einfluss sich in den folgenden Jahren in Bowies Bühnenshows zeigen sollte.

Der damals schüchterne Musiker begann durch diese Erfahrungen sehr vielseitige Ausdrucksweisen zu entwickeln, welche im Verlauf seiner weiteren Karriere in verschiedenen Images und Outfits kulminierten, zum Beispiel in den Figuren Major Tom oder dem Außerirdischen Ziggy Stardust.

Sein 1967 erschienenes Debütalbum David Bowie enthielt teilweise Songs, die von Musicals inspiriert waren, sowie Folksongs und Balladen, unter anderem die Titel Please Mr. Gravedigger und The Laughing Gnome. Es war kommerziell nicht erfolgreich, so dass David Bowie, wie er sich bald darauf nannte, sein Konzept änderte. Im November 1969 erschien das zweite Album – in den Vereinigten Staaten mit dem Titel Man of Words, Man of Music und in Großbritannien verwirrender Weise als David Bowie (auch Titel des ersten Albums). (1972 wurde es von RCA Records unter dem Titel Space Oddity und neuem Cover wiederveröffentlicht.

Das Album enthält eine Neuaufnahme von Space Oddity, die auch als Single veröffentlicht wird und Bowies erster echter kommerzieller Erfolg wird. Anfang 1970 nahm Bowie zusammen mit Marc Bolan zwei neue Songs auf: The Prettiest Star (erschien auch als Single) und London by Ta Ta. Im Mai erschien eine Neuaufnahme von Memory of a Free Festival (ursprünglich auf dem zweiten Album erschienen) als Single. Obwohl diese Single ebenfalls erfolglos blieb, ist sie historisch interessant, da hier zum ersten Mal der Gitarrist Mick Ronson auf einer Studioaufnahme zu hören ist.

Bis 1973 blieb er Bowies musikalischer Begleiter. Bowie, Ronson, Visconti (am Bass) und John Cambridge (am Schlagzeug) traten ab Anfang 1970 kurzzeitig unter dem Bandnamen „The Hype“ auf. Mit dieser Band probierte Bowie ein neues Bühnenkonzept, indem sie mit Kostümen arbeiteten und Mittel des Theaters einbauten. So verkleidete sich Bowie als „Rainbow Man“, Visconti als „Hype Man“, Ronson als „Gangsterman“ und Cambridge als „Pirate Man“.

1971 erschien Bowies drittes Album mit dem Titel The Man Who Sold the World, welches wiederum von Visconti produziert wurde. Musikalisch lehnte es sich an das an, was man damals unter Hard Rock verstand und war stark durch Ronsons Gitarrenspiel geprägt. In den Texten bezog sich Bowie auf Science Fiction, Buddhismus und Mystik. Auf dem Cover zeigte sich Bowie in einem Kleid, wodurch er bewusst ein androgynes Image etablierte, das für seine Auftritte in den frühen 1970er-Jahren prägend wurde. Mit Hunky Dory folgte 1971 ein weiteres Album.

Bedeutende Alben:
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Blackstar


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Low


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Scary Monsters


Als Keyboarder war hier Rick Wakeman zu hören, der später mit Yes bekannt wurde. Zudem spielten alle Mitglieder der kommenden Begleitband von Ziggy Stardust „The Spiders from Mars“ mit Mick Ronson (Gitarre), Mick (Woody) Woodmansey (Schlagzeug) und Trevor Bolder (Bass). Auch Bowies Beschäftigung mit der aktuellen Musik- und Kunstszene der USA schlug sich auf diesem Album in Referenzen an Bob Dylan, The Velvet Underground und Andy Warhol nieder. Nach eigener Aussage erhielt Bowie für dieses Album zum ersten Mal breitere künstlerische Anerkennung, mit den nächsten Alben wurde er zur Ikone des Glam Rock.

1972 gelang Bowie der kommerzielle Durchbruch: Mit dem Album The Rise and Fall of Ziggy Stardust and the Spiders from Mars und der anschließenden Welttournee, die bis 1973 dauerte, wurde er weltweit bekannt. Ein Grund dafür war die „Erfindung“ seines Aufsehen erregenden Alter Egos Ziggy Stardust, dessen Aufstieg und Fall in einer dem Untergang geweihten Welt erzählt wird. Ein weiterer Grund war seine theatralische Bühnenshow mit ihren provozierenden homoerotischen Momenten. Dieses damals skandalöse Spiel mit der Homosexualität feuerte Bowie zusätzlich an, indem er sich in einem Interview als „schwul“ outete, obwohl er nicht nur seit zwei Jahren mit Angela Barnett verheiratet war, sondern auch der gemeinsame Sohn Duncan Zowie Hayword Jones, den Bowie später alleine erzog, bald ein Jahr alt wurde.

Ende 1972 konnte Bowie mit The Jean Genie einen Top-Ten-Hit in seinem Heimatland verzeichnen. Bei seinem Album Aladdin Sane arbeitete erstmals der Pianist Mike Garson mit, der Bowie bis heute begleitet. In dieser Zeit wirkte Bowie auch als Produzent und Förderer anderer Musiker; so produzierte er unter anderem Lou Reeds zweites Soloalbum (Transformer, 1972, bekanntestes Lied Walk on the Wild Side), schrieb für die Band Mott the Hoople einen kommerziell erfolgreichen Song (All the Young Dudes, 1972) und produzierte deren gleichnamiges Album wie auch ein Iggy-Pop-/The-Stooges-Album (Raw Power, 1973). 1973 nahm Bowie zudem das Album Pin Ups auf, das nur Coverversionen aus den 60ern enthält. Das Konzeptalbum Diamond Dogs (1974), das in weiten Teilen auf George Orwells Dystopie 1984 basierte, nahm Bowie ohne seine bisherige Begleitband „The Spiders from Mars“ und seinen langjährigen Wegbegleiter, den Lead-Gitarristen Mick Ronson, auf.

 

Beeinflusst durch seinen Umzug nach New York entstand 1975 das Album Young Americans, ein musikalischer Neuanfang, in dem sich Bowie mit der Musik befasste, die ihn als jungen Mann prägte, nämlich Rhythm and Blues und Soul; er selbst nannte seine Musik ironisch „Plasticsoul“. Bowie trat zu dieser Zeit im Maßanzug auf; ein weiterer Imagewechsel des Künstlers. Auf dem Album enthalten ist Bowies erster Nummer-eins-Hit in den Vereinigten Staaten, Fame. Dieser Song, den Bowie zusammen mit John Lennon in einer Session in den „Electric Lady Studios“ in New York aufnahm, war ursprünglich gar nicht zur Veröffentlichung vorgesehe

Von 1976 bis 1978 wohnte Bowie in West-Berlin. In den Berliner Hansa-Studios wurde das mit Brian Eno und Tony Visconti eingespielte Album Low aufgenommen, das den ersten Teil der sogenannten Berlin-Trilogie darstellt. Bowie war von deutschen Bands wie Kraftwerk, Cluster, Can oder Neu!, aber auch von Steve Reich beeinflusst. Von Anfang an waren die Alben als Experiment geplant, bei denen es nicht um Verkaufszahlen gehen sollte. Dementsprechend war die ausgekoppelte Hitsingle "Sound and vision" auch kein Charterfolg. Während die erste Seite (LP) von "Low" eher aus Songfragmenten besteht, als aus ausformulierten Liedern, überraschte die zweite Seite damit, fast ausschließlich aus Instrumentalstücken zu bestehen, wie auch beim Nachfolger "Heroes", der wenige Monate später ebenfalls in Berlin aufgenommen wurde.

Das Album Heroes enthält mit dem gleichnamigen Titelstück eines der bekanntesten Lieder Bowies, das mehrsprachig in Französisch/Englisch und Deutsch/Englisch aufgenommen wurde. Der Text des Liedes handelt von zwei Liebenden, die sich an einer Mauer küssen. Bowie verarbeitet im Song sowohl eigene Beobachtungen, die er in Berlin gemacht hat, als auch Eindrücke des Expressionismus der 1920er Jahre (hier das Gemälde von Otto Mueller Liebespaar zwischen Gartenmauern von 1916)

1980 hatte Bowie mit dem Album Scary Monsters und dessen Singleauskopplungen Ashes to Ashes Erfolge, dem bis 2002 letzten von Tony Visconti produzierten Album. 1981 war er in einem Cameo-Auftritt in dem Film Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo bei einem Konzert in der Deutschlandhalle zu sehen. Der Soundtrack besteht ausschließlich aus Liedern von David Bowie, einschließlich des Titelsongs Heroes. Mit Queen nahm Bowie 1981 den Song Under Pressure auf. Der Song entstand in einer sechsstündigen Session und wurde Nummer eins in Großbritannien.

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Foto: Elmar J. Lordemann

1983 veröffentlichte er sein erstes Album für sein neues Label EMI, Let’s Dance. Es wurde von Nile Rodgers produziert. Es war massentauglich angelegt und gemeinsam mit der darauffolgenden Serious Moonlight-Tour mit Abstand der größte kommerzielle Erfolg, den Bowie je hatte. Die Single Let’s Dance schaffte es in den Vereinigten Staaten auf Platz eins und hielt sich dort neben so erfolgreichen Singles wie Michael Jacksons Billie Jean. Auch weitere Songs des Albums, wie etwa China Girl, konnten sich oben in den Charts platzieren.

Die Tour führte Bowie und seine Mitarbeiter von Mai 1983 bis Dezember einmal um die ganze Welt. David Bowie stand jetzt nicht mehr für außergewöhnliche Musik mit experimentellen Eigenheiten, sondern auch für publikumsfreundlichen Pop. Nach Let’s Dance folgte jedoch eine innere Schaffenskrise nach dem Abebben des ersten Massenerfolgs. Die folgenden Alben Tonight (1984) und Never Let Me Down (1987) wurden von den Kritikern zerrissen und gelten bis heute als seine schlechtesten.

Nach dem kommerziellen und künstlerischen Misserfolg des Albums Never Let Me Down von 1987 tauchte Bowie zwei Jahre später mit dem Tin-Machine-Projekt wieder auf. Bowie bestand darauf, nur „ein Bandmitglied unter vielen“ zu sein, und lehnte jede Sonderrolle ab. 1991 folgte Tin Machine II und eine mäßig erfolgreiche Single, You Belong in Rock ’n’ Roll. Dieses Projekt fand 1993 mit dem Solo-Album Black Tie, White Noise (wiederum von Nile Rodgers produziert) ein Ende. Künstlerisch insgesamt wenig innovativ und kommerziell aufgrund von Vertriebsproblemen vor allem in den USA gescheitert, markierte es seiner Meinung nach die Überwindung der

Schaffenskrise in den 1980er-Jahren. Die 1992 erfolgte Heirat mit Iman Abdulmajid, weltweit bekanntes Fotomodell und Schauspielerin aus Somalia, prägte die musikalische Stimmung des Werkes. Das im September 1995 erschienene, wiederum mit Brian Eno produzierte, sehr vielschichtige und experimentierfreudige Album 1. Outside war, trotz einiger positiver (und vieler irritierter) Kritiken, kommerziell ebenfalls nicht erfolgreich, was angesichts der ersten und vollkommen radiountauglichen Singleauskopplung „The Heart’s Filthy Lesson“ offenbar auch nicht Bowies Intention entsprach.

🎬 Video Clip

David Bowie - Let's Dance

Darauf folgte mit Earthling von 1997 eine Arbeit, die einerseits den Schaffensdrang Bowies erneut bestätigte und starke Einflüsse des Drum ’n’ Bass aufweist. Künstlerisch wie kommerziell vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit erzeugte das Nachfolgealbum Hours… (1999), in dem sich Bowie wieder einfacheren Songstrukturen zuwandte. 2002 brachte mit Heathen die Fortsetzung der Zusammenarbeit mit Tony Visconti. Künstlerisch wie kommerziell (vor allem auch in Deutschland) fügte sich das Album für einen Teil der Fans an klassische Bowie-Werke und wurde zum Teil auch von Kritikern und Fans als Comeback angesehen.

Im Vorfeld seiner Veröffentlichung, am 8. September 2003, schrieb Bowie Musik- und Technologie-Geschichte: An diesem Tag wurde sein neues Studioalbum in Kinos auf der ganzen Welt live und interaktiv präsentiert. Eine eigens für diesen Anlass produzierte Live-Show wurde per Satellit in die Lichtspielhäuser gesendet. Die Show wurde in alle teilnehmenden europäischen Kinos gleichzeitig übertragen und – bedingt durch den Zeitunterschied – einen Tag später in Asien, Japan und Australien, sowie Nordamerika, Kanada und Südamerika. Die Show wurde im digitalen Breitbildformat gefilmt, der Ton im DTS-5.1-Surround-Sound aufgezeichnet und den Kinos komplett digital übermittelt.

Damit stellte das Verfahren den bis dato umfassendsten und innovativsten Einsatz von Digitaltechnik in Kinos dar. Mit der „A Reality Tour“ ging Bowie auf eine der längsten Welttourneen seiner Karriere, die er kurz vor ihrem Ende wegen eines Herzinfarkts im Sommer 2004 in Deutschland auf dem Hurricane-Festival abbrechen musste. Nach seiner Genesung trat Bowie neben Gastauftritten bei Konzerten von Arcade Fire und David Gilmour zuletzt im Mai 2007 als Kurator des Highline-Musikfestivals in New York in Erscheinung.

Bowies Stil

David Bowie hat sich Zeit seines künstlerischen Schaffens von vielfältigen Einflüssen westlicher, aber auch außerwestlicher Kultur inspirieren lassen – sowohl in Bezug auf Image als auch Musik. Zu Beginn seiner Karriere orientierte er sich vor allem an moderner Beatmusik, aber auch der britischen Tradition des Novelty-Songs. Zudem interessierte er sich für die US-amerikanische Avantgarde-Band The Velvet Underground und die Proto-Punk-Band The Stooges aus Detroit.

Mit seinem Umzug in die Vereinigten Staaten 1973 begann er sich verstärkt für Soul-Musik zu interessieren, besonders für die Stilrichtung, die aus Philadelphia kam und als Phillysound bezeichnet wird. Spätestens seit 1974 entwickelte er auch ein starkes Interesse an deutscher elektronischer Musik von Kraftwerk und Neu! und der Musik von Steve Reich. Dieses spiegelte sich zunächst auf dem Album Station to Station wider, und kommt in der so genannten Berlin-Trilogie voll zur Geltung, die im Zusammenwirken mit Brian Eno wegweisend für die weitere Entwicklung der elektronischen Musik wurde.

In den 1980er-Jahren orientierte er sich vor allem an aktueller Popmusik, in den 1990er-Jahren nahm er Einflüsse von Drum ’n’ Bass auf. Häufig wurde ihm vorgeworfen, er würde plagiieren. Wohlmeinende Kritiker halten ihm jedoch zugute, dass er die verschiedenen Einflüsse zu einem eigenen Ganzen zusammenfüge und zudem noch dazu beitrage, weniger bekannte, subkulturelle Kunst- und Kulturformen einem breiteren Publikum bekannt zu machen. Zudem berufen sich wieder unzählige jüngere Künstler auf ihn und seinen Einfluss auf ihre Musik und ihr Image.