EMERSON, LAKE & PALMER

Emerson, Lake and Palmer  (auch bekannt als ELP) war eine britische Supergroup, die der Stilrichtung des Progressive Rock zuzurechnen ist und diese entscheidend mitprägte.

Die Musik der Band zeichnet sich durch eine keyboardlastige Vermischung unterschiedlichster Musikstile aus. Neben Jazz- und Blueseinflüssen wurde ELP vor allem für ihre klassischen Einflüsse berühmt. Aus dem umfangreichen Gesamtwerk ragt das Livealbum Pictures at an Exhibition heraus, auf dem ELP die Bilder einer Ausstellung des russischen Komponisten Mussorgski neu interpretierten. Neben Eigenkompositionen (zum Beispiel der Suite Tarkus) wurden unter anderem klassische Vorlagen von Bartók, Janácek, Bach, Ginastera, Copland, Gulda, Sullivan, Orff und Tschaikowski bearbeitet.

Werdegang

Die Jahre 1970 bis 1976

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Keith Emerson, Greg Lakw, Carl Palmer (v.l.)

1970 gründeten der The-Nice-Keyboarder Keith Emerson und Greg Lake, Bassist und Sänger von King Crimson, zusammen mit Carl Palmer, dem Schlagzeuger von The crazy World of Arthur Brown und Atomic Rooster, die Band. Ursprünglich war auch Jimi Hendrix als Bandmitglied eingeplant, so dass in britischen Presseartikeln als erwarteter Bandname HELP angegeben wurde – diese Formation kam jedoch, letztlich wegen Hendrix’ Tod im September 1970, nie zustande.[1] Beim Isle of Wight Festival debütierte das Trio, und an diesen Auftritt schloss sich eine Supergroup-Karriere an. Jedes Album der Gruppe erreichte bis 1977 in England und den USA hohe Chartpositionen. Singleauskopplungen wie Lucky Man (1970), I believe in Father Christmas (1977) oder Fanfare for the Common Man (1977) wurden Welthits. Auch auf dem europäischen Kontinent und in Asien konnten Emerson, Lake & Palmer in den 1970er Jahren große Erfolge feiern und brachten bei ihren Konzerten Gigantomanie auf der Bühne zum Ausdruck. Ein ausladender Bühnenaufbau und die größte PA-Anlage der damaligen Zeit (stets in Konkurrenz zu Pink Floyd) trugen zum Ruf der Band bei. Ihre Get Me A Ladder und Brain Salad Surgery-Welttourneen 1973/74 wurden dann folgerichtig auf einem 3er-Livealbum dokumentiert. Im Gegensatz zum damals veröffentlichten 3er-Livealbum Yessongs der Gruppe Yes finden sich auf Welcome Back My Friends to the Show That Never Ends jedoch keinerlei nachträgliche Overdubs, sondern lediglich zusätzliche Hall- bzw. Echoeffekte. Das Album gibt also nahezu exakt die Musik und Titelabfolge der Brain Salad Surgery-Welttour wieder. Der Anspruch, immer größer, höher, weiter zu gehen als zuvor, führte in der Folge jedoch in Etappen zur ersten Bandauflösung im Jahre 1979.

In der Zeit zwischen 1970 und 1973 entstanden die Hauptwerke der Gruppe: Emerson, Lake & Palmer (1970), Tarkus (1971), Pictures at an Exhibition (1971), Trilogy (1972) und schließlich Brain Salad Surgery (1973).

Die Jahre 1977 bis 1984.

Das nach einer dreijährigen Pause im März 1977 veröffentlichte Doppelalbum Works Volume I war unter Einbeziehung eines kompletten Symphonieorchesters und der Präsentation des dreimanualigen Yamaha „Wunder“-Synthesizers GX-1 eine Mischung aus Solo- und Gruppentracks, die allerdings zum Teil enttäuschten. Das Album erreichte nicht mehr ganz die Verkaufszahlen der Vorgänger. ELP gingen mit einem eigens zusammengestellten 80-Mann-Symphonieorchester auf Tour durch Nordamerika. Diese Tour wurde zwar künstlerisch hoch gelobt, war aber ein finanzielles Desaster für die Band, da das Management bei der Tourplanung mit täglich wechselnden Auftrittsorten nicht die Vorgaben der Gewerkschaft der Orchestermusiker beachtet hatte. Es waren nur Reiseentfernungen von 200 Meilen täglich erlaubt. Die Folge waren Konzertabsagen. Die hohen Kosten für das Orchester mussten aber weiter getragen werden. So stießen die drei Millionäre an ihre finanziellen Grenzen und entließen das Orchester nach zwölf Konzerten. Nur für vier Auftritte im Juli und August 1977 – drei im New Yorker Madison Square Garden und eins im Montrealer Olympiastadion – kamen Band und Orchester noch einmal zusammen. ELP setzten die Tour erfolgreich als Trio fort, obwohl ein Wirbelsturm in Florida mehrere Auftrittsorte verwüstete. Mit Abschluss dieser Nordamerika-Tour im Jahr 1978 war die Band immer noch finanziell angeschlagen und künstlerisch ausgebrannt. Geplante Auftritte in Europa 1978 wurden abgesagt.

Das vorerst letzte Album Love Beach (1978) wurde nur noch auf Druck der Plattenfirma auf den Bahamas aufgenommen. Nach dessen Veröffentlichung (die Platte zählt inzwischen zu den „bestvergessenen“ der Rockgeschichte) löste die Band sich offiziell auf. Carl Palmer wurde danach Schlagzeuger bei PM und bei Asia, und Greg Lake sowie Keith Emerson wandelten auf Solopfaden, wobei Letzterer mehrere Filmmusiken komponierte, darunter die Soundtracks zu Nachtfalken mit Sylvester Stallone und Inferno von Horror-Spezialist Dario Argento.

Die Jahre 1984 bis 1998

Anfang 1984 musste Greg Lake die Band Asia, deren Mitglied er für einige Wochen gewesen war, verlassen, da seine musikalischen Vorstellungen beim Rest der Band auf wenig Gegenliebe stießen. Daraufhin versuchte Jim Lewis, Vizepräsident von Polydor Records, Keith Emerson dazu zu bewegen, ELP wieder zusammenzubringen. Emerson und Lake beschlossen, es ein zweites Mal zu versuchen.

Da Carl Palmer vertraglich an Asia bzw. deren Plattenfirma Geffen Records gebunden war, mussten sich Emerson und Lake nach einem Ersatz umsehen. Mit dem ehemaligen Whitesnake-Schlagzeuger Cozy Powell gründeten sie im Februar 1985 die Band Emerson, Lake & Powell. Nach einem Album und einer wenig erfolgreichen Tour zerbrach die Band schon im Sommer des darauffolgenden Jahres am schlechten Verhältnis zwischen Emerson und Lake sowie am Geldmangel, der durch die schlechten Kartenverkäufe bedingt war.

Ende 1986 versuchte dann Palmers Manager Brian Lane, Emerson, Lake & Palmer wieder zusammenzubringen. Im März 1987 probten die drei Musiker für zwei Wochen miteinander, doch das bereits schlechte Verhältnis zwischen Keith Emerson und Greg Lake verwandelte sich in offene Feindschaft, und ein weiterer Versuch einer Wiedervereinigung ELPs scheiterte. Emerson bemängelte bei Lake dessen verstärkten Hang zu eher konventionellen Balladen, die mit dem progressiven Instrumentalstil Emersons und Palmers nicht harmonierten; hinzu kamen verstärkt Stimmprobleme bei Greg Lake, die vor allem bei Live-Konzerten schon früher deutlich erkennbar waren. Danach versuchte Palmer, mit Emerson ein neues Musik-Projekt – ohne Greg Lake – auf die Beine zu stellen und schlug als drittes Mitglied der zukünftigen Band den kalifornischen Sänger, Bassisten und Gitarristen Robert Berry vor, mit dem er zuvor bereits mehrfach vergeblich versuchte hatte, eine Band zusammenzustellen. Als Berry dieses Angebot erhielt, verließ er im Frühjahr 1987 seine Band GTR und schloss sich der neuen Formation Three an. Gemeinsam veröffentlichten die drei Musiker ein Album und gingen auf Tour. Doch schon Ende 1988 löste sich die Band wieder auf.

Emerson tourte 1990 mit Jeff Baxter (Steely Dan, Doobie Brothers), John Entwistle (The Who), Joe Walsh (Eagles) und dem profilierten Studioschlagzeuger Simon Phillips unter dem Bandnamen The Best durch Hawaii und Japan. Ein Album kam unter dieser Besetzung nicht zustande.

 

Erst 1992 fanden die drei ursprünglichen ELP-Mitglieder wieder zusammen, konnten mit ihrem Comeback-Album Black Moon jedoch nicht an die früheren Erfolge anknüpfen. Auf der großen Welttournee des Jahres 1993 kam es zu einem weiteren Rückschlag für die Band. Schlagzeuger Carl Palmer litt unter einer chronischen Sehnenscheidenentzündung (Karpaltunnelsyndrom), Keyboarder Keith Emerson erkrankte an Verletzungen infolge wiederholter Belastungen (Repetitive Strain Injury Syndrom), die zum Gefühlsverlust in der rechten Hand führten. Er konnte mit dieser Erkrankung folglich nicht mehr spielen. Die Tour wurde kurz vor ihrem Ende abgebrochen, Emerson wurde operiert. Gänzlich ließ sich seine Spielfähigkeit jedoch nicht mehr wiederherstellen. Für das letzte reguläre ELP-Album In the Hot Seat (1994), (deutsch: Auf dem heißen Stuhl) wurden deshalb Studiomusiker engagiert, um Emerson auszuhelfen. 1996 ging die Band noch einmal durch die USA, Kanada und Europa auf Tournee, die diesmal in einem wesentlich kleineren Rahmen als in den 1970ern stattfand. Unterschiedliche Meinungen über ein neues Album führten zu erneuten Unstimmigkeiten der drei Musiker. Ein wesentlicher Konfliktpunkt war zudem, dass Greg Lake es abgelehnt hatte, seine angeschlagene Stimme mit einem professionellen Gesangslehrer zu trainieren. 1998 lösten sich Emerson, Lake & Palmer dann nach ihrem letzten Konzert in San Diego, Kalifornien, offiziell und endgültig auf.

Nach der Auflösung

Greg Lake

Greg Lake trat danach solo auf, so unter anderem im Jahre 2002 in den USA zusammen mit Ringo Starr in dessen All Starr Band.

Keith Emerson

moog
Früher Moog Synthesizer

Keith Emerson gelang mit einer beachtlichen Leistung (14 Stunden Reha-Übungen pro Woche) die Wiederherstellung der Spielfähigkeit seiner rechten Hand. Noch 1998 ging er mit dem Bassisten und Sänger Glenn Hughes (ex-Deep Purple) und dem Gitarristen Marc Bonilla auf Tournee; ein Album dieser Besetzung kam allerdings nicht zustande.

Ab 2003 trat Emerson wieder live auf – unter anderem mit seiner Ex-Band The Nice –, spielte dabei routiniert alte ELP-Werke, allerdings ohne Gesangsteile. Regelmäßig nahm er bei Moog-Synthesizer-Veranstaltungen als Gast teil und spielte dort kleinere Teile und Ausschnitte aus dem ELP-Gesamtwerk.

Anfang 2008 gründete Emerson eine neue Musikformation, die Keith Emerson Band, in der Besetzung Keith Emerson (piano, organ, keyboards), Marc Bonilla (guitars, vocals), Bob Birch (bass) und Gregg Bissonette (drums). Im August 2008 veröffentlichte die Band mit „Keith Emerson Band feat. Marc Bonilla“ ein vielschichtiges Progressive-Rock-Album, das die kompositorischen und instrumentalen Eigenheiten von The Nice und ELP stilistisch und klangtechnisch weiterentwickelte.