MOTÖRHEAD

Motörhead Live
Motörhead Live

Motörhead  war eine 1975 in Großbritannien gegründete Musikgruppe. Die Musik von Motörhead vereint Einflüsse aus Punk, Hard Rock, Rock ’n’ Roll und Blues Rock. Ihr Einfluss auf andere Musiker ist im Vergleich zum eigenen kommerziellen Erfolg groß.

Zwischen 1979 und 1982 hatte die Band ihre kommerziell erfolgreichste Phase. Die Alben aus dieser Zeit wie Overkill, Bomber (beide 1979) und Ace of Spades (1980) gelten als wegweisend für den Heavy Metal und als Klassiker des Genres. Seit den frühen 2000er-Jahren verzeichnet Motörhead wieder eine steigende Popularität.

Die Bandgeschichte ist von zahlreichen Wechseln in der Besetzung, beim Management und der Plattenlabel geprägt. Motörhead stand bislang bei insgesamt 16 verschiedenen Labels unter Vertrag. Seit 1995 war die Gruppe unverändert in der Besetzung Lemmy Kilmister (E-Bass, Gesang), Phil Campbell (E-Gitarre) und Mikkey Dee (Schlagzeug) aktiv. Nach dem Tod von Kilmister am 28. Dezember 2015 erklärte Mikkey Dee die Band für beendet.

Charakteristisch für Motörhead ist, dass der E-Bass die Rolle der Rhythmusgitarre übernimmt, wodurch die Klangfarbe der Musik deutlich basslastiger als die vergleichbarer Gruppen wie AC/DC ist. Im Auftreten und in den Liedtexten präsentierte die Gruppe sich als „Outlaws“. Damit sicherte sich Motörhead die Sympathien der Punk-Szene der späten 1970er-Jahre und diente so als Bindeglied zwischen Punk und Heavy Metal.

 

Tod von Lemmy Kilmister

Bedeutende Alben:
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1916


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Iron Fist


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Aftershock


Am 28. Dezember 2015 verstarb Lemmy Kilmister an einer Krebserkrankung, deren Diagnose er erst zwei Tage zuvor erfahren hatte. In einem Interview mit der schwedischen Zeitung Expressen sagte Schlagzeuger Mikkey Dee, dass durch den Tod des Sängers die Band nicht mehr bestehen würde. Künftige Tourneen und neue Alben schloss er kategorisch aus, womit das Ende der Band offiziell besiegelt wurde.

 
 
 

Stilistische Einordnung

Motörhead wird in der Literatur und in Musikzeitschriften meist dem Genre des Heavy Metal zugeordnet, obwohl in die Musik Stilelemente aus dem Hard Rock, dem Punk- und dem Bluesrock einfließen. Der Musikwissenschaftler Dietmar Elflein kommt in einer Analyse der Musik der Band 2010 zu dem Schluss, dass aufgrund der Backbeat-Technik im Schlagzeugspiel, der Shuffles sowie der verwendeten Bluesschemata musiktheoretisch eine Zuordnung der Band zum Heavy Metal nicht in Betracht kommt, in einem Interview mit der taz bezeichnete er die Musik von Motörhead als „Chuck Berry, nur verzerrter und lauter“. Steve Waksman schreibt in einer Studie aus dem Jahr 2009, dass Motörhead im musikalischen Gesamtkontext die erste Band war, die Punk und Heavy Metal kombinierte. Ian Christe bezeichnet Motörhead als das Bindeglied zwischen Black Sabbath und dem aufkommenden Punk Mitte/Ende der 1970er-Jahre. Black Sabbath habe den Heavy Metal erfunden, Judas Priest habe ihn bekannt gemacht und Motörhead habe ihn definiert. Das Musikmagazin Rolling Stone schreibt, dass die Musik der Band „der kleinste gemeinsame Nenner zwischen Punk und Metal“ sei. Das deutsche Musikmagazin Rock Hard bezeichnet das Debütalbum Motörhead als „völlig eigenständigen Bastard aus Rock ’n’ Roll und Punk“. Jörg Scheller nennt Motörhead einen Sonderfall, da die Band einerseits eine klassische Heavy-Metal-Band sei, andererseits aber auch eine Rock-’n’-Roll-Band. Im Tagesspiegel präzisiert Scheller: „Aus den sechziger Jahren brachten sie [Motörhead] den Freiheitsdrang mit, aus ihrer Gegenwart sogen sie den Anarchismus und Nihilismus des Punk auf, verquirlten ihn mit der maschinellen Kälte des Heavy Metal und konterkarierten diesen mit der Lebenslust urwüchsigen Rock’n’Rolls.“

Die Gruppe selber und besonders Bandgründer Lemmy Kilmister betrachtet die Gruppe allerdings nicht als Metal-Band.In einem Interview mit dem Rolling Stone anlässlich der Veröffentlichung des 2004er-Albums Inferno äußerte Kilmister, dass es Zeit sei, für die Musik eine neue Kategorie zu schaffen: „Motörhead Music“. In anderen Interviews weist er darauf hin, dass er sich dem Punk stets mehr verbunden fühlte als dem Metal, Motörhead habe mehr mit The Damned als mit Black Sabbath gemeinsam, und keine Gemeinsamkeiten mit Judas Priest; für ihn sind Bands wie Black Sabbath und Judas Priest Metal, schnellere Bands wie die der New Wave of British Heavy Metal (NWoBHM) und Metallica klingen für ihn mehr nach Punk als nach Metal. Punks seien interessanter und wütender, Metaller verlören ihre Wut schnell, wenn Geld im Spiel sei, und Metal habe seinen revolutionären Geist verloren, als er in die Arenen kam, wo Punks niemals gespielt hätten. Die Band selbst bezeichnet ihren Stil als Rock ’n’ Roll und beruft sich damit auf das Lebensgefühl, die Thematiken und die Songstruktur des 1950er-Genres betreffende Traditionen, was besonders bei Liedern wie Angel City, Going to Brazil, Don’t Waste Your Time und Coverversionen wie Blue Suede Shoes und Hoochie Coochie Man deutlich wird. Allerdings ist dies nicht als Motörheads Hauptgenre zu bezeichnen, da die Band auch andere Stile bedient oder von ihnen beeinflusst ist. Einige Stücke sind dem Hard Rock zuzuordnen, so ist You Better Run mit Bad to the Bone von George Thorogood vergleichbar, auf das auch die Textzeile “I’m iron & steel, I’m bad to the bone” anspielt. Titel wie R.A.M.O.N.E.S., ein Lied über die US-amerikanische Band Ramones, sind wiederum eindeutig dem Punk zuzuordnen, die Band trat unter anderem mit The Damned auf, und Lemmy hatte Kontakte zur frühen Punk-Subkultur, unter anderem zu Sid Vicious und Wendy O. Williams.

 

Musikalische Bedeutung

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Mikkey Dee (dr)

Motörhead wird zu den Wegbereitern des Speed Metal gezählt. Das Billboard Magazine weist auf den weitreichenden Einfluss von Motörhead hin und schreibt, dass der „überwältigende, laute und schnelle Heavy Metal [der Band] einer der wegweisendsten Stile der späten 1970er war“, die Musik der Band sei kein Punk-Rock, vielmehr war sie die erste Metal-Band, die „dessen Energien gebündelt und damit den Grundstein für spätere Genres“ des Heavy Metal legte. So werden Lieder wie Overkill oder Bomber als Basis für den Thrash Metal angesehen. Dem 1979er-Album Overkill wird eine bedeutende Rolle für die Entwicklung der New Wave of British Heavy Metal zugesprochen, das 1980er-Album Ace of Spades wird als eines der wichtigsten Alben der Rock-Geschichte bezeichnet. Des Weiteren bereitete Motörhead mit der Kombination aus schnellem Tempo und Doublebass-Technik, die erstmals auf Overkill (1979) zu hören war, den Weg für spätere Schlagzeugtechniken wie den Blastbeat.

Über alle Subgenres des Metals sind Musiker und Bands von Motörhead beeinflusst. Bereits Ende der 1970er-Jahre spielten Gruppen wie die Tygers of Pan Tang Coverversionen der Band, und die Black-Metal-Pioniere Venom und Bathory ließen sich neben anderen Bands wie Black Sabbath auch von Motörhead inspirieren. Motörhead gehörte zu den Haupteinflüssen der Anfang der 1980er-Jahre aufkommenden Metal-Szene in den USA. Lars Ulrich, Schlagzeuger von Metallica, begleitete Motörhead auf deren 1981er-USA-Tournee und war Leiter des US-amerikanischen Motörhead-Fanklubs. Jeff Becerra, Sänger der US-amerikanischen Death-Metal-Pioniere Possessed, verwies darauf, dass der Anspruch von Possessed gewesen sei, „so schnell und so laut zu spielen … wie Motörhead“. Die ebenfalls zu den Pionieren dieser Musikrichtung zählenden Bands Master und Death Strike von Paul Speckmann zählen Motörhead ebenfalls zu ihren Einflüssen. Auch die Kanadier Voivod zeigten sich auf ihrem 1984er-Debüt War and Pain hörbar unter dem Einfluss der Musik von Motörhead. Die Mitte der 1980er-Jahre in den USA aufkommende Metalcore-Bewegung bezieht sich ebenso auf Motörhead[ wie die 1990er-Crust-Bewegung. Der Einfluss der Band reicht bis in die heutige Zeit. Fenriz von der norwegischen Band Darkthrone verwies darauf, dass er sich bei dem in den 2000ern vollzogenen Stilwechsel von den frühen Veröffentlichungen von Motörhead inspirieren ließ[57] und nannte die von Motörhead praktizierte Verbindung von Heavy Metal und Punk „Metalpunk“

Musik und Texte

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Philip Campbell (git)

Die Musik von Motörhead wird als Kombination aus schnellem Schlagzeugspiel, „matschigem“ Bass, Lautstärke und einem Gesang, der traditionelle Gesangstechniken mit Shouting kombiniert, bezeichnet. Die frühen Veröffentlichungen zeigten sich stark von Rock ’n’ Roll und Punk beeinflusst. So ist das Debütalbum Motörhead (1977) von 12-taktigen Gitarrenriffs und Doppelgriffen nach Art von Rock-Musikern wie Chuck Berry geprägt. Mit der Veröffentlichung von Overkill (1979) definierte Motörhead seinen Stil durch stark verzerrte, um einen Halbton tiefer gestimmte Gitarren, den verstärkten Einsatz der Doublebass-Schlagzeugtechnik verbunden mit schnellen Sechzehntel-Rhythmen nach dem Vorbild von Gruppen wie Deep Purple neu. Die Musik basierte weitgehend auf zwei statt auf drei Akkorden. Als eher untypisch für Motörhead wird das Album Another Perfect Day angesehen, das wegen der Mitwirkung von Gitarrist Brian Robertson (ehemals Thin Lizzy) raffiniertere und extravagantere Melodien als andere Veröffentlichungen der Gruppe bietet.

Als typisch für Motörhead wird der Klang des E-Bass bezeichnet, der weitestgehend die zweite Gitarre ersetzt. Beim Spielen wird durchgehend eine Leersaite angeschlagen, die in Kombination mit gegriffenen Saiten einen Klang erzeugen, der den E-Bass die Rolle der Rhythmusgitarre übernehmen lässt. Ein weiteres stilistisches Merkmal ist dabei, dass viele Lieder mit einem markanten Bassriff eröffnet werden. Dies ist beispielsweise der Fall bei Motörhead, Stone Dead Forever, Ace of Spades und Overnight Sensation. Die Klangfarbe der Gitarren wird als stark verzerrt beschrieben und verzichtet außer bei Soli auf klangformende Effekte wie Wah Wahs. Dadurch ist die Klangfarbe der Musik von Motörhead deutlich basslastiger als die vergleichbarer Bands wie AC/DC. Der Schlagzeugklang ist unverzerrt und erzeugt durch eine Wall of Sound eine klangliche „Konzertsituation“. Ausgangspunkt des Schlagzeugspiels ist stets ein Backbeat. Der raue Gesang von Lemmy Kilmister hat seinen Ursprung im Shouting, wie es im traditionellen Blues verwendet wurde. Obwohl die Stimmlage Kilmisters als Tenor anzusehen war, wirkte sie durch die gutturalen Elemente tiefer.

Motörhead adaptierte seit Bandgründung Elemente der Biker-Szene. Während zeitgenössische Gruppen wie Judas Priest die Verbindung durch das Tragen von Lederkleidung mit Nieten und Ketten dokumentierten, äußerte sich die Verbindung bei Motörhead durch die Adaption des Ethos des Verlierers in den Liedtexten. Durch diese eher einfache und bescheidene Sichtweise erschien Motörhead bodenständiger als andere Bands und sicherte sich so die Sympathien der Punk-Bewegung der späten 1970er-Jahre.

Lemmy Kilmister schrieb den überwiegenden Teil der Liedtexte, die Themen sind breit gefächert. So wird das Titellied des Debütalbums Motörhead als Rock-’n’-Roll-Ode an die Droge Amphetamin bezeichnet. Als weiteres Thema findet sich in Liedtexten wie Born to Lose das Image des Verlierers und Outlaws. Aber auch das Textkonzept gesamter Alben wie Ace of Spades beruht auf diesem Thema.[68] Auch Kilmisters Faszination für Militärgeschichte spiegelt sich in den Texten wider. So handelt Bomber vom Einsatz einer Bomber-Besatzung im Zweiten Weltkrieg, 1916 thematisiert die Schlacht an der Somme im Ersten Weltkrieg[69] und Marching off to War handelt von der als solchen empfundenen Sinnlosigkeit des Krieges. Kritik brachten Kilmister einige seiner Texte über Frauen wie Jailbait oder I’m So Bad ein, die als sexistisch und frauenverachtend angesehen wurden. In einigen Texten übt Kilmister Kritik an Missständen in der Gesellschaft und besonders an Religionen ((Don’t Need) Religion, God Was Never on Your Side). Ein besonderer Liedtext ist (We Are) The Roadcrew, den Kilmister zu Ehren der Roadies von Motörhead schrieb