Aquarium beim Zoo Berlin

 

Das Aquarium Berlin besteht seit 1913. Nach fast völliger Zerstörung im Zweiten Weltkrieg, problematischem Wiederaufbau und späterer umfassender Sanierung und Erweiterung ist es heute eine der artenreichsten Einrichtungen dieser Art weltweit. Neben Meeres- und Süßwasserbewohnern werden auch Amphibien, Reptilien und Insekten gezeigt. Das Haus liegt im Ortsteil Tiergarten des Bezirks Mitte auf dem Gelände des Zoologischen Gartens. Ein zweiter, viel genutzter Eingang führt direkt vom Olof-Palme-Platz an der Budapester Straße in das Gebäude. Auf Wunsch können mit kombinierten Tickets sowohl das Aquarium als auch der Zoo besucht werden. Für Kinder und Jugendliche werden differenzierte Programme angeboten. Zusammen mit dem Zoologischen Garten steht das Aquarium Berlin unter Denkmalschutz. Beide Einrichtungen werden gemeinsam als börsennotierte und gemeinnützige Aktiengesellschaft geführt.

Tierbestand

Insgesamt werden im Zoo-Aquarium rund 13.000 Tiere in mehr als 1.000 Arten gehalten.[4] In einer Broschüre des Aquariums[5] wird der Tierbestand vorgestellt, die einzelnen Kapitel behandeln jeweils entweder eine Gattung, eine Familie (z. B. Leguane) oder eine Ordnung (z. B. Schmetterlinge):

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Hauptgebäude

Meerestiere: Schirmquallen, Hydroquallen, Seeanemonen, Steinkorallen, Korallenanemonen, Lederkorallen, Hornkorallen, Röhrenwürmer, Krebse, Pfeilschwanzkrebse, Schnecken, Muscheln, Tintenfische, Stachelhäuter, Seeigel, Haie und Rochen, Katzenhaie, Muränen, Anglerfische, Tannenzapfenfische, Soldatenfische und Eichhörnchenfische, Petersfische, Röhrenmäuler, Rotfeuerfische, Zackenbarsche, Fahnenbarsche, Süßlippen, Argusfische, Fledermausfische, Falterfische, Kaiserfische, Kardinalbarsche, Anemonenfische, Stachelmakrelen, Schiffshalter, Lippfische, Grundeln, Seewölfe, Doktorfische, Kaninchenfische, Drückerfische, Kofferfische, Kugelfische und Igelfische.

Süßwasserfische: Karpfenfische, Knochenzüngler, Salmler, Zitteraal, Buntbarsche, Welse, Regenbogenfische, Vieraugenfische, Schützenfische, Labyrinthfische, Lungenfische.

Reptilien: Krokodile, Landschildkröten, Wasserschildkröten, Leguane, Basilisken, Anolis, Brückenechsen, Agamen, Krustenechsen, Geckos, Gürtelschweife, Skinke, Warane, Riesenschlangen, Ottern, Nattern, Grubenottern.

Amphibien: Salamander und Molche, Krallenfrösche und Wabenkröten, Zipfelkrötenfrosch, Kröten, Baumsteigerfrösche, Laubfrösche, Frösche.

Gliedertiere: Tausendfüßer, Raubwanzen, Heuschrecken, Stabheuschrecken, Käfer, Blattschneiderameisen, Schmetterlinge, Skorpione, Vogelspinnen, Netzspinnen.

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Die natürlichen Lebensräume vieler Amphibien, Süsswasserfische und Meerestiere sind gefährdet. Unter dem Aspekt des Natur- und Artenschutzes wird daher versucht, die im Aquarium Berlin gehaltenen Tiere hier möglichst auch zu züchten. Ein Schwerpunkt ist die schwierige Zucht von Quallen, Korallen und Korallenfischen. Die Haltung von Korallen erfordert einen extrem großen technischen Aufwand allein für die Zusammensetzung und ständige Bewegung des Wassers sowie für Lichtintensität und -farbe. Bei den winzigen Jungquallen und bei der Aufzucht der ebenfalls sehr kleinen Korallenfische ist das geeignete Futter ein zentrales Problem.

Verschiedene Quallenarten sind in Aquarien im Erdgeschoss zu sehen; besonderer Anziehungspunkt ist ein großes, freistehendes zylindrisches Becken mit Gepunkteten Wurzelmundquallen. Die wertvollsten Tiere im Zoo-Aquarium Berlin waren die Komodowarane, mit bis zu drei Meter Länge und 250 Kilogramm Gewicht sind sie die größten Echsen der Welt. Sie leben streng geschützt ausschließlich auf Komodo und drei weiteren indonesischen Inseln und dürfen das Land nur als Staatsgeschenk verlassen. Eine Besonderheit im Rahmen des Aquariums ist die Gruppe der seltenen neuseeländischen Brückenechsen, die oft als lebende Fossilien bezeichnet werden. Sie lebten schon vor 225 Millionen Jahren, damals auf der Erde weit verbreitet. Heute sind sie nur noch auf einigen zu Neuseeland gehörenden Inseln zu finden. Mit Rücksicht auf ihre Heimat in gemäßigtem Klima besitzt ihr Terrarium eine Kühlanlage – bei der Haltung von Reptilien eine ganz unübliche Einrichtung.

Einrichtungen im Hintergrund

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Eingang vom Zoo aus

Die meisten im Aquarium lebenden Tiere reagieren auf Umweltveränderungen wesentlich empfindlicher als Säugetiere und Vögel. Ihre natürlichen Lebensbedingungen müssen daher besonders sorgfältig nachgeahmt werden. In einem großen Aquarium wie dem Zoo-Aquarium Berlin sind die technischen Einrichtungen umfangreicher als in jedem anderen Tierhaus. Hier lassen sich heute nach den tierpflegerischen Erfahrungen der letzten Jahrzehnte und bei Einsatz aktueller technischer Mittel auch hochempfindliche Tierarten über lange Zeiträume halten und sogar züchten. Durch neuentwickelte Systeme in der Filter-, Strömungs- und Beleuchtungstechnik kann man nun auch Meerestiere wie Haie, Quallen und Korallen zeigen. Demzufolge liegt der Schwerpunkt der Tierhaltung im Aquarium Berlin inzwischen stärker als zuvor bei der Seewasseraquaristik.

Die Wasserqualität ist von überragender Bedeutung. Ständig muss die erhebliche Belastung durch Kot, Futterreste und abgestorbene Organismen ausgeglichen werden. Im Aquarium Berlin wird das Wasser in jedem Becken separat aufbereitet, auch um der Verbreitung von Krankheiten vorzubeugen. Der Inhalt eines jeden Beckens, gleich welcher Größe, wird in etwa einer Stunde gefiltert. Vier Wassersorten stehen zur Verfügung: Kalt- und Warmwasser, Salzwasser und völlig salzfreies Wasser, letzteres zum Gießen der Pflanzen, für „Tropennebel“ und zur Korrektur der Wasserhärte in den Aquarien. Ein computergesteuertes Alarmsystem überwacht rund um die Uhr alle wichtigen technischen Installationen. Bei vorübergehenden Unregelmäßigkeiten kann ein Dieselaggregat die Stromversorgung übernehmen.

Für neu eintreffende oder kranke Tiere sowie für Nachzuchten ist eine ausreichend große Zahl von Quarantäne- und Reservebecken vorhanden. Große Teile des Futterbedarfs werden im Hause selbst gezüchtet oder kultiviert. Eine Futtertierstation im Keller sorgt für bedarfsgerechte Versorgung mit Ratten (jährlich ca. 13.000), Mäusen (ca. 20.000) oder Meeresplankton. Im Insektarium züchtet man als Futtertiere Fruchtfliegen und Stubenfliegen sowie Wanderheuschrecken (ca. 12.000), Grillen und Heimchen (zusammen ca. 520.000);[6] in Hydrokulturen wächst Saatweizen, der als Futtermittel dient. Aus eigenen Gewächshäusern auf dem Dach des Hauses stammen Pflanzen für Aquarien und Terrarien, die mit Sicherheit frei von schädlichen Insektiziden sind.

Bepflanzung

Im Aquarium werden insgesamt rund 250 verschiedene Pflanzenarten gehalten. Zur Pflege besonders empfindlicher Pflanzen beschäftigt das Zoo-Aquarium einen Zierpflanzengärtner, der auch herangezogen wird, wenn etwa ein spezielles Terrarium biotopgerecht neu bepflanzt werden muss.

Die Vegetation in den Schauräumen sollte möglichst den heimatlichen Lebensräumen der gezeigten Tiere entsprechen. Beispielsweise stehen in der Krokodilhalle Pflanzen des tropischen Regenwaldes wie Bananenstauden, Drachenbäume und Papayas; im Großterrarium der Nashornleguane finden sich Kakteen und Agaven aus der Vegetation der Trockengebiete Mittelamerikas; für die kleinen, giftigen Baumsteigerfrösche des mittel- und südamerikanischen Regenwaldes sind neben hoher Luftfeuchtigkeit Ananasgewächse (Bromelien) in großer Anzahl lebenswichtig: in den Trichtern ihrer Blätter sammelt sich das Restwasser, in dem die Kaulquappen schlüpfen.

Bei der authentischen Bepflanzung sind jedoch Kompromisse unvermeidlich. Viele Fische fressen gerne weiche und feinstrukturierte Gewächse, Echsen zerstören mit ihren Krallen große, fleischige Blätter, dünne Zweige brechen unter dem Gewicht von Reptilien – in der freien Natur normale Vorgänge, in Aquarien und Terrarien nur begrenzt praktikabel. Andererseits erholen sich beschädigte Pflanzen im hauseigenen Gewächshaus oft so weit, dass sie in den Schauräumen wiederholt verwendet werden können. In der Krokodilhalle gibt es keine derartigen Probleme. Schäden an der Vegetation entstehen hier allenfalls durch Blattläuse und ähnliche Schadinsekten; da man sie nicht durch Chemikalien bekämpfen kann, werden mit Erfolg natürliche Feinde wie Brillenvögel und Geckos ausgesetzt.

Angebote für Kinder und Jugendliche

Im Rahmen der Zooschule bietet das Aquarium kostenfreie Führungen für Berliner Schulklassen an. Sie sind wahlweise als Unterrichtseinheiten konzipiert, für den Projektbereich oder für Schulausflüge geeignet. Die Themen sind jahrgangsbezogen und auf die Rahmenlehrpläne ausgerichtet. Es ist allerdings auch möglich, methodisch und inhaltlich auf andere Jahrgangsstufen und auf Gruppen mit beeinträchtigten Kindern einzugehen. Die meisten Führungen können zudem englischsprachig durchgeführt werden. Eine Besonderheit ist die Junior-Zoo-Universität Berlin für jeweils 50 Schülerinnen und Schüler der 5. und 6. Klassen. In Vorträgen und Seminaren setzt sich hier jeder Teilnehmer mit Fragestellungen der Zoologie auf den fünf Kontinenten und in den Polargebieten auseinander.