Pfaueninsel

 

Die Pfaueninsel liegt in der Havel im Südwesten Berlins. Sie ist ein zur Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg gehörender 67 Hektar großer Landschaftspark und steht seit 1990 gemeinsam mit den Schlössern und Parks von Sanssouci in Potsdam und mit dem Schloss Glienicke in Berlin als Weltkulturerbe auf der Liste der UNESCO. Die Pfaueninsel ist eng verbunden mit wichtigen Ereignissen und Personen der brandenburgisch-preußischen Geschichte.

Die Insel liegt im wald- und wasserreichen Ortsteil Wannsee des Bezirks Steglitz-Zehlendorf im Südwesten Berlins. Die Entfernung zur Stadtmitte Berlins beträgt etwa 22 Kilometer (Luftlinie), die Entfernung zur Stadtmitte Potsdams rund 5 Kilometer. Seit 1924 ist die Pfaueninsel mit einer Fläche von 88 Hektar, davon 67 Hektar Landfläche, als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Das Naturschutzgebiet ist als Fauna-Flora-Habitat gemeldet und Teil des EU-Vogelschutzgebiet Westlicher Düppeler Forst.[1] Eingebettet in eine komplexe, historisch vielschichtige Kulturlandschaft müssen die zum Teil unterschiedlichen Belange von Naturschutz und Denkmalpflege sorgfältig aufeinander abgestimmt werden.

Die Pfaueninsel ist aus der westlichen Innenstadt mit der Buslinie 218 ab U-Bahnhof Theodor-Heuss-Platz durch den Grunewald und weiter über S-Bahnhof Wannsee erreichbar. Anschließend erfolgt die kurze Fährüberfahrt zur Pfaueninsel.[2] Wie früher eine Landschaft im Samland wird die Pfaueninsel als „Preußisches Paradies“ bezeichnet

Pfaueninsel-Fähre

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Pfaueninsel-Fähre Anlegestelle

Im Jahr 1811 gab es eine erste Lastfährverbindung vom Festland zur Pfaueninsel. Erst 1821 wurde eine öffentliche Fähre eingerichtet, da die Insel dienstags bis donnerstags Besuchern zugänglich gemacht wurde. Es verkehrte zudem ein Ausflugsdampfer von Potsdam zur Pfaueninsel. Das 1905 zum Zwecke der Fährverbindung in Dienst gestellte Holzboot sank 1945 schwer beschädigt. 1948 wurde es gehoben und 1950 konnte der Fährbetrieb wiedereröffnet werden. Im gleichen Jahr wurde auch ein Antrag für die Einrichtung eines Fährverkehrs zwischen dem Kladower Ausflugslokal Brüningslinden und der Pfaueninsel gestellt, der jedoch wegen geringer Rentabilität und dem Verlauf zu dicht an den Grenzanlagen abgelehnt wurde. 1956 richtete man zwischen dem Nikolskoer Weg und der Pfaueninsel eine Seilfähre für maximal zwei Kraftfahrzeuge und 60 Personen ein, die 1968 durch eine neue Wagenfähre mit Motorantrieb ersetzt wurde.

Zwischen dem Festland und der Insel verkehren die kleine Personenfähre Louise (Baujahr 1968), die 25 Personen aufnimmt, und eine zwanzig Tonnen schwere Wagenfähre (22 Meter), die ein Auto und 150 Personen transportieren kann. Die Fähre wird von der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten betrieben und ist tagsüber im Einsatz. Seit 2011 verkehrt eine neue Fähre (Baujahr 2011), die – wie schon die alte – Personen und Fahrzeuge transportieren kann.

Naturschutzgebiet Pfaueninsel

Alte Eiche mit Eichelskulpturen Die Pfaueninsel bestand ursprünglich aus zwei Teilen: einer größeren Südinsel und einer kleineren Nordinsel. Die östlich der heutigen Bucht Parschenkessel gelegene Hechtlaichwiese ist der vermoorte Teil der ehemaligen Wasserrinne. Obwohl die Insel bereits in der Bronzezeit besiedelt war, blieb die Natur lange Zeit sich selbst überlassen. Landwirtschaftlich genutzt wurde die Insel zunächst um 1683 zur Kaninchenzucht und später als verpachteter Hutewald. Die 1795 im Zuge der Schlossbebauung im Nordteil der Insel errichtete Meierei nutzt bis heute die sie umgebenden Flächen zur Viehhaltung. Von der ehemals auf der Insel befindlichen Menagerie exotischer Tiere sind heute nur noch die mit dem Eiland namentlich verbundenen Pfauen angesiedelt. In unmittelbarer Nähe vom Schloss Pfaueninsel finden sich in gärtnerischer Pflege der Runde Garten und der Rosengarten. Sie sind wie die übrigen Flächen der Insel Teil des von Lenné entworfenen Landschaftsparks. Das Konzept Lennés sah für weite Teile der Insel den Erhalt des alten Baumbestandes vor, sodass neben einem durchdachten Wegenetz vor allem bis heute erhaltene Sichtachsen den wesentlichen Eingriff des Gartenarchitekten in die Natur der Insel darstellten.

Nachdem es zu Beginn des 20. Jahrhunderts Pläne gab, die Pfaueninsel ähnlich der Havelinsel Schwanenwerder mit Villen zu bebauen, gelang es dem Entomologen Wolfgang Stichel zusammen mit der staatlichen Stelle für Naturdenkmalpflege, die Insel am 28. Februar 1924 als eines der ersten Naturschutzgebiete Berlins auszuweisen. Begründet wurde diese Maßnahme mit dem Vorkommen seltener Pflanzen und schützenswerter Vogelbrutstätten. Die aktuell gültige Verordnung stammt vom 28. Juni 1941. Heute ist die Insel als Natura-2000-Gebiet nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie Teil des Besonderen Schutzgebietes Westlicher Düppeler Forst. Das Naturschutzgebiet umfasst 88,3 Hektar Fläche, wobei 68 Hektar auf die Landfläche der Insel und der Rest auf die umgebende Ufer- und inselnahe Wasserfläche entfallen.

Ein Großteil der Insel ist Wald. Zu den bemerkenswerten Bäumen gehören die teils mehrere hundert Jahre alte Eichen, die zum Teil auch freistehen. Vor allem die partiell oder vollständig abgestorbenen Bäume bieten ideale Lebensräume für Vögel und Insekten, für Moose, Flechten und Pilze. So finden sich hier beispielsweise die seltenen Käferarten Eremit und Großer Eichenbock. Neben Eichen und anderen einheimischen Baumarten gibt es auf der Insel zahlreiche exotische Bäume, die auf Pflanzungen des 19. Jahrhunderts zurückgehen. Zu diesen Bäumen gehören Ginkgo, Kolorado-Tanne, Sumpf-Eiche, Tulpenbaum und Weiße Maulbeere. Eine weit über 100 Jahre alte Libanon-Zeder, ursprünglich ein Geschenk des Sultans des Osmanischen Reiches, Abdülhamid II., an Kaiser Wilhelm II., fiel im Januar 2007 dem Orkan Kyrill zum Opfer und wurde später durch eine Neupflanzung ersetzt.

Neben Waldflächen gehören Wiesen zum Landschaftsbild der Insel. Als Teil der Landschaftsplanung Lennés entstanden, findet sich hier häufig Sandtrockenrasen mit typischen Pflanzen wie Früh-Segge, Gemeine Grasnelke, Heide-Nelke und Raublättriger Schaf-Schwingel. Seltener sind auf der Insel Pflanzen wie Ähriger Ehrenpreis, Blaugrünes Schillergras, Frühlings-Segge und Karthäuser-Nelke, die basenreiche Böden bevorzugen. Daneben gibt es im Bereich der Heidewiese charakteristische Heidepflanzen wie das Besenginster, Heidekraut und Wacholder. Die als Hechtlaichwiese bezeichnete vermoorte Landenge im Norden der Insel ist heute eine Feuchtwiese. Zum Pflanzenbestand dieses Gebietes gehören Goldsegge, Sumpf-Segge, Steif-Segge, Ufer-Segge, Kuckucks-Lichtnelke, Rohrglanzgras, Schilfrohr, Sumpffarn, Sumpfplatterbse und Wasser-Schwaden. Am Rand der Hechtlaichwiese finden sich zudem Augentrost, Großer Klappertopf, Kanten-Lauch, Langblättriger Blauweiderich und Mariengras.

In den flachen Bereichen der zum Naturschutzgebiet gehörenden Uferzonen gehören Röhrichte zum Landschaftsbild. Zu den dort vorkommenden Arten zählen Braunes Zypergras, Röhricht-Brennnessel und Sumpf-Teichfaden. Die Röhrichtbestände sind ein bevorzugtes Brutgebiet für verschiedene Vogelarten, wie Teichrohrsänger oder Drosselrohrsänger. Weitere auf der Pfaueninsel anzutreffende Vogelarten sind Schwarzmilan, Buntspecht, Schwarzspecht, Grünspecht, Mittelspecht, Kleinspecht, Kormoran, Nachtigall und Pirol, gelegentlich ein im Bereich der Unterhavel ansässiger Seeadler.

Die historischen Gebäude der Insel sind nicht nur Teil des Weltkulturerbes, sondern dienen auch als Lebensraum verschiedenen Tierarten. So nutzen Fledermäuse wie das Große Mausohr oder die Wasserfledermaus die Gebäude als Winterquartier.

Erholungsgebiet Pfaueninsel

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Insel Schloss

Am Erscheinungsbild der Pfaueninsel hat sich seit Jahrzehnten nichts tiefgreifend geändert. Es sind ständig gärtnerische und bauliche Anstrengungen nötig, um die historischen Strukturen zu erhalten und in Einzelfällen wiederherzustellen. Dabei orientiert man sich an der Zeit um 1835, der Blütezeit der Insel. Gegenwärtig sind die traditionell freilaufenden Pfauen wieder auf der Insel. Ihre Zahl wird in unterschiedlichen Quellen mit 35 bis 100 angegeben.

Wie schon seit 1821 ist die Insel auch heute noch ein beliebtes Ausflugsziel. Sie ist über einen schmalen Wasserarm hinweg nur mit der Fähre zu erreichen, die im Normalfall im Abstand von 15 Minuten verkehrt, bei größerem Andrang auch öfter. Autos und Fahrräder dürfen nur von den wenigen ständigen Bewohnern der Insel mitgeführt werden, für die Fahrzeuge der Besucher gibt es an der Anlegestelle auf dem Festland einen Parkplatz.

Zum Schutz der Insel und ihrer Anlagen gilt eine strengere Parkordnung als in anderen Parks der Stiftung.[7] Sie verbietet unter anderem das Mitbringen von Hunden oder anderen Tieren, Fahrrädern, Inlineskates und Skateboards, zu rauchen, die Wege zu verlassen, zu angeln oder zu baden, Ski zu fahren, Feuer zu machen, Handel zu treiben oder Demonstrationen durchzuführen. Bei groben Verstößen droht Inselverweis.

Wege über die Insel

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Jungpfauen Voliere

Kastellanhaus beim Fähranleger Eine Beschreibung der Umrundung der Insel im Uhrzeigersinn kann wie folgt aussehen. Vom südlich gelegenen Fähranleger aus führt der Weg vorbei an der Kastellanswohnung zu einem Garten, der sich zum Schloss Pfaueninsel öffnet. Von dort ergibt sich ein Blick auf Pfauen und die Havel. Danach öffnet sich der Rundweg zum ehemaligen Palmenhaus, dessen Grundriss nur noch durch vier Steinsäulen markiert wird. Innerhalb dieser Markierung werden immer noch verschiedene Blattpflanzen kultiviert. Es folgt die Parschenkesselbucht mit einem breiten Schilfgürtel und wilden Wasservögeln. Es geht zum Holländischen Haus aus dem Jahr 1802, das sich im nördlichen Teil der Insel befindet und als Stall für Rinder dient. Auf dem Rückweg des Rundwegs wird die Meierei in Form einer künstlichen Ruine einer mittelalterlichen Abtei passiert. Von hier ist eine direkte Sichtachse zum Luisentempel in Form eines griechischen Tempels frei gehalten. Zwischen Meierei und Luisentempel grasen die schwarzen zotteligen Rinder in einem Feuchtgebiet. Weiter passiert der Weg einen Hain mit großen in Stein nachgebildeten Eicheln und das Terrain des Alchimisten Johannes Kunckel, der das rubinrote Glas erfand. Nach Passieren von zwei Brücken wird der direkt am Ufer gelegene „Beelitzer Jagdschirm“ erreicht, ein mit Borke verkleideter Unterstand in den Dimensionen einer großen Jagdhütte. Aus seinem Schutz heraus erlegten die königlichen Jagdrunden die Wasservögel. Im Sinne der „Naturverbundenheit“ war dies bereits eine klare Abkehr von der Treibjagd. Der ebenfalls am Ufer gelegene Fregattenhafen ist ein Gebäude zum Schutz der in kleinem Maßstab nachgebauten Fregatte mit dem Namen Royal Louise. Etwas ansteigend tangiert der Weg die Volieren, Gärtnerei und Rosengarten und führt zurück zum Fähranleger. Die Volieren werden hauptsächlich zum Schutz der Jungpfaue genutzt, damit sie nicht Füchsen zum Opfer fallen.