Tempelhofer Feld

 

 

Der nach der Schließung des Flughafens kurzzeitig sogenannte Tempelhofer Park ist ein Erholungsgebiet in den Berliner Ortsteilen Neukölln und Tempelhof. Er liegt auf der traditionell Tempelhofer Feld genannten Ebene auf der Teltowhochfläche, umfasst 355 Hektar des Geländes des ehemaligen Flughafens Tempelhof, ist damit die größte innerstädtische Freifläche der Welt, Berlins größter Stadtpark und Teil des Projekts, das eine Zeit lang auch Tempelhofer Freiheit benannt worden war und die Gebäude sowie das Vorfeld des ehemaligen Flughafens umfasst.

 

 

Ehemalioger Flughafen Berlin-Tempelhof

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Tempelhofer Feld aus der Luft

Die Geschichte des Flughafens Tempelhof begann 1922, als auf Betreiben des Stadtbaurats Leonhard Adler und auf Kosten der Firmen Junkers und Aero Lloyd am Nordrand des Tempelhofer Felds ein Stück Land planiert wurde. Bereits 1923 wurden insgesamt 100 Starts und Landungen mit 150 Passagieren und 1300 kg Fracht durchgeführt. Am 19. Mai 1924 wurde die Berliner Flughafen-Gesellschaft mbH gegründet, die den weiteren Ausbau des Flughafens betrieb. In zwei Bauabschnitten wurde der Flughafen bis 1928 fertiggestellt, erwies sich aber schon damals als zu klein. 1934 wurde durch den Architekten Ernst Sagebiel eine Erweiterung geplant. Von 1936 bis 1941 entstand das neue Flughafengebäude.

Das Flughafengebäude wurde spätestens ab 1940 ausschließlich von der Rüstungsindustrie benutzt, unter anderem zur Herstellung und Wartung der berüchtigten Sturzkampfbomber. Tausende Zwangsarbeiter beiderlei Geschlechts aus ganz Europa wurden deswegen hierher verschleppt. Ihre Lager und Unterkünfte befanden sich auf dem gesamten Feld.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde der Flugbetrieb im August 1945 wieder aufgenommen. Besondere Bedeutung erlangte der Flughafen während der Berlin-Blockade von 1948 bis 1949. Die Versorgungsflugzeuge landeten teilweise im 90-Sekunden-Takt. 1970 wurde der Flughafen nach dem Bau des Flughafens Tegel zunächst für den zivilen Luftverkehr geschlossen, 1985 aber wieder geöffnet. Aufgrund des Baus des Großflughafens Berlin Brandenburg International (BBI) wurde der gesamte Flugbetrieb 2008 endgültig eingestellt. Ein hiergegen initiiertes Volksbegehren scheiterte im Volksentscheid am 27. April 2008 letztlich am Zustimmungsquorum.

Squat Tempelhof

Aus Protest gegen die Nachnutzungspläne versuchten mehrere tausend Aktivisten, die sich in dem Bündnis Squat Tempelhof zusammengeschlossen hatten, am 20. Juni 2009 das Gelände zu besetzen. Dazu aufgerufen hatten neben Mieterbündnissen auch die Grünen. Die Demonstranten kritisierten, dass die Fläche nicht für die Öffentlichkeit freigegeben wurde und befürchteten neben einer zunehmenden Privatisierung und Kommerzialisierung einen vorangetriebenen Gentrifizierungsprozess. Die Besetzung wurde jedoch von der Polizei verhindert, die mit etwa 1500 Beamten im Einsatz war. 102 Demonstranten wurden festgenommen.

Tempelhofer Park

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Tempelhofer Park

Der nach der Schließung des Flughafens kurzzeitig sogenannte Tempelhofer Park ist ein Erholungsgebiet in den Berliner Ortsteilen Neukölln und Tempelhof. Er liegt auf der traditionell Tempelhofer Feld genannten Ebene auf der Teltowhochfläche, umfasst 355 Hektar des Geländes des ehemaligen Flughafens Tempelhof, ist damit die größte innerstädtische Freifläche der Welt,[17] Berlins größter Stadtpark und Teil des Projekts, das eine Zeit lang auch Tempelhofer Freiheit benannt worden war und die Gebäude sowie das Vorfeld des ehemaligen Flughafens umfasst.

Dieser Park ist jeweils von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang zugänglich[18] und kann über zehn Eingänge betreten werden. Sechs davon befinden sich am östlichen Ende der Landebahnen und liegen an der Neuköllner Oderstraße, sowie jeweils einer am Bahnhof Tempelhof, in Höhe des U-Bahnhofs Paradestraße am Tempelhofer Damm sowie am Columbiadamm in Höhe des 1866 angelegten islamischen Friedhofs mit der Şehitlik-Moschee und der Golßener Straße.

Mit dem Betrieb des Parks ist die Grün Berlin GmbH von der Senatsverwaltung beauftragt.

Eröffnung

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Eröffnung des Parks 2010

Der Park wurde am 8. Mai 2010 eröffnet. Am ersten Wochenende wurde er von rund 235.000 Besuchern frequentiert. Wegen einer Demonstration, die sich gegen seine regelmäßige Schließung nach Sonnenuntergang und gegen den Verkauf von Grundstücken auf dem Gelände richtete, wurden zeitweise die Eingänge an der Oderstraße und am Columbiadamm vom Sicherheitsdienst geschlossen.

Pionierprojekte

Die Tempelhof Projekt GmbH rief zur Bespielung des Tempelhofer Feldes durch verschiedene Initiativen auf. In der ersten Phase des Verfahrens bewarben sich 138 Projekte, von denen 19 im September 2010 als „Raumpioniere“ ausgewählt wurden. Den Raumpionieren stehen an drei Standorten (Pionierfeld Oderstraße: Neuköllner Nachbarschaften, Pionierfeld Columbiadamm: Kombinierte Sport- und Kulturnutzung, Pionierfeld Tempelhofer Damm: Wissen schafft Kultur) Flächen von insgesamt acht Hektar zur Verfügung (Stand: September 2010). Im September 2015 bestanden noch 17 Pionierprojekte, u. a. der Allmende-Kontor (Pionierfeld Oderstraße, Gemeinschaftsgarten), nuture Mini Art Golf (Pionierfeld Columbiadamm, 18 Künstler gestalten interaktive Kunstwerke als Minigolfbahnen) und den Stadtteilgarten Schillerkiez (Pionierfeld Oderstraße). Diese Initiativen bieten ein breites Spektrum für die Einbindung der Bevölkerung mit Kunst, Sport- und Naturerlebnissen.

Planungen

Die offiziellen Planungen für den Tempelhofer Park werden zurzeit vom Berliner Senat verantwortet. Daneben gibt es private Initiativen, die ihre Pläne ebenfalls auf dem Flugfeld verwirklichen wollen, aber vom Senat nicht am Planungsprozess beteiligt werden. Dies führt zu Planungskonflikten. Eine unabhängige vermittelnde Institution, die sich mit der Mediation zwischen diesen beiden Interessengruppen beschäftigt (wie beispielsweise bei der Entstehung des Central Parks in New York), gibt es bislang noch nicht.

Bis Sommer 2012 war geplant, die Internationale Gartenausstellung 2017 auf dem Gelände stattfinden zu lassen. Auf einem Teil des Tempelhofer Parks – am Columbiadamm, an der Oderstraße und am Tempelhofer Damm – sollten nach Plänen des Senats neue Wohnquartiere errichtet werden. Im Süden des Geländes war ein Innovationspark geplant. Zur besseren Erreichbarkeit sollte ein neuer S-Bahnhof das Gelände von Süden her erschließen. Auch eine neue Fußgängerbrücke über die Stadtautobahn und die S-Bahn-Trasse war geplant.

Die privaten Initiativen für die Entwicklung des Tempelhofer Parks sind bislang ohne erkennbare Struktur. Die Presse berichtet unregelmäßig über ausgewählte Pläne. Am 26. August 2010 berichteten die Berliner Tageszeitungen beispielsweise von der Konzeptstudie zweier Berliner, das ehemalige Flugfeld zu fluten und einen Bade- und Erholungssee auf dem Parkgelände zu schaffen. Am 15. April 2011 berichtete die Presse darüber, dass ab 2013 der Tempelhofer Park zu einer Grünlandschaft mit See, Parzellen und Kletterfelsen umgebaut werden solle.

Bis August 2014 sind insgesamt 9,8 Millionen Euro für Planungsleistungen zum Tempelhofer Feld ausgegeben worden. Allein in die Planungen für die Parklandschaft flossen 2,6 Millionen Euro, für den Neubau der Landesbibliothek 2,5 Millionen Euro und für den Wohnungsneubau 1,9 Millionen Euro. Die Bürgerbeteiligung kostete 475.000 Euro.