Ausstellungen der Museen von Berlin © www.museumsportal-berlin.de
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/ Orte der Einheit

1989 wird an diesen Orten um Freiheit gekämpft, 1990 die Wiedervereinigung errungen und seitdem die Einheit verwirklicht. Hören Sie online und unterwegs, wie die Teilung Deutschlands Geschichte wird und sich die Republik verändert. Viel Spaß beim Hören und Entdecken!

 

Das digitale Angebot "Orte der Einheit" ist für die mobile Nutzung unterwegs in der Stadt optimiert. Eine interaktive Karte führt die digitalen Besucherinnen und Besucher zu 30 Orten in der Stadt. Dort erfahren sie mehr über jeden einzelnen Ort, hören Zeitzeugenstimmen, können Bildergalerien durchstöbern und den Blick am historischen Ort schweifen lassen. Für Gäste im Tränenpalast und im Museum in der Kulturbrauerei besonders interessant: Es ist möglich, die Orte nach Schwerpunkt zu filtern, Favoriten festzulegen und sich einen Spaziergang zwischen den beiden Häusern der Stiftung in Berlin anzeigen zu lassen.

Auch von zuhause ist das digitale Angebot zugänglich und lädt zum Entdecken der 30 Orte ein. Sie sind drei thematischen Schwerpunkten zugeordnet: Revolution, Einheit und Transformation seit 1990. Dabei machen Audio-Beiträge lebendig, welche Rolle die Schauplätze im Rahmen der Überwindung der Diktatur, für die Demokratiegeschichte in der Hauptstadt und beim Zusammenwachsen in der Transformationszeit gespielt haben. Zeitzeuginnen und Zeitzeugen berichten, welche Erinnerungen sie mit den Orten verknüpfen.


     
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/ TROTZ ALLEM: Migration in die Kolonialmetropole Berlin

»TROTZ ALLEM: Migration in die Kolonialmetropole Berlin« erlaubt einen neuen Blick auf Berlin und regt dazu an, Kolonialismus und Migration als untrennbare Bestandteile unserer Geschichte und Gegenwart zu begreifen. Die Ausstellung blickt auf Projekte, Debatten und Politiken der Migration in die Kolonialmetropole Berlin. Im Mittelpunkt stehen die komplexen Lebensrealitäten und Widerständigkeiten von Kolonialmigrant:innen, die – trotz rassistischer Benachteiligung – in die deutsche Reichshauptstadt kamen und hier blieben.

Bereits im 19. Jahrhundert entwickelte sich das Deutsche Reich als imperialer Staat zur Migrationsgesellschaft. Im Zusammenhang mit dem Kolonialismus kamen nicht nur Rohstoffe und Waren, sondern auch Menschen nach Berlin. Für diese Migrant:innen gab es keine einheitlichen Regelungen zum Aufenthaltsrecht oder zur Staatsangehörigkeit, obwohl sich manche von ihnen als Reichsangehörige begriffen. Ohne deutsche Staatsbürgerschaft waren sie von behördlicher Willkür abhängig und stets von Ausweisung bedroht. Trotzdem blieben viele und bauten sich hier ein Leben auf. Sie wurden Teil der Berliner Gesellschaft.

Die Ausstellung macht deutlich, dass Berlin schon vor und auch nach Deutschlands formaler Kolonialherrschaft von 1884 bis 1919 eine Kolonialmetropole und Migrationsgesellschaft war.


Eröffnung: Donnerstag, 20. Oktober um 18 Uhr

 

Gefördert von der Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa, der Kulturstiftung des Bundes und dem Bezirkskulturfonds Friedrichshain-Kreuzberg.


     
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/ Ambivalente Landschaften: Nicht nur Abbild

„Berge und Wasser“, 山水, bezeichnet in ganz Ostasien die klassische Landschaftsmalerei. Fast immer bilden Berge und Wasser auch die konstituierenden Elemente von Landschaftsdarstellungen. Aber was verbirgt sich hinter diesen vermeintlich trivialen Komponenten? Die Ausstellung gibt Hinweise auf die über das Abbild hinausgehenden Aspekte und die Komplexität der Bedeutungsschichten, die Landschaftsbilder enthalten können. Zeitgenössische Künstler*innen erweitern das Spektrum um neue Inhalte. 

Die Künstlerin Mio Okido (* 1986) beschäftigt sich mit subjektiv verschiedenen Interpretationen identischer Ansichten oder vermeintlich gleicher Phänomene. Mit der künstlerischen Aneignung von Ansichtskarten, die ihr zum Wehrdienst eingezogener Großvater Anfang der 1940er Jahre aus dem japanisch besetzten China nach Hause schickte, thematisiert sie die Diskrepanz zwischen nationalen und individuellen Erzählungen und verweist gleichzeitig auf den historischen Wandel von Deutungen. 

Zhou Taos (* 1976) erzeugt mit seiner Filmkunst Bilder, die das zeitgenössische Spannungsfeld von Mensch und Natur dokumentieren, die aber in ihrer Ästhetik dennoch klassischer Landschaftsmalerei verwandt sind. Der Künstler benutzt die Kamera als Werkzeug, um Unsichtbares und Unsagbares zum Ausdruck zu bringen. Seine Wahrnehmungen und Empfindungen visualisieren sich im Film und bieten Raum für Interpretationen. 

Weitere Bilder aus der Sammlung verweisen auf den Wandel von Bildmotiven, auf kulturelle und historische Transfers sowie auf die gesellschaftlich bedingte Konstruktion von Sichtweisen. Die Kenntnis der beigegebenen Aufschriften und die Entschlüsselung der Anspielungen sind für das Verständnis ostasiatischer Landschaftsbilder unentbehrlich.

Eine Wechselpräsentation des Museums für Asiatische Kunst der Staatlichen Museen zu Berlin im Rahmen der Dauerausstellung „Ethnologische Sammlungen und Asiatische Kunst“ im Humboldt Forum.


     
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Früher Kontakt mit den Surrealisten / Das Museum Berggruen zu Gast in der Sammlung Scharf-Gerstenberg

Während das Museum Berggruen saniert wird und ein großer Teil des Bestandes auf Reisen geht, hat die Sammlung Scharf-Gerstenberg im ersten Obergeschoss einen Raum für eine kleine, aber repräsentative Auswahl von Bergguen-Werken zur Verfügung gestellt. Neben Alberto Giacomettis „Katze“ (1951), die bereits im Eingangsbereich des Stülerbaus ihren Platz gefunden hat, hängen rund um Giacomettis „Große stehende Frau III“ (1960) Werke von Pablo Picasso, Paul Klee, Henri Matisse und Paul Cézanne. 

Drei von ihnen – Giacometti, Picasso und Klee – waren schon früh in Kontakt mit den Surrealisten, die im Zentrum der Sammlung Scharf-Gerstenberg stehen. Gegenüberstellungen von Werken wie Klees „Drüber und drunter“ (1932) und Picassos „Bildnis Nusch“ (1937) erinnern in diesem Kontext auch an die Collagetechniken eines Max Ernst oder Kurt Schwitters.  

Eine weitere kleine Gruppe von Werken – Cézannes „Junges Mädchen mit offenem Haar“  (1873/74), Picassos „Frauenkopf“ (1908), Klees „Rotes Mädchen mit gelbem Topfhut“ (1919) und das Porträt „Lorette“ (1917) von Matisse – ist dem Thema des Frauenporträts gewidmet.

 

Früher Kontakt mit den Surrealisten

     
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/ Ceremony

Wir leben – und überleben – in den Ruinen des modernen/kolonialen Weltsystems: in dessen Institutionen, Strukturen der Ungleichheit, Grenzregimen und Subjektformen. Diese untote Welt, und ihre Weigerung zu sterben, entladen sich mit zunehmender Gewalt. Es braucht ein Begräbnis, um andere Zukünfte möglich zu machen.

Die Ausstellung Ceremony (Burial of an Undead World) spricht über Gemeinsamkeiten und Kontinuitäten in Kosmologien und Ursprungsmythen über Zeiten und Räume hinweg. Vor diesem Hintergrund erst wird es möglich, die vorherrschende (Selbst-)Erzählung von der Moderne als geschichtlicher Zäsur neu zu denken. Ceremony nimmt dabei Bezug auf die Arbeit der jamaikanischen Theoretikerin Sylvia Wynter, für die die „Kehrseitenkosten“ der Moderne eng mit den „Mutationen“ von der christlichen Kosmologie hin zu einem säkularen Diskurs der Moderne verbunden sind – von Enteignung und Sklaverei bis hin zu Extraktivismus und Klimawandel.

Ceremony bringt Werke verschiedener Genres und Epochen sowie historische Dokumente mit vielen Gesprächspartner*innen zusammen. Es beinhaltet ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm und eine Publikation.

Kurator*innen: Anselm Franke, Elisa Giuliano, Denise Ryner, Claire Tancons, Zairong Xiang


     
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/ Lucia Moholy

Lucia Moholys Bilder gehen bis heute um die Welt – mit ihren Aufnahmen der Bauhausgebäude prägte die Fotografin und Publizistin (1894–1989) das Image der Kunstschule nachhaltig. Als Frau von László Moholy-Nagy lebte sie zusammen mit ihm am Bauhaus und leistete in seinem Schatten wichtige Arbeit für zahlreiche Bauhaus-Künstler und die Institution an sich. Sie trug im Wesentlichen dazu bei, dass die künstlerischen Ideen und Inhalte der Hochschule an die Öffentlichkeit getragen wurden.

Die Ausstellung widmet sich dem Gesamtwerk der Künstlerin: Neben Sachfotografien der Werkstattarbeiten und Porträtserien von Bauhaus-Lehrern und Freunden gehören vor allem die Aufnahmen der Dessauer Bauhausbauten zu den Schwerpunkten ihres Schaffens. Ihr Ansatz war dabei revolutionär – Fotografie und Malerei waren für sie gleichwertig und ihre Architekturaufnahmen werden zu konstruktivistischen Bildern. Obwohl sie nicht am Bauhaus beschäftigt war, hat sie mit ihren Fotos maßgeblich dazu beigetragen, dass das Bauhaus bekannt und berühmt wurde. Erst die hohe Qualität ihrer Aufnahmen, die sich Moholys versiertem Umgang mit den technischen Aspekten der Fotografie verdankt, macht die bis dahin beispiellose Vermarktung der Bauhaus-Idee als soziale und vor allem ästhetische Bewegung möglich.

Lucia Moholy steht nach wie vor im Schatten von László Moholy-Nagy und soll in der Schau als eigenständige Künstlerin in Erscheinung treten. Besonderes Augenmerk wird auf Lucia Moholys Zeit in Berlin gerichtet.

Kuratoren: Thomas Derda, Dr. Tobias Hoffmann, Fabian Reifferscheidt M.A.
Ausstellungsgestaltung: Katleen Arthen

Gefördert durch die LOTTO-Stiftung Berlin als Bestandteil des Berliner Programms zur Triennale der Moderne, 2022, www.triennale-der-moderne.de


     
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/ Gestickte Gärten

Die Sonderpräsentation im Buchkunstkabinett des Pergamonmuseums gewährt Einblicke in einen Teilbereich der reichen Textiltradition des Osmanischen Reichs: Neben Teppichen und Geweben spielten die weniger bekannten Stickereien vor allem in häuslichen Kontexten der Städte eine große Rolle. Sie waren Teil der Aussteuer einer jeden jungen Frau und wurden gleich einem Schatz verwahrt.

Die Ausstellung zeigt mit reichen Stickereien veredelte Handtücher, Servietten und Gürteltücher aus der Zeit vom 16. bis 19. Jahrhundert aus der Sammlung Borgs. Die kostbaren Arbeiten entstanden in der Regel in häuslicher Arbeit, einige besonders aufwendige Stickereien sind Werkstattarbeiten professioneller Stickerinnen.

Stickereien mit hohem Prestigewert

Gestickt wurde an einem rechteckigen Stickrahmen auf vier Beinen, vor den sich die Stickerin auf den Boden setzen konnte. Besonders fein gewebte Stoffe aus Seide, Leinen und Baumwolle kamen hier zum Einsatz. Die mit Naturfarben gefärbten Stickfäden waren meist aus Seide, hinzu kam die Verwendung von Silber- oder Goldlahn. In der Regel wurde eine Bordüre an den Kurzseiten der Tücher bestickt. Die Stickereien sind dabei so hochwertig gearbeitet, dass sie von beiden Seiten identisch aussehen und es keine Vorder- oder Rückseite gibt. Es ist anzunehmen, dass diese feinen Handtücher und Servietten niemals benutzt worden sind. Sicher scheint hingegen, dass sie vor allem als Aussteuerschatz einer Braut von Bedeutung waren und als solcher zur Schau gestellt wurden.

Tradition und Variation

Motive, Muster und Techniken dieser Stickereien wurden über Jahrhunderte weitergegeben, wobei sich neben traditioneller Ornamentik auch Trends und Moden feststellen lassen. So finden etwa ab dem 18. Jahrhundert vermehrt europäische und chinesische Vorlagen und Sticktechniken Anwendung. Bei der Betrachtung der Motive fällt die große Vorliebe für Blumen und Pflanzendarstellungen auf. Ein ausgeprägtes Interesse hierfür ist in der osmanischen Kunst bereits ab dem 16. Jahrhundert verbreitet und findet sich auf nahezu allen Materialien und in unterschiedlichen Techniken, seien es Fliesen aus Iznik, Samtstoffe aus Bursa oder die Miniaturmalerei der osmanischen Buchkunst. In den Stickereien sind die Muster derweil freier interpretiert und entfernen sich mitunter weit vom klassischen osmanischen Hofstil. Gleichzeitig lassen sich regionale Techniken und Motive bestimmen.

Eine Sonderpräsentation des Museums für Islamische Kunst – Staatliche Museen zu Berlin


     
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/ Boem!

Zum Kunstherbst des Stadtmuseums Berlin befasst sich eine Ausstellung im wiedereröffneten Museum Ephraim-Palais mit dem bedeutenden flämischen Expressionisten, Dadaisten und Surrealisten, der die Revolutionsjahre nach dem Ersten Weltkrieg im Berliner Exil verbrachte.

Der flämische Dichter Paul van Ostaijen (1896–1928) lebte von Oktober 1918 bis Mai 1921 in Berlin. Hier war er Zeuge der revolutionären Ereignisse und traf mit zahlreichen expressionistischen Künstler:innen zusammen. Sein in Berlin verfasster Gedichtband „Bezette Stad“ (deutsch: „Besetzte Stadt“) sprengte die bis dahin bekannten Formen der Poesie und Typografie. Damit führte van Ostaijen die moderne Literatur zu einem Höhepunkt und legte zugleich einen wichtigen Grundstein für die moderne niederländische Literatur. Heute gilt er als einer der wichtigsten Dichter der niederländischen Kulturlandschaft.

Kunst als Motor der Revolution

van Ostaijen war überzeugt, dass die Kunst die Revolution voranbringen kann und muss. Themen seiner Arbeiten sind der Erste Weltkrieg, der Untergang der bürgerlichen Ordnung, seine Vision von unabhängigen Nationen in einem sozialistischen Europa, aber auch Einsamkeit und Angst. Im Frühjahr 1921 kehrte er nach Belgien zurück, enttäuscht von der gescheiterten Revolution und den Künstler:innen, die in seinen Augen nicht radikal genug waren – bedingt aber auch durch das Ende seiner Beziehung zu Emma Clement, einer selbständigen Frau, die für den gemeinsamen Lebensunterhalt gesorgt hatte.

In Belgien und den Niederlanden wird van Ostaijen seit den 1950er Jahren als Rebell und herausragender Künstler vor allem für seine neuartige rhythmische Poesie geschätzt. In Deutschland ist er hingegen kaum bekannt. Wer war dieser Künstler? Was hat er einem heutigen Berliner Publikum zu sagen? Die Ausstellung, deren flämischer Titel „Boem!“ (deutsch: „Bumm!“) einem seiner Gedichte entlehnt ist, nähert sich seiner Person und seinem in Berlin geschaffenen Werk. Highlights sind unter anderem handschriftliche Original-Manuskriptseiten, „Das Liebespaar“ von Fritz Stuckenberg (Bildnis Paul van Ostaijens und Emma Clements) sowie eine aktuelle künstlerische Position von Hanaa el Degham.


     
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/ Baubilder und Erinnerungsmuster

Im Zwischenreich von Architektur und Kunst macht Mies van der Rohe drei Vorschläge zur modernen Erinnerungskultur. Mit dem Bismarckdenkmal (1910), dem Revolutionsdenkmal  (1926) und dem Entwurf für ein Ehrenmal in der Neuen Wache(1930) präzisiert der Architekt räumliche Erinnerungswelten zwischen persönlicher und kollektiver Bildfindung. Mies war ein Formenfinder, aber mehr noch als die reine Form erforschte er das Verhältnis zwischen Raum und Geist. Seine Denkmalprojekte sind wegweisende Entwürfe, ob zerstört, nie gebaut oder nur als Bilder erhalten.


     
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Auftragsarbeiten und langjährige Kollaborationen / Helmut Newton. Brands

Die Sonderausstellung „Helmut Newton. Brands“ der Helmut Newton Stiftung im Museum für Fotografie zeigt über 200 Fotografien, darunter viele unbekannte Motive aus Newtons Kooperationen mit international renommierten Marken wie Swarovski, Saint Laurent, Wolford, Blumarine oder Lavazza. Newton unterschied kompositorisch und stilistisch nicht zwischen dem Zeitschrifteneditorial und den unmittelbaren Aufträgen solcher Kunden, häufig vermittelt über Werbeagenturen. Selbstironisch nannte er sich „A Gun for Hire“ – und so hieß auch die posthume Ausstellung seiner kommerziellen Fotografie, die 2005 zunächst im Grimaldi-Forum in Monaco und anschließend im Museum für Fotografie zu sehen war.

Die Ausstellung knüpft an „A Gun for Hire“ an und präsentiert Newtons Aufnahmen, die vor allem in den 1980er- und 90er-Jahren für zahlungskräftige Werbeagenturen und Industriekunden entstanden sind, meist in und um Monaco. In den vorderen drei Ausstellungsräumen begegnen uns Modebilder im Luxussegment, beispielsweise Newtons Versionen der damals aktuellen Mode von Yves Saint Laurent, Haute Couture oder Prêt-à-porter-Entwürfe. Seine fotografischen Inszenierungen sind von Saison zu Saison so unterschiedlich und individuell wie die Damenbekleidung selbst und entführen zuweilen in ferne und phantastische Sphären.

Daneben werden Newtons Auftragsarbeiten für Wolford ausgestellt, die 1993 und 1994 als Kalender für exklusive Kunden publiziert wurden. Genutzt wurden diese Fotografien auch für Strumpfhosenverpackungen wie für riesige Formate auf Billboards, Linienbussen und Hausfassaden. Die Frauen in den Strumpfhosen und enganliegenden Bodys werden so mitunter zu Giganten im öffentlichen Raum. Weiterhin finden sich in den ersten drei Räumen der Ausstellung Werbebilder unterschiedlicher Designer für die amerikanische Luxuskaufhauskette Neiman Marcus sowie Beispiele aus Newtons langjähriger, enger Zusammenarbeit mit Anna Molinari und deren Label Blumarine, unter anderem mit den Modellen Monica Bellucci, Carla Bruni oder Carré Otis, realisiert in Nizza und Monaco 1993 und 1994. 

Ergänzt wird die Präsentation durch Fotografien weiterer Kollaborationen, u.a. mit dem Modeschmuckhersteller Swarovski, Volkswagen und Chanel. Mitte der 1970er-Jahre realisierte Newton sogar zwei Werbefilme für das berühmte Parfüm Chanel No 5 mit Catherine Deneuve. Polaroids, analoge Kontaktbögen ausgewählter Werbe-Shootings, Look Books der Modekunden sowie einige Anzeigen in Magazinen sind in Vitrinen ausgebreitet und verweisen auf die unterschiedliche Verwendung von Newtons Werbefotografie. 

Die Zusammenarbeit mit Modefirmen jenseits des Editorials begann in Newtons Werk bereits recht früh. Von 1962 bis 1970 arbeitete er beispielsweise für Nino-Moden aus Nordhorn, das damals größte deutsche Textil-Unternehmen, oder 1968 für den Londoner Biba-Katalog. Im gleichen Jahr übernahm er einen Auftrag des französischen Automobilherstellers Citroën. So inszenierte Newton jahrzehntelang Alltags- und Luxusprodukte und wurde mittels seiner visuellen Umsetzungen und deren Veröffentlichungen zum Verbindungsglied zwischen den Produzenten und Konsumenten. Seine Bildgeschichten waren universell verständlich, konnten also problemlos in unterschiedlichen, nationalen Magazinen des gleichen Verlags veröffentlicht werden, gleichgültig ob als Editorial oder als Werbung. 

Die Werkgruppen von Helmut Newton sind erstmals Bestandteil einer Überblicksausstellung zu seiner Werbefotografie. In diesem meist unterschätzten und gleichzeitig so wirkungsmächtigen Bereich angewandter Fotografie geht es um die zweckmäßige Visualisierung von konkreten Produkten, im Fall von Newton um Damenstrumpfhosen, Abendkleider, Kaffeepulver, Fernsehgeräte, Sägeblätter, Tafelsilber, Rotwein, Autos, Armbanduhren, Modeschmuck und Zigarren. Mal wurden die Gegenstände von Newton exponiert, ja sprichwörtlich auf einen Sockel gehoben, mal marginalisiert. Letztendlich stellt die angewandte, kommerzielle Fotografie, die für Werbezwecke verwendet wurde, einen der wichtigsten Aspekte in Newtons Werk dar. 

Eine Sonderausstellung der Berliner Helmut Newton Stiftung im Museum für Fotografie, Staatliche Museen zu Berlin.

Auftragsarbeiten und langjährige Kollaborationen

     
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/ How to Brücke-Museum

Was ist ein Museum? Welche Aufgaben hat es und wie wird dort gearbeitet?

Die Ausstellung feiert den 55. Geburtstag des Brücke-Museums, das am 16. September 1967 eröffnete, und wirft einen Blick hinter die Kulissen des Museumsbetriebs. Viele Hauptwerke aus der Sammlung von Ernst Ludwig Kirchner, Karl Schmidt-Rottluff und Erich Heckel sind zu sehen. Zugleich werden die verschiedenen Aufgaben und Bereiche der Museumsarbeit und die Personen, die diese umsetzen, vorgestellt.

 

In thematischen Kapiteln vermittelt die Ausstellung einen Eindruck davon, welche Stationen ein Sammlungswerk ab dem Erwerb durchläuft oder was genau eine Provenienzforscherin macht. Die Restaurierungsarbeit wird anhand von Gemälden von Ernst Ludwig Kirchner und Erich Heckel visualisiert und die kuratorische Entscheidung, warum eigentlich was gezeigt wird, rückt in den Fokus. Alle Mitarbeiter*innen des Museums nehmen Teil an dem Prozess. 

 

Wir werfen nicht nur einen Blick zurück auf die Geschichte des Museums, sondern auch auf seine Zukunft: Wie kann das Museum – eigentlich ein analoger Ort – durch die Digitalisierung ergänzt werden? Wie funktioniert ein zeitgemäßer Umgang mit dem kolonialen Erbe einer Sammlung und damit verbundenen Fragestellungen? Und wie sehen eigentlich zeitgenössische Künstler*innen das Museum? Diese und weitere Fragen werden in der Sammlungspräsentation aufgegriffen. Dabei darf die Kunst nicht zu kurz kommen, es werden wichtige Highlights aus dem Bestand des Brücke-Museums ausgestellt. In begleitenden Tischgesprächen laden Mitarbeiter*innen des Museums ein, über Themen wie Kuratieren, Forschen, Bewahren oder Vermitteln zu diskutieren. Die Präsentation wird ergänzt durch eine künstlerische Arbeit von Christian Jankowski.


     
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/ Aufbruch in die Moderne

Lovis Corinth, Edvard Munch, Max Beckmann, Ernst Ludwig Kirchner und viele andere – das Stadtmuseum Berlin besitzt herausragende Gemälde prominenter Vertreter*innen der klassischen Moderne. Zwölf Highlights aus dieser hochkarätigen Sammlung sind ab Oktober 2022 zu Gast in der Berlinischen Galerie. In der Dauerausstellung setzen sie  neue Akzente und treten in den Dialog mit den eigenen Werken.
 
Sammlungen zu teilen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, muss ein Prinzip der Museumsarbeit der Zukunft werden. Hintergrund dieser Kooperation sind umfangreiche Renovierungsarbeiten im Märkischen Museum. Ab 2023 schließt das Stammhaus der Stiftung Stadtmuseum Berlin für voraussichtlich vier Jahre. Um auch während dieser Zeit bedeutende Schätze der Gemäldesammlung präsentieren zu können, entstand gemeinsam die Idee, ausgewählte Werke in die Dauerausstellung „Kunst in Berlin 1880-1980“ zu integrieren. Eine besondere Stärke der Sammlung des Stadtmuseums Berlin ist die Kunst der frühen Moderne. 

Die Gemälde, die nun in der Berlinischen Galerie zu sehen sind, stammen von Max Beckmann, Theo von Brockhusen, Lovis Corinth, Ernst Ludwig Kirchner, Walter Leistikow, Max Liebermann, Edvard Munch und Lesser Ury. Sie haben die Kunstszene der Stadt zu Beginn des 20. Jahrhunderts maßgeblich geprägt und bereichert. 

Künstler

Max Beckmann (1884 Leipzig – 1950 New York)
Theo von Brockhusen (1882 Marggrabowa, heute Olecko/Polen – 1919 Berlin)
Lovis Corinth (1858 Tapiau/Ostpreussen, heute Gwardeisk/Russland – 1925 Zandvoort)
Ernst Ludwig Kirchner (1880 Aschaffenburg – 1938 Davos)
Walter Leistikow (1865 Bromberg, heute Bydgoszcz/ Polen – 1908 Berlin)
Max Liebermann (1847 Berlin – 1935 Berlin)
Edvard Munch (1863 Løten – 1944 Oslo)
Lesser Ury (1861 Birnbaum, heute Międzychód/ Polen – 1931 Berlin)

Mehr Information


     
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/ Muse oder Macherin?

Mit ihrer Kunst stellten sie ihre Väter, Brüder und Männer in den Schatten. Sie schufen Werke, die in ganz Europa begehrt waren, sie wussten sich zu vermarkten, Netzwerke aufzubauen und waren Vorbilder. Sie sammelten Kunst und unterstützen Künstler*innen. Frauen wie Rosalba Carriera, Artemisia Gentileschi, Elisabetta Sirani, Diana Scultori, Isabella d’Este und Christina von Schweden, deren Werke, Schicksale und enormer Einfluss auf die Kunstwelt ihrer Zeit heute teilweise vergessen sind. Die Ausstellung beleuchtet genau diese Aspekte und thematisiert die vielfältige, aktive Rolle der zahlreichen Frauen in der italienischen Kunst vor 1800 anhand von Zeichnungen und Druckgraphiken aus der reichen Sammlung des Kupferstichkabinetts sowie einigen besonderen Leihgaben.

Eine Sonderausstellung des Kupferstichkabinetts unter Mitarbeit von Achtet AlisMB, dem Jugendgremium der Staatlichen Museen zu Berlin

 


     
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/ Nie wieder Krieg! Ein Plakat. Käthe Kollwitz.

Schülerinnen und Schüler der 5. und 7. Klassen des Käthe-Kollwitz-Gymnasiums kommen seit vielen Jahren regelmäßig in die Jugendkunstschule Pankow. Hier setzen sie sich während einer Projektwoche mit der Namensgeberin der Schule, ihrem Leben und Werk auseinander. Sie betrachten Originale im Käthe-Kollwitz-Museum, gehen auf Spurensuche und drücken sich schließlich selbst künstlerisch aus. Dafür stehen ihnen in den Ateliers und Werkstätten der Jugendkunstschule verschiedenen Techniken und eine Fülle an Materialien sowie Künstlerinnen und Künstler zur Seite.

Aus aktuell-politischem Anlass ließen sich die Schülerinnen und Schüler dieses Jahr von dem 1924 entstandenen Plakat „Nie wieder Krieg!“ zu eigenen kreativen Arbeiten inspirieren. Die Ergebnisse werden im Schloss Schönhausen präsentiert. Das Schloss Schönhausen diente ab 1938 als Depot für die sogenannte „Entartete Kunst“ in der Zeit des Nationalsozialismus. Von Käthe Kollwitz wurden mindestens 36 Werke beschlagnahmt und vielleicht waren unter den 4280 Kunstwerken, die von Schloss Schönhausen aus ins Ausland verkauft werden sollten, auch Werke von Käthe Kollwitz hier untergebracht. Nun kehrt eines dieser berühmten Werke als Leihgabe aus dem Käthe-Kollwitz-Museum in dieses Haus als Begleitung für diese Ausstellung zurück.

Die Projektwoche und die Ausstellung ist ein Kooperationsprojekt des Käthe-Kollwitz-Gymnasiums mit der Jugendkunstschule Pankow, dem Käthe-Kollwitz-Museum, dem International Delphic Council und dem Schloss Schönhausen.


     
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/ Die drei ??? - Aiga Rasch und die geheimnisvolle Festung

Eröffnung am 13. Oktober um 19 Uhr in der Bastion Kronprinz der Zitadelle Spandau

Begrüßung: Bezirksstadtrat von Spandau Frank Bewig
Einführung: Dr. Jens-Ole Rey, Kurator Kulturamt Spandau

 

Die Erfolgsgeschichte der Buch- und Hörspielreihe „Die drei ???“ ist beispiellos: Seit über 50 Jahren lösen die drei Detektive aus Rocky Beach jeden noch so kniffligen Fall zu sprechenden Weckern, flüsternden Mumien oder singenden Schlangen.

 

Verpackt sind die Geschichten in die Buch- und Hörspielcover mit den mittlerweile ikonischen Illustrationen der Stuttgarter Künstlerin Aiga Rasch (1941-2009). Sie hat mit ihren Entwürfen der Krimireihe zum Durchbruch verholfen. 1968 in Deutschland beim KOSMOS Verlag zunächst mit mäßigem Erfolg gestartet, bot sie dem Verlag zur Vermarktung der Reihe ein Cover mit dem prägnanten Schriftzug der Fragezeichen auf schwarzem Grund und einem später starkfarbigen Bildfeld an. Sie versprach, auf ihr Honorar zu verzichten, sollte dem Verlag ihr Entwurf nicht gefallen. Dort war man zunächst skeptisch, schließlich widersprach die Gestaltung allen Konventionen für Jugendbücher. Der Erfolg gab Aiga Rasch jedoch recht und daraus entstand eine unverwechselbare Marke, bis heute.

Knapp 100 Cover hat sie hierfür entworfen, dennoch ist ihr Name noch immer weitgehend unbekannt. Es wäre außerdem zu eindimensional, sie lediglich darauf zu reduzieren. Ihr Werk ist sehr viel breiter und umfasst zusätzlich über 600 Kinderbücher und 5000 Illustrationen für 50 Verlage. Der assoziative und ganz eigene Stil von Aiga Rasch lässt der Fantasie viel Raum. Charakteristisch für die Künstlerin sind bildstarke narrative Bildmotive von hohem Wiedererkennungswert in Filzstiftfarben. Aber wie entstanden die einzelnen Bildmotive? Welche Aspekte in den Geschichten griff sie heraus? Wo fand sie die Inspirationen zu ihren prägnanten grafischen Umsetzungen? Diesen Fragen geht die Ausstellung mit Entwurfsskizzen, Alternativentwürfen und Originalzeichnungen nach. Die Ausstellung „Aiga Rasch und die geheimnisvolle Festung“ in der Bastion Kronprinz der Zitadelle Spandau gibt einen Überblick über die Gestaltung von Buchcovern und Hörspielen und über die Illustrationen zu Erzählungen von 1963 bis 1999 und Raschs frei künstlerisches Werk. Aufregende Geschichten stecken nämlich auch in der Entstehung der Entwürfe selbst. Gezeigt werden, neben den Zeichnungen für „Die drei ???“, auch zahlreiche Cover und Innenillustrationen zu anderen Titeln aus dem Bereich der Kinder- und Jugendbuchliteratur. Mal sind sie gänzlich andersartig, mal zeigen sich deutliche Parallelen. Aiga Raschs Nachlass, der von Matthias Bogucki verwaltet wird, hält ebenso aufschlussreiche wie anregende Entdeckungen für uns bereit.

Wir laden Sie herzlich auf die geheimnisvolle Festung ein, den Geschichten in und auf den Büchern und in den Hörspielen auf den Grund zu gehen, auch bei etlichen Veranstaltungen für Kinder/Jugendliche und Erwachsene.

Erfahren Sie mehr auf unserer Webseite/Veranstaltungen


     
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/ Queering the Crip, Cripping the Queer

„Queering the Crip, Cripping the Queer“ ist die erste internationale Ausstellung, die die vielfältigen historischen, kulturellen und politischen Intersektionen von Queerness und Behinderung erforscht. Die Ausstellung zeigt Arbeiten von über 20 internationalen zeitgenössischen Künstler*innen, die sich mit den historischen Themen und Objekten der Ausstellung auseinandersetzen. Weiter zu sehen ist eine Auswahl aus der Sammlung Prinzhorn mit Arbeiten von Künstler*innen, die psychiatrisiert waren. Vorgestellt werden auch die großen Ikonen der queeren/behinderten Kunst: Lorenza Böttner, Raimund Hoghe und Audre Lorde.

Die Ausstellung findet in Kooperation mit den Sophiensælen statt, die beim gleichnamigen Performancefestival vom 09. – 17. September erstmals in Deutschland Arbeiten internationaler queerer/behinderter Künstler*innen zusammen auf die Bühne bringen. Doch nicht nur Titel und Thema verbinden die Sophiensæle und das Schwule Museum: So sind Arbeiten von Quiplash, Anajara Amarante, Pelenakeke Brown und Sindri Runudde sowohl im Performancefestival als auch in der Ausstellung vertreten.


     
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/ Strich um Strich. Zeichnen 2

Punktiert, schraffiert, linear, geschwungen, mit Farbe oder ohne – Zeichnen ist Unmittelbarkeit des Ausdrucks. Die radikale Reduktion der Mittel, die in der Linie zugleich Prozesse ausbildet, Bewegung entfaltet, Überlagerungen entstehen lässt und Dreidimensionalität auf der Fläche entwickelt, begeistert in ihrer Vielschichtigkeit.

„Strich um Strich“ lautet die zweite Schau der Ausstellungsreihe „Zeichnen“. Aus neun unterschiedlichen künstlerischen Positionen, in deren Werk die Zeichnung einen bestimmenden Stellenwert besitzt, werden exemplarische Arbeiten gezeigt, um der Faszination fürs Zeichnen, die gerade auch aus dieser Direktheit resultiert, in ihrer Ausdrucksvielfalt nachspüren.

Großflächige Wandinstallationen, die sich über die GalerieETAGE ausbreiten, wechseln mit filigranen, sensiblen Zeichengebilden und Arbeiten, die den Weg in den Raum wagen. Teilweise entstehen sie extra für die Ausstellung, auch in Reaktion auf die Räume.

Es sind aktuelle Arbeiten zu sehen von Paula Doepfner, Jens Hanke, Peter Hock, Anne Lohrmann, Petra Lottje, Ev Pommer, Karen Scheper, Beate Spitzmüller und Tina Tahir.

GalerieETAGE I Alt-Hermsdorf 35, 13467 Berlin I Mo-Fr, So: 9-17 Uhr

 

Eröffnung: Fr, 7. Oktober 2022, 18.30 Uhr

Es laden ein:

Uwe Brockhausen Bezirksbürgermeister
Dr. Sabine Ziegenrücker, Leiterin Kommunale Galerien Reinickendorf


     
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/ Walter Benjamin

Walter Benjamin (1892–1940) ist einer der bedeutendsten Denker der Moderne und hat seine biografischen Wurzeln im Berlin der Gründerzeit. Ausgewählte Texte aus seiner „Berliner Kindheit um Neunzehnhundert“ sind im Kontext der historischen Räume von Schloss Britz neu zu hören und zu erleben.

Ergänzend nähern sich sieben zeitgenössische künstlerische Positionen dem Historismus, der Person Walter Benjamins und seinem Werk. So entsteht ein angeregter Dialog zwischen literarischen Texten, Autographen und Manuskripten und zeitgenössischen Interpretationen. Im Zentrum der Betrachtungen stehen Benjamin, die Zeit seiner Kindheit und seine eigene Methodik der Erinnerung.

Beteiligte Künstler:innen: Birgit Auf der Lauer & Caspar Pauli, Matthias Beckmann, Eddie Bonesire, Anne Brandys, Barbara Duisberg, Katharina Kamps & Nihad Nino Pušija.


     
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/ Die klassischen Ordnungen: Mythos, Sinn und Schönheit in den Zeichnungen von Sir John Soane

Diese Ausstellung zeigt anhand von meisterhaften Zeichnungen aus der Sammlung des Sir John Soane’s Museum, wie sich die Architekten von der Schönheit und Monumentalität der griechischen und römischen Bauten inspirieren ließen. Beeindruckt von antiken Tempeln und Denkmälern sowie klassischen Texten, verwendeten die Baumeister der Renaissance und der Aufklärung die klassischen Ordnungen in dem Versuch, mit den Meistern der Antike zu konkurrieren. Die Ordnungen sind eine Reihe von Baustilen, die im antiken Griechenland entwickelt und von den Römern übernommen und angepasst wurden.

Für Sir John Soane (1753–1837), den führenden neoklassizistischen Architekten im spätgeorgianischen Großbritannien, war ein richtiges Verständnis der drei wichtigsten antiken Ordnungen – dorisch, ionisch und korinthisch – von zentraler Bedeutung für die Architektur. Die Ausstellung nutzt die umfangreiche Sammlung von Architekturzeichnungen aus dem Sir John Soane’s Museum in London, um die klassischen Ordnungen vorzustellen, die Legenden hinter ihren Ursprüngen zu erforschen und ihre Verwendung im Werk von Sir John Soane zu untersuchen. Die 30 in der Ausstellung präsentierten Werke wurden überwiegend in Soanes Büro als Illustrationen für seine Vorlesungen an der Royal Academy of Arts in London angefertigt. Diese großformatigen, meisterhaften und farbenfrohen Zeichnungen halfen dem Architekten dabei, die antiken Quellen zu erläutern, die ihn und seine Zeitgenossen inspiriert haben, die fünf Ordnungen – die toskanische, dorische, ionische, korinthische und zusammengesetzte – anzuwenden.


     
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/ Ellen Gallagher

Im Gropius Bau präsentiert die international renommierte Künstlerin Ellen Gallagher eine Reihe von Untersuchungen, die auf visueller, sprachlicher und methodologischer Ebene mit ihrer malerischen Praxis verflochten sind. Die Einzelausstellung umfasst Malereien, Arbeiten auf Papier sowie immersive Filminstallationen, die in Zusammenarbeit mit dem Künstler Edgar Cleijne entstanden sind.


     
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/ STREIT

Neue Ausstellung: Ab 7. Oktober im Museum für Kommunikation Berlin.

„Ich will nicht streiten.“ Diesen Satz haben wir alle schon einmal gehört oder gesagt. Doch Streit ist Teil der menschlichen Kommunikation. Er begegnet uns täglich: in den Medien, in politischen oder gesellschaftlichen Debatten, in der Familie oder in der Beziehung. Streit ist wichtig: er gibt uns die Chance, uns zu verstehen, auszutauschen und anzunähern.

Die Ausstellung STREIT. Eine Annäherung im Museum für Kommunikation Berlin betrachtet vom 7. Oktober 2022 bis zum 27. August 2023 die Entwicklungen, Herausforderungen und die Relevanz von „Streit“ aus historischer, kommunikativer, politischer und persönlicher Perspektive. Damit nähert sie sich dem Wesen des Streits und fördert eine Kompetenz, die für gelingendes Zusammenleben und eine demokratische Gesellschaft unabdingbar ist.

Mehr Informationen gibt es auf unserer Website


     
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/ Bu ju

„Bu ju“ ist ein traditioneller Begriff der chinesischen Malerei. Er bezieht sich auf das Konzept der Bildkomposition, das auch in der Literatur Anwendung findet. Die Ausstellung zeigt, wie die Kunstschaffenden mit Mitteln wie gestauchter Darstellung tatsächlicher Entfernungen, Mehrfachperspektiven und Formaten spielten, um persönliche Räume in Berglandschaften zu schaffen.

In der chinesischen Malerei gestalten die Malenden eine Komposition oft nicht mit dem Fokus auf realistische Darstellung, wie in der europäischen Malerei. Ein Grund dafür ist, dass der oder die Malende einen Ort oder ein Thema so darstellt, wie er oder sie es fühlt, nicht wie er oder sie es sieht. Dabei erfordert das Komponieren eines chinesischen Tuschebildes eine genaue Planung, da die Tusche sofort absorbiert wird, sobald der Pinsel das Papier oder die Seide berührt und nachträgliche Korrekturen nicht möglich sind.

Eine Wechselpräsentation des Museums für Asiatische Kunst der Staatlichen Museen zu Berlin kuratiert von Birgitta Augustin, zu sehen im Rahmen der Dauerausstellung „Ethnologische Sammlungen und Asiatische Kunst“ im Humboldt Forum.


     
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/ Vom Kaiser beauftragt

Im Jahr 1760 beauftragte der Qianlong-Kaiser seinen Hofmaler Jin Tingbiao, die „Erste Serie von 50 Porträts verdienstvoller Offiziere des Ostturkestan-Feldzugs” im Querrollenformat zu malen. In den fein modulierten Gesichtspartien und Schattierungen der Accessoires lässt sich der Einfluss der europäischen Malerei erkennen. Heute existieren nur noch wenige dieser Portraits in Form einzelner Fragmente.

Es wird angenommen, dass die kleinen Porträts als Vorstudie für die großen Hängerollen dienten, die in der Halle des Purpurglanzes (Ziguangge) ausgestellt waren. Sowohl die kleinen als auch die großen Portäts wurden wahrscheinlich während der Niederschlagung der Boxerbewegung 1900/01 aus der Ziguangge, der Heldengalerie des Qianlong-Kaisers, unrechtmäßig entfernt und von Peking nach Deutschland gebracht. Ein Vorbesitzer hat die Querrolle möglicherweise vor 1955 für den Verkauf zerschnitten.

In dieser Präsentation sind Fragmente aus der Sammlung des Museums für Asiatische Kunst und der Kunstbibliothek zum ersten Mal gemeinsam und zusammen mit dem Fragment des vom Kaiser selbst geschriebenen Titels mit Hymne ausgestellt.

Eine Wechselpräsentation des Museums für Asiatische Kunst der Staatlichen Museen zu Berlin kuratiert von Birgitta Augustin, zu sehen im Rahmen der Dauerausstellung „Ethnologische Sammlungen und Asiatische Kunst“ im Humboldt Forum.


     
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/ Pallavi Paul

Pallavi Pauls künstlerische Praxis umfasst die Medien Film, Installation, Text, Fotografie und Performance, wobei ihre wissenschaftliche Arbeit die Basis bildet. Sie promovierte in Filmwissenschaften an der Jawaharlal Nehru Universität, Delhi, und hat einen Postgraduiertenabschluss in Medien von der Jamia Millia Islamia Universität, Delhi. Beide Universitäten waren mehrfach rechtsextremen Anfeindungen ausgesetzt, da sie kritisches Denken und eine progressive politische Haltung befördern. Diese Erfahrungen haben Pauls Arbeit geprägt.

„The Blind Rabbit“ (2021, 43 Min.) ist eine pointierte Kritik des systemischen Machtmissbrauchs in Indien. Paul beleuchtet verschiedene, vermeintlich voneinander unabhängige Ereignisse wie den Ausnahmezustand, der 1975 bis 1977 von Premierministerin Indira Gandhi ausgerufen wurde und wesentliche Grundrechte einschränkte; die Anti-Sikh-Pogrome von 1984 sowie den Angriff der Polizei auf Studierende der Jamia Millia Islamia Universität im Jahr 2019. Dabei offenbart sie tradierte Strukturen von Polizeigewalt und Willkür. Indem sie Text-, Bild- und Tonfragmente zu einem Essay verwebt, trägt sie der Komplexität multipler Wahrheiten Rechnung, relativiert aber nie das erlittene Unrecht. Bemerkenswert ist ihr Einsatz von Fiktion als Mittel, um dem Problem der stets partiellen Erinnerung zu begegnen und ihr widerständiges Potenzial zu entfachen.

„Long Hair Short Ideas“ (2014, 21 Min.) erzählt von Shanti, der Frau des revolutionären Dichters Vidrohi (1957-2015). Paul verflechtet die turbulente politische Geschichte Indiens in den 1970er Jahren mit Shantis Biografie und ihren individuellen Erfahrungen im Bereich (häuslicher) Arbeit, Partnerschaft, Sexualität sowie alltäglichen Diskriminierungen als Frau. So wirft sie ein Schlaglicht auf die üblicherweise abwesende Figur der „Frau des Revolutionärs“ und porträtiert Shanti als eigenständige Person mit einer eigenen Geschichte des Widerstands.

Biografie

Pallavi Paul wurde 1987 in Neu-Delhi, Indien, geboren. Ihre Arbeiten wurden u. a. auf dem International Film Festival of Rotterdam (2021), HKW (2020), The Rubin Museum (2019), Savvy Contemporary (2022), Beirut Art Centre (2018), AV Festival (2018, 2016), Contour Biennale (2017) und Tate Modern (2013) gezeigt.


     
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/ Queerness in Photography

In drei komplementären Ausstellungen untersucht C/O Berlin mit Queerness in Photography die fotografische Darstellung von Identität, Geschlecht und Sexualität: von historischem Bildmaterial, das den Akt des Fotografierens als Akt der Identitätsfindung zeigt, über einen einzigartigen Safe Space bis hin zu zeitgenössischen Ausdrucksformen von Geschlechterfluidität, welche die Frage aufwerfen, ob sozial konstruierte Geschlechter heutzutage überhaupt noch zeitgemäß sind.

Denn seit ihrer Erfindung im Jahr 1839 hat Fotografie Menschen nicht nur abgebildet, sondern auch ihre gesellschaftspolitische Position maßgeblich geprägt, indem die Fotografie Personen aufgrund von physischen Merkmalen, Verhalten oder Kleidung visuell kategorisiert hat. Durch das Einschreiben von konstruierten Geschlechterrollen wurde sie auch zum Medium der Stigmatisierung und Diskriminierung. Genauso wie sich der aktuelle Diskurs über die Rechte der LGBTQIA+-Community weltweit kontinuierlich weiterentwickelt, Begrifflichkeiten und Themen fortlaufend neu ausgehandelt werden, so hat sich auch das fotografische Vokabular zur visuellen Abbildung von Queerness vervielfältigt. 

 

C/O Berlin zeigt mit Under Cover . A Secret History of Cross-Dressers . Sébastien Lifshitz Collection die von dem französischen Filmemacher Sébastien Lifshitz über mehrere Jahrzehnte zusammengetragene Sammlung von Amateurfotografien. Seit den 1860er-Jahren nutzten Menschen das Medium, um ihre durch Kleidung oder physische Merkmale zugeschriebene Geschlechtsidentität zu be- und hinterfragen. Ohne die jeweiligen Entstehungsgeschichten oder persönlichen Beweggründe zu kennen, wird in diesen Darstellungen der Wunsch der Porträtierten deutlich, sich selbst vor der Kamera zu erforschen: neben dem Aufbegehren gegenüber aufgezwungenen, gesellschaftlichen Erwartungen und politischen Regulierungen machen sie sich im fotografisch produzierten Selbstbildnis der eigenen Identität bewusst. Die visuellen Zeugnisse der Sammlung Lifshitz gehören somit zu den bedeutsameren Entdeckungen der jüngeren Fotografiegeschichte, die eine Leerstelle im kulturellen Gedächtnis füllt. 

 

Mit Casa Susanna . Cindy Sherman Collection präsentiert die wohl berühmteste Verkleidungskünstlerin der Welt Originalbilder der Casa Susanna aus ihrer eigenen Sammlung. „Ich habe die Casa Susanna-Fotos in einem Sammelalbum gefunden, das vor etwa 17 Jahren auf einem Antiquitätenflohmarkt in New York City verkauft wurde. Das Sammelalbum selbst war es nicht wert, gerettet zu werden, aber die Fotos haben mich begeistert“, erklärt Sherman über ihre historische Entdeckung. Casa Susanna war in den 1950er- und 1960er-Jahren ein Safe Space für Cross-Dresser:innen und trans Frauen in Hunter, New York. Der Akt des Fotografierens innerhalb dieser Community war von höchster sozialer Explosivität, da die Mitglieder visuell dokumentierten, was zu dieser Zeit nicht sein durfte: ein Leben außerhalb sozial konstruierter Geschlechterrollen sowie eine auf den eigenen Bedürfnissen basierende Persönlichkeitsentwicklung. Im Zusammenspiel mit der Sammlung Lifshitz entsteht somit bei C/O Berlin ein queeres Bildarchiv, das aufgrund seiner Einmaligkeit und eines identitätsstiftenden Charakters auch von zukünftigen Generationen aufbewahrt und wertgeschätzt werden muss.

 

1992 spielte die Schauspielerin Tilda Swinton in dem preisgekrönten Film Orlando (Regie Sally Potter), der auf dem gleichnamigen Roman von Virginia Woolf aus dem Jahr 1928 basiert, die Gender-nonkonforme Hauptrolle. „Ich sehe Orlando als eine Geschichte über das Leben eines Menschen, der danach strebt, sich vollständig von den Konstruktionen des Geschlechts oder sozialer Normen zu befreien“, beschreibt Swinton die Thematik. Hinter der Folie der Buch- und Filmvorlage hat Swinton im Auftrag des Magazins Aperture für C/O Berlin die Ausstellung Orlando zusammengestellt. Geschlechterfluidität und die Idee eines grenzenlosen Bewusstseins verweben sich hier auf eine neue Art innerhalb der Ausstellung. Die zum Teil eigens für Orlando . Curated by Tilda Swinton konzipierten Arbeiten präsentieren unterschiedliche Blickrichtungen auf Fragen von Identität, Geschlecht, Herkunft und Sexualität. In der Vielfalt der künstlerischen Ansätze und Perspektiven werden gängige Vorstellungen, Darstellungsformen und Machtverhältnisse aufgebrochen. Die Ausstellung zeigt die Arbeiten der Künstler:innen: Zackary Drucker, Lynn Hershman Leeson, Paul Mpagi Sepuya, Jamal Nxedlana, Elle Pérez, Walter Pfeiffer, Sally Potter, Viviane Sassen, Collier Schorr, Mickalene Thomas und Carmen Winant.

 

In Kooperation mit 
Aperture
Les Rencontres d'Arles

Ermöglicht durch
Hauptstadtkulturfonds

Im Rahmen von
Berlin Art Week 2022


     
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/ Mona Hatoum

Mona Hatoums umfang­reiches Werk macht die Fragilität der menschlichen Existenz im Zuge gesellschaftlichen Wandels in Form von Skulpturen, Installationen, Videoarbeiten, Performances und Papierarbeiten erfahrbar. Hatoums intensive Beschäftigung mit Themen wie Migration, Exil und staatlicher Kontrolle ist untrennbar mit ihrer Biografie verwoben. Sie wurde 1952 in Beirut als Kind palästinensischer Eltern geboren. Als sie 1975 für einen kurzen Aufenthalt nach London reiste, brach der Bürgerkrieg im Libanon aus und ihr wurde die Rückkehr in ihre Heimat verwehrt. Heute lebt und arbeitet die Künstlerin in London und Berlin und zählt zu den einflussreichsten ihrer Generation.

Seit den 1990er-Jahren verarbeitet Hatoum eine breite Palette an Materialien zu Werken, denen ein subtiles Spiel von Widersprüchen die Anmutung latenter Gefährdung und Irritation verleiht. Obwohl die Arbeiten mit ihrer klaren Formensprache und den glänzenden Oberflächen industrieller Materialien von der reduzierten Ästhetik der Minimal Art beeinflusst sind, spielen das Performative und, eng damit verbunden, der Bezug zum Körper eine zentrale Rolle. In ihren jüngsten Werken wendet sich Hatoum insbesondere der Erforschung prekärer Zustände in einer globalisierten Welt zu. In raumgreifenden skulpturalen Installationen verwendet sie elementare Formen, die einerseits Ordnung und Stabilität suggerieren und andererseits das Potential eines plötzlichen Zusammenbruchs in sich tragen. Eine Gratwanderung zwischen Stabilität und Kollaps, Vertrautem und Unbehaglichem, Schönheit und Schrecken unternehmend liefern sie einen Kommentar zu den widerstreitenden Gefühlen und Situationen, denen die menschliche Psyche in einer durch machtpolitische Konflikte geprägten Gegenwart ausgesetzt ist.

Ein Kooperationsprojekt des Neuen Berliner Kunstvereins, des KINDL – Zentrum für zeitgenössische Kunst und des Georg Kolbe Museum

Kurator*innen: Marius Babias, Kathrin Becker, Julia Wallner


     
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/ Vom Bleiben und Verändern

In Folge der Industrialisierung im ausgehenden 19. Jahrhundert entstehen am Schloss Charlottenburg die Arbeiterquartiere um den Friedrich-Karl-Platz, dem heutigen Klausenerplatz. Mit dem Stadterneuerungsprogramm von 1963 beginnt der Exodus der angestammten Bewohnerschaft in die Neubauviertel am Stadtrand. Durch die Freimachungsprogramme des Sanierungsträgers, der Neuen Heimat Berlin, stehen viele Wohnungen leer, in die zunehmend Studierende und Arbeitskräfte aus Südeuropa und der Türkei einziehen.

Es entsteht ein Alternativmilieu mit Wohngemeinschaften, Szenekneipen und dem sonntäglichen Trödelmarkt am Klausenerplatz. Die 1973 gegründete Mieterinitiative Sanierungsgebiet Klausenerplatz e.V. kämpft für den Erhalt der Häuser und fordert deren Modernisierung zu bezahlbaren Mieten. Unterstützt wird sie vom Architekten Hardt-Waltherr Hämer, der mit einem Pilotprojekt im Block 118 die behutsame Stadterneuerung in die Tat umsetzt.

Gottfried Schenk hat als betroffener Mieter und Aktivist den Prozess über viele Jahre fotografisch begleitet. Seine Bilder ermöglichen einen Rückblick auf eine ereignisreiche Zeit der Mieter- und Hausbesetzerbewegung. Die derzeitige Entwicklung auf dem Immobiliensektor beweist gleichzeitig mit Nachdruck die Aktualität der Wohnungsfrage und die Gegenwärtigkeit der gezeigten Fotografien.

 

 

Begleitveranstaltungen

 

Führungen durch die Sonderausstellung mit dem Fotografen finden an folgenden Terminen statt:

2. Oktober 2022, 12 Uhr  

8. Dezember 2022, 18 Uhr

 

Die Teilnahme an den Veranstaltungen ist kostenfrei.

Reservierungen sind möglich unter Tel.: 9029 24106 oder per E-Mail an museum@charlottenburg-wilmersdorf.de


     
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/ Leiko Ikemura: Mehr Licht!

Aus Anlass der Schenkung des Bildes „Blue Horizon (marine series)“ durch die Künstlerin zeigt das Museum für Asiatische Kunst ältere und neueste Werke Leiko Ikemuras, die das Thema der Sammlungspräsentation „Ambivalente Landschaften“ um vielfältige Aspekte erweitern.

Neben Seestücken-Schlachtenbildern und anthropomorphen Landschaften des Wandels und der Hoffnung, setzen neue figürliche Skulpturen aus Glas und Bronze als Memento mori und Lichtkonkretionen vieldeutig gebrochene Akzente. Einmal mehr erweist sich die in Tsu (Präfektur Mie, Japan) geborene, in Berlin lebende und arbeitende Künstlerin dabei als Meisterin der stilistischen und technisch-medialen Vielfalt, der chromatischen Valeurs und der subtilen Zwischentöne. Zwischen Bergen und Meer, Mensch und Natur, Tod und Leben, Endlichkeit und Ewigkeit, Aktualität und Überzeitlichkeit, Perfektion und non finito leuchtet dabei stets irgendwo aus der Tiefe die Hoffnung auf: Mehr Licht!

Eine Wechselpräsentation des Museums für Asiatische Kunst der Staatlichen Museen zu Berlin im Rahmen der Dauerausstellung „Ethnologische Sammlungen und Asiatische Kunst“ im Humboldt Forum.


     
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/ Ambivalente Landschaften in visuellen Kulturen Japans

Die Bilder dieser Auswahlpräsentation laden zu einem frischen Blick auf und zu einer Befragung bekannter Landschaftsdarstellungen aus Japan und ihrer Einordnung in nationale, japanische Kunstgeschichten ein. Wie wird ein Berg zu einem Nationalsymbol und welche Rolle spielt dabei das Medium der Reproduktionsgrafik? Warum gilt ein in traditionellen Mineral- und Pflanzenfarben ausgeführtes, aber westlich gerahmtes Bild der bewaldeten Hügel eines von Nebel durchzogenen Tales als typisch japanisch?

Landschaftsdarstellungen sind fast nie nur ein Abbild der Natur. Nicht selten sind sie frei erfunden. Selbst wenn sie einen real existierenden Ort zeigen, reflektieren der spezifische Blickwinkel, der gewählte Ausschnitt und der Stil eine subjektive Sicht. Sie vermitteln Emotionen, Erinnerungen und häufig auch bestimmte Vorstellungen von der sozialen, politischen und ökonomischen Ordnung der Welt.

Warum wurden im 17. und 18. Jahrhundert in Japan immer wieder Bilder von Landschaften in China, wie dem Westsee bei Hangzhou, gemalt oder kopiert, obwohl weder die Maler*innen noch die Betrachter*innen diese Landschaft jemals mit eigenen Augen gesehen haben? Warum zeigen so viele Landschaftsbilder jener Zeit nicht nur Motive in China sondern orientieren sich auch stilistisch an Vorbildern der kontinentalen Malerei? Welche Bilder vermarktete der populäre Grafiker Katsushika Hokusai (1760-1849) vom bis ins 19. Jahrhundert unabhängigen, aber sowohl China wie Japan tributpflichtigem Königreich Ryūkyū (seit 1879 als Präfektur Okinawa, Teil Japans), das er nie besucht hatte?

Werke zeitgenössischer Künstler erschließen noch andere Dimensionen ambivalenter Landschaften. So wirft Yuken Teruya (geboren 1973 auf Okinawa, lebt und arbeitet in Berlin) einen subjektiven Blick auf die rezente Geschichte dieser Inselgruppe, während fotografische Werke von Reijiro Wada (geboren 1977 in Hiroshima, lebt und arbeitet in Berlin) Orte historischer Tragödien, wie den Aschesee in Birkenau, Hiroshima und die Bucht auf Okinawa, an der amerikanische Truppen 1945 blutig landeten, als künstlerisch verfremdete, idyllische Landschaften zeigen.

Eine Wechselpräsentation des Museums für Asiatische Kunst der Staatlichen Museen zu Berlin im Rahmen der Dauerausstellung „Ethnologische Sammlungen und Asiatische Kunst“ im Humboldt Forum.


     
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/ Frauen in Bewegung

Mit Arbeiten von: Maria Kapajeva, Natalia Kepesz, Justyna Mielnikiewicz, Oksana Parafeniuk, Alicja Rogalska, Violetta Savchits, Elena Subach, Agata Szymanska-Medina, Tatsiana Tkachova

Femen in der Ukraine, Pussy Riot in Russland, die Frauenmärsche 2020 in Belarus und die Kämpfe gegen den Abtreibungsparagraphen in Polen: Es passiert etwas in Osteuropa. Seit Jahren machen Frauen mit politischen Protesten und öffentlichkeitswirksamen Aktionen auf sich aufmerksam. Sie werden international als politische Akteurinnen wahrgenommen und durchbrechen die traditionellen Klischees von der Frau als Arbeiterin, Mutter oder Sexobjekt.

Frauen in Osteuropa haben eine eigene Sozialisationsgeschichte hinter sich: Mehr als vierzig Jahren lang galten sie im Kommunismus als gleichberechtigt – doch meist kam zur Erwerbsarbeit noch die alleinige Verantwortung für Hausarbeit und Kindererziehung hinzu. Stark ausgeprägte Geschlechterrollen im Alltag scheinen unvereinbar mit dem Selbstverständnis einer neuen Generation von Frauen zu sein. Die Stereotype geraten heute ins Wanken, zumindest in Bewegung. Wie sehen diese Frauen sich selbst? Wie sehen wir sie?

Neun Fotografinnen dokumentieren in der Ausstellung Frauen in Bewegung gesellschaftspolitische Veränderungen, aber auch individuelle Erfahrungen in ihren Herkunftsländern. Ihre Arbeiten werfen einen differenzierten Blick auf die aktuelle Situation und das historische Erbe von Frauen in Osteuropa.

Die Ausstellung wurde kuratiert von Miriam Zlobinski, Visual Historian.


     
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/ Salud – Picasso Speaking.

Eine Ausstellung über eine Ausstellung über Ausstellungen

Salud – Picasso Speaking. ‚Guernica’ und der Krieg in den Städten greift Spuren und Stränge der mit Picasso verbundenen (Kunst-)Geschichten wieder auf und stellt sie in Bezug zu aktuellen Konflikten.

In Europa herrschte ein internationaler Krieg und der spanisch-französische Künstler Pablo Ruiz Picasso reagierte mit dem Monumentalgemälde Guernica. Die berühmte Friedenstaube, welche Brecht 1953 ungefragt als Vorhangmotiv des Berliner Ensembles nutzte, folgte später. Jenseits der Friedenstauben war der „Formalist“ Picasso den DDR-Behörden jedoch suspekt. Der Theatervorhang blieb bis 1993 im Einsatz und wurde zuletzt noch einmal aus Anlass des russischen Überfalls auf die Ukraine hervorgezogen.

An einige dieser Geschichten erinnerte erst kürzlich die außergewöhnliche Ausstellung Der geteilte Picasso im Museum Ludwig. Die Kölner Präsentation bezog dabei auch die Wanderschau von 1975 der NGBK (seit 2012 nGbK) Kunst und Politik am Beispiel Guernica. Picasso und der Spanische Bürgerkrieg mit ein: Diese reiste danach durch zahlreiche westdeutsche Schulen, Kulturzentren und sogar bis zur Biennale in Venedig. Und schlug sich in einem WDR-Fernsehbericht nieder, wo Jugendliche einer Gesamtschule von friedvolleren Zeiten träumten. Die „didaktische Ausstellung“ rannte gegen die Verbrechen der Wehrmacht an und zerlegte analytisch das panoramische Bild Guernica in aussagekräftige Einzelteile. Die Verbindung der Westberliner Linken zur DDR ging dabei über den räumlichen Bezug der NGBK an der Kreuzberger Grenze zu Ostberlin hinaus.

Der Titel der aktuellen Ausstellung Salud – Picasso Speaking zitiert den Künstler, als er im Dezember 1937 in seiner symbolischen Funktion als Direktor des Prado-Museums zum Telefon griff, um den Zweiten Amerikanischen Künstlerkongress (AAC) in New York mitten im Spanischen Bürgerkrieg zur Solidarität mit dem internationalen Widerstand gegen Franco, Hitler und Mussolini aufzufordern. 1939 gelang es dem AAC, Guernica nach New York zu bringen, um Geld zur Unterstützung der spanischen Flüchtlinge zu sammeln. Nach weiteren Reisen landete das Gemälde im MoMA, bis es 1981 zurück in ein demokratisches Spanien überführt wurde.

Der vor dem Franco-Faschismus exilierte und lange in Frankreich recht- und staatenlose Künstler trat 1944 in die Kommunistische Partei ein. Picasso hielt Verbindungen zur illegalen spanischen KP und spendete viel Geld für die Genoss_innen. Während er sich selten aus seinen Ateliers entfernte, war er doch bei den Friedenskongressen in Rom, Moskau oder Sheffield stets dabei. In die Nachfolgestaaten des Deutschen Reichs reiste der „geteilte Picasso“ jedoch nie.

Salud – Picasso Speaking. ‚Guernica’ und der Krieg in den Städten versammelt Materialien und Geschichten in einer Ausstellung über eine Ausstellung über Ausstellungen. Der in Berlin lebende Künstler Eran Schaerf wird mit der Kuratorin Julia Friedrich (Museum Ludwig Köln, jetzt Jüdisches Museum Berlin) an ihr Picasso-Projekt in Köln erinnern. Picassos einzigartiger wie ambivalenter Rolle als Global-Künstler, dem eine posthume Verwertungsindustrie angeschlossen ist, widmen sich der in Berlin lebende russische Künstler Mikhail Lylov und die ukrainische Künstlerin Dana Kavelina gemeinsam mit David Riff und Guglielmo Piva in einer Soundarbeit.

 

Künstlerische Beiträge: Mikhail Lylov und Dana Kavelina mit David Riff und Guglielmo Piva, Eran Schaerf, Madeleine Stöber

Ausstellungsdesign: Madeleine Stöber

 

nGbK-Projektgruppe: Juan Camilo Alfonso, Jochen Becker, Eva Hertzsch, Margarete Kiss, Constanze Musterer, Adam Page, Ralf Wedekind

 

Die station urbaner kulturen/nGbK Hellersdorf ist Teil der Initiative Urbane Praxis.

Gefördert von der LOTTO-Stiftung Berlin und der Senatsverwaltung für Kultur und Europa

Partnerin der Berlin Art Week


     
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/ Friedrich Gilly (1772–1800)

Friedrich Gilly (1772–1800) war der innovativste deutsche Architekt seiner Zeit. Seinen Zeitgenossen galt er als „Genie im Baufache“, und sie hatten recht.

Der im Alter von nur 28 Jahren verstorbene Friedrich Gilly galt zu seiner Zeit als Künstlergenie und kommender Erneuerer der Architektur. Trotz seiner Jugend war er der Kopf der Berliner Architekturszene: „Ein Liebling des Himmels und der Menschen, ein Künstler der edelsten Art“, steht auf seinem Grabstein. Später schätzte man Gilly eher als jemanden, der lediglich dem jüngeren Karl Friedrich Schinkel die Bahn geebnet hätte. Dabei stellt sein kompromissloses Werk eine direkte Verbindung des europäischen Klassizismus zur Architektur der Moderne und der Gegenwart her. Bauhaus-Direktor Mies van der Rohe ließ sich von Gilly inspirieren, ebenso die Architekten Peter Behrens und Hans Scharoun. Radikal wie niemand sonst zielte er aufs Ganze. Er war überzeugt, die Baukunst würde zur treibenden Kraft der gesellschaftlichen Erneuerung. 

Im Jahr 2022 jährt sich der Geburtstag Friedrich Gillys zum 250. Mal. Das ist Anlass, mit einer Intervention in der Dauerausstellung des Museums Knoblauchhaus an ihn zu erinnern – knapp 40 Jahre nach der Gilly-Ausstellung von 1984 im Berlin Museum, dem damaligen West-Berliner Stadtmuseum, seit 1995 Teil der Stiftung Stadtmuseum Berlin. 

Die Sonderausstellung steht unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier.

Gefördert durch: Ernst von Siemens Kunststiftung, der Hermann Reemtsma Stiftung, der Birkelschen Stiftung für Kunst und Kultur und weitere Spenden.

Eine Kooperation mit dem Hermann von Helmholtz-Zentrum für Kulturtechnik und dem Kunsthaus Lempertz. Das Projekt wird unterstützt durch die Schadow Gesellschaft Berlin e. V. und die Carl-Gotthard-Langhans-Gesellschaft Berlin e. V.

Die Begleitpublikation zu Intervention und Symposium wird finanziert durch Zuwendungen der Ernst von Siemens Kunststiftung. Das Buch erscheint im Mai 2023 beim Lukas Verlag Berlin.


     
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/ #born to graff

Im Sommer 1985 kommt der Film Beat Street in den ostdeutschen Kinos. Er wird ein Riesenerfolg und markiert den Beginn einer Hip-Hop-Jugendkultur in der DDR. Die Popularisierung von Breakdance, aber auch von Graffiti als einem Element von Hip Hop, ist nicht mehr aufzuhalten. Eine Graffitiszene, die sich in Crews zusammenschließt und auf den Straßen sprüht, bildet sich jedoch erst nach dem Mauerfall. Marzahn und Hellersdorf bieten in den 1990er-Jahren die perfekten Voraussetzungen: Die zahllosen grauen Betonflächen und eine Jugend auf den Straßen, die nach Perspektiven und Identität sucht.

Was steckt hinter dieser Jugendkultur? Was trieb und treibt Jugendliche an, mehr oder weniger illegal den öffentlichen Raum in Anspruch zu nehmen? Wie gingen Staat und Gesellschaft zu unterschiedlichen Zeiten damit um? Ist Graffiti politisch? Kunst oder Vandalismus?

Die Ausstellung erzählt die Geschichte dieser Jugendkultur, die seit Jahrzehnten die Gemüter erhitzt, und erläutert Schlüsselbegriffe des Graffiti. Im Zentrum der Präsentation stehen zahlreiche Graffiti, die seinerzeit auf Wände, entlang von Bahnlinien und auf Züge gesprüht wurden. Sogar eine extra für diese Ausstellung angefertigte Graffitiwand ist zu sehen. Akteur:innen der Szene kommen in Texten, Hör- und Videostationen zu Wort, originale Objekte lassen den Zeitgeist der 1990er-Jahre wieder aufleben. Besucher:innen sind eingeladen, ihre Meinung zu Graffiti zu äußern und selbst künstlerisch aktiv zu werden. Erstmals stellt das Bezirksmuseum in einer Ausstellung auch Texte in leichter Sprache und Videos in Gebärdensprache bereit.

Autor:innen der Ausstellung: Annika Hirsekorn,  Niko Dierchen

Das Projekt wird aus Mitteln des Bezirkskulturfonds gefördert.


     
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/ Wegen Umbau geschlossen

Anlässlich des Tag des offenen Denkmals am 11. September 2022 wird im Museum Köpenick um 16.00 Uhr die Ausstellung „Wegen Umbau geschlossen – Das Rathaus Köpenick. Wahrzeichen in Backstein“ eröffnet. Ursprünglich als Ergänzung zur beliebten Hauptmann-Ausstellung im Rathaus konzipiert, sind die Ausstellungstafeln aufgrund der derzeit laufenden Sanierungsarbeiten auf Wanderschaft. Nach einer ersten Station in der Volkshochschule Treptow-Köpenick wurde die Ausstellung im Museum Köpenick um teils unbekannte Objekte, Dokumente und Fotografien aus dem eigenen Bestand ergänzt. Sie beleuchtet die Planungs-, Bau- und Nutzungsgeschichte sowie die wichtigsten Gestaltungsmerkmale und baulichen Höhepunkte des 1905 eingeweihten Rathauses Köpenick und spannt den Bogen in die Gegenwart. So kommen in der Ausstellung etwa Menschen zu Wort, die das Rathaus zu einem lebendigen Ort machen. Besucherinnen und Besucher sind zudem herzlich eingeladen das Köpenicker Wahrzeichen mit Hilfe eines Bastelbogens nachzubauen.

Das Rathaus Köpenick gehört zu einer Reihe neogotischer Rathäuser, die um die Jahrhundertwende in einigen Berliner Vorortgemeinden entstanden. Köpenick, das schon im Mittelalter Stadtrecht erhalten hatte, blickte um 1900 auf eine lange und bewegte Geschichte der kommunalen Selbstverwaltung zurück. Die rasante industrielle Entwicklung der Region Ende des 19. Jahrhunderts hatte zu einem Anwachsen der Verwaltung geführt und machte den Bau eines neuen und modernen Rathauses notwendig. Bis heute erinnert das Rathaus daran, dass Köpenick bis zum Inkrafttreten des Groß-Berlin-Gesetzes im Jahr 1920 eine selbstständige Stadt war. Weltberühmt wurde das Bauwerk am 16. Oktober 1906 durch den „Hauptmann von Köpenick“.

Mit seiner Lage am Ufer der Dahme ist das Rathaus Köpenick besonders bei Brautleuten beliebt. Der Innenhof ist ein vielbesuchter Veranstaltungsort für Konzerte und Festivals. Damit ist das repräsentative Rathaus nicht nur ein vielseitig genutztes Verwaltungsgebäude für die Bürgerinnen und Bürger, sondern auch touristischer Anziehungspunkt inmitten der Köpenicker Altstadt.

Die Ausstellung „Wegen Umbau geschlossen – Das Rathaus Köpenick. Wahrzeichen in Backstein“ ist eine Kooperation des Heimatvereins Köpenick e. V. und der Museen Treptow-Köpenick.


     
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Im Vordergrund: Museumsbesucher*innen / Wieder vereint

30-jähriges Jubiläum der Wiedervereinigung von Museen und Instituten der Staatlichen Museen zu Berlin: An vier Stationen im öffentlichen Raum präsentiert die partizipative Ausstellung die Erinnerungen von Besucher*innen an Museumserlebnisse und lädt auch zum digitalen Dialog ein.

Über vierzig Jahre existierten im geteilten Berlin „Zwillingsmuseen“: In Ost und West gab es jeweils ein Ägyptisches Museum, eine Antikensammlung, eine Nationalgalerie etc. Diese einzigartige Konstellation endete 1992 mit der Zusammenführung der Staatlichen Museen im wiedervereinigten Berlin. Keines der Häuser blieb in den folgenden Jahren von diesem Prozess unberührt. Viele wurden mehrfach umstrukturiert, verkleinert, erweitert oder zogen in neue Gebäude und andere Stadtteile.

Während die Museen und ihre Belegschaften vor dreißig Jahren epochale Umwälzungen durchlebten, hatten die Menschen der Wendezeit andere Sorgen. Die persönliche Komponente der Museumsbesuche und die Perspektive der Besucher*innen auf die Zusammenführung von zuvor in Ost- und West-Berlin parallel existierenden Staatlichen Museen stehen im Vordergrund der Ausstellung. Dazu werden private Erinnerungsstücke und Fotos sowie die Geschichten von Besucher*innen präsentiert.

An vier Standorten der Staatlichen Museen zu Berlin werden mobile Elemente auf verschiedene Aspekte dieses Prozesses, seiner Standorte und Wegmarken aufmerksam machen. Diese mobilen Elemente im öffentlichen Raum können unabhängig von Öffnungszeiten und kostenfrei besucht werden:

Die digitale Ebene der Ausstellung dient der Vertiefung der Inhalte auf den mobilen Elementen und ist zugleich Element der Interaktion: Da die Wiedervereinigung der Staatlichen Museen zu Berlin von verschiedenen Besucher*innen sehr unterschiedlich erlebt wurde, können diese über Upload- und Kommentar-Funktionen die Ausstellung erweitern. Die Ausstellung soll auf diese Weise verschiedenen Erinnerungen Raum bieten und zudem Anstoß zu einem Dialog zwischen den Staatlichen Museen zu Berlin und ihren Besucher*innen sein.

Wie die Museumsmitarbeiter*innen die Zeit der „Wende“ und die Zusammenführung der beiden Museumsverbünde erlebt, gedeutet und mitgestaltet haben – und sie rückblickend bewerten – damit beschäftigt sich ein Projekt am Zentralarchiv der Staatlichen Museen zu Berlin: In einem von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur geforderten Oral-History-Projekt befragen Mitarbeiter*innen des Zentralarchivs und Volontar*innen der Staatlichen Museen zu Berlin die Zeitzeug*innen dieser spannenden Periode der jüngsten Museumsgeschichte in Video-Interviews. Auf diese Weise entsteht eine mündlich überlieferte Sammlung von persönlichen Erinnerungen, Erfahrungen und Lebensgeschichten, die zusammen mit den Museumsakten im Zentralarchiv für Forschungen sowie Bildung und Vermittlung genutzt werden kann. Ob für die zeithistorische Transformationsforschung, ob für Interventionen in den Sammlungspräsentationen oder Public History-Projekte mit Schulklassen – dieses Material zu einem weltweit einzigartigen Prozess hat ein enormes Potential für die gesellschaftliche und kulturpolitische Aufarbeitung der Wiedervereinigung. Die Interviews werden ab Mitte 2023 auf der Forschungsplattform Oral-History.Digital online zugänglich sein.

Das Ausstellungsprojekt ist eine gemeinsame Initiative des Instituts für Museumsforschung (IfM) und des Museums Europäischer Kulturen (MEK). Das interdisziplinäre Projektteam besteht aus Mitarbeitenden verschiedener Häuser und Einrichtungen der Staatlichen Museen zu Berlin.

Im Vordergrund: Museumsbesucher*innen

     
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Interaktives Projekt / Der Porzellan Code

Die in Berlin lebende österreichische Künstlerin Uli Aigner präsentiert ihr lebenslanges Kunstprojekt „One Million“ im Neuen Museum auf der Museumsinsel Berlin.

Im Rahmen des Projekts „One Million“ hat es sich Uli Aigner im Jahr 2014 zur Aufgabe gemacht, bis an ihr Lebensende 1.000.000 weiße Porzellan-Essgefäße mit eigenen Händen zu drehen. Sämtliche Gefäße entstehen in eigenständigen aufeinander folgenden Projekten. In jedes Objekt wird eine Nummer in der Reihenfolge seiner Herstellung graviert. Zudem wird ein interaktiver Datensatz im Netz angelegt, der Form und Standort eines jeden Gefäßes auf einer digitalen Weltkarte verzeichnet. 

Im Neuen Museum sind die Arbeiten Aigners an fünf Stationen als Interventionen in Form verschiedener Medien wie Film, Installation und Skulptur präsent und gehen einen eindrücklichen Dialog mit Gefäßen aus der Sammlung des Museums für Vor- und Frühgeschichte ein. Uli Aigner schlägt damit eine Brücke zwischen moderner angewandter Kunst und der Formgebung aus Steinzeit, Bronzezeit und Eisenzeit und lässt die Besucher*innen an einem ganz neuen Blick auf prähistorische Gefäßkeramik teilhaben.

Uli Aigners ästhetisches Konzept basiert auf der unmittelbaren Interaktion mit Menschen. So lädt die Künstlerin vor Ort zehn Besucher*innen ein, sich ein Gefäß nach ihren eigenen Vorstellungen zu wünschen. In mehreren Kommunikationssitzungen erarbeiten Künstlerin und Besucher*in gemeinsam Form und Inhalt des Gefäßes, das Uli Aigner danach auf ihrer Drehscheibe individuell anfertigt. Der gesamte Prozess vom Erstkontakt bis zur Fertigstellung des Gefäßes wird filmisch dokumentiert. Ausgangsbasis dieser drei- bis sechsminütigen Kurzfilme sind alle Materialien, die durch Kommunikation mit dem Gegenüber entstanden sind. Die daraus resultierenden Objektinformationen sind digital zugänglich und durch QR-Codes vor Ort abrufbar. Eingebrannt wurden sie mittels individueller Kobalt-Siebdrucke in die Glasur des jeweiligen Porzellans. Mit der Präsentation – auf einem langen, schmalen Tisch im Übergang vom Steinzeit- in den Bronzezeitsaal – der zehn Porzellangefäße in unterschiedlichen Formen und Größen, die berührt werden dürfen, ermöglicht Uli Aigner zusätzlich haptische Erfahrungen.

In der zentralen Treppenhalle des Neuen Museums sind die bislang für das Projekt „One Million“ produzierten ca. 7.000 Porzellangefäße Uli Aigners in Form einer Filminstallation zu sehen. Rund 700 gebrannte und ungebrannte, zerbrochene und ganze Gefäße aus dem „One Million“-Archiv türmen sich im oberen Bereich der Treppenhalle wie Korallenablagerungen auf. „One Million Item Nr. 1“, das erste Porzellangefäß, dass Uli Aigner im Dezember 2014 hergestellt hat, wird in einer Vitrine im Roten Saal des Neuen Museums gezeigt. Zwischen Bronzezeit- und Eisenzeitsaal befinden sich die bislang großformatigsten Objekte der Künstlerin: Das größte Porzellangefäß der Welt, „Item 3501“, misst 2,40 m in der Höhe und 1,15 m im Durchmesser und wiegt ca. 800 kg. Das skulptural verformte Gefäß „Item 3502“ ist 1,50 m hoch und wiegt ca. 400 kg. Monumentale Gefäße dieser Größenordnung existieren aus Steinzeug oder Ton, aber bisher nicht aus Porzellan. 

Uli Aigner (*1965 in Österreich) studierte nach ihrer Töpferlehre Produktdesign an der Universität für angewandte Kunst in Wien und Digitale Bildgestaltung an der Filmakademie Baden-Württemberg. Seit den 1990er-Jahren präsentiert sie ihre Arbeiten in renommierten internationalen Museen, Institutionen und Galerien. Im Mai 2015 gründete sie ihre eigene Weißdreherinnen-Werkstatt in ihrem Atelier in der Brandenburgischen Straße in Berlin.

Die von ihr verwendete Porzellanmasse kommt aus der Stadt Limoges in Frankreich, die seit 1771 für die Herstellung von Porzellan bekannt ist. Die transparente Glasur zeigt die feine Elfenbeinfarbe des bei 1.300 Grad Celsius dicht gebrannten Porzellanscherbens. Mit ihren schlichten und klar in der Form gehaltenen Schalen, Bechern, Schüsseln und Tellern macht Uli Aigner Porzellan selbst als Speichermedium zum Thema ihrer künstlerischen Auseinandersetzung. Ihr Kunstprojekt versteht sie als lebenslange Performance mit dem Ziel den Sinn für die eigene Existenz zu schärfen.

Eine Sonderausstellung des Museums für Vor- und Frühgeschichte der Staatlichen Museen zu Berlin

Interaktives Projekt

     
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/ Christopher Kulendran Thomas – Another World

In collaboration with Annika Kuhlmann featuring Aṇaṅkuperuntinaivarkal Inkaaleneraam

 

‘How do you tell the story of the losing side of a conflict when history has already been written by the winners?’

– Christopher Kulendran Thomas

 

The exhibition Christopher Kulendran Thomas – Another World at KW Institute for Contemporary Art explores an alternative approach to technology through the prism of the defeated revolutionary struggle for an independent Tamil homeland.

 

During the Sri Lankan Civil War, the de facto state of Tamil Eelam was self-governed by a liberation movement that, in the early years of the World Wide Web, used the internet to coordinate a globally distributed parallel economic system amongst the Tamil diaspora. However, the movement’s political ambitions were eclipsed by a bitter military conflict and the autonomous state they led was brutally eradicated in 2009 by the Sri Lankan government.

 

Developed together with longtime collaborator Annika Kuhlmann, the exhibition features a major new commission, The Finesse (2022), that examines some of the lost legacies of this liberation movement in Kulendran Thomas’ family homeland. The immersive film installation melts pop culture into political science and combines archive footage with AI-generated avatars. The work is choreographed across five monolithic mirrored screens and a projection that spans KW’s first floor gallery to form an architectural hallucination. The Finesse traces the Tamil liberation movement’s attempt to imagine a cooperative economy based on renewable energy, communal ownership and computational coordination. Blurring the boundaries between historical research and a sci-fi proposition for an alternate reality, it looks at how the art, architecture and technology that were lost with the defeat of the de facto state of Eelam could today inform radically different, and constantly shifting, ideas of the future. With parts of the work continually algorithmically generated anew, the film is never quite the same twice.

 

Across the second-floor gallery, KW presents a series of newly commissioned paintings that extend Kulendran Thomas’ use of artificial intelligence technologies. Exhibited alongside ceramic works by Aṇaṅkuperuntinaivarkal Inkaaleneraam, a leading light of the Eelam artistic resistance, the paintings are made using machine-learning algorithms trained on the memetic circulation of art historical influences from the Western canon to Sri Lanka’s post-civil war art world.

 

Bisecting the second-floor gallery is a new variation of Kulendran Thomas’ 2019 video work Being Human which takes the viewer on an elliptical journey around Sri Lanka, from the fallout of the civil war there to the biennial of contemporary art founded in its aftermath. Combining real people’s lived experiences with algorithmically synthesized characters, the film features various guests of the Colombo Art Biennale, as well as a brief appearance from Kulendran Thomas’ uncle, a family hero who established the Centre for Human Rights in Tamil Eelam.

 

Curator: Krist Gruijthuijsen

Assistant Curator: Sofie Krogh Christensen


     
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/ Michel Majerus – Early Works

Die Ausstellung Michel Majerus – Early Works in den KW Institute for Contemporary Art versucht, die allerersten Schichten von Michel Majerus’ (1967-2002, LUX) künstlerischem Wirken freizulegen, indem sie zwischen 1990 und 1996 entstandene frühe Arbeiten des Künstlers zeigt. Viele der ausgestellten Frühwerke sind zum ersten Mal in der Öffentlichkeit zu sehen.

 

Die Ausstellung widmet sich den Anfängen von Majerus’ national und international gefeiertem Schaffen. Bereits im Frühwerk, das noch während seines Studiums entstand, zeigt sich Majerus’ künstlerischer Ansatz. Seine Arbeiten erforschen visuelle Kultur, Zeit, Geschwindigkeit und Serialität sowie virtuelle und physische Räume. Die kontinuierliche Beobachtung von Fläche und Raum sowie die Untersuchung von Materialien und Techniken waren essenziell für Majerus’ methodisches Durchleuchten der Bildproduktion. Diese Auseinandersetzung bildete die Grundlage für seine Reflexionen über die Bedeutung und Macht visueller Kultur.

 

In der Haupthalle und im Erdgeschoss zeigen die KW inmitten einer eigens dafür produzierten Ausstellungsarchitektur über 80 Werke aus dem frühen Schaffen. Baugerüstelemente verweisen auf Majerus’ erste institutionelle Einzelausstellung 1996 in der Kunsthalle Basel, in der der Künstler eine Szenografie schuf, die Betrachter und Betrachterinnen in den Bildraum integrierte. Mit dieser Praxis generierte Majerus eine neue und kritische Auseinandersetzung mit der fortlaufenden Hybridisierung visueller Kultur und deckte zugleich die Unmöglichkeit auf, der ständig wachsenden, durchdringenden Präsenz von Bildmaterial und virtuellen Räumen im Geflecht unseres Alltags zu entkommen.

 

Neben der Ausstellung in den KW werden sich auch der Neue Berliner Kunstverein (n.b.k.), der Kunstverein in Hamburg, der Michel Majerus Estate sowie die Galerie neugerriemschneider in Berlin in Einzelausstellungen mit der Vielschichtigkeit von Michel Majerus’ Schaffen auseinandersetzen und dies in einem noch nie da gewesenen Umfang würdigen. Parallel zu diesen Ausstellungen in Berlin und Hamburg zeigen deutschlandweit dreizehn Museen Werke von Michel Majerus aus deren Sammlungsbeständen.

 

Die Ausstellungsreihe Michel Majerus 2022 widmet sich zwanzig Jahre nach dem Tod von Michel Majerus verschiedenen Werkphasen und Aspekten seines außergewöhnlichen Schaffens, das bis heute Künstler*innen jüngerer Generationen beeinflusst. Zur Ausstellungsreihe erscheint 2023 eine umfassende Publikation.

 

Kurator: Krist Gruijthuijsen

Assistenzkurator: Léon Kruijswijk


     
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/ Atiéna R. Kilfa – The Unhomely

The Unhomely in den KW Institute for Contemporary Art ist die erste institutionelle Einzelausstellung von Atiéna R. Kilfa (*1990, FR). Anhand der Medien Fotografie, Skulptur, Video und Installation untersucht Kilfa die Kollision und Überschneidung persönlicher mit kultureller Erinnerung. Kilfas aktuelle Arbeiten folgen ihrem Interesse an der Erstellung von Modellen, Dioramen, Stillleben und Tableaux vivants, die sie als Träger tradierter Narrative und sozialer Normen begreift und für eine kollektive Revision zur Debatte stellt.

 

In der Gegenüberstellung einer neu produzierten Videoarbeit mit Architekturfragmenten, transaktionalem Klang und Skulpturen erforscht The Unhomely Erinnerungen an ein „Zuhause“ als unmögliche „virtuelle“ Architektur. Inmitten einer immersiven Installation, die mit Maßstab und Proportion spielt, positioniert die auf einer architektonischen Bühne präsentierte, titelgebende Videoarbeit die Betrachter*innen hinter der Kamera. Das Video spielt in einem Treppenhaus, das als Huis Clos erscheint, als unendliche Schleife, in der die Betrachter*innen „architektonischen Geistern“ begegnen. Dies sind menschliche Silhouetten, die in gängigen Architekturmodellen eine Vorstellung von Tiefe und Maßstab vermitteln sollen, hier aber selbst zu Akteur*innen werden, die auf ihren realen oder fiktionalen Alltag verweisen sowie Vergangenheit und Gegenwart zusammenführen.

 

Die Rolle der Betrachter*innen bei der Produktion der Arbeit wird durch zwei weitere Elemente verdeutlicht: Eine maßstabsgetreue Miniatur des im Film gezeigten Treppenhauses erscheint als illusorische Nachbildung. Sie lässt die Betrachter*innen mit dem irritierenden Wunsch zurück, die eigene Position mit jenen des Films und des Modells zu vergleichen. Kilfas architektonische Bühne zitiert sowohl Film als auch Modell. Sie dient als Foley-Instrument, das die Arbeit um eine akustische und räumliche Dimension erweitert, indem es auf die Bewegungen des Publikums reagiert. Beim Foley handelt es sich normalerweise um die Nachvertonung in der Postproduktion eines Films, bei der Alltagsgeräusche zur Verbesserung der Tonqualität durch Studioaufnahmen ersetzt werden. In Kilfas Arbeit dient die Methode hingegen dazu, die Komplizenschaft der Betrachter*innen bei der Produktion der Arbeit zu betonen.

 

Die Ausstellung The Unhomely von Atiéna R. Kilfa entsteht in Partnerschaft mit dem Camden Art Centre in London, wo die Ausstellung in abgewandelter Form von 27. Januar bis 26. März 2023 zu sehen sein wird.

 

Kuratorin: Anna Gritz

Assistenzkuratorin: Sofie Krogh Christensen


     
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/ Die Luftwaffe im „Dritten Reich“

Vor 83 Jahren, am 1. September 1939, begann das Deutsche Reich mit dem Überfall auf Polen den Zweiten Weltkrieg. Aus diesem Anlass eröffnet das MHM Flugplatz Berlin-Gatow sieben Interventionen über die Verbrechen der Luftwaffe des „Dritten Reiches“, die die Studierenden Ryan Edgar, Inka Engel, Thomas Hirschlein, Peter-Erwin Jansen und Olga-Mai Wörister vom Touro College Berlin unter der Leitung von Karin Grimme, Stephan Horn und Stephan Lehnstaedt erarbeitet haben.

 

Mehr darüber erfahren Sie in den Interventionen der Dauerausstellung, Hangar 3, Di.-So. von 10-18 Uhr.


     
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/ X Properties

Berlin verändert sich. Gentrifizierung und Verdrängung im Zuge des Berliner Immobilienbooms sind schon lange Thema und Anlass für eine breite mietenpolitische Bewegung, die das Recht auf Stadt für alle einfordert. Nur, wie steht es um die Frage des neuen Grundeigentums: Was ermöglicht den neuen Vermieter_innen – Immobilienkonzerne, Investmentfonds und unzählige anonyme Eigentümer_innen und Briefkastenfirmen – den Zugriff auf das soziale Gut Wohnraum? Wer sind die tatsächlichen Akteur_innen hinter der ökonomischen Verwertung des städtischen Raums? Und wie können wir deren Handeln politisch wie gesellschaftlich einhegen, kontrollieren und durchkreuzen?

Das nGbK-Rechercheprojekt X Properties thematisiert die stadträumlichen Veränderungen im Zuge der Finanzialisierung, das heißt der zunehmenden Präsenz und Bedeutung von Finanzkapital im Berliner Immobilienmarkt. Dem wird eine kollektiv entwickelte Perspektive auf eine wünschenswerte Stadt gegenübergestellt. Eine Praxis des gemeinsamen Lernens mit Workshops, moderierten Stadtführungen, Talks und künstlerischen Beiträgen verbindet Recherche und Wunschproduktion. Als Begleitheft erscheint eine Ausgabe der Berliner Hefte zu Geschichte und Gegenwart der Stadt.

Die Zusammenhänge von Finanz- und Immobilienwirtschaft, deren Auswirkungen auf lokale Nachbarschaften und die globale Transformation des Urbanen stehen im Mittelpunkt der Recherchen zu X Properties. Gemeinsam mit Stadtforscher_innen, Aktivist_innen und Künstler_innen wird die Wirkmacht des Finanzkapitals auf die soziale und kulturelle Produktion von Stadt, auf ihre Beziehungsformen und Subjekte diskutiert und gefragt, welche Formen einer de-finanzialisierten Stadt dem entgegengesetzt werden können. Das Projekt strebt ein eigenes Verständnis und damit widerständige Handlungsmöglichkeiten angesichts einer abstrakten Ökonomisierung städtischen Lebens an.

Durch den Verkauf des Gewerbehofs in der Oranienstraße 25 von Berggruen Holdings an die in Luxemburg registrierte Victoria Immo Properties V S.à r.l. ist auch die nGbK selbst von dieser Dynamik betroffen. In ihrer direkten Nachbarschaft, in der Prinzenstraße nah am Moritzplatz, entsteht ein Gewerbegebiet mit hochpreisigem Kreuzberger „Kreativ-Flair“. Daran angrenzend liegt die Otto-Suhr-Siedlung, die mit der Akquisition der Deutsche Wohnen durch den Wohnungskonzern Vonovia SE übernommen wurde.

Die neue Allianz von Grundeigentum und Finanzkapital wird in allen Berliner Stadtteilen spürbar. Dahinter steht eine Transformation der globalen Ökonomie: Seit den 1970er Jahren wurde die Finanzwirtschaft gegenüber der produzierenden Wirtschaft zur entscheidenden ökonomischen Macht. Immer größere Geldmengen zirkulieren weltweit auf der Suche nach lukrativen Anlagemöglichkeiten. Urbane Räume erweisen sich als ideale Orte für eine räumliche Fixierung dieses Finanzkapitals. In städtische Immobilien investiert, wird das Kapital nicht nur sicher „geparkt“, sondern durch direkte Abschöpfung und spezifische immobilienbasierte Finanzprodukte vermehrt. Auch Altersvorsorgende oder Kleinanleger_innen werden durch politische Setzungen und die Angebote neuer Finanzdienstleister zur Teilnahme am Finanzmarkt bewegt. Dort, wo Mietshäuser zu reinen Anlageformen werden, greifen herkömmliche Vorstellungen von Grund- und Immobilieneigentum und von damit verbundener Verantwortung nicht mehr. Dieser Trend, der sich weltweit bereits vielerorts durchgesetzt hat, kam in Deutschland mit Verspätung an: der Handel mit Immobilientiteln und deren Derivaten, die sogenannte Finanzialisierung des Immobilienmarkts.

Die strukturelle Gewalt, die aus der Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen und der Vervielfachung von Mieten für Kleingewerbe, Wohn-, Arbeits- und Freizeiträume entsteht, führt letztlich zur sozio-ökonomisch markierten Segregation und Verdrängung vieler Menschen. Finanzialisierung erscheint dabei als ein undurchschaubares Außen: als etwas, das systemisch bedingt und damit unabwendbar erscheint. Das Gefühl, einer nicht (be)greifbaren Entwicklung ausgesetzt zu sein und diese nicht (mit)gestalten zu können, erschwert selbstbestimmte Umgangsweisen und Gegenentwürfe.

Gleichwohl gibt es Debatten und Kämpfe gegen die kapitalgesteuerte Verdrängung, wie zuletzt die erfolgreiche Kampagne „Deutsche Wohnen & Co. enteignen“ gezeigt hat. Viele Mieter_inneninitiativen setzen bei der Frage nach der Identität und Verantwortlichkeit der neuen Eigentümer_innen an. Die Investor_innen hinter den Immobilienfonds – Verursacher_innen und Nutznießer_innen überhöhter Mieten, fehlender Instandsetzungen, erzwungenen Auszugs und spekulativen Leerstands – sind wegen fehlender Transparenzgesetze nur schwer zu ermitteln. Und damit mangelt es auch an Strategien, wie eine solche einseitige Wertschöpfung unterbrochen, Kampagnen organisiert und eine lebenswerte Stadt für alle entwickelt werden können.

In der von vier Mitgliedern der nGbk-Projektgruppe X Properties herausgegebenen Ausgabe der Berliner Hefte zu Geschichte und Gegenwart der Stadt werden sowohl globale Perspektiven auf städtische Transformationen in Brasilien und Großbritannien als auch Fallstudien zur Finanzialisierung aus unterschiedlichen Berliner Kontexten zusammengeführt.

Das Veranstaltungsprogramm umfasst künstlerisch-performative Arbeiten im Stadtraum: knowbotiq spiegelt die infrastrukturellen Zugriffe auf die erweiterten Körperlichkeiten in einer finanzialisierten Stadtumwelt, in die Pablo Torres mit Soundspuren interveniert. coop disco skizziert auf einem fünfteiligen Banner stadtplanerische Visionen für eine diverse Gemeinwohlorientierung. Ines Schaber und Kathrin Wildner erkunden eine Gegend im Wedding, in der fünf Wohnhäuser der Albert Immo Properties gehören. Diese wird mit der Victoria Immo Properties V in Verbindung gebracht, die Eigentümerin der Oranienstraße 25 ist. Schaber und Wildner beobachten, sammeln Erzählungen und erörtern in zwei Stadtspaziergängen die Frage, ob Finanzialisierung sichtbar ist und welche anderen Zeichen von Geschichte, Veränderung und Widerstand wir erspüren können. Ein Workshop mit der Aktivistin Lorena Jonas greift die Themen Bodenwert und Eigentümer-Recherche auf, vertieft durch einen Vortrag der Geografin Susanne Heeg. In einem Radio-Feature diskutieren die Aktivist_innen und Kommunikator_innen Wouter Bernhardt, Jenny Goldberg und Sandy Kaltenborn über Sprache(n), Bilder und Utopien in der Mietenbewegung und Stadtgestaltung. Louis Moreno sowie Alexis Hyman Wolff, Achim Lengerer und Yves Mettler präsentieren unterschiedliche Perspektiven auf urbane und soziale Geografien finanzialisierter Stadtentwicklung an den Beispielen London und der Berliner Europacity.


 

nGbK-Projektgruppe: Joerg Franzbecker, Jana Gebauer, Naomi Hennig, Ines Schaber, Florian Wüst


     
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/ Wolf Biermann. Leben und Werk (Arbeitstitel)

Es lässt sich wohl ohne Übertreibung von Wolf Biermann als bekanntestem Liedermacher Deutschlands, Ost und West, sprechen. Seine Ausweisung aus der DDR 1976 war ein politischer Einschnitt und das Eingeständnis großer Ratlosigkeit der Parteiführung der SED. Anders als weniger bekannte Künstlerinnen und Künstler war Biermann zu populär geworden, um ihn in Haft zu nehmen und er war zu unberechenbar, um ihm öffentliche Auftritte zu erlauben.  

Viele seiner Lieder, Balladen und Gedichte haben den aktuellen Anlass ihrer Entstehung überdauert. „Warte nicht auf bessre Zeiten“, „Ermutigung“, „Ballade vom preußischen Ikarus“ sind Klassiker geworden.

Der Ansatz der Ausstellung zu Leben und Werk von Wolf Biermann ist ein kulturgeschichtlicher. Die Wahl ergibt sich aus der besonderen Stellung, die die Kultur in der DDR einnahm. Seit Ende des Zweiten Weltkrieges gehörte die Berufung auf die Kulturnation, zunächst in Anbindung an die Weimarer Klassik, später als „sozialistische Kulturnation“ (Erich Honecker) zum Selbstbild des Staates. In einem Staat ohne freie Medien vertrat der Kulturbereich den öffentlichen Raum. Das verschaffte der Kunst Sichtbarkeit und Anerkennung, machte sie aber auch zum Objekt von staatlicher Kontrolle und Zwang.


     
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/ Otl Aicher. Olympia 72

Otl Aicher, einer der bedeutendsten Grafikdesigner des 20. Jahrhunderts, wäre 2022 100 Jahre alt geworden. Eines seiner spektakulärsten Projekte waren vor 50 Jahren die Olympischen Spiele 1972 in München. Otl Aicher und sein Team haben unter dem Schlagwort „die heiteren Spiele“ erstmals in der Geschichte der Olympischen Spiele ein komplettes Erscheinungsbild entwickelt, das bis heute Maßstäbe setzt und eigentlich unerreicht geblieben ist.

Der gebürtige Ulmer entwickelte Zeichen, die jeder kennt: Strichmännchen, welche die verschiedenen Sportarten symbolisieren, ein Telefonhörersymbol, eine Kaffeetasse, die auf Gastronomie hinweist – ein grafisches Leitsystem. Die Ausstellung präsentiert zum einen Plakate, Bulletins und Programmhefte. Weitere Exponate wie der legendäre Olympia-Waldi sowie Schilder, Trainingsanzüge, Hostessen-Dirndl und Souvenirs lassen die Besucher/innen in die Welt der Olympiade 1972 in München hautnah eintauchen. Ergänzt wird die Schau mit Fotografien, die den Bau des Olympiaparks dokumentieren und damit auch den gestalterischen Aufbruch in der Architektur skizzieren.


     
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/ Big City Baby

Diese Ausstellung ist vom 01. bis 03. Oktober geschlossen, aufgrund des "Gauklerfest".

 

Mit Arbeiten von Imad Alfil, Mel Antiers, Laura Mercedes Arndt, Müge Bakır, Leonie Behrens, Benjamin Berkow, Hannes Berwing, Noé Borst, Paula Breuer, Seonah Chae, Alanna Dongowski, Lunita July Dorn, Sofia Efremenko, Anna Eigner, Philipp Ernst, Maria Felsmann, Johanna Hemming, Leyla Kampeter, Nazlı Karaturna, Vivyan Klemke, Christopher Krause, Marcin Łaszczewski, Jung A Lee, Sunkyu Lee, Zoë Mauritz, Felix Mehlig, Anna Luca Mogyorós, Janine Muckermann, Helena Ommert, Frida Ortgies-Tonn, Richard Paul, Katharina Reinsbach, Janosch Sinn, Lili Theilen, Friederike Toeppe, Lars Unkenholz, Oskar Zaumseil

 

Zwischen Humor und Ernsthaftigkeit, Krise und Glück befassen sich junge Künstler*innen der Kunsthochschule Berlin-Weißensee in unterschiedlichen Medien mit den vielfältigen Facetten der Stadt. Unabhängig ihrer individuellen Sujets besitzen die Arbeiten eine Leichtigkeit, senden im Schwarm einen vibe aus und fl üstern einem zu: big city, baby.

Das Projekt wird geleitet von Prof. Pia Linz und Petra Trenkel und kuratiert von Mitgliedern der studentischen Initiative Kleine Humboldt Galerie: Lotta Feibicke, Nikolas Geier, Anna Latzko, Monique Machicao y Priemer, Saskia Schiemann.


     
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/ AUSNAHMEZUSTAND. Polnische Fotokunst heute

Diese Ausstellung ist vom 01. bis 03. Oktober geschlossen, aufgrund des "Gauklerfest".

 

Mit Arbeiten von Filip Berendt, Kuba Dąbrowski, Karolina Gembara, Weronika Gęsicka, Aneta Grzeszykowska, Magda Hueckel, Pawel Jaszczuk, Irena Kalicka, Anna Kieblesz, Zuza Krajewska, Adam Lach & Dyba Lach, Diana Lelonek, Michał Łuczak, Rafał Milach, Igor Omulecki, Anna Orłowska, Witek Orski, Zosia Promińska, Agnieszka Rayss, Łukasz Rusznica, Michał Siarek, Michał Szlaga, Dominik Tarabanski, Łukasz Wierzbowski, Karolina Wojtas, Piotr Zbierski

 

"Ausnahmezustand. Polnische Fotokunst heute" ist die bislang umfassendste in Deutschland gezeigte Ausstellung, die sich ausschließlich polnischer Fotografie widmet. Sie ist weniger eine Gesamtschau, als sie sich vielmehr auf jene Generationen von Fotograf*innen konzentriert, die nach dem Ende des Kommunismus in der Dritten Polnischen Republik aufwuchsen, ihre Studien aufnahmen und Karrieren begonnen haben.

Die beteiligten Künstler*innen werfen einen umfassenden Blick auf zeitgenössisches Leben in Polen und erzählen damit eben nicht nur von Freiheit und Ungezwungenheit in einem europäischen Nachbarland, sondern ebenso von neuen restriktiven Entwicklungen. Ihre Arbeiten repräsentieren ein unmittelbares, authentisches, anarchisches, diverses, queeres und freches Polen, wie sie auch jene Menschen am Rand der Gesellschaft zeigen, deren Biografien nach 1989 ins Nichts liefen. "Ausnahmezustand" erzählt faszinierende Geschichten aus unserem Nachbarland, die in den großen neuen Narrativen über Polen häufig nicht vorkommen. Die Arbeiten leben aus dem Spannungsverhältnis zwischen Realismus und Inszenierung, zwischen direktem Zugriff und künstlerischer Distanz.

 

 

Kuratiert von Grażyna Siedlecka und Jens Pepper

 


     
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/ Inside Out

Mit Inside Out zeigt das Jüdische Museum Berlin ab 21. Oktober 2022 eine Ausstellung des israelischen Autors Etgar Keret. Ausgehend von Erinnerungen an seine Mutter hat Keret eigens neun Kurzgeschichten verfasst, die im Rahmen der Ausstellung nun erstmals öffentlich präsentiert werden. Leitmotiv ist die im Judentum verankerte Tradition, Erinnerung von Generation zu Generation weiterzugeben.

Leichtere und ernstere Texte aus der Perspektive des Autors als Kind und Erwachsener wechseln sich ab – sie erzählen vom Alltag der Familie in Israel oder auch von traumatischen Kriegserlebnissen und Gewalterfahrungen der 1934 in Polen geborenen Mutter. Alle Geschichten sind dreisprachig in gedruckter Form und als Audios zugänglich – Etgar Keret selbst hat seine Texte auf Hebräisch und Englisch eingesprochen.

Die Kurzgeschichten werden mit ausgewählten Objekten aus den JMB-Sammlungen sowie Installationen, die in Kooperation mit zeitgenössischen Künstler*innen entstanden sind, präsentiert. Das Zusammenspiel von Erinnerungen, Objekten und künstlerischen Installationen eröffnet Besucher*innen neue, emotionsgeladene Assoziationsräume, die bewusst mit klassischen Erwartungen an einen Museumsbesuch brechen.


     
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Filmreihe „Goya on Screen“ / Goya

„Yo lo vi“ (Ich sah es) kommentierte Francisco de Goya das 44. Blatt seiner „Desastres“ aus dem Jahr 1863. Angesichts des aktuellen Kriegsgeschehens in Europa widmet sich die Sammlung Scharf-Gerstenberg dem berühmten spanischen Hofmaler, der in seinen Zyklen Kriege und soziale Missstände anprangerte. Die Ausstellung zeigt alle vier Druckzyklen, wobei die ausschließlich in gebundenen Büchern vorliegenden Blätter der „Caprichos“ und „Desastres de la guerra“ erstmals in ihrer Gesamtheit als Großprojektionen zu sehen sind.

Mit dem Verkauf der 80 Radierungen und Aquatinten umfassenden „Caprichos“ wandte sich Francisco de Goya (1746-1828) erstmals an eine neue Klientel und prangerte soziale Missstände an. Zehn Jahre später prangert er in dem 82 Blätter umfassenden Zyklus „Desastres de la guerra“ (1863) den Verlust der Vernunft und die Gewalt im Kampf gegen die Okkupation durch die napoleonischen Truppen und die Hungersnöte Anfang des 19. Jahrhunderts an.

Die Ausstellung zeigt rund drei Dutzend originale Druckgrafiken sowie alle vier Druckzyklen des Künstlers, zu denen auch „La Tauromaquia“ (1814–1816) und „Los Disparates“ (1819–1823) gehören. Mit seiner fantastischen Kunst ist Goya ein wichtiger Vorläufer des Surrealismus, dem sich die Sammlung Scharf-Gerstenberg zentral widmet.

Anlässlich der Ausstellung findet die Filmreihe „Goya on Screen“ am 29. September, 26. Oktober und 30. November 2022 um jeweils 18.30 Uhr mit Filmen von Konrad Wolf, Carlos Saura und Miloš Forman statt. Tickets 10 Euro, ermäßigt 5 Euro, buchbar im Online-Ticketshop der Staatlichen Museen zu Berlin.

Eine Sonderpräsentation der Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin in Kooperation mit dem Bard College in Berlin.

Filmreihe „Goya on Screen“

     
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Das Kunstgewerbemuseum als Mustersammlung und Impulsgeber / Begegnungen. Außereuropäisches Kunsthandwerk im Bestand des Kunstgewerbemuseums

Seit Juni 2022 gibt es innerhalb des Rundgangs durch die Dauerausstellung des Kunstgewerbemuseums eine neue Intervention. In einer kleinen Neupräsentation zwischen der Barock- und Rokokoabteilung sind rund 50 Exponate zu sehen, die bislang in den Depots des Museums schlummerten: Fein ziselierte Bronzen aus Vorderasien sowie Porzellane, gläserne „snuffbottles“ (Schnupftabakflakons) und Metallobjekte aus China.

In der Anfangszeit des 1867/68 gegründeten Museums wurde nicht nur europäisches, sondern auch außereuropäisches Kunsthandwerk gesammelt. Das Museum verstand sich als Impulsgeber für die zeitgenössische Gestaltung. 1881 erhielten das Kunstgewerbemuseum, die dazugehörige Kunstgewerbeschule und die Bibliothek einen repräsentativen Neubau (der heutige Gropius Bau). Rund um den zentralen Lichthof waren die reichen Bestände untergebracht. Im Erdgeschoss wurden die Möbel nach Stilepochen gezeigt. Im Obergeschoss folgte die Präsentation den verschiedenen Materialgruppen, darunter auch Kunsthandwerk aus Vorder- und Ostasien.

Im 20. Jahrhundert wurden die meisten außereuropäischen Objekte an andere Häuser abgegeben, zum Beispiel an das Museum für Asiatische Kunst und das Museum für Islamische Kunst. Einiges hat sich aber bis heute im Bestand des Kunstgewerbemuseums erhalten und wird nun in einer Auswahl gezeigt. 

Metallarbeiten aus dem Nahen und Mittleren Osten waren in Europa seit dem Mittelalter hoch begehrte Güter. Oftmals beeinflussten sie die Gestaltung europäischer Erzeugnisse, insbesondere in der Handelsstadt Venedig. Seit dem 19. Jahrhundert wurden vorderasiatische Gefäße auch eigens für den europäischen Markt gefertigt.

Der preußische Gesandte in Beijing (Peking), Max von Brandt (1835–1920), trug in den 1870er Jahren seine umfangreiche Sammlung chinesischen Kunsthandwerks direkt vor Ort zusammen und verkaufte sie auf Vermittlung des damaligen Direktors des Berliner Kunstgewerbemuseums, Julius Lessing (1843–1908), dem preußischen Staat. Große Teile daraus gingen an das Kunstgewerbemuseum. Jugendstilkünstler ließen sich von den ostasiatischen Artefakten inspirieren: So kam der lothringische Art Nouveau-Gestalter Emile Gallé (1846–1904) im Jahr 1885 eigens ins Berliner Kunstgewerbemuseum, um die chinesischen Glasobjekte aus der Sammlung Brandt zu studieren.

Die Bankiersgattin Sophie Eltzbacher (1845-1900) legte in Amsterdam eine bedeutende, etwa 90 Objekte umfassende Sammlung von chinesischen Exportporzellanen an und vermachte diese testamentarisch dem Kunstgewerbemuseum in Berlin. Ihr besonderes Sammelinteresse galt den Porzellanen mit Dekoren in Kupferstichmanier (sog. „encre de Chine“-Porzellane), die europäischen Stichvorlagen folgten und bereits im 18. Jahrhundert durch die „Ostindischen Handelskompagnien“ in den Westen verschifft worden waren. 

Das Kunstgewerbemuseum als Mustersammlung und Impulsgeber

     
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/ ESCRIBIR TODOS SUS NOMBRES

Die Schau aus der Sammlung des Museo Helga de Alvear dokumentiert ein spannendes, wenig bekanntes Kapitel der spanischen Gegenwartskunst. Sie vereint Künstlerinnen, die geprägt von konstruktivistischen Traditionen, Minimal Art, Konzept- und Performancekunst eine reduzierte wie assoziative Formensprache entwickelten. Den Werken wird Sichtbarkeit gegeben und die spezifische Verbindung zu Poesie, Linguistik, Musik und Architektur aufgezeigt, die die unterschiedlichen Generationen hier verbindet.


     
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/ LuYang: DOKU Experience Center

In Schanghai geboren, zählt LuYang zu den bedeutendsten asiatischen Gegenwartskünstler*innen und ist in diesem Jahr „Artist of the Year“ der Deutschen Bank. LuYang gehört zu einer jungen, von Science-Fiction, Manga-, Gaming- und Technokultur inspirierten Kunstszene in China, die mit hypermodernen Technologien arbeitet und sich dabei mit den Ideen von Post- oder Transhumanismus beschäftigt. In diesen Denkrichtungen wird erforscht, wie man die Grenzen menschlicher Möglichkeiten durch den Einsatz von High-Tech erweitern kann. Das Außergewöhnliche an LuYangs Werk ist, dass hier das Posthumane im Kontext von buddhistischen und hinduistischen Kosmologien steht.

DOKU Experience Center fokussiert sich dabei ganz auf die virtuelle Reinkarnation namens Dokusho Dokushi, kurz DOKU. Der genderneutrale Avatar ist eine hyperrealistische Figur, deren Antlitz nach LuYangs Gesicht modelliert ist. Alle Gesichtsausdrücke und Bewegungsmuster werden von Tänzer*innen ausgeführt und dann mit der Motion-Capture-Technologie aufgezeichnet – einem Verfahren, das auf dieser Basis 3D-Modelle etwa für Videospiele generiert.

Wie in einem futuristischen Forschungslabor sind in der Ausstellung alle sechs digitalen Versionen von DOKU erlebbar. Präsentiert werden neben dem ersten narrativen Video DOKU the Self auch LuYangs eigens für die Schau konzipiertes Musikvideo DOKU the Matrix und die neue Serie Bardo #1, die den Avatar mit seinen jeweiligen Attributen in runden Mandala-Kompositionen zeigt.