Ausstellungen der Museen von Berlin © www.museumsportal-berlin.de
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/ My own private paradise

Die Kulturstiftung Schloss Britz präsentiert in Kooperation mit der Galerie Geuer und Geuer (Düsseldorf) und der Galerie Saal (Ludwigshafen) Werke des US-amerikanischen Künstlers Danny Minnick.

Nach einer Karriere als Profi-Skateboarder und Schauspieler hat sich Minnick seit Jahren als erfolgreicher bildender Künstler in den USA etabliert. Er wird als veritabler Shootingstar gehandelt. Dabei ist er der Ästhetik und dem Lebensgefühl der StreetArt verpflichtet.
In seinen Gemälden adaptiert er die Formensprache der subversiven Kunst eines Jean-Michel Basquiat oder Keith Haring und stellt diese kongenial in den Kontext kanonisierter Stilrichtungen wie den „abstrakten Expressionismus“ eines Willem de Kooning.
Der in New York und Los Angeles lebende Minnick ist weiterhin auf der Straße aktiv und gestaltet eindrucksvolle Wände. Im Schloss Britz wird selbst der Boden zum Kunstwerk und begehbaren „Bild“.


     
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/ Magyar Modern

Die Ausstellung würdigt erstmals umfassend den ungarischen Beitrag zur Klassischen Moderne in der deutschen Hauptstadt. In der Geschichte der Kunst und Kultur Ungarns spielt Berlin eine besondere Rolle: Bereits vor dem Ersten Weltkrieg nutzten ungarische Künstler*innen die wachsende Metropole als Ausstellungsbühne, auf der sie sich einem internationalen Publikum präsentieren konnten. Nachdem reaktionäre Kräfte 1919 der politischen Neugestaltung Ungarns ein Ende setzten, erwies sich das kosmopolitische Berlin der Weimarer Republik als Exil für progressive Künstler*innen. An der Spree fanden sie einen Ort kreativer Freiheit und zeigten in verschiedensten Kontexten der Avantgarde große Präsenz. Berlin prägte viele ungarische Künstler*innen ebenso wie diese den Kunstbetrieb mitbestimmten. Die wechselseitige kulturelle Inspiration wieder bekannt zu machen, ist das zentrale Anliegen der Ausstellung. Sie versammelt Gemälde, Grafiken, Skulpturen, Fotografien und Architekturzeichnungen und bereichert die Kunstwahrnehmung nachhaltig um künstlerische Leistungen aus Ostmitteleuropa.

Künstler*innen (Auswahl):

Béla Balázs, József Bató, Róbert Berény, Aurél Bernáth, Éva Besnyő, Vera Biller, Mihály Biró, Dezső Bokros Birman, Sándor Bortnyik, Marcel Breuer, Béla Czóbel, Lajos d’Ébneth, Sándor Ék, Jenő Feiks, Béni Ferenczy, Károly Ferenczy, Noémi Ferenczy, Alfréd Forbát, Imre Góth, Gyula Hincz, Béla Kádár, György Kákai Szabó, Ernő Kállai, Judit Kárász, Lajos Kassák, Oskar Kaufmann, Alfréd Kemény, György Kepes, Károly Kernstok, János Mattis Teutsch, László Moholy-Nagy, Martin Munkácsi, József Nemes Lampérth, Gyula Pap, László Péri, Bertalan Pór, György Rauscher, József Rippl-Rónai, Hugó Scheiber, Jolán Szilágyi, Lajos Tihanyi, Béla Uitz, Andor Weininger

Die Ausstellung ist eine Kooperation der Berlinischen Galerie mit dem Museum der Bildenden Künste, Budapest – Ungarische Nationalgalerie. Rahmenprogramm in Kooperation mit dem Collegium Hungaricum Berlin.


     
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/ Conrad Felixmüller

Zum 125. Geburtstag von Conrad Felixmüller (1897–1977) präsentiert die Berlinische Galerie in einem Raum der Dauerausstellung 37 grafische Arbeiten und Archivmaterial aus der Sammlung Wilke. Hans-Jürgen Wilke war der letzte Drucker Felixmüllers und hat mit ihm von 1970 bis zu dessen Tod 1977 zusammengearbeitet. Wilkes umfangreiche Sammlung an Druckgrafiken zeigt das vielseitige Werk Felixmüllers, der zwei Weltkriege und unterschiedliche politische Systeme miterlebt hat. Im Zentrum seiner Darstellungen stand immer der Mensch. Ergänzt werden die Leihgaben durch ein Aquarell und ein Gemälde aus der Sammlung der Berlinischen Galerie.

Ausgestellte Werke

Selbstporträts ziehen sich durch das gesamte Werk von Conrad Felixmüller und verdeutlichen seine künstlerische Entwicklung von einer expressiven Bildsprache hin zu klaren Formen. Ab Mitte der 1920er Jahre fertigte Felixmüller zudem viele repräsentative Bildnisse von Intellektuellen und Sammler*innen wie Carl Sternheim oder Max Liebermann an. Diese großen Porträtholzschnitte gelten als Höhepunkte seines druckgrafischen Werks.

1920 wurde Felixmüller der Sächsische Staatspreis verliehen, der in der Regel mit einem zweijährigen Aufenthalt in Rom verbunden war. Der Künstler nutzte das Stipendium jedoch alternativ für einen längeren Aufenthalt im Arbeitermilieu im Ruhrgebiet. Die dort entstandenen sozialkritischen Bilder, von denen einige in der Ausstellung zu sehen sind, veranschaulichen die teils prekären Arbeits- und Lebensbedingungen des Proletariats.

Ein weiterer Teil der Ausstellung widmet sich den Landschafts- und Stadtansichten. Nachdem die Berliner Atelierwohnung des Künstlers 1944 zerbombt wurde, zog er nach Tautenhain in die sächsische Provinz. Felixmüller interessierte sich sehr für das ländliche Leben und die der Dorfbewohner*innen und hielt dieses in vielen Druckgrafiken fest. 1961 kam er nach Berlin und widmete sich in den letzten Schaffensjahren vermehrt urbanen Motiven.

Biografie

Conrad Felix Müller, der ab 1917 den Künstlernamen Felixmüller annimmt, wurde am 21. Mai 1897 in Dresden geboren. Früh bemerkte er seine Leidenschaft für die Zeichnung und konnte durch eine Sondererlaubnis von Carl Bantzer schon mit 15 Jahren in dessen Malklasse an der Königlichen Kunstakademie in Dresden studieren.

Als Autodidakt eignete Felixmüller sich verschiedene grafische Techniken an. Mit 18 Jahren ließ er sich als freischaffender Maler in Dresden nieder und wurde nach dem Ersten Weltkrieg zu einem Wortführer des Expressionismus. Er veröffentlichte Aufsätze und Druckgrafiken in politisch links ausgerichteten Zeitschriften wie „Der Sturm“ oder „Die Aktion“. Als sich seine revolutionären Vorstellungen nicht erfüllten, beendete er seine politischen Aktivitäten und distanzierte sich zunehmend von seinem expressionistischen Frühwerk.

Von 1934 bis 1941 wohnte Felixmüller mit seiner Frau Londa und seinen zwei Kindern Titus und Luca in Berlin. Wegen seiner früheren politischen Haltung wurde er von den Nationalsozialist*innen zunehmend aus dem Kunstbetrieb ausgegrenzt. 40 seiner Bilder wurden in der Ausstellung „Entartete Kunst“ in Dresden gezeigt und über 150 Werke aus deutschen Museumssammlungen beschlagnahmt.

1949 erhielt Felixmüller eine Professur für Malen und Zeichnen an der Martin-Luther-Universität in Halle. 1961 zog er zurück nach Berlin in den Bezirk Köpenick. Da sich seine Arbeiten auch in der DDR nicht mit der offiziellen Staatskunst in Einklang bringen ließen, reiste der Künstler 1967 in den West-Berliner Bezirk Zehlendorf aus. Dort verstarb er kurz vor seinem 80. Geburtstag am 24. März 1977.


     
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Ausstellungsorte / Jeden Tag im Museum

Am Kulturforum, in Dahlem, in Köpenick und auf der Museumsinsel Berlin präsentiert die Ausstellungsintervention „Jeden Tag im Museum“ die Lieblingswerke des Sicherheitspersonals.

Kaum jemand verbringt so viel Zeit mit den Objekten der Museen wie das Sicherheitspersonal. Tagein, tagaus beschützen sie die Werke, begrüßen Besucher*innen und entwickeln eine ganz eigene Beziehung zu den Sammlungen. Aus unterschiedlichster Herkunft und mit einer großen Bandbreite an Interessen und Erfahrungen, haben die Teilnehmer*innen eine je eigene emotionale, alltägliche Sicht auf die Werke und eröffnen damit vielfältige Perspektiven, die nun sichtbar gemacht werden sollen. 

In der sammlungsübergreifenden Ausstellungsintervention sind Werke in Dauerausstellungen in einer Auswahl, die vom Sicherheitspersonal getroffen worden ist, durch eine Markierung hervorgehoben. „Jeden Tag im Museum“ ist zu sehen im Alten Museum, in der Gemäldegalerie, im Museum Europäischer Kulturen, im Neuen Museum, im Pergamonmuseum und im Schloss Köpenick.

Eine Ausstellungsintervention des Ägyptischen Museums und Papyrussammlung, der Antikensammlung, der Gemäldegalerie, des Kunstgewerbemuseums, des Museums Europäischer Kulturen, des Museums für Islamische Kunst und des Vorderasiatischen Museums der Staatlichen Museen zu Berlin. 

Konzipiert von Lisa Botti und Catalina Heroven, entwickelt im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Weitwinkel. Globale Sammlungsperspektiven“ mit Unterstützung des Projekts „Diversität als Narrative, Diversität als Wirklichkeit“ am Museum für Islamische Kunst.

Das Projekt wird gefördert im Programm 360° – Fonds für Kulturen der neuen Stadtgesellschaft der Kulturstiftung des Bundes. 

Ausstellungsorte

     
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/ 200 Jahre archäologische Spurensuche in Ostia: Ein Heiligtum wird entdeckt

Die Ausstellung „200 Jahre archäologische Spurensuche in Ostia: Ein Heiligtum wird entdeckt“ präsentiert die Ergebnisse der Grabungen des Ostia Forum Projekts und insbesondere des damit verknüpften, von der Stiftung Humboldt-Universität geförderten Graduiertenkollegs wider.

Die Ausstellung beinhaltet neben einer ausführlichen und abbildungsreichen Einführung in die Grabungsaktivitäten des Ostia Forum Projekts sechs Posteressays der Promovierenden, in denen die Dissertationsprojekte im Detail vorgestellt werden.

 

Mehrere Vitrinen mit Originalzeichnungen und archäologischem Werkzeug veranschaulichen die Darstellung des Arbeitsalltags von Archäolog:innen. Zudem sind 3D-Drucke des Ausgrabungsbereichs und einzelner Fundobjekte sowie digitale Rekonstruktionen des neuentdeckten Heiligtums mitsamt mehrere Tempel- und Altarphasen zu sehen.

In Zusammenarbeit mit der TU Berlin sind zwei Virtual Reality (VR) Umgebungen entstanden, die die Inhalte der Ausstellung virtuell ergänzen. Während es die VR Umgebung „Ostia Forum Virtual Deposit“ Besucher:innen ermöglicht, archäologische Fundstücke aus der römischen Hafenstadt virtuell „in die Hand zu nehmen“ und ihre Bedeutung kennen zu lernen, verschafft die Anwendung „Ostia Forum Altar: Sacrificing in Ostia’s First Sanctuary“ dem Betrachtenden einen Eindruck von der Ausgrabungsstätte, den Rekonstruktionen und den Opferritualen, die an jenem Ort stattgefunden haben.

 

PARTNER

Ostia Forum Projekt
Stiftung Humboldt-Universität
REALITAETENLABOR
TU Berlin, Fachgebiet Informations- und Kommunikationsmanagement
Vinn:Lab (TH Wildau) für die 3D-Drucke


     
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/ Jüdische Spuren in Lichtenberg

Vom 12. Mai bis zum 26. Juni 2022 stellt das Museum das facettenreiche jüdische Leben in Lichtenberg in einer Ausstellung vor: Synagogen und jüdische Vereine gehörten einst zu Lichtenberg. Hier fand ein reges religiöses und soziales Leben statt. 2200 jüdische Einwohner zählte der Bezirk 1933. Noch im gleichen Jahr begann mit der NS-Herrschaft die Ausgrenzung von Jüdinnen und Juden aus dem öffentlichen Leben. Einige konnten emigrieren, andere wurden in den Vernichtungslagern ermordet, wenige überlebten im Versteck.

Die Geschichte der Juden in Lichtenberg dauerte nur wenige Jahrzehnte. Sie begann noch vor 1900, als sich Lichtenberg und Boxhagen-Rummelsburg zum Gewerbe- und Produktionsstandort entwickelten, eigene Rathäuser erbauten und zu Orten mit städtischem Gepräge wuchsen. Viele neue Anwohnerinnen und Anwohner zog es hierher, unter ihnen auch Jüdinnen und Juden. Sie wurden in allen Bereichen tätig. Jüdische Kaufleute und Geschäftsinhaber ließen sich in der Frankfurter Allee nieder, wie auch in der Berliner Straße in Hohenschönhausen. In derselben Gegend eröffneten Ärztinnen und Ärzte und andere freiberuflich Tätige ihre Praxen und Geschäftsräume. Andere zog es nach Karlshorst, das mit villenartiger Bebauung für eine eher gehobene Klientel errichtet wurde.

Die Sonderausstellung im Museum Lichtenberg stellt das jüdische Leben in Lichtenberg anhand einzelner Biographien vor. Entlang von Objekten und Dokumenten aus dem Archiv des Museums – mit Urkunden, Briefen und Fotografien – wird derart ein anschauliches Bild vermittelt. Ergänzt wird die Ausstellung durch Filmmaterial und Hörstationen.


     
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/ Susi und wir. Vom Hingucken und Wegschauen

Das Ausstellungsprojekt „Susi und Wir. Vom Hingucken und Wegschauen“ setzt sich mit der Zeit des Nationalsozialismus und der Verfolgung von Jüdinnen und Juden nach Motiven des Kinderbuchs "Susi, die Enkelin vom Haus Nr. 4" von Birgitta Behr auseinander. In sieben interaktiven Stationen – begleitet durch Iris Berben als Erzählerin – erhalten Kinder, Jugendliche und interessierte Erwachsene einen Blick auf die authentische Geschichte von Susanne „Susi“ Collm und ihrer Familie aus Berlin-Charlottenburg.

Gerade mal sechs Jahre alt musste sich Susi von 1942 bis 1945 gemeinsam mit ihren Eltern im Untergrund von Berlin und der Region vor den Nazis verstecken. Sie überlebten, weil es engagierte Menschen gab, die halfen – und weil sie trotz des Grauens der Nazizeit nicht aufgaben. Im Zentrum der Ausstellung steht die bis heute aktuelle Frage: Hingucken oder Wegschauen? Die in eine begehbare Stadtkulisse verwandelte Ausstellungslandschaft verknüpft Fragmente der Geschichte der Familie Collm mit historischen Bezügen und schlägt die Brücke zu gegenwärtigen Themen wie z.B. Ausgrenzung und Widerstand, Zivilcourage und Utopien. 
Die Aktionsschauplätze der Ausstellung öffnen den Besucher*innen eigene Räume für ihre Annäherung an die historischen Protagonist*innen des Kinderbuchs und deren Leben während der NS-Zeit. So werden über rotgefärbte „Gedankenlesebrillen“ unsichtbare Texte in „Gedankenblasen“ sichtbar und damit die Meinungen, Vorurteile und geheimen Wünsche, aber auch die Optionen der handelnden oder passiv-zögernden Personen ablesbar. Das eigens für die Ausstellung produzierte Begleitheft unterstützt die eigenständige Meinungsbildung mit weiterführenden Fragen und Inhalten zu Verfolgung, Widerstand, Zuschauer- und Täterschaften.

"Susi und Wir. Vom Hingucken und Wegschauen" ist eine Ausstellung des Alice - Museum für Kinder im FEZ und der Senatsverwaltung für Jugend, Bildung und Familie, nach Motiven des Kinderbuchs "Susi, die Enkelin von Haus Nummer 4" von Birgitta Behr. Die Ausstellung ist eine Kooperation mit dem Anne-Frank-Zentrum, Berlin, und wird gefördert von PS Sparen und Gewinnen der Berliner Sparkasse.


     
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/ Inge Thiess-Böttner

 

Charakteristisch für die Arbeiten von Inge Thiess-Böttner (* 1924 Dresden, † 2001 ebenda) ist die Auseinandersetzung mit der Moderne sowie der Bauhaustradition. In ihren Druckgrafiken dominieren kristalline Strukturen, die sich aus der Verschränkung klarer Linien und Grundformen ergeben. Die Bildkompositionen sind hermetisch geschlossen. Als Module werden sie mehrmals auf den Bildträger gebracht,  dabei systematisch gespiegelt und gedreht, sodass neue Konstellationen und Farbräume entstehen. Anders als in den Druckgrafiken emergieren die Motive der Scraperboards durch die Freilegung von Negativformen.

Das Arbeiten in Serien ermöglicht es der Künstlerin, die Variationenvielfalt und das Formenrepertoire sichtbar zu machen. Mehr noch referiert Thiess-Böttner durch ihre methodische Grundlage auf Arnold Schönbergs Dodekaphonie. Dem Komponisten und Musiktheoretiker widmet sie mehrere Blätter. Thiess-Böttners Malerei wirkt dagegen wie ein „poème simultane“. Die Farbschichten, die im Sprühverfahren auf die Leinwand aufgetragen werden, oszillieren und brechen durch die sichtbaren Farbtropfen die lineare und technoid anmutenden Strenge ihrer konstruktiv-konkreten Kompositionen.

In Abgrenzung zu ihrem Künstlerkollegen Karl-Heinz Adler, der als Architekt u. a. mit Kunst im öffentlichen Raum sichtbar vertreten war, stand Thiess-Böttner mit ihrer „formalistischen Abstraktion“ abseits jeglicher DDR-nahen Kunst. Stattdessen entwickelte sie eine einzigartige künstlerische Position, welche sie zu einer der interessantesten Vertreterinnen konstruktiv-konkreter Kunst Ostdeutschlands macht.

Mit „Modern Friction“ zeigt das Spandauer Kulturamt in Kooperation mit der Galerie Mitte (Dresden) eine Auswahl an Werken aus dem  Nachlass der Künstlerin, die im Zeitraum von 1984 bis 2001 entstanden sind. Im Gotischen Haus treffen klare druckgrafische Formen auf geschwungene gotische Netzgewölbe. Sinnlich verschränken sich Inge Thiess-Böttners Arbeiten mit den architektonischen Besonderheiten des im 15. Jahrhundert entstandenen Bauwerks und erzeugen eine spannungsvolle Reibung historischer Ebenen.

 

Kuratiert von Maria Weber


     
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/ Thomas Florschuetz

Thomas Florschuetz, geboren 1957 in Zwickau, gilt als einer der wichtigsten Vertreter zeitgenössischer Fotografie. Er ist ein präziser Beobachter seiner Umgebung und ihrer Erscheinungsformen. Wie in einer „Schule des Sehens“ fordert er seine Betrachter*innen auf, dem eigenen Blick – zuweilen verstellt durch ein raffiniertes Geflecht von formalen Überlagerungen und Verschränkungen – zu folgen.

Für Florschuetz besteht die Komplexität der Fotografie darin, direkt auf Objekte oder Situationen zu reagieren und gleichzeitig über den rein abbildenden Aspekt hinauszuweisen. Er wählt An- und Ausschnitte, Durchblicke in Räume, Spiegelungen, konzentriert sich auf Überlagerungen und Verschränkungen von architektonischen Formen und Objekten, die in vielbeachteten, oft großformatigen Werkserien münden. Damit löst er das Abgebildete bewusst aus seinem ursprünglichen Kontext und stellt neue Zusammenhänge her.

Die Ausstellung legt den Schwerpunkt auf die letzten zehn Schaffensjahre von Thomas Florschuetz. Zu sehen sind unter anderem Arbeiten aus der Werkgruppe „Elephant’s Breath”, in der sich der Fotograf mit der Auflösung des Ethnologischen Museums am Standort Berlin-Dahlem auseinandersetzt. Anlässlich der Ausstellung entstanden außerdem eine Reihe neuer Arbeiten, darunter Aufnahmen der UNESCO-Welterbestätte Sítio Roberto Burle Marx in der Nähe von Rio de Janeiro.


     
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/ DINGE ORDNEN

Mit der Sonderausstellung DINGE ORDNEN will das Werkbundarchiv – Museum der Dinge ganz konkret Analogien zwischen alltäglichen Ordnungssystemen und musealen Strukturen aufzeigen. 

Im Alltag sind wir bemüht, dem Chaos Einhalt zu gebieten – mittels Ordnungshelfern, Ordnungshütern und Ordnungsrastern, mithilfe von Ordnungsratgebern oder Ordnungs-coaches, Sie alle geben bestimmte Strukturierungen vor: als Kästen, Schubfächer und Schränke oder als Regeln, Koordinaten, Systeme, Auszeichnungen, Register, Anleitungen und Gebote. Die Betrachtung dieser Ordnungsvor- und -verrichtungen macht die Allgegenwart von Strukturierungsaufgaben deutlich.

Im Museum ist Ordnung ein unverzichtbarer Aspekt, vielleicht der wesentlichste. Die Ordnung der Dinge und die Ordnung des Wissens bedingen sich hier gegenseitig. Theoretische Strukturierungsmodelle lassen den praktischen Zugriff oft vergessen, der beim musealen Ordnen deutlich wird: im Sammeln, Auspacken und Sichten, Einordnen, Inventarisieren und Katalogisieren von Objekten und Dokumenten. Auf Grundlage der vergleichenden Betrachtung und Analyse, des Unterscheidens, des Trennens und Zusammenfügens agiert das Museum als eine Art „Ordnungsmaschinerie“. Eine „Ordnungsmaschinerie“, die in Abhängigkeit vom jeweiligen Auftrag,einer wissenschaftlichen Systematik und dem aktuellen Wissensstand funktioniert.

Die Sonderausstellung DINGE ORDNEN bildet einen kommentierenden Rahmen für die nach Art eines offenen Depots angelegte Dauerausstellung des Museums. Zu Beginn der Ausstellung steht die „Registratur“ – eigentlich eine Protokollinstanz für administrative Vorgänge – für den Prozess, den Objekte mit der Integration in die musealen Sammlungen durchlaufen. Im zweiten bildhaften Teil der Ausstellung steht das Museum als Behältnis im Vordergrund – symbolisiert durch Kästen mit diversen Schubladen, die zum geordneten musealen Aufbewahren genutzt werden und wurden. Diese schweren materiellen Gebilde sind mit zwei künstlerischen Installationen von Sibylle Hofter und Moritz Fehr verknüpft.

Mit dem Projekt soll vor dem Hintergrund vielfältiger Ordnungsdinge ein Raum für die eigene Reflexion und darüber hinaus auch für einen Diskurs von und mit Spezialist*innen der Wissens- und der Alltagsordnungen geöffnet werden. Vorträge, Gespräche und Workshops widmen sich dem Thema aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln und laden ein zu einem mit der Ausstellung DINGE ORDNEN angestrebten Erkenntnisprozess. 

Das Projekt DINGE ORDNEN bildet den Auftakt für weitere Aktivitäten anlässlich des 50. Jubiläums der Gründung des Werkbundarchivs in den Jahren 1972/73.

Am 19. Mai ist der Eintritt ins Museum frei. 


     
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Ausstellungsreihe „Seen By“ / Seen By #17

In der aktuellen Medienlandschaft werden wir durch die Technologie dazu erzogen, jeder verfolgbaren und kommerziell verwertbaren Handlung eine persönliche und vermeintlich authentische Bedeutung zuzuschreiben – wir erstellen Profile, in denen wir unser soziales Leben auf Instagram posten, das sich in Bildern und Verknüpfungen online darstellt, während die Daten von denselben Unternehmensplattformen, auf denen sich alles abspielt, extrahiert und monetarisiert werden. Auf der einen Seite ist die Erstellung von Profilen, alternativen Avataren und die Herstellung oder Verschönerung von Identität online normalisiert, während auf der anderen Seite die Politisierung von Identität und ihre anschließende Verwertung im Mittelpunkt der kulturellen Debatten in der westlichen Gesellschaft steht.

Sowohl auf der Seite der Autor*innen als auch auf der der Zuschauer*innen ist die Kreation des Profils ein zentraler Prozess und ein zentrales Motiv heutiger sozialer Beziehungen. Auch wenn wir glauben, dass wir die Kontrolle über die Erstellung von Profilen in den sozialen Medien haben, um uns online zu repräsentieren, konstruieren Prozesse wie die Erstellung von Verbraucher- oder Polizeiprofilen Darstellungen von uns, die auf der technologischen Wahrnehmung unseres Verhaltens basieren. Diese Polarität zwischen Autor*innen und Betrachter*innen setzt sich in der Art und Weise fort, wie wir uns Kunstwerken nähern und wie Künstler*innen heute darüber nachdenken, wie die Bedeutung ihrer Arbeit konstruiert wird.

Mit Arbeiten von Aisha Altenhofen & Felix Ansmann, Friederike Goebbels, Tara Habibzadeh, Samuel Haitz, Dana Rabea Jäger, Koob-Sassen Company, Jonas Kuck & Lukas Zerrahn, Katharina Michalsky und Miriam Wierzchoslawska.

Eine Sonderpräsentation der Kunstbibliothek – Staatliche Museen zu Berlin in Kooperation mit der Universität der Künste Berlin

Seen By #17 ist Teil der Ausstellungskooperation „Seen By“ der Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin und der Universität der Künste Berlin im Museum für Fotografie. Sie hat zum Ziel, kuratorische und künstlerische Strategien im Umgang mit zeitgenössischer Fotografie neu zu denken. Mehr Informationen: www.smb.museum/seenby

Ausstellungsreihe „Seen By“

     
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/ Fallende Kirschblüten

Im Zentrum dieser Präsentation stehen Malerei, Holzschnitte und Picknickutensilien des 17. bis 19. Jahrhunderts, die von Darstellungen blühender Kirschbäume über Picknickszenen bis hin zur Inszenierung von Kurtisanen und Kriegern (Eros und Thanatos) unter Kirschblüten reichen und im Farbholzschnitt mit einzelnen Werken auch in das frühe 20. Jahrhundert ausgreifen. 

Die Blüte der Kirschbäume, die meist von Mitte März bis Ende Mai von der Süd- zur Nordspitze des lang gestreckten japanischen Archipels wandert, ist ein in Literatur, Dichtung, bildenden und performativen Künsten vielfach und mit unterschiedlichsten Bedeutungen thematisiertes Ereignis. Mit Ausflügen, Picknicks und Zusammenkünften zur Betrachtung der Bäume, nächtlichen Illuminationen, Geselligkeit, Dichtung, Tanz und Gesang wird die periodische Wiederkehr des Frühlings und die Erneuerung der natürlichen Ordnung – von großer Anteilnahme von Medien und Öffentlichkeit begleitet – in Japan alljährlich und zunehmend auch weltweit mehr oder weniger gemeinschaftlich gefeiert.

Im Wissen um die kurze Dauer der Blütezeit schwingt aber zugleich stets auch ein subtiles Empfinden der Vergänglichkeit und Verletzlichkeit von Schönheit sowie der Endlichkeit des menschlichen Lebens mit. Diese ambivalenten Bedeutungen wurden in Japan seit dem 19. Jahrhundert im Dienst nationaler Repräsentation und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts auch zur Heroisierung des Militärs eingesetzt. 

Eine Wechselpräsentation des Museums für Asiatische Kunst der Staatlichen Museen zu Berlin im Rahmen der Dauerausstellung „Ethnologische Sammlungen und Asiatische Kunst“ im Humboldt Forum.


     
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/ Bu bai

„Bu bai“ ist ein traditioneller Begriff der chinesischen Kalligraphie. Er bezieht sich auf das Konzept der Anordnung vom Weiß des Hintergrunds in Verhältnis zum Schwarz der Tuschestriche.

Die Methode wird auf drei Ebenen bezogen: auf das einzelne Zeichen, eine Spalte oder Gruppe von Zeichen und das gesamte Layout. Die schwarzen und weißen beziehungsweise gefüllten und leeren Bereiche sind zwei sich ergänzende Kräfte, die ineinandergreifen und sich gegenseitig bedingen – wie Yin und Yang in der chinesischen Philosophie.

Dabei ist „Bu bai“ eine unersetzliche Ausdrucksform in der chinesischen Malerei, die mindestens seit der Song-Dynastie (960 – 1279) kalligraphische Pinselführung verwendet. Dies ist insbesondere in der Malerei von Orchideen, Felsen und Bambus, aber auch Landschaften der Fall. 

Eine Wechselpräsentation des Museums für Asiatische Kunst der Staatlichen Museen zu Berlin kuratiert von Birgitta Augustin, zu sehen im Rahmen der Dauerausstellung „Ethnologische Sammlungen und Asiatische Kunst“ im Humboldt Forum. 


     
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Ausgewählte Positionen moderner und zeitgenössischer Künstler*innen / Schreibkunst und Schriftkultur

Schriftsysteme sind überall in Ostasien prägend. Sie beeinflussen Künste und Alltagskulturen ebenso wie Lebensumwelt und Denken der Menschen. Diesen besonderen Stellenwert reflektiert die Auftaktpräsentation auf der Transkulturellen Themenausstellungsfläche, die am Schnittpunkt der Galerien für die Künste aus China, Korea und Japan verortet ist. 

In ganz Ostasien sind chinesische Schriftzeichen nicht nur Mittel der Kommunikation, sondern auch ein Medium künstlerischen Ausdrucks. In Korea und Japan entwickelten sich daneben eigene Zeichensysteme. Die Schreibkunst zählt in allen drei Kulturen zu den wichtigsten Kunstformen und beeinflusst ihre Gesellschaften bis heute. Die unterschiedlichen Schriftsysteme stiften Identität, bestimmen das Kulturerbe und dienten auch zur Legitimation von Macht. Selbst Menschen, die sie nicht lesen können, sind von ihnen fasziniert. 

In ihrem überschaubaren Rahmen konzentriert sich die Ausstellung auf 14 ausgewählte Positionen moderner und zeitgenössischer Künstler*innen. Neonschriften, Kiefernlatten und Holzklötzchen überschreiten die Grenzen traditioneller Formate und Materialien. Einige Werke variieren und aktualisieren klassische Themen oder stellen dieselben in Frage. Die enge Verwandtschaft und Gleichrangigkeit von Malerei und Schreibkunst spielt wiederholt eine Rolle. Ebenso ist die Wirkweise von Kommunikation ein Thema oder auch semantische Verluste, die mit der Entwicklung von Sprache und Schrift einhergehen. Die poetische Dimension des Genres scheint in allen Kunstwerken auf. 

Eine Wechselpräsentation des Museums für Asiatische Kunst der Staatlichen Museen zu Berlin in Zusammenarbeit mit Prof. Shao-Lan Hertel und Studierenden der Ostasiatischen Kunstgeschichte des Kunsthistorischen Instituts der Freien Universität Berlin kuratiert von Uta Rahman-Steinert, zu sehen im Rahmen der Dauerausstellung „Ethnologische Sammlungen und Asiatische Kunst“ im Humboldt Forum.

Ausgewählte Positionen moderner und zeitgenössischer Künstler*innen

     
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/ The Driving Factor

Touren, Ausstellung, Web-Repositorium
 

Teilnehmer_innen: Ana Alenso, Cristóbal Bonelli (University of Amsterdam, Principal investigator ERC Worlds of Lithium), Inge Broska, Helmuth Albrecht (TU Bergakademie Freiberg), Aurora Castillo, Oscar Choque (Ayni, Verein für Ressourcengerechtigkeit e.V.), Constanze Fischbeck, Michelle Geraerts (Worlds of Lithium ERC, University of Amsterdam), Eva Hertzsch & Adam Page mit Mozart Schule Berlin und Victor-Klemperer-Kolleg Berlin, Sonja Hornung, Manu Hoyer (Bürgerinitiative Grünheide, tbc), knowbotiq (Yvonne Wilhelm, Christian Huebler), Susan Newman (The Open University), Jan Müggenburg (Leuphana Universität Lüneburg), Canay Özden-Schilling (National University of Singapore), Heidemarie Schröder (Wassertafel Berlin Brandenburg), Susanne Reumschüssel (Industriesalon Schöneweide), Andrea Riedel (Stadt- und Bergbaumuseum Freiberg), Leni Roller, Thomas Turnbull (Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte), Jens Weber (Grüne Liga Osterzgebirge e.V.), Jack Wolf

 

Woher rührt die Macht der „Speicherbarkeit“ von Energie? Am Anfang des Projekts The Driving Factor stand die Verwunderung über die widersprüchlichen Reaktionen von Politik und Zivilgesellschaft auf den Bau der Tesla-Gigafactory in Grünheide, Brandenburg. Auf lokaler und nationaler Ebene feierte die Politik eine zukunftsweisende, angeblich umweltfreundliche Technologie und die Schaffung von Arbeitsplätzen. Indessen wurden unzählige Einwendungen zu den Folgen für die bereits angeschlagenen Grundwasserreserven und zur Rodung des Waldes weitgehend ignoriert oder gar verhindert. Kritik an künftigen Auswirkungen der Produktion, Sorgen um Arbeitsbedingungen und Umweltschäden entlang der transnationalen Produktionswege galten ohnehin als nicht verfahrensrelevant. Waren die Versprechen von „grüner“ Mobilität, ähnlich denen der „Energiewende“, nicht auch hier, wie an vielen anderen Orten, Anlass einer tiefgreifenden Gefährdung von Ökosystemen und der Unterwanderung zivilgesellschaftlicher Rechte?

Beiden Versprechen—dem der Elektromobilität und dem der „Energiewende“—zugrunde liegt ein Objekt: Die Batterie. The Driving Factor nimmt die Lithiumbatterie als Speichertechnologie „grüner“ Energie zum Ausgangspunkt für multidisziplinäre, künstlerische Untersuchungen. Das Projekt hinterfragt das Narrativ des schadlosen Speicherblocks für alle und überall, ob in Mobiltelefonen, Autos oder zur Stabilisierung der Stromnetze. Aus lokalen Zusammenhängen heraus versucht es, Verbindungen zur globalen Lithium-Lieferkette herzustellen und dabei intransparente und meist umweltschädigende Praktiken der Rohstoffförderung, sowie Mechanismen der Aneignung von Natur- und menschlicher Arbeit als Fortsetzung imperialistischer und kolonialistischer Logiken aufzuzeigen, die sich auch in Deutschland nachverfolgen lassen.

Die drei experimentellen Touren von The Driving Factor führen durch soziale und geographische Landschaften der Extraktion und Akkumulation in Berlin, Brandenburg und Sachsen. Jede Tour, als räumliche wie auch als gedankliche Bewegung konzipiert, macht Zyklen der Auf- und Abwertung von Rohstoffen und Landschaften nachvollziehbar, die in Zusammenhang mit der „Energiewende“ stehen: die Reaktivierung der Vision von Elektromobilität in Berlin-Oberschöneweide und Grünheide; die Wiederaufnahme des Bergbaus im sächsischen Erzgebirge nach dem Fund von Lithiumvorkommen; und die Produktion bzw. Neu-Verwertung von Landschaften nach dem Ausstieg aus dem Kohleabbau in der Lausitz.

Das Projekt versammelt Katalysator_innen—Künstler_innen, Kulturschaffende, Wissenschaftler_innen und Aktivist_innen—deren Praxis die Chancen, Risiken und Widersprüche der Produktion, Speicherung und Verteilung von Energie behandelt. Indem die unterschiedlichen Formen des Engagements von Besucher_innen, geladenen und zugeschalteten Gästen miteinander in Dialog treten, werden gewohnte Blickwinkel und  Narrative über „Zentren“ und „Peripherien“—als Orte des Energiebedarfs und Orte der Produktion von Energie—verkompliziert. Dadurch, dass wir uns gemeinsam durch konkrete Orte und Landschaften bewegen, wollen wir vor allem ein Sprechen, Denken und Wahrnehmen von Themenkomplexen üben, die allzu oft als fachspezifisch und abstrakt oder selten in größeren Zusammenhängen dargestellt werden.

Die künstlerischen, wissenschaftlichen und aktivistischen Beiträge, die im Rahmen von The Driving Factor aufgerufen werden, befassen sich mit intersektionalen Ungerechtigkeiten, die im Kontext mit der Batterieproduktion stehen: Kontaminationen von Ökosystemen, Vertreibungen von Menschen, Tierarten und Pflanzen. Dabei hilft der Fokus auf die Lithiumbatterie, die historische Kontinuität von kapitalistischer Akkumulation in der heute fortschreitenden Finanzialisierung von Land, Natur und Arbeit, oder auch in den Spekulationen im Feld der „Green Economy“ nachvollziehbar zu machen. Batterien sollten das mit erneuerbaren Energien betriebene Stromnetz stabilisieren und damit den Übergang hin zur emissionsfreien und ressourcenschonenden Energienutzung beitragen, die sich viele vom europäischen „Green Deal“ versprachen. Seit Beginn des Krieges in der Ukraine zeigen die Debatten um „Energiesicherheit“, dass dieses Versprechen vor allem das Versprechen eines linearen Wachstums- und Investitionsmodells war, das privates Kapital sichern sollte.

Die station urbaner kulturen/nGbK Hellersdorf wird für die Dauer des Projekts zu einem „Speicher“, in dem neue und bestehende künstlerische Arbeiten, Recherchematerialien, Podcasts der Arbeitsgruppe, sowie Eindrücke der Touren nach und nach eingelagert und in variierenden Zusammenhängen vorgestellt werden. Den Speichervorgang beschleunigt das Forum POWER BANK, das Beitragende und Teilnehmer_innen des Projekts zusammenbringt, um alternative Handlungsräume zu diskutieren. Dass ein Bruch mit den bisherigen Macht- und Besitzverhältnissen im Kontext der Produktion, Verteilung und Akkumulation von Energie notwendig ist, scheint festzustehen; wie die Zivilgesellschaft und translokale Gruppierungen dazu beitragen können, ist eine offene Frage.

Als digitaler, wachsender Speicher sammelt die Webseite thedrivingfactor.net Stimmen, Materialien und Themen des Projekts für ein breiteres Publikum. Hier werden im Nachgang der Touren deren künstlerische Dokumentation veröffentlicht und weitere Querverweise langfristig zugänglich gemacht. 




nGbK-Projektgruppe: Elisa T. Bertuzzo, Jan Lemitz, Daniele Tognozzi, Mercedes Villalba, Neli Wagner


     
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/ Auftakt

Welche Themen bilden 2023 das Programm der nGbK?


Eine Woche lang werden die Projekteinreichungen für das Jahr 2023 in den Räumen und digital auf der Webseite der nGbK vorgestellt. Die Gruppen, die sich für das kommende Jahr bewerben, präsentieren hier ihre Ideen und Schwerpunkte dem Verein und der Öffentlichkeit. Damit beginnt ein Prozess von Auseinandersetzung, Beratung und Diskussion. Nur Mitglieder können über das kommende Programm und über die thematische Ausrichtung der nGbK für das Folgejahr basisdemokratisch abstimmen. Neben der Präsentation der Projektvorschläge findet ein vielseitiges Veranstaltungsprogramm statt.


     
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/ Earth Indices

Wie lassen sich die Veränderungen im Erdsystem nachvollziehen? Wer schreibt die Chronik des Planeten? Und welche Instrumente und Praktiken machen die Transformationen der Erde lesbar? Zwei Jahre lang haben Giulia Bruno und Armin Linke die Forschungen der Anthropocene Working Group (AWG) zur geologischen Bestandsaufnahme des neuen Erdzeitalters begleitet. Earth Indices ist das Ergebnis dieser engen Zusammenarbeit zwischen den beiden Künstler*innen und den vielen beteiligten Wissenschaftler*innen. Die Gestalterin Linda van Deursen hat dazu ein grafisches Register entworfen, das den vielstimmigen Charakter dieses Forschungsprojekts transparent macht.

Die Ausstellung zeigt sowohl die Orte und Landschaften, die von den Wissenschaftler*innen erforscht wurden, als auch die komplexen Arbeitsschritte in den Laboratorien, in denen Sedimente in interpretierbare Daten übersetzt werden. Earth Indices nimmt die vielfältigen Austausch- und Abstimmungsprozesse des Forschungsprozesses in den Blick und beleuchtet die spezifischen Verfahren zur Herstellung geologischer Evidenz. So entsteht ein vielschichtiges Archiv, das den Entstehungsprozess einer neuen geologischen Epoche dokumentiert und befragt.


     
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/ Ein Land und seine Helden

Das DDR Museum zeigt in der neuen Sonderausstellung »Ein Land und seine Helden – 25 Geschichten aus der DDR« bekannte und unbekannte Persönlichkeiten, deren Taten Teil der Geschichte des untergegangenen Staates sind. Die kostenfreie Ausstellung mit Texten in deutscher und englischer Sprache ist im Foyer des Museums zu sehen. 

Vorgestellt werden nicht nur die (Erfolgs)Geschichten von »Volkshelden«, z. B. der Olympiasiegerin Katarina Witt oder des Kosmonauten Sigmund Jähn, sondern auch Geschichten der »Antihelden«, die häufig Karriere und Freiheit riskierten, wie Robert Havemann oder Frieda Spitzbarth, welche 1964 in einem Brief an Walter Ulbricht gegen den Abriss der Leipziger Universitätskirche protestierte. Eine dritte Gruppe stellen die »Staatshelden« dar. Personen wie der Bergmann Adolf Hennecke, der 1948 die Produktionsnorm um 387 Prozent übererfüllte, oder der Rennradfahrer Gustav Adolf »Täve« Schur dienten der Staatspropaganda als Vorbilder und sozialistische Ideale.


     
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/ [Werk]Räume

Die [Probe]Räume und die [Werk]Räume im Märkischen Museum laden alle ein, die Lust haben, Museum neu zu entdecken und mitzugestalten.

Wie sieht das Stadtmuseum in der Zukunft aus? In den [Werk]Räumen erfahren Sie, wie das „Gedächtnis Berlins“ sich weiterentwickelt und wie Sie selbst aktiv daran teilhaben können.

Während die [Probe]Räume auf derselben Ebene des Märkischen Museums zeigen, was ein Museum macht und dazu auffordern, es einmal selbst auszuprobieren, laden die [Werk]Räume dazu ein, die Planungen für das im Masterplan 2025 entworfene „Stadtmuseum der Zukunft“ kennenzulernen und Ideen mitzuentwickeln. Jeder Raum zeigt beispielhaft, wie und mit wem das Stadtmuseum Berlin zu Themen der Berliner Stadtgeschichte und Gegenwart arbeitet. Hier werden viele Fragen zum Museum der Zukunft gestellt, neue Formate getestet und Wünsche des Publikums erfragt.

Junge Stimmen, alte Objekte, neue Bauvorhaben

Berliner Kinder und Jugendliche präsentieren in den [Werk]Räumen ihre Wünsche und Ideen für das Museum der Zukunft in Film, Modell und Tast-Objekten. Die Junior-Kurator:innenbehandeln zudem mit einer Bewegungsskulptur die Frage, wie man sich in Zukunft durch ein Museum bewegen wird. Die Kurator:innen des Stadtmuseums Berlin beleuchten, was sonst hinter den Kulissen passiert: Wie gelangen Objekte ins Museum? Warum ist deren Herkunftsgeschichte so wichtig? Wie wird sie erforscht? Und wie sollte das Museum die Gegenwart für künftige Generationen sammeln und bewahren? Auch die Erhaltung der Sammlungsstücke spielt eine Rolle: Eine Restauratorin lässt sich bei der Arbeit über die über die Schulter schauen.

Die im neuen Ausstellungsbereich gestellten Fragen und die Ergebnisse der Beteiligungsprojekte eröffnen eine neue Perspektive auf den zukünftigen Museumsbesuch. Dabei bleibt auch genügend Platz zum Austausch. Aktuelle Bauvorhaben des Stadtmuseums Berlin werden ebenfalls in den [Werk]Räumen vorgestellt, zum Beispiel für das künftige Museums- und Kreativquartier am Köllnischen Park oder das Museumsdorf Düppel.


     
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/ 825 Jahre Spandau

 

Im Kommandantenhaus der Spandauer Zitadelle öffnet am 15.5.2022 um 10 Uhr eine Ausstellung zur Ersterwähnung Spandaus vor 825 Jahren. Im Mai 1197 wurde in einer markgräflichen Schenkungsurkunde der Spandauer Vogt Eberhard (Everardus advocatus in Spandowe) als Zeuge aufgeführt und Spandau damit erstmalig urkundlich erwähnt. Die Urkunde, die im Domstiftsarchiv Brandenburg liegt, wird als Faksimile gezeigt. Im Original wird die älteste Urkunde im Bestand des Archivs des Stadtgeschichtlichen Museums Spandau von 1289, versehen mit dem Spandauer Siegel, zu sehen sein. Die Ausstellung stellt einzelne Aspekte der Urkunde von 1197 – ihre Verfasser, den Inhalt und den Spandauer Vogt als Zeugen – in den Fokus und gibt dabei einen Ausblick über die Entwicklung des mittelalterlichen Spandaus.


     
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/ Comicstipendium Berlin 2022

Die Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa hat für 2022 fünf Stipendien an die Berliner Comic-Künstler:innen Sarnath Banerjee, Julia Beutling, Gregor Dashuber, Everett Glenn und Kai Pfeiffer vergeben. Das Museum für Kommunikation Berlin und der Deutsche Comicverein präsentieren in einer Ausstellung die Projekte, mit denen sich die Gewinner:innen für das Stipendium beworben haben.


     
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/ Raus. Raus? Raus!

 

Mehr als eine Million meist jüdischer Migrant*innen aus Osteuropa mussten zwischen 1891 und 1914 den Auswandererbahnhof zwischen Berlin und Spandau durchlaufen. Bevor sie über die Nordseehäfen in die USA und andere Länder emigrieren durften, wurden hier ihre Papiere, ihre Finanzen und ihr Gesundheitszustand kontrolliert.

Die Baracken auf dem Bahnhofsgelände wurden zum Sinnbild des Umgangs mit Migrant*innen sowie der Furcht vor Krankheiten und dem Zustrom von Fremden. Als die Ausstellung über die Auswanderungs-Kontrollstation geplant wurde, waren bereits Bezugspunkte zur heutigen Migration offensichtlich. Aber mit welcher Dynamik sowohl die Maßnahmen gegen ansteckende Krankheiten als auch die geordnete Verteilung der Flüchtlingsströme im Berlin des 19. Jahrhunderts an Aktualität gewonnen haben, war nicht vorherzusehen.

So geht die Ausstellung Fragen nach, die heute genauso drängend sind wie vor über hundert Jahren. Auch aus diesem Grund gibt es nach der Darstellung der Geschichte(n) des Auswandererbahnhofs Ruhleben die Möglichkeit, die eigenen Gedanken und Wünsche zu den gegenwärtigen Ereignissen mitzuteilen.

Zu den vielen Begleitveranstaltungen, wie Kurator*innen-Führungen, Workshops und Gesprächsformaten sind Sie ebenfalls herzlich eingeladen. Die Informationen hierzu bekommen Sie über unseren Newsletter, den Sie über unsere Website abonnieren können.

 


     
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/ In Arbeit

Wir bereiten bis 2024 eine neue Dauerausstellung vor. Sie zeigt den Alltag in der späten DDR und wie sich nach der friedlichen Revolution 1989 die Lebenswelten in Ostdeutschland verändern. Mit einem Probeaufbau testen wir am Beispiel des Themas „Jung sein“, wie die neue Dauerausstellung aussehen könnte. Ihre Meinung und Ihre Anregungen sind uns dabei sehr wichtig.

Der Probeaufbau zeigt, wie Kindheit und Jugend in der DDR aussehen. Über Kita, Schule und Jugendorganisationen beeinflusst die SED-Diktatur fast alle Lebensbereiche, um Kinder und Jugendliche zu sozialistischen Persönlichkeiten zu erziehen. Junge Menschen suchen dennoch nach Wegen, diesen Einfluss zu umgehen.

Nach Mauerfall und Wiedervereinigung wandelt sich der Alltag vieler Kinder und Jugendlicher in Ostdeutschland rasant. Junge Menschen wachsen mit Widersprüchen im Alltag auf. Neben neuen Freiheiten wie Reisen ins westliche Ausland, einem neuen Warenangebot und freier Studiums- und Berufswahl ist ihr Alltag auch von fehlenden Arbeitsplätzen und rechtsextremer Gewalt geprägt.

Wir laden Sie herzlich ein, unseren Probeaufbau zur Dauerausstellung zu besuchen. Immer donnerstags und sonntags haben wir von 10 bis 18 Uhr für Sie geöffnet. Sagen Sie uns Ihre Meinung: Was gefällt Ihnen am Testaufbau? Wo können wir noch besser werden? Wenn darüber hinaus Interesse an einem Besuch besteht, wenden Sie sich gerne telefonisch unter (030) 46 77 77 9-11 oder per Mail an unseren Besucherdienst und vereinbaren einen Termin.


     
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/ Erinnerung an Christiane Grosz (1944–2021)

Im vergangenen November ist unser Vereinsmitglied, die Mahlsdorfer Keramikerin Christiane Grosz gestorben. Dies haben wir nun zum Anlass genommen, die für ihren 80. Geburstag 2024 geplante Kabinettausstellung vorzuverlegen und an ihr vielfältiges Werk zu erinnern. Da wir aus Pandemiegründen Anfang Februar auf eine Ausstellungseröffnung verzichtet haben, wird das KMB am 1. Mai in einer Matinée mit Musik und Lyrik der Künstlerin gedenken.
Nach einer Töpferlehre bei Hedwig Winter in Berlin-Biesdorf und einem dreijährigen Grafik-Studium an der Kunsthochschule Berlin-Weissensee, arbeitete Christiane Grosz seit 1970 freiberuflich als Keramikerin und Schriftstellerin und hatte eine eigene Werkstatt in Mahlsdorf. Von 1977 bis 1990 war sie Mitglied im VBK der DDR und seit 1988 im Schriftstellerverband. In der Ausstellung werden über 50 keramische Arbeiten aus fünf Jahrzehnten gezeigt.


     
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/ glass - hand formed matter

Das internationale, von Kunsthochschulen, Glashütten und Kulturinstitutionen getragene Projekt „glass — hand formed matter“ will neue Perspektiven für die manuelle Glasherstellung in Deutschland und Europa ausloten. Glasmacher/innen, Künstler/innen, Designer/innen und Studierende aus Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Thüringen sowie aus Finnland und Schweden wurden miteinander vernetzt, um gemeinsam das jahrtausendealte Handwerk der Glasherstellung neu zu interpretieren und weiterzuentwickeln.

Neben faszinierenden neuen Objekten werden in der Ausstellung Filme gezeigt, die Herstellungsprozesse sichtbar machen sowie Halbzeuge und Materialien, die sie greifbar werden lassen. Teil der Schau sind auch Arbeiten von sechs Projektstipendiat/innen, die sich künstlerisch forschend verschiedenen Aspekten des Materials Glas und seiner Herstellung genähert haben.


     
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/ Bieke Depoorter . A Chance Encounter

Mit zwei generationsübergreifenden Magnum-Positionen eröffnet C/O Berlin die diesjährigen Feierlichkeiten zum 75. Jubiläum der international renommierten Fotoagentur. Happy birthday, Magnum Photos!

Zufällige Begegnungen sind die Ausgangspunkte für die beiden Arbeiten Agata und Michael, die Bieke Depoorter in ihrer Einzelausstellung A Chance Encounter präsentiert. Die persönliche Beziehung, die Depoorter zu den Menschen in ihren Fotografien über mehrere Jahre aufbaut, beeinflusst maßgeblich ihre künstlerische Praxis. Sie hinterfragt dadurch nicht nur das Medium Fotografie, sondern verwischt auch das klassische Verhältnis zwischen Fotograf*in und Subjekt. Zugleich reflektieren die Lebensgeschichten von Agata Kay und Michael Themen wie Stigmatisierung, Tabubrüche und die Inklusion von Menschen, die oftmals gesellschaftlich übersehen werden. Mit Bieke Depoorter . A Chance Encounter zeigt C/O Berlin zwei holistische Arbeiten der Magnum-Fotografin in Form von Installationen, Wandarbeiten, Projektionen und Fotografien. Kuratiert von Felix Hoffmann, C/O Berlin Foundation.


     
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/ Susan Meiselas . Mediations

Mit zwei generationsübergreifenden Magnum-Positionen eröffnet C/O Berlin die diesjährigen Feierlichkeiten zum 75. Jubiläum der international renommierten Fotoagentur. Happy Birthday, Magnum Photos!

C/O Berlin stellt mit der Retrospektive Susan Meiselas . Mediations das über 50 Jahre entstandene Werk der Magnum-Fotografin erstmals in Deutschland vor – von frühen Porträts ihrer direkten Umgebung über intime Aufnahmen von Stripperinnen bis hin zu ikonisch gewordenen Bildern aus Krisen- und Konfliktgebieten. Mit ihren oftmals als Langzeitstudien angelegten Arbeiten umfasst die US-Amerikanerin ein breites Spektrum an Themen und Ländern und erzeugt Aufmerksamkeit für Minderheiten und kriegerische Auseinandersetzungen, die von der Weltöffentlichkeit häufig übersehen werden. Heute gilt Meiselas als Wegbereiterin, nicht nur für politisch engagierte Fotograf*innen, welche die Hintergründe ihrer Bilder mit Sorgfalt dokumentieren, reflektieren und kontextualisieren, sondern auch für diejenigen, die einen kollaborativen Ansatz mit ihren Protagonist*innen verfolgen. Teilweise über Jahre hinweg führt Meiselas visuelle Feldstudien, in denen die Fotografien selten für sich alleine stehen, sondern durch Interviews, Tonaufnahmen, Videos, Archivmaterial oder Notizen ergänzt werden.

Die Ausstellung umfasst rund 250 Fotografien und Video-Installationen aus den 1970er-Jahren bis heute und wird von der Publikation Carnival Strippers Revisited im Steidl Verlag begleitet. Co-Kuratiert von Felix Hoffmann, C/O Berlin Foundation.


     
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/ NS Zwangsarbeit in Moabit 1938-1945

In der Ausstellung sind ein vier Quadratmeter großes Modell des Ortsteils Moabit, auf dem die Orte der Unterkünfte der Zwangsarbeiter*innen markiert sind, sowie illustrierte Texttafeln mit weiterfuhrenden Informationen über dieses lokale Netzwerk der NS-Zwangsarbeit zu sehen. 

Vor 80 Jahren, im Jahr 1942, wurde Zwangsarbeit in Berlin zum Massenphänomen. Mit zunehmender Dauer des Krieges wuchs der Arbeitskräftebedarf der deutschen Wirtschaft ins Unermessliche. Im März 1942 schuf das NS-Regime mit dem „Generalbevollmächtigten für den Arbeitseinsatz“ eine Zentralbehörde, um die Verschleppung von immer mehr Menschen effizienter zu organisieren. Im Rahmen der „Lagerbauaktion 1942“ entstanden in Berlin hunderte neue Unterkunftslager.

Berlin-Mitte war ein Zentrum des "Geschlossenen Arbeitseinsatzes", wie die NS-Behörden die Zwangsarbeit von deutschen Jüdinnen und Juden bezeichneten. Nach einem Blick auf Umfang und Akteure dieser Zwangarbeit befasst sich Irmer mit Beispielen von Opfern und Nutznießenden der Zwangsarbeit in Berlin-Mitte. Ein Schwerpunkt liegt auf Betrieben der deutschen Elektroindustrie, deren Zentrum sich damals in Berlin befand.

Die Reihe "NS-Zwangsarbeit vor unserer Haustür" der 12 Berliner Regionalmuseen nimmt mit 12 Veranstaltungen die einzelnen Berliner Bezirke in den Blick. Was hat dieses Verbrechen, das vor unserer Haustür stattfand, mit unserer heutigen Gesellschaft zu tun? Und warum erfolgte die Aufarbeitung erst so spät?


     
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/ Verdienter Bürger oder NS-Täter?

Als ehemaliger Leiter der Stadtbezirksbibliothek und Gründer der Stadtbezirkschronik in den heutigen Museumsräumen der Heynstraße 8 war Rudolf Dörrier bis zu seinem Tod eng mit der Pankower Geschichtsarbeit verbunden.

Seit 2017 im Bezirk eine Debatte um seine Person entbrannte, standen und stehen sich unversöhnliche Positionen gegenüber: Für die einen war Rudolf Dörrier ein Antifaschist und Retter seiner jüdischen Ehefrau und Tochter, für die anderen ein opportunistischer Zeitgenosse, der zeitlebens über seine Rolle als SS-Wachmann im Konzentrationslager Sachsenhausen schwieg. 

Als Debattenbeitrag nähert sich die Sonderausstellung nicht nur der widersprüchlichen Biografie Rudolf Dörriers an, sondern ist auch eine Auseinandersetzung mit einem Teil der eigenen Museumsgeschichte.

Die zahlreich von Dörrier hinterlassenen Quellen und Zeugnisse werden kritisch hinterfragt und mithilfe weiterer Quellen und Forschungsergebnisse kontextualisiert. Gleichzeitig dokumentieren diese Ausstellung und geplante Begleitveranstaltungen unterschiedliche Positionen, Erinnerungen und Meinungen von Weggefährt*innen, Expert*innen, und Protagonist*innen der Debatte.

 

Eine Ausstellung des Museums Pankow, gefördert durch den Bezirkskulturfonds.


     
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/ _:* Porträts von Künstler:innen

„We should all be feminists.“ (Chimamanda Ngozi Adichie, Schiftstellerin)

Die Musikerin Peaches thront vor einer zusammengewürfelten Gruppe schwarzer Schneiderpuppen, die Fotografin Katharina Bosse liegt in rotem Licht, wie in einer Dunkelkammer, in einer Badewanne, Autor:in Hengameh Yaghoobifarah lehnt sich in einem eng anliegenden Kleid in einem Sessel zurück, Tänzer Oska Borcherding performt auf einem Flachdach, im Hintergrund die Berliner Skyline, und die Schauspielerin Bettina Hoppe steht einfach nur in ihrem Wohnzimmer.

Seit 2021 porträtiert die Berliner Fotografin Sibylle Fendt, selbst Mitglied der renommierten Agentur OSTKREUZ, Künstler:innen, Schauspieler:innen, Autor:innen, Musiker:innen und Filmemacher:innen. Das traditionelle Genre des Künstler:innenporträts überträgt sie dabei mit ihrer Mittelformatkamera und auf analogem Filmmaterial gekonnt in die Moderne: In bunten Farben, großflächig, schlicht oder verspielt, mittels Doppelbelichtungen und über bewusste Inszenierungen geht sie mit Feingefühl und großer Intensität dem Schaffen von Künstler:innen unterschiedlicher Generationen und Prägungen nach. Viele der Porträtierten vereint die Tatsache, dass Feminismus und das Aufbrechen tradierter Geschlechterrollen eine zentrale Rolle in ihrem Leben und Werk einnehmen. Sibylle Fendt stellt jedoch nicht das Frausein ins Zentrum ihrer Arbeit, sondern eine feministische Positionierung. „Auf meinen Bildern sind Persönlichkeiten abgebildet, keine Geschlechter!“, sagt die Fotografin.

_:* Porträts von Künstler:innen vermittelt einen einmaligen Einblick in die Vielfalt und Diversität zeitgenössischer künstlerischer Praxis und stellt uns deren Vertreter:innen vor, die viel zu häufig abseits des Rampenlichts agieren.


     
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/ Das Rat­haus Tiergarten als Täter- und Erinnerungsort

Die Ausstellung stellt die Geschichte des Gebäudes vor. Es entstand 1935-1937 für die Verwaltung des Bezirks Tiergarten und war der erste Neubau in der Zeit des Nationalsozialismus für die Berliner Kommunalverwaltung. Ein bemerkenswertes Relikt dieser Zeit ist das denkmalgerecht sanierte, holzvertäfelte Bürgermeisterzimmer mit eingelassenen Vitrinen im zweiten Obergeschoss. Es wurde bis 2017 von den Bürgermeistern von Tiergarten und später Mitte als Büro genutzt. Dort werden Gast­geschenke, die seit 1970 von der Partnerstadt Ho­lon/Israel an das Bezirksamt über­geben wurden, gezeigt und in einem digi­talen Medientisch Formen des Um­gangs mit – und der Nutzung von – NS-Bauten nach 1945 in Deutschland disku­tiert.

Zusätzlich soll dieser Raum, die Dependance des Mitte Museums, für Veranstaltungen genutzt werden, bei­spiels­weise zur Ge­schich­te Moabits, der Fusion der Rathäuser Wedding, Mitte und Tier­garten sowie zum Gedenkort Güterbahnhof Berlin-Moabit: Seit 2016 wird auf dem Gelände des früheren Güterbahnhofs Moabit an die von dort 1942-1945 über 30.000 jüdischen Deportierten aus Berlin erinnert. Das Netzwerk dieser Deportationsmaschinerie wird im Flurbereich vor dem ehemaligen Bürgermeisterbüro nachgezeichnet.

Im Vorzimmer des historischen Bürgermeisterzimmers werden vier Schriftsteller*innen vorgestellt, die in der Zeit des Nationalsozialismus in Tiergarten verfolgt wurden: Kurt Tucholsky (1890-1935), Musa M. Džalilʹ (1906-1944), Albrecht Haushofer (1903-1945) und Nelly Sachs (1891-1970).


     
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/ AKIRA – Die Architektur von Neo Tokyo

AKIRA – Die Architektur von Neo Tokyo präsentiert die originalen Hintergrundmalereien aus der Animation des Science-Fiction-Klassikers in einer noch nie da gewesenen Ausstellung.

Seit der Veröffentlichung im Jahr 1988 war AKIRA maßgeblich für den Boom des japanischen Zeichentrickfilms (Anime) beim internationalen Publikum der frühen 1990er Jahre verantwortlich. Für viele Zuschauer war AKIRA der erste Film, den sie als Anime – als spezifisch japanischen Animationsfilm – wahrnahmen. Als solcher hatte der Film einen enormen Einfluss auf eine ganze Generation von Filmliebhabenden. Ein großer Teil der filmischen Kraft von AKIRA stammt aus der opulenten Darstellung der ikonischen Filmstadt Neo Tokyo.

59 originale Produktionshintergründe, Layout-Zeichnungen, Konzeptentwürfe und Image-boards, die für die Gestaltung von Neo Tokyo im Animationsfilm verwendet wurden, werden ausgestellt. Der exklusive Zugang zu den Studioarchiven, der an der Produktion von AKIRA beteiligten Künstlern, ermöglicht die Präsentation von Kunstwerken, die noch nie in einer Ausstellung gezeigt wurden. Die Ausstellung umfasst Werke von Toshiharu Mizutani, der als Art Director der Produktion fungierte, und seinen Kollegen Katsufumi Hariu, Norihiro Hiraki, Shinji Kimura, Satoshi Kuroda, Hiromasa Ogura, Hiroshi Ōno, Hajime Soga, Tsutomu Uchida und Takashi Watabe.

Die Tchoban Foundation – Museum für Architekturzeichnung sieht es als ihre Aufgabe an, die Welt der Architekturzeichnung einem breiteren Publikum nahe zu bringen. Werke berühmter Architekten wie Peter Cook, Thom Mayne, Álvaro Siza oder Lebbeus Woods wurden bereits in profunden Ausstellungen gezeigt. Im Jahr 2019 stellte die Ausstellung Deutsche Filmarchitektur 1918–1933 die originalen Szenografie-Entwürfe von Fritz Langs Filmen Metropolis (1927) und Die Nibelungen (1924), Paul Wegeners Golem, wie er in die Welt kam (1920) und Das Cabinet des Dr. Caligari (1920) von Robert Wiene vor. Im vergangenen Jahr präsentierte das Museum originale Designs von Mark Fisher (1947–2013), die er für berühmte Unterhaltungsshows und Rockkonzerte entwarf. AKIRA – Die Architektur von Neo Tokyo setzt diese Programmreihe fort.

Kuratiert ist die Ausstellung von Stefan Riekeles, Geschäftsführer von Riekeles Gallery in Zusammenarbeit mit Museumsdirektorin Nadejda Bartels. Hiroko Myokam von Eizo Workshop (Japan) wirkt als Ko-Kuratorin.

Das Begleitbuch zur Ausstellung Anime Architecture – Imagined Worlds and Endless Megacities von Stefan Riekeles erschien 2020 bei Thames & Hudson.


     
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/ No Master Territories

Einerseits ist der Feminismus heute längst im Mainstream angekommen. Andererseits muss er gegen ein neoliberales Idealbild des erfolgreichen Individuums verteidigt werden. Im Feld der zeitgenössischen Kunst haben sich hybride Formen zwischen Dokumentar- und Kunstfilm weitgehend etabliert. In diesen Zusammenhängen wirft die Ausstellung No Master Territories einen strategischen Blick in die Vergangenheit: Sie schaut auf die prägende Phase der 1970er bis 90er Jahre – um wegbereitende Arbeiten zu würdigen, aber auch um Antworten auf die Dringlichkeiten der Gegenwart zu finden.

No Master Territories versammelt die vielfältigen Praxen des Dokumentarischen und des Kunstfilms für einen intersektionalen Blick auf das oft unterschätzte Aufeinandertreffen von Feminismus und Bewegtbild. Quer durch globale und polyzentrische Geografien fragt sie, wie Künstler*innen und Filmemacher*innen die Verschränkung von Gender und Macht erkundet haben. Dabei legt sie Kontaktzonen frei, in denen Feminismus auf andere Gerechtigkeitskämpfe trifft.

Kuratorinnen: Erika Balsom und Hila Peleg

No Master Territories zeigt Arbeiten in den Ausstellungsräumen und in einem Kinoprogramm, das sich während der Laufzeit wöchentlich wiederholt. Screenings in Anwesenheit von Regisseur*innen und weiteren Beitragenden ergänzen die Ausstellung ebenso wie ein Podcast und ein Online-Kino.

 

Künstler*innen: 

Peggy Ahwesh, Chantal Akerman, Atteyat Al-Abnoudy, Claudia von Alemann, Helena Amiradżibi, Michal Aviad, Marjorie Beaucage, Berwick Street Film Collective, Camille Billops/James Hatch, Susana Blaustein Muñoz, Tabea Blumenschein, Lizzie Borden, Dionne Brand/Ginny Stikeman, Byun Young-joo, Gloria Camiruaga, Anna Carini/Rony Daopulo/Paola De Martis/Maria Grazia Belmonti/Annabella Miscuglio/Loredana Rotondo, Ann Carney/Barbara Phillips, Sheba Chhachhi, Essie Coffey, Jo Davis/Lis Rhodes, Zeinabu irene Davis, Maricarmen de Lara, Gardi Deppe/Barbara Kasper/Brigitte Krause/Ingrid Oppermann/Tamara Wyss, Maya Deren, Deepa Dhanraj, Assia Djebar, Loredana Dordi, Katherine Dunham, JoAnn Elam, Safi Faye, Frauenfilmgruppe München, Sara Gómez, Grupo Chaski, Krystyna Gryczełowska, Gwendolyn, Barbara Hammer, Han Ok-hee, Haneda Sumiko, Mona Hatoum, Zora Neale Hurston, Idemitsu Mako, Ana Victoria Jiménez, Tina Keane, Olga Khodataeva/Nikolai Khodataev, Ketty La Rocca, Sandra Lahire, Maria Lassnig, Robin Laurie/Margot Nash, Angelika Levi, Mirentxu Loyarte, Nalini Malani, Sarah Maldoror, Marilú Mallet, Cecilia Mangini, Barbara McCullough, Kate Millett/Sophie Keir, Annabella Miscuglio, Helke Misselwitz, Tracey Moffatt, Kitico Moreno, Mira Nair, Gunvor Nelson/Dorothy Wiley, Ulrike Ottinger, Paper Tiger TV, Letícia Parente, Parituh (Kim Soyoung), Alice Ann Parker (Severson), Pratibha Parmar, Qiu Miaojin, Yvonne Rainer, Mirha-Soleil Ross/Mark Karbusicky, Jocelyne Saab, Valeria Sarmiento, Claudia Schillinger, Gundula Schulze Eldowy, Delphine Seyrig, Esfir Shub, Cauleen Smith, Penelope Spheeris, Chick Strand, Khady Sylla, Leslie Thornton, Trinh T. Minh-ha, Abisag Tüllmann, Agnès Varda
Vidéa, Drahomíra Vihanová, Joyce Wieland


     
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/ Unter Beobachtung

 

In der Zeit des geteilten Deutschlands ließ das Ministerium für Staatssicherheit in West-Berlin zahlreiche Orte fotografieren. In Tempelhof standen vor allem das Gebiet rund um den Flughafen und der südliche Grenzverlauf unter Beobachtung.

Mit beiden Orten waren nicht nur Polizei und Zoll, sondern auch die Alliierten – insbesondere das US-Militär – verbunden. Ihren Aktivitäten galt das Interesse der Stasi: Auf dem Gelände des Flughafens waren es öffentlichkeitswirksame, von den Streitkräften veranstaltete »Tage der offenen Tür« oder der errichtete Radarturm. Entlang der Mauer gehörten Beobachtungsposten und sogar eine Grenzübergangsstelle in Lichtenrade, die nur dem Transport von West-Berliner Müll in die DDR diente, zu den gesammelten und dokumentierten Motiven.

Die Ausstellung zeigt bisher unbekannte Panorama- und Luftaufnahmen, Filmsequenzen, Knipsfotografien und Ansichtskarten der 1950er Jahre bis zum Mauerfall. Beim Betrachten öffnen sie zugleich auch den Blick für neue Wahrnehmungen und einen spannenden Perspektivwechsel: Was genau bildeten sie ab? Und wie schauen wir heute auf diese Bilder?


     
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/ TWR-ART

Während der Open-Air Galerie Kladownale vom 07. Mai bis zum 03. Juni 2022 findet eine Gruppenausstellung von sechs verschiedenen Künstlern im Militärhistorischen Museum auf dem Flugplatz Gatow Gatow statt.

Gemeinsam stellen die Künstler Nicola Debus, Lacuna, Lee Gerl, Manomono, Monika Morawietz und Miriam Reeck ihre Werke aus. Es gibt ein interessantes Potpourri von Skulpturen, Malerei, digitaler Kunst bis hin zu Streetart zu sehen.

Die Vernissage findet am 08. Mai 2022 von 14 bis 18 Uhr statt. Die Künstler werden anwesend sein und laden zu gemeinsamen Gesprächen ein.

Die Ausstellung kann während der Öffnungszeiten des Museums Dienstag bis Sonntag zwischen 10 und 18 Uhr besucht werden. Montags ist das Museum geschlossen.


     
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/ Jochen Schneider

Nachbilder empfinden wir bei geschlossenen Augen, als Erinnerungen, wenn der ursprüngliche Lichtreiz des konkreten Vor-Bildes bereits abgeklungen ist. Ähnlich verhält es sich mit den Arbeiten von Jochen Schneider – Gesehenes klingt nach und gibt den Anstoß zu seinen Zeichnungen und dann zu Bildern in uns, die jetzt eine eigene, neue Geschichte erzählen – ohne finale  Antworten zu geben.

Jochen Schneider widmet seine künstlerische Arbeit der Erkundung und zeichnerischen Aneignung der unmittelbaren Alltagswelt. Dabei geben sinnliche Erfahrungen und Beobachtungen den Impuls – Dinge, Strukturen und Texturen, Erlebnisse und Gefühle. Jochen Schneiders Arbeiten entstehen stets aus Erinnerungen. Erinnerungen sind schwer zu fassen und haben keine materielle Gestalt, sind aber nicht gegenstandslos. Nehmen sie eine visuelle Form an, werden sie zu etwas anderem. Die zugrundeliegenden Bilder, Situationen und Gegenstände werden in völlige Abstraktion aufgelöst. Der Zeichner reduziert, verbindet, ordnet und erfindet neu. Die stets in Graphit angelegten Blätter formieren sich aus transparenten Ebenen von Linien, Schraffuren und verdichteten Flächen, aus denen sich amorphe oder beinahe geometrische Volumina herausbilden und in bildnerische Gestalt verwandeln. Als Zeichen stehen sie in Verhältnissen zueinander und verweisen auf Dinge, die an Bekanntes erinnern. Im Vexierspiel zwischen formaler Behauptung und zeichnerischer Auflösung der Bildmotive entstehen Blätter von höchster Sensibilität.


     
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/ Über die Zeichnung hinaus

Die Ausstellung “Über die Zeichnung hinaus” zeigt die Fülle aktueller zeichnerischer Positionen in Berlin: überbordende Bilderzählung und strenge Reduktion, Figuration und Abstraktion, Dokumentation und Ortsbegehung, Illusion und deren Aufhebung, Mikroskopisches und Großzügiges, Zeichnung als Performance, in Büchern, im Raum oder im Animationsfilm. Ob auf dem Papier oder in der Verbindung mit anderen Medien: Die Zeichnung geht über sich hinaus und überschreitet Grenzen.

Zur Berliner Zeichnungsszene gehören auch Projekträume, Zeitschriften, Netzwerke und Websites, die sich mit der Zeichnung und ihrer Erweiterung beschäftigen. Exemplarisch stellen sich einige dieser Projekte in der Ausstellung vor.

Sonja Alhäuser / Anke Becker / Matthias Beckmann / Laura Bruce / Claudia Busching / DAG / Jorn Ebner / Myriam El Haïk / Kati Gausmann / Bjørn Hegardt / Hanna Hennenkemper / Timo Herbst / Peter Hock / Birgit Hölmer / Hannes Kater / Mark Lammert / Pia Linz / Petra Lottje / Leon Manoloudakis / Nanne Meyer / Ulrike Mohr / Tomoko Mori / Alex Müller
/ Bettina Munk / Kazuki Nakahara / Manfred Peckl / Christian Pilz / Katja Pudor / Bodo Rott / Fiene Scharp / Christian Schellenberger / Nadja Schöllhammer / Michael Schultze / Heidi Sill / Malte Spohr / Beate Terfloth / Peter Torp / Nicole Wendel / Majla Zeneli / Julia Ziegler / Anonyme Zeichner/Anke Becker / Fukt Magazine/Bjørn Hegardt / Lines Fiction/Bettina Munk
/ paperfile/oqbo / Towards Sound/Fleeting Archive/Ruth Wiesenfeld


     
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/ Opera Opera. Allegro ma non troppo

Oper – ein Wort, das sich vom italienischen Begriff für „Werk“ ableitet – ist ein im ständigen Wandel begriffenes Genre. Während sie für manche eine überholte bürgerliche Kultur repräsentiert, verkörpert sie für viele andere die ultimative Kunstform mit geradezu revolutionären Möglichkeiten. In ihr spiegelt sich das Drama des Lebens und sie vereint alle Disziplinen: von Musik zur Dichtung, vom Design zur Choreografie, von Malerei zum Schauspiel, Film und Performance. Immer hat sie aktuelle Entwicklungen in diesen verschiedenen Künsten aufgegriffen und geprägt.

Unmittelbar neben der Staatsoper gelegen, zeigt das PalaisPopulaire 2022 in Kooperation mit MAXXI, dem römischen Nationalmuseum der Künste des XXI. Jahrhunderts die Ausstellung Opera Opera. Allegro ma non troppo. Die von Hou Hanru, dem Künstlerischen Direktor des MAXXI, Bartolomeo Pietromarchi, MAXXI Art Direktor, und der Kuratorin Eleonora Farina konzipierte Schau widmet sich diesem uritalienischen Thema und greift dabei auf eine breitangelegte Auswahl von Hauptwerken der Museumssammlung zurück. Aus der Perspektive der bildenden Kunst wird dabei die Faszination und das Potenzial der Oper als theatralisches Gesamtkunstwerk untersucht. Die Künstler*innen beschäftigen sich mit körperlichem Ausdruck, Maskierung, Inszenierung, Performativität, Erfahrungen von Raum und Klang. Mit dabei sind bedeutende Protagonist*innen der italienischen Gegenwartskunst wie Monica Bonvicini, Vanessa Beecroft, Luigi Ontani und Liliana Moro und internationale Künstler*innen wie William Kentridge, Olaf Nicolai, Susan Philipsz und Kara Walker. Eigens für die Ausstellung werden neue ortsspezifische Produktionen an drei internationale Künstler*innen vergeben.


     
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/ Horst de Marées

Das ZAK – Zentrum für Aktuelle Kunst präsentiert in der umfassenden Ausstellung Die weite Ebene nach Westen, bis zum Horizont das Werk des Malers Horst de Marées, dessen Biographie und Werkentwicklung in exemplarischer Form Zeitgeschichte und prägende Aspekte der Kunst des letzten Jahrhunderts widerspiegeln.

Horst de Marées (1896 in Weimar geboren, 1988 in Otterndorf an der Elbe verstorben) hat, um seine Ziele zu erreichen, immer wieder Grenzen überschritten, nationale, ideologische und künstlerische. Aus einer bekannten Künstlerfamilie stammend, reflektiert sein heterogenes und komplexes Werk als Maler und Zeichner nicht nur die Auseinandersetzungen mit den künstlerischen Entwicklungen des 20. Jahrhunderts, sondern auch den permanenten Widerstand gegen die Anmaßung totalitärer Kunstpolitik sowohl im Dritten Reich als auch den Gründungsjahren der DDR.

Bis zuletzt und beinahe erblindet hat der Künstler äußerst produktiv auf Papier gemalt und gezeichnet, mit Kohle, Tempera und Öl. So sind tausende Arbeiten entstanden, die sich vor allem mit dem Verhältnis von Mensch und Natur, fernab der Zivilisation beschäftigen. Dabei spannt sich sein Werk von einer akademisch figurativ geprägten Malweise über eine starkfarbige Flächigkeit hin zu völliger Abstraktion.

Vgl.: Linie und Farbe. Horst de Marees 1896-1988. Ausstellung vom 24.3.-28.4.2002 in Otterndorf. Ausstellungskatalog hg. von Kerstin Gräfin von Schwerin und Alwin Bergmann. Otterndorf 2002.

In Kooperation mit Sabatier Galerie & Kunsthandel und privaten Leihgebern


     
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/ Käthe Kollwitz - Studioausstellung

„Es sind mir drei Dinge wichtig in meinem Leben: daß ich Kinder gehabt habe, daß ich einen solchen treuen Lebenskamerad gehabt habe und meine Arbeit.“

Käthe Kollwitz zu ihrem Sohn im Januar 1926

 

Die letzten Monate am Standort Fasanenstraße 24 sind angebrochen und das Museum verabschiedet sich mit Werken seiner Hauskünstlerin auf allen drei Ausstellungsetagen. Neben der chronologisch präsentierten Schau zu Leben und Werk von Käthe Kollwitz, die auf der ersten und dritten Etage u.a. die vier großen druckgraphischen Zyklen der Künstlerin zeigt, ist im 2. Obergeschoss ein differenzierter Blick auf die Kunst der Kollwitz möglich.

Mit Studienblättern, Vorzeichnungen und Zustandsdrucken gibt das Museum am Beispiel „Gedenkblatt für Karl Liebknecht“ Einblick in die Werkstatt der Künstlerin und zeigt ihre intensive Auseinandersetzung mit der für sie neuen Technik des Holzschnitts.

Neben den häufig sorgenvollen Motiven interessierte die Künstlerin aber auch die natürliche Verbindung zwischen Mutter und Kind – im liebevollen Beisammensein, in Alltagssituationen oder beim Stillen. Aus der zweidimensionalen Zeichnung brachte Kollwitz das Mutter-Kind-Motiv heraus ins Plastische, erst in kleineren Figurengruppen wie „Mutter mit Kind über der Schulter“ oder „Frau mit Kind im Schoss“, schließlich in die große plastische Gruppe „Mutter mit zwei Kindern“.

Im Werk von Käthe Kollwitz spielt Familie eine große Rolle, doch Porträtdarstellungen der eigenen Familie sind weniger häufig zu finden. Um so eindrücklicher wirken die Arbeiten der Künstlerin, die sie in späteren Jahren zu ihrem Mann und ihren Geschwistern schuf und die das Museum in der Studioausstellung gemeinsam präsentiert.

Das Museum zeigt anlässlich seines Abschiedes von der Fasanenstraße aus der eigenen Sammlung Porträts der Künstlerin, die andere von ihr arbeiteten. Darunter eine beeindruckende Kollwitzbüste des Bildhauers Hans Breker, im letzten Sommer gestiftet von der Tochter des Künstlers.


     
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Kurator der 12. Berlin Biennale: Kader Attia / 12. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst

Mit Ausstellungen, Interventionen und Veranstaltungen bespielt die 12. Berlin Biennale mehrere Orte in der Stadt – darunter in diesem Jahr auch der Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin – und erstreckt sich als diskursiver Raum über verschiedene Bereiche der Wissensproduktion. 

Mit ihren Ausstellungsorten kartografiert die 12. Berlin Biennale historische Brüche sowie politische und soziale Transformationsprozesse, die in Berlin ihren Anfang nahmen und weit über die Stadt hinauswirken. Vor diesem Hintergrund formulieren die Beiträge zur 12. Berlin Biennale dekoloniale Strategien und Praktiken für die Gegenwart. 

Kader Attia blickt auf mehr als zwei Jahrzehnte dekoloniales Engagement zurück. Als Künstler, Denker und Aktivist hat er sich insbesondere mit dem Begriff der Reparatur, zunächst von Objekten und körperlichen Verletzungen und schließlich von individuellen und gesellschaftlichen Traumata, beschäftigt. Die Reparatur hat sich dabei als eine Möglichkeit kulturellen Widerstands erwiesen, als eine Art der Handlungsmacht, die in unterschiedlichen Praktiken und Wissensformen Ausdruck findet. Als Kurator der 12. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst macht Kader Attia diesen Ansatz zum Ausgangspunkt eines Programms, das Beitragende und Publikum in eine kritische Debatte involviert und in eine gemeinsame Suche nach Wegen, für das Jetzt Sorge zu tragen. 

Ausstellungsorte der 12. Berlin Biennale sind die Akademie der Künste (Hanseatenweg und Pariser Platz), Dekoloniale Memory Culture in the City, KW Institute for Contemporary Art, Stasi Headquarters. Campus for Democracy und der Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin.

Kurator der 12. Berlin Biennale: Kader Attia

     
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/ Innerland

Mit Virtual Reality und immersiver Sound­technik erschuf der Medien­künstler Alexander Stublić interaktive, begehbare surreale Welten, in denen sich synästhetisch Noten materialisieren, Traversen­wälder vorbei­ziehen und sich Konzert­bühnen samt dekonstruiertem Orchester vor den Betrachter*innen in neuen Perspektiven wieder zusammen­setzen.

Die zugrundel­iegende Konzert­aufnahme ist das Klavier­konzerts Opus 25 von Viktor Ullmann. Der Komponist wurde 1942 aufgrund der jüdischen Herkunft seiner Eltern ins Konzentrations­lager Theresien­stadt deportiert, wo er einen großen Teil seiner Werke schuf, und 1944 im Konzentrations­lager Auschwitz-Birkenau ermordet.

Ein Projektteam rund um das Siemens Arts Program hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Musik dieses von den National­sozialisten verfemten und heute wenig bekannten Komponisten bekannter zu machen und dazu neue audio­visuelle Möglichkeiten der Konzert­aufnahme auszuloten. Das Ergebnis des Viktor Ullmann Projekts ist eine künstlerisch-technisch aufwendige Neu­aufnahme des Klavier­konzerts Opus 25 in 3D-Sound. Sie wurde in der Kategorie „Beste Konzert­einspielung“ mit dem OPUS Classic ausgezeichnet.

Zum Jahrestag der Befreiung des Konzentrations­lagers Theresien­stadt wird sie hier im Jüdischen Museum Berlin nun erstmals der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und dann bis 22. Mai zu sehen und hören sein.

 

Siemens Arts Program


     
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/ In den Händen des Feindes

An der Ecke Osdorfer Straße und Landweg wurden vor einigen Jahren, dank engagierter Bürger:innen, noch erhaltene Baracken des Lagers entdeckt, die aus der Kriegszeit stammen. Eine Baracke steht inzwischen unter Denkmalschutz, während das restliche Gelände mit Wohnungen bebaut wird.

Wir nehmen die aktuelle Auseinandersetzung um diesen historischen Ort zum Anlass, um eine Ausstellung über die Geschichte dieses Kriegsgefangenenlagers zu erarbeiten. An diesem Standort waren Franzosen die größte Gruppe, so dass die Ausstellung – auch anhand von Biographien – über das Schicksal französischer Kriegsgefangener im Lager Lichterfelde und in Berlin informiert. Zudem werden die Vorgeschichte des Lagers, das ursprünglich von der Reichsbahn errichtet und 1940 von der Wehrmacht übernommen wurde, und die Nachkriegsnutzung behandelt.

Die Ausstellung baut auf die Recherchen engagierter Bürger:innen in Lichterfelde-Süd und des Landesdenkmalamtes auf. Zudem haben Studierende der Technischen Universität einen Film über die Gegenwart und Zukunft des historischen Ortes gedreht, der in der Ausstellung zu sehen sein wird.


     
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/ Aliens are temporary – eine mutierende Erzählung

Aliens are temporary - eine mutierende Erzählung ist eine Einladung, über plurale Welten und multiple Seinszustände nachzudenken. Das Ausstellungsprojekt ist ein Versuch, mit der Logik des menschlichen Exzeptionalismus zu brechen und binäre Paradigmen zwischen Lebewesen und Objekten sowie zwischen dem "Wir" und dem "Anderen" zu überwinden.

Was bedeutet Andersartigkeit (engl. otherness)? Wer oder was wird als fremd oder anders wahrgenommen und warum? Inwiefern ist der oder das so genannte Andere ein sich wandelndes Konzept? Wie kann sich dies in der Materialität einer Ausstellung, in Raum und Zeit widerspiegeln?

Das Ausstellungsprojekt vereint zeitgenössische Künstler*innen, die sich mit alternativen (Kosmo-)Visionen auseinandersetzen und neue Körper, Subjekte und Lebensentwürfe kreieren. Ihre Arbeiten verbinden verschiedene Disziplinen und Denkrichtungen von Biologie bis Soziologie, über den Posthumanismus, New Materialism, Science Fiction und die Environmental Studies und nehmen spekulative, vitalistische und queer-feministische Perspektiven ein, während sie Körper, Gesellschaften und Realitäten jenseits des Diskursiven konstituieren und konstruieren.


Im Laufe der Zeit wird Aliens are temporary - eine mutierende Erzählung vier Mutationen durchlaufen (drei im Kunstraum Kreuzberg/Bethanien und eine in der Kunstbrücke am Wildenbruch) und dadurch selbst zu einem lebenden und mutierenden Organismus. Ausgehend von einem zunächst spärlich und minimal genutzten Ausstellungsraum erlebt das Publikum mit jeder weiteren Mutation neue Kunstwerke, Installationen und Arrangements. Jede dieser Mutationen wird durch einen spekulativen literarischen Text ergänzt, der die Kunstwerke assoziativ miteinander verwebt. Das Begleitprogramm der becomings mit Vorträgen, einem Lesezirkel, einem Screening, einer Listening Session und einem Spaziergang im öffentlichen Raum erweitert und belebt die vier Mutationen zusätzlich.


     
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/ Die Meldung. DDR-Fotos von Volker Döring aus den 80er Jahren

Die Ausstellung Die Meldung. DDR-Fotos von Volker Döring aus den 80er Jahren gibt Einblick in den DDR-Alltag der 1980er Jahre in all seinen Facetten. Die Fotografien zeigen Kinder und Jugendliche im Schulalltag oder als Jungpioniere. Auch jugendliche Subkulturen werden abgebildet, darunter Punks bei Rockkonzerten oder Modenschauen mit selbstgeschneiderter Kleidung.

Volker Döring wurde 1952 in Berlin geboren und war neun Jahre lang als Lehrer in Berlin-Prenzlauer Berg tätig. Seit 1984 arbeitete er als Fotograf für Kultureinrichtungen, Theater, Verlage, Firmen, Werbeagenturen und öffentliche Auftraggeber. Daneben arbeitete er an Fotoprojekten zu sozialen Themen. Bis 2014 war er auch als Honorardozent bei der Fotografenausbildung am Lette Verein Berlin tätig. Seine Fotografien wurden in zahlreichen Büchern veröffentlicht und in Ausstellungen gezeigt, darunter im Stadtmuseum Berlin (2001) und im Museum Pankow (2012). Im Mai 2022 erscheint sein neues Buch „ZeitNah“ mit Fotografien aus den Jahren 1979 bis 2014.

In Kooperation mit dem Förderverein der Gedenkstätte Berliner Mauer


     
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/ Laboratorium Lichtenberg

Das Museum Lichtenberg wird vom 1. April bis zum 30. Juni 2022 zum Laboratorium Lichtenberg. Kinder und Jugendliche von 6 bis 12 Jahren können jeweils am 1. und 2. Freitag im April, Mai und Juni im Rahmen des Projekts „GroßstadtDschungel“ an kostenlosen Kunst-Workshops teilnehmen und entwickeln ihre eigene Kunstausstellung, die im Museum Lichtenberg zeitgleich gezeigt wird.

Die künstlerische Projektleiterin Eva Susanne Schmidhuber lädt gemeinsam mit der Kuratorin Julia M. Novak, dem Künstler Marc-Antoine Carcereri, der Biologin und Künstlerin Anne Lou Schröter und dem Archivleiter Dr. Dirk Moldt dazu ein, die Ausstellung im Museum Lichtenberg zu erkunden und die Umgebung künstlerisch zu erforschen. Kinder mit und ohne Fluchterfahrung können das Museum als Ort von Geschichten, Erinnerungen und Erzählungen kennenlernen und alternative Perspektiven zum Thema (Wild-)tiere und -pflanzen in Berlin einnehmen.

Das Kooperationsprojekt „GroßstadtDschungel“ wird vom Verein kiezkieken e.V. realisiert. Gefördert wird das Projekt durch „Künste öffnen Welten“, ein Programm der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung e.V. sowie über „Kultur macht stark“, ein Programm des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.


     
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/ Arwed Messmer. BERLIN, 1966–70

West-Berlin in den späten 1960er Jahren, eine Generation geht auf die Straße. Gegen Stellvertreterkonflikte des Kalten Kriegs, gegen den Besuch des Schahs, gegen die Notstandsgesetze, die Presse, und auch gegen die Polizei. Auf deren Seite fotografieren Beamte die Unruhen. Das Konvolut, das sie in der Polizeihistorischen Sammlung hinterlassen, bildet das umfangreiche Ausgangsmaterial der künstlerischen Arbeit von Arwed Messmer. BERLIN, 1966-70 zeigt Auszüge aus knapp sechzig Filmen, die im Rahmen von fotografischen Einsatzdokumentationen durch die Bildstelle der Berliner Schutzpolizei entstanden sind. Sequenzen der Bilder zeigen kleine Handlungsstränge und deren Eskalationen. In ihrer Abfolge werden die Entwicklung der Revolte, Protestformen und Blickverhältnisse sichtbar. Ikonische Motive, die unser kollektives Bildgedächtnis bis heute prägen, werden in ihren Entstehungskontext eingebettet. Die Montage eröffnet einen Zugang, der den visuellen Kanon des Ereignisses ‚1968‘ unterläuft.

Fotografien aus dem Bestand der ehemaligen Bildstelle der Berliner Schutzpolizei. Konzipiert, recherchiert, bearbeitet und editiert von Arwed Messmer. Texte von Annett Gröschner.

Gefördert von Senatsverwaltung für Kultur und Europa – Bezirkskulturfonds


     
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/ Leise Massen

"Leise Massen" zeigt eine Auswahl der Arbeiten von Claudia Güttner, die sich zwischen Monumentalem und Filigranem bewegen. Dabei spielen die Skulpturen der Künstlerin mit dem Prinzip der Vervielfachung. Aus feinen, leichten Einzelelementen entstehen fragile räumliche Formen, die scheinbar aus großen, dunklen Wasserbecken sprießen und sich in der Wasseroberfläche spiegeln. Durch die Doppelung der Spiegelung und die dicht zusammenhaltenden Gebilde wirken die Objekte wie Schwärme, die sich im Raum bewegen. 

Stahl dient der Künstlerin dabei als zentrales Material. Es erzeugt einen Spannungszustand zwischen Natürlichem und vom Menschen Gemachten. In von Menschen erdachten Formen ist Stahl Teil unserer Kultur geworden. Das Ringen des Materials, seine Stärke, seine Temperatur, seine Sinnlichkeit, seine Formbarkeit, seine Farbe und Oberfläche sind die Themen, die Claudia Güttner durch Formung in einen Dialog bringen möchte.

 


     
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/ Surya Gied: Godori - Kampf der Blumen

Mit der Ausstellung "Godori - Kampf der Blumen" wird das vielschichtige künstlerische Schaffen von Surya Gied, Dieter-Ruckhaberle-Preisträgerin 2021, präsentiert, das malerische Techniken mit Oral History, Fotografien, Sound- und Videoarbeiten, Performance und Skulptur miteinander verschränkt. Die Künstlerin verwebt verschiedene Erzähl- und Erfahrungs-stränge zur kollektiven Biografie des Hauses ihrer Großeltern in Hwaho-ri, einem kleinen Dorf in Südkorea. In zwei Installationen, die die verschiedenen künstlerischen Techniken verbinden, kommt das Haus in seiner materiellen und sozialen Architektur zum Vorschein. Die Erzählungen der Frauen, die das Haus bewohnten und bewohnen, zeichnen das Haus als einen von patriarchalen Verhältnissen und der kapitalistischen Entwertung bäuerlicher Arbeit geprägten Ort der Sehnsüchte nach Liebe und Selbstbestimmung und gleichzeitig einem Ort der Entfremdung und der Kämpfe.

In einer Tonaufnahme sind die lachenden, sich neckenden und fluchtenden Stimmen dieser Frauen zu hören, die in ein Kartenspiel vertieft sind – einem in Korea beliebten Kartenspiel, das der Ausstellung ihren Namen gibt. Angelehnt an ausgewählte Motive der 48 Godori Karten sind während des Residenzstudiums von Surya Gied auf dem Künstlerhof Frohnau im Sommer 2021 die in der Ausstellung präsentierten Malereien entstanden. Die Malereien verbinden sich mit Fundstücken vom Gelände des Künstlerhofes zu skulpturalen Remixes, die zugleich einen sehr persönlichen Blick auf globale Wirtschaftskreisläufe und die darin eingebetteten Frauenschicksale werfen.


     
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Wie eine Spinne im Netz / Hannah-Höch-Preis 2022

Die seit mehr als 70 Jahren in Berlin lebende Künstlerin Ruth Wolf-Rehfeldt (* 1932, Wurzen) wird mit dem Hannah-Höch-Preis 2022 für ihr umfangreiches Oeuvre geehrt, das sowohl Gemälde, Zeichnungen und insbesondere von 1972 bis 1989 entstandene Schreibmaschinengrafiken umfasst. Anlässlich der Preisverleihung erhält die Künstlerin eine Einzelausstellung im Kupferstichkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin.

Wolf-Rehfeldts Typewritings suchen die Nähe zur visuellen und konkreten Poesie, tendieren ins Abstrakte, Konkrete und Architektonische und werden insbesondere in den 1980er-Jahren zu Collagen erweitert. Mit den Grafiken partizipierte Wolf-Rehfeldt aktiv am Mail-Art-Programm der DDR und baute ein umfangreiches Kommunikationsnetz auf, das sich um den gesamten Globus spannte. So erinnert sich die mittlerweile 90-jährige Künstlerin:

Ich hatte den Ehrgeiz, wie eine Spinne im Netz, zu jedem Ort der Erde meine Fäden zu spinnen.

Mitunter bat Wolf-Rehfeldt die Adressat*innen, die Grafiken künstlerisch zu erweitern und zurückzuschicken, sodass kollaborative Collagen entstanden. Diese hybriden Geflechte verklammern verschiedenste Materialien und Bildwelten, Zeiten und Räume miteinander, und sie legen eine Spur zu Hannah Höchs (1889–1978) dadaistischen Bildmontagen, sodass beide Künstlerinnen über Jahrzehnte und Ländergrenzen hinweg im Geiste verbunden sind.

Wolf-Rehfeldts Schreibmaschinenarbeiten und Collagen, darunter jüngst von der Graphischen Gesellschaft zu Berlin, dem Freundeskreis des Kupferstichkabinetts erworbene Typewritings, werden in der Ausstellung in einen Dialog mit Collagen Hannah Höchs und mit Werken der Konzeptkunst, der Minimal Art, mit zeitgenössischer Schreibmaschinenkunst und Mail Art aus der Sammlung des Kupferstichkabinetts von u. a. Robert Barry, Peter Roehr und Gert und Uwe Tobias gestellt. Die ca. 140 Exponate umfassende Ausstellung fungiert wie ein internationales Netzwerk, in das Wolf-Rehfeldts Arbeiten eingebettet werden, und erweitert damit den Blick auf die Kunst in der DDR.

Ein weiterer Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf der in Wolf-Rehfeldts Werken verhandelte Beziehung zwischen Mensch und Natur, Natur und Kultur, zwischen Mensch und Mensch und das konkurrierende Verhältnis machtorientierter Kräfte. „Dangerous Balance“ heißt eines ihrer Typewritings, das unter dem Eindruck des Kalten Krieges entstand und den fragilen Zustand des Friedens wenngleich mit minimalen Mitteln, so doch eindrücklich in Wort und Bild fasst. Explizit bekannte sich Wolf-Rehfeldt zur Friedensbewegung.

Obwohl Ihre Typewritings mehr als 30 Jahre alt sind, sind sie hochaktuell und zwar nicht allein hinsichtlich der aktuell angespannten Situation in Europa. Denn Wolf-Rehfeldt befasst sich darin zudem mit dem Wandel der Kommunikationsmedien und ihrer Netzwerke, mit globaler Kommunikation mit und ohne Grenzen und sie stellt die Frage, nach dem Wert von Information – man denke an heutige Debatten um Fake News und Zensur. Es ist diese Aktualität, die neben der bisher ausgebliebenen Ehrung der Künstlerin in ihrer langjährigen Heimatstadt Berlin für die Nominierung zum Hannah-Höch-Preis 2022 sprach – dem Jahr, in dem Ruth Wolf-Rehfeldt ihren 90. Geburtstag feiert.

Der Hannah-Höch-Preis wird seit 1996 von der Kulturverwaltung des Berliner Senats für ein herausragendes künstlerisches Lebenswerk verliehen. Der Preis ist zu Ehren der Künstlerin Hannah Höch benannt, die mit ihrem Werk als Dadaistin internationale Berühmtheit erlangte. Ausgezeichnet werden Künstler*innen mit Lebens- und Arbeitsschwerpunkt in Berlin, die durch eine kontinuierliche künstlerische Leistung hervorstechen. Der Preis umfasst neben einem Preisgeld in Höhe von 25.000 Euro eine Ausstellung sowie eine Publikation. Die Auswahl der Preisträger*innen erfolgt durch die Förderkommission Bildende Kunst der Kulturverwaltung des Berliner Senats, in der außer dem Kupferstichkabinett der Staatlichen Museen auch die Berlinische Galerie, das Georg Kolbe Museum, der Neue Berliner Kunstverein und die Stiftung Stadtmuseum vertreten sind.

Anlässlich der Ausstellung des Kupferstichkabinetts ist ein reich bebilderter Katalog geplant mit Beiträgen von Dr. Jenny Graser, Dr. Dagmar Korbacher, Dr. Fabienne Meyer und Dr. Kathleen Reinhardt.

Parallel zur Ausstellung von Ruth Wolf-Rehfeldt wird die Ausstellung zum Hannah-Höch-Förderpreis 2022 von Farkhondeh Shahroudi im Kupferstichkabinett gezeigt.

Wie eine Spinne im Netz