Ausstellungen der Museen von Berlin © www.museumsportal-berlin.de
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/ Alexander Calder. Minimal-Maximal

Die Neue Nationalgalerie feiert ihre Wiedereröffnung mit einer speziell für die gläserne Halle konzipierten Ausstellung des großen amerikanischen Bildhauers Alexander Calder. Seine experimentell angelegten, oft beweglichen Werke reichen von miniaturhaft kleinen Objekten bis hin zu monumentalen Skulpturen und Mobiles. Die Ausstellung ALEXANDER CALDER. MINIMAL / MAXIMAL spürt diesem besonderen Verhältnis von Größe, Maßstab und Räumlichkeit nach und wird in der neu restaurierten Architektur Mies van der Rohes eine besonders magische Wirkung entfalten. Der offene, experimentelle Ansatz der Ausstellung schließt die Partizipation der Besucherinnen und Besucher mit ein, welche die Werke von Calder teilweise in Aktion erleben können. Zum Eröffnungsprogramm der Neuen Nationalgalerie gehören darüber hinaus eine umfassende Sammlungspräsentation unter dem Titel „Die Kunst der Gesellschaft“ sowie eine architektonische Filminstallation der Berliner Künstlerin Rosa Barba.

     
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/ Scratching the Surface

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Die Ausstellung betrachtet das Zusammenspiel von Mensch, Technik und Natur anhand von Beispielen aus der jüngeren Kunstgeschichte. Die Bandbreite der in den Rieckhallen versammelten Positionen reicht von historischen Entwicklungen seit den 1960er-Jahren, wie etwa Land Art, Arte Povera und Konzeptkunst, bis hin zu zeitgenössischen künstlerischen Auseinandersetzungen mit den Themen Ökologie und Umwelt.

Über die ökologischen Krisen unserer Zeit entwickelte sich in den letzten Jahren eine breite und dringliche öffentliche Diskussion. Phänomene wie Klimawandel, Artensterben, Übernutzung von Ressourcen und die Ausbreitung von Kunststoffen werden in verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen als Indiz für den Anbruch eines neuen geologischen Zeitalters verstanden: des Anthropozäns. Der Begriff beschreibt, dass der Mensch (griechisch anthropos) die Entwicklungen auf der Erde maßgeblich prägt. Die in „Scratching the Surface“ ausgestellten Kunstwerke thematisieren, wie sich das Verständnis von Konzepten und Vorstellungen von Landschaft und Umwelt in den vergangenen sechs Jahrzehnten verändert hat.

Eine Sonderausstellung der Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin


     
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Make loops not lines: Von der Circular Economy zur Circular Society / Design Lab #8

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Die Zukunft ist zirkulär – dieser Vision folgend widmet das Kunstgewerbemuseum sein achtes Design Lab dem Thema „Kreislaufwirtschaft“. Auf dem Weg hin zu einer zirkulär agierenden Gesellschaft und Wirtschaft kommt dem Material eine Schlüsselrolle zu. In enger Kooperation mit der Hans Sauer Stiftung bietet das „Design Lab #8: Material Loops – Wege in eine kreislauffähige Zukunft“ diesem Diskurs eine Plattform und stellt kreislauforientiertes Denken und Handeln anhand einer Auswahl von Best Practice Beispielen und spekulativem Design aus Berlin, Deutschland aber auch über die Landesgrenzen hinaus vor.

Die Nutzung von Ressourcen und Dingen folgt im gegenwärtigen Wirtschafts- und Gesellschaftsmodell weitgehend einem linearen Muster, dem des „take, make, waste“: Ressourcen sowie natürliche Rohstoffe oder auch verarbeitete Produkte werden zu einem überwiegenden Teil deponiert oder thermisch verwertet und nicht etwa konsequent wieder- und weiterverwendet. Dabei hat sich der weltweite Materialverbrauch in den vergangenen 100 Jahren verachtfacht und dürfte bis 2050 um weitere 17 % steigen. Die direkten Folgen der Wegwerfmentalität sind neben deutlich spürbaren ökologischen Problemen auch eine Verstärkung sozialer Ungleichheit und Ausbeutung entlang globalisierter Produktionsketten.

Anders als das lineare Wirtschaftsmodell möchte die Kreislaufwirtschaft Stoffströme miteinander vernetzen, so dass ein zirkuläres System entsteht. Produkte und Materialien sollten zukünftig so gestaltet und konstruiert werden, dass sie am Ende ihres Lebenszyklus‘ eine neue Nutzung finden oder in technische oder biologische Kreisläufe zurückgeführt werden können. Wichtige Faktoren sind ein langlebig ausgerichtetes Design, Reparierbarkeit, Zerlegbarkeit, der schonende Umgang mit jeglichen in der Produktion beteiligten Ressourcen, aber auch der Materialeinsatz an sich.

Das Modell der Circular Society geht noch einen Schritt weiter und versucht Herangehensweisen anzuregen, die über technologische und marktorientierte Ansätze hinausgehen. Es ist als Vision einer grundlegenden, am Konzept der Zirkularität orientierten sozial-ökologischen Transformation zu verstehen. Mit diesem Erweiterungsvorschlag soll aufgezeigt werden, dass der Übergang zu einem zirkulären System eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist. Konkret bedeutet dies unter anderem, dass Zirkularität zu einem Leit-, Strukturierungs- und Handlungsprinzip in zahlreichen Gesellschaftsbereichen werden muss und dabei immer das gesellschaftliche Wohl im Blick bleiben sollte. Nur über Kooperation, Beteiligung, Aufbau und Teilen von Wissen, Transparenz und Zugänglichkeit können lineare Regeln, Organisationsformen, Wissensordnungen aber auch und vor allem Wert- und Zielvorstellungen in der Gesellschaft überwunden und neu ausgerichtet werden.

Material und Materialverbrauch stehen im Zentrum der beschriebenen Problematik eines linearen Wirtschaftssystems. Man geht davon aus, dass 80 Prozent des Ressourceneinsatzes bereits in der Produktentwicklung festgelegt werden. Damit besitzen Designer*innen, aber auch Produzent*innen in der sozio-ökonomischen Transformation zu einem zirkulären System durch die Wahl des verwendeten Materials eine große Verantwortung. In den Händen der Konsument*innen kann das Material schließlich zum kreislauffähigen Produkt werden.

Die Ausstellung vereint Beispiele für kreislauffähiges Material und dessen Anwendung aus der „Biosphäre“ und der „Technosphäre“.

Biosphäre

Das Material der biologischen Sphäre lässt sich nach der Nutzung als Nährstoff nahtlos zurück in den natürlichen Kreislauf führen – darunter fallen zum Beispiel die Kleider aus ugandischem Barkcloth von der Londoner Designerin José Hendo oder das lederähnliche Material Sonett155 entwickelt von Johanna Hehemeyer-Cürten und Lobke Beckfeld, welches aus Zelluloseabfällen aus der Textilindustrie und dem Pektin aus Apfelschalen gewonnen wird.

Technosphäre

In der technischen Sphäre kursiert Material, das der Natur nicht mehr zugeführt werden kann, wie Neuschrott aus der Metallindustrie, den die Metallgestalterin Lilli Gruber in ihrem Projekt „Stahlwandel“ zu hochwertigem Werkzeug schmiedet. Plastik – ein die Technosphäre dominierendes Material – ist in der Ausstellung unter anderem von cirplus vertreten, einem globalen Onlinehändler für recyceltes Plastik. Auch der „X-Chair“ von Hermann August Weizenegger wurde entsprechend des Prinzips des Cradle to Cradle entworfen. Hier gilt es, die Lebensdauer der Materialien zu maximieren, indem sie so oft wie möglich in den technischen Kreislauf zurückgeführt werden.

Nach einer Einführung in die Grundzüge eines kreisläufigen Wirtschafts- und Gesellschaftssystems begegnen den Besucher*innen des Design Lab #8 verschiedenste Materialien und ihr spezifischer Einsatz – von Ziegelsteinen aus Myzelium, über recyceltem Plastik bis Tierinnereien aus dem Schlachtbetrieb – entlang des Produktions- und Verwertungskreislaufs. Die ausgestellten Projekte reichen von in der Industrie bereits implementierten Materialien und Best-Practice-Beispielen bis zu spekulativen Experimenten von Designstudent*innen, u. a. von der Kunsthochschule Weißensee, der Universität der Künste Berlin und der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle.

Die Ausstellung selbst ist ein museales Experiment in Materialoptimierung und Schonung von Ressourcen. Die Ausstellungsarchitektur stammt vollständig aus den Beständen des Museums. Druckprodukte werden vermieden und größtenteils mit Handschrift ersetzt. Bücher werden – wenn möglich – gebraucht erworben.

Das Design Lab #8 wird von Claudia Banz (Kunstgewerbemuseum), Barbara Lersch (Hans Sauer Stiftung) und Kaja Ninnis (Kunstgewerbemuseum) kuratiert.

Die Reihe „Design Lab“ wird kuratiert von Claudia Banz, Kuratorin für Design am Kunstgewerbemuseum der Staatlichen Museen zu Berlin. Sie wird gefördert durch das Kuratorium Preußischer Kulturbesitz.

Eine Sonderausstellung des Kunstgewerbemuseums der Staatlichen Museen zu Berlin.

Make loops not lines: Von der Circular Economy zur Circular Society

     
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Kulturelles Erbe als lebendiger Teil der Kultur / Die Strahlkraft der Alhambra

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Kultur und Traditionen überstehen historische Umbrüche oft auf erstaunliche Art. Die Sonderpräsentation „Die Strahlkraft der Alhambra“ im Buchkunstkabinett des Museums für Islamische Kunst zeigt, wie die islamisch geprägte Kultur das westliche Mittelmeer auch nach dem Ende des muslimischen Spanien 1492 bereicherte: Fein verzierte Buchseiten, raffinierte Keramiken, Fotografien und weitere faszinierende Objekte vom 15. bis ins 20. Jahrhundert belegen in der Ausstellung das Überdauern traditioneller Kulturpraktiken.

Die Alhambra in Granada ist eines der bedeutendsten Monumente islamischer Kunst im Süden des heutigen Spanien. Wie kaum ein zweiter Ort steht diese Palastburg für die Entwicklung der Künste in al-Andalus – so die arabische Bezeichnung der iberischen Halbinsel. Die Alhambra war der Herrschersitz des letzten muslimischen Reichs, das 1492 von christlichen Königreichen erobert wurde. Das politische Ende dieser Ära führte aber keineswegs zu einem Bruch mit den kulturellen Wurzeln.

Hier setzt die Sonderpräsentation an und versammelt 55 Objekte, die das Überdauern islamisch geprägter kultureller Praktiken und künstlerischer Formen auf der iberischen Halbinsel eindrücklich belegen: Anhand von Keramikarbeiten, wie sie heute noch oft im Süden Spaniens zu finden sind, zeigt sich dies besonders. Künstlerische Ausdrucksformen wurden nicht „nur“ weitergegeben, sie wurden weiterentwickelt und adaptiert, sich zu eigen gemacht und blieben somit lebendiger Teil der Kultur.

Aber auch im Maghreb wurde über Jahrhunderte das kulturelle Erbe al-Andalus weiter gepflegt: Eine auf der iberischen Halbinsel und in Nordwestafrika gemeinsam entwickelte Ornament-Tradition, ähnliche Schriftarten und Gestaltungsvorlieben in der Buchkunst verdeutlichen, wie kulturelles Erbe auch außerhalb enger geografischer Grenzen weiterbesteht.

Nicht zuletzt die noch junge Fotografie rückte im 19. Jahrhundert die Kultur al-Andalus’ in den Fokus der Aufmerksamkeit und sorgte für ein weltweites Interesse am Kulturerbe des muslimischen Spaniens. Auf den vielleicht ältesten Fotografien des Museums für Islamische Kunst von 1852 hält Felix Alexander Oppenheim die Alhambra und weitere Kulturdenkmäler Spaniens in Bildern fest. Im Dialog mit rund 50 Jahre jüngeren Aufnahmen eines lokalen Fotostudios werden die Veränderungen in der Alhambra sichtbar und belegen, wie stark das 19. Jahrhundert unsere Sicht auf die Geschichte al-Andalus auch weiterhin prägt.

Eine Sonderausstellung des Museums für Islamische Kunst der Staatlichen Museen zu Berlin.

Kulturelles Erbe als lebendiger Teil der Kultur

     
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/ Comicstipendium Berlin 2020

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Die Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa hat für 2020 fünf Stipendien an Berliner Comic-Künstler*innen vergeben. Das Museum für Kommunikation Berlin und der Deutsche Comicverein präsentieren in einer Ausstellung die Projekte, mit denen sich die Gewinner*innen für das Stipendium beworben haben.

Die Ausstellung wird im Rahmen der COMICINVASION BERLIN 2020 mit einer Podiumsveranstaltung virtuell eröffnet:
28. November 2020, 12:00 bis 13:00 Uhr
Das Berliner Comicstipendium 2020. Podiumsdiskussion mit den Stipendiat*innen
Gespräch mit Nele Brönner, Sophie Artz, Philipp Deines, Aisha Franz, Mazen Kaerbaj. Moderation Lars von Törne, Der Tagesspiegel.
Begrüßung durch Anja Schaluschke, Direktorin Museum für Kommunikation Berlin, und Lilian Engelmann, Referentin für Literatur und Bildende Kunst bei der Senatsverwaltung für Kultur und Europa.
Die Veranstaltung wird vom Deutschen Comicverein e. V. im Auftrag der Senatsverwaltung für Kultur und Europa in Kooperation mit dem Museum für Kommunikation Berlin durchgeführt.


     
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/ Rendering Refusal

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Mit einer Ausstellung in zwei Berliner Venues - Kunstraum Kreuzberg/Bethanien und Betonhalle, Silent Green Kulturquartier - und einem Filmprogramm im transmediale Studio beginnt am 23. Januar 2021 das Einjahres-Festival der Transmediale. Der erste Teil des Jahresprogramms bringt künstlerische Positionen zusammen, die Kontrollsysteme infrage stellen und alternative Formen gesellschaftlichen Drucks ausüben, um durch Taktiken der Verweigerung Raum für Möglichkeiten und Hoffnung zu schaffen.

Taktiken der Verweigerung und deren Potenzial auf Hoffnung erkundend bringt die Ausstellung künstlerische Positionen zusammen, die unser Verständnis von überdauernden politischen Konflikten infrage stellen und so aus Widersprüchen und Differenzen Zukunftsvisionen gestalten, queere Kosmologien etablieren und dem Alltäglichen neue Ideale einschreiben. Von kleinen Akten der individuellen Rebellion bis hin zu Anti-Denkmälern implizieren die Arbeiten der Ausstellung Verantwortung für Pluralität und materialisieren, was häufig lediglich flüchtig erscheint, gedämpft oder ausgelöscht wird.

Aufgrund der Pandemieregelungen ist die Ausstellung derzeit geschlossen. Daher hat transmediale ein digitales Besuchsprogramm, inspiriert von dem Konzept der Proxy Protests: (http://proxyprotest.com) für Rendering Refusal entwickelt. Für die Proxy Visits werden Besuchende per Videoanruf mit einer*m Proxy Host vor Ort in einer der Venues verbunden und erleben die Ausstellung so gemeinsam und in Interaktion.
Weitere Informationen und Buchungsmöglichkeiten sind auf der transmediale Webseite verfügbar: https://transmediale.de/exhibition-proxy-visit-and-documentation

Darüber hinaus veröffentlicht das Festival in wenigen Tagen eine umfangreiche Dokumentation der Ausstellung, darunter finden sich eine Führung auf Englisch und Deutsch sowie ein Podcast der Kurator*innen.

transmediale 2021–22:
Die transmediale schafft einen Raum für die kritische Reflexion kultureller Transformation aus einer postdigitalen Perspektive heraus. Das Festival für Kunst und digitale Kultur bringt seit mehr als 30 Jahren internationale Künstler*innen, Forscher*innen, Aktivist*innen und Denker*innen zusammen, um in der Verschränkung unterschiedlicher Genres und kuratorischer Formen neue Sichtweisen auf unsere technologische Zeit zu entwickeln. Im Laufe ihrer Geschichte hat sich die transmediale von ihren Anfängen als VideoFilmFest zu einem der wichtigsten Ereignisse für Kunst und digitale Kultur weltweit entwickelt.
Mehr Information und Neuigkeiten unter: https://transmediale.de

Künstler*innen im Kunstraum Kreuzberg/Bethanien:
Bassam Al-Sabah, Danielle Brathwaite-Shirley, Madison Bycroft, Sofia Caesar, Patricia Domínguez, Anne Duk Hee Jordan, Laura Yuile, and Bassem Saad.

Künstler*innen in Betonhalle, Silent Green:
Larry Achiampong, Eli Cortiñas, Jennifer Mehigan, Sung Tieu, and Natasha Tontey.

Kurator*innen:
Nora O Murchú, Lorena Juan and Ben Evans James


     
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/ MyABC – Schaufensterausstellung

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Parallel zur Instagram Challenge MyABC zeigen wir im temporary bauhaus-archiv eine Buchstaben-Installation, die durch das Schaufenster zu besichtigen ist. Die über 100 Lettern stammen aus Schriftzügen, die einst in verschiedenen Städten leuchteten und vom Buchstabenmuseum Berlin bewahrt wurden. Massiv oder zart, von kniehoch bis menschengroß, beleuchtet mit Neon oder LED, ergeben sie eine poetische Schau urbaner Typografie aus über sechs Jahrzehnten, gehalten in schwarz-grau-weiß. Vertreten sind z.B. kleine Zetts und Esse von einem Wiener Optikergeschäft, große weiße Es vom Tagesspiegel an der Potsdamer Straße in Berlin, wuchtige Bs von der Deutschen Bahn, ein elegantes B und Zett von Mercedes Benz oder ein Neon-M vom Berliner Kaffeemitte.

Die Exponate stammen aus der über 3.000 Buchstaben umfassenden Sammlung des Berliner Buchstabenmuseums, das als erstes Museum weltweit Typografie aus dem öffentlichen Raum sammelt und als Teil der Stadtgeschichte präsentiert.

#myabc2021

Eine Kooperation des Buchstabenmuseum Berlin und des Bauhaus-Archiv / Museum für Gestaltung.


     
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/ "Rotspanier"

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1939 begann für 140.000 republikanische Flüchtlinge des Spanischen Bürgerkrieges eine siebenjährige Odyssee durch die Konzentrations- undArbeitslager des faschistischen Europa. Sie wurden Opfer von Internierung, Ausbeutung und Deportation durch das NS-Regime und durch das Vichy-Regime, in Frankreich, in Deutschland, in Nordafrika und auf den Kanalinseln.

Die dreisprachige Ausstellung präsentiert erstmals die Geschichte dieser vergessenen Zwangsarbeiter des Zweiten Weltkrieges einem europäischen Publikum.


     
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/ ME + YOU = TOGETHER WE

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Mit der Ausstellung "ME + YOU = TOGETHER WE" präsentiert das Museum Reinickendorf vier Betrachtungsweisen zu den Themen Vereinzelung, Begegnung, Kommunikation, Schnelllebigkeit und Zeit. Das gemeinsame Erfahren und Miteinander in der Welt, was besonders in Zeiten der Corona-Pandemie ein Umdenken und eine Neuordnung mit sich bringen, wird in den Arbeiten der international ausstellenden KünstlerInnen aufgegriffen.

Sandra Becker, Simone Kornfeld, Ina Lindemann und Gerard Waskievitz begreifen sich als Künstlergruppe, in der sie nicht nur gemeinsame Ausstellungen zeigen, sondern sich künstlerisch austauschen und aufeinander beziehen. Ganz im Sinne des Ausstellungstitels möchten sie ein Gesamtwerk zeigen, dass sich aus Fotografie und Malerei zusammensetzt.

Während Sandra Becker sich überwiegend mit Fotografie beschäftigt und ihre Coronaeindrücke des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020 mit dem Betrachter teilt, finden wir uns in der Malerei Gerard Waskievitz´ in einer surreal anmutenden Parallelwelt wieder. Simone Kornfeld setzt sich mit existentialistischen Themen wie Entgrenzung und Auflösung auseinander, die sie in farblichen und strukturellen Gegensätzen zum Ausdruck bringt. Ina Lindemann spielt in ihrer gegenstandslosen Malerei mit ausdrucksstarken Formen und Farben und schafft es dabei Stimmungen und Emotionen einzufangen, die aus eigenen Erfahrungen und Begegnungen gründen.


     
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/ Tegel, Heimathafen

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Die Künstlerin Anna Lehmann-Brauns beschäftigt sich in ihren Fotografien mit dem Raum als Ort der Erinnerung. Die in der GalerieETAGE des Museum Reinickendorf gezeigten Arbeiten sind hierbei keine bloße Dokumentation des Flughafen Tegels. Lehmann-Brauns´ Bilder, die durch ihre Farbintensivität und ihrem oft fragmentischen Arragements ein Gefühl der Einsamkeit hervorrufen, sollen den Betrachter daran erinnern, was an verlassenen Orten ohne Menschen übrig bleibt.


     
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/ Übergangsgesellschaft – Akteure der Transformation in Berlin und Brandenburg nach 1989

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Der Transformationsprozess in Ostdeutschland in Folge der Friedlichen Revolution ist 30 Jahre nach der Vereinigung umstritten wie nie zuvor. Die umfassenden Umwälzungen von Diktatur und Planwirtschaft hin zu Rechtsstaat, Demokratie und Marktwirtschaft waren beispiellos. Alle Beteiligten betraten damals Neuland. Trotz aller Erfolge ist die Debatte zu den Transformationsjahren heute von Berichten über erlebte Verluste, Unsicherheiten und Traumatisierung geprägt, ebenso von einem Überstülpen des westdeutschen Systems auf die Neuen Bundesländer. Dabei war das Transformationsgeschehen vielschichtig und auch ganz erheblich geprägt vom Engagement zahlreicher Ostdeutscher die sich vor Ort einbrachten, die Entwicklungen mit gestalteten und die neuen Möglichkeiten aktiv nutzten.

Den Mittelpunkt der Ausstellung bilden deshalb vierzehn Frauen und Männer und ihre Erfahrungen in der Übergangsgesellschaft. Sie stehen beispielhaft für zahlreiche andere Engagierte auch über Berlin und Brandenburg hinaus. Ihre Erfolge und Misserfolge, Ermutigungen und Rückzüge ermöglichen einen neuen, anderen Blick auf die Transformationszeit.

Eine Wanderausstellung von exhibeo (www.exhibeo.de), Kuratiert von Eva Fuchslocher und Nina Burkhardt

Gefördert mit Mitteln der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und der Landeszentrale für politische Bildung Brandenburg und entstanden in Kooperation mit dem Museum Pankow Berlin und der Beauftragten des Landes Brandenburg zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur


     
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/ James Wines und SITE: Retrospektive 1970–2020

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Die Ausstellung präsentiert rund 60 gezeichnete Werke des Künstlers und Architekten James Wines (*1932), der sich bereits in den 1980er Jahren mit „grüner“ Architektur beschäftigt hat – in einer Zeit, in der Begriffe wie Klimawandel, Nachhaltigkeit, erneuerbare Energien oder der menschliche Maßstab in der Welt des Bauens noch nicht so eine zentrale Bedeutung hatten wie heute. Schon damals ging es James Wines beim Gestalten darum, die zeitgenössische Kunst und insbesondere die Bildhauerei, oft unter gesellschaftskritischen Gesichtspunkten, mit der Architektur zu verbinden. So entstanden seine bekanntesten Werke für sein Architekturbüro SITE (Sculpture in the Environment), darunter die Filialen der BEST-Stores und Ghost Parking Lot. Das Leitthema der Ausstellung ist „Context as Content“ – der Bezug auf den räumlichen wie inhaltlichen Kontext ist ein Hauptanliegen der gesamten Arbeit von SITE. So sind die BEST-Stores beispielsweise inspiriert von der Wegwerfkultur und den schachtelförmigen Einkaufszentren sowie der allgemeinen Billigung ihrer Allgegenwart. Die Einbeziehung einer unterschwelligen Akzeptanz der alltäglichen Materialität eröffnete die Möglichkeit, Kunst dort einzusetzen, wo das Publikum sie am wenigsten erwartete – in diesem Fall entlang sich endlos erstreckender Highways mit Geschäften. Vor dem Eingriff von SITE in das Straßenbild wurden diese Strukturen nie als etwas anderes als unscheinbare Orte für Einkäufe betrachtet. Die Aufnahme der Banalität des Supermarktes als Rohstoff für die Transformation eröffnete eine Vielzahl von nicht-formalistischen Interpretationen: die Einbeziehung der instinktiven Reaktionen der Menschen auf alltägliche Orte als Interpretationsquelle für Kunst im öffentlichen Raum; die Verwendung der Architektur selbst als Gegenstand der Kunst (und nicht als Ziel eines konventionellen Entwurfsprozesses); die Interpretation von Gebäuden als Kritik an sich selbst; die Verschmelzung von Landschaft und Architektur, bei der es oft schwierig wird, zu erkennen, wo das eine beginnt und das andere endet; die Einfügung von sozial, psychologisch und physisch aktivierenden „Auslöseelementen“ in Parks, auf Plätzen und Gärten, die die Fußgänger zur Interaktion miteinander und mit ihrer unmittelbaren Umgebung anregen.

Viele gezeichnete Werke von James Wines, wie Highrise of Homes und Ghost Parking Lot, befinden sich heute in namhaften musealen Sammlungen, unter anderem im Museum of Modern Arts in New York und im San Francisco Museum of Modern Art. Der Künstler lebt und arbeitet in New York.


     
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/ Raum malen

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"Raum malen" versammelt eine Vielzahl von zeitgenössischen künstlerischen Positionen, die die materiellen Essenzen von Malerei und deren Verhältnis zum Raum untersuchen. Speziell für die Ausstellung entstandene sowie existierende Arbeiten laden die Besucher*innen ein, Malerei nicht nur visuell, sondern auch physisch zu erfahren.

Auch nachdem abstrakte Kunst und Performance den westlichen Malerei-Begriff in Frage gestellt und neue Formate etabliert haben, wird Malerei meist mit Farbe auf Leinwand gleichgesetzt. Was passiert aber, wenn sich diese Farbe von der Leinwand löst und ganze Räume sowie Objekte einnimmt? Viele der in der Ausstellung vertretenen Künstler*innen gehen dieser Frage nach, indem sie Malerei in ihre einzelnen Komponenten zerlegen, auf ein Minimum an Elementen reduzieren, mit Oberfläche und Farbe experimentieren, im gesamten Raum erlebbar machen und so letztlich die Grenzen zwischen Malerei, Installation und Skulptur auflösen. Die Ausstellung fordert die Besucher*innen dazu auf, „mitten ins Bild“ zu treten – und dabei neue Perspektiven auf die Architektur des Gropius Bau zu entdecken.

Kuratiert von Julienne Lorz (Hauptkuratorin, Gropius Bau)


     
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/ Zheng Bo

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Als In House: Artist in Residence 2020 beschäftigte sich der Künstler und Theoretiker Zheng Bo mit der Frage, wie Pflanzen Politik machen. Seine Ausstellung "Wanwu Council 萬物社" knüpft 2021 an die Themen an, die Zheng Bo während seines einjährigen Aufenthalts im Gropius Bau entwickelt hat.

Der daoistische Begriff Wanwu lässt sich als „zehntausend Dinge“ oder „Vielzahl von Ereignissen“ übersetzen und steht so für die unendlichen Möglichkeiten des Lebens in all seinen Formen. Im Rahmen der Ausstellung wird das erste Kapitel seines in Berlin und Brandenburg gedrehten Films "The Political Life of Plants 植物的政治生活" (2021) zu sehen sein, der Gespräche mit Ökolog*innen dokumentiert und mit experimentellen Szenen kombiniert. Die Serie "Drawing Life 寫生" (2020–21) versammelt Zeichnungen von vermeintlichem Unkraut und Bäumen, denen Zheng Bo in den 24 Halbmonaten des Lunisolarkalenders begegnet ist. Die Praxis des regelmäßigen Zeichnens zielt darauf ab, sich diesen verwandten Wesen anzunähern. "Wanwu Council 萬物社" setzt diese Annäherung fort: Die Ausstellung wuchert über den Gropius Bau hinaus in den „Gropius Hain“, wie Zheng Bo die Gemeinschaft von Platanen auf der Westseite des Gebäudes nennt.

Kuratiert von Stephanie Rosenthal mit Clare Molloy


     
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/ Hella Jongerius

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Im Mittelpunkt von Hella Jongerius’ künstlerischer Praxis steht die Verknüpfung von Industrie und Handwerk, von traditionellem Wissen und Technologie. Der Gropius Bau widmet der Künstlerin und Designerin im Frühjahr eine Einzelausstellung, die sich während der Laufzeit prozesshaft weiterentwickeln wird.

Eine besondere Bedeutung kommt in Hella Jongerius’ Arbeit dem Weben zu, das eine der ältesten Kulturtechniken und gleichzeitig Grundlage für den digitalen Code ist. Die unter dem Titel "Kosmos weben" gezeigte Ausstellung bezieht die Besucher*innen durch interaktive Elemente in Jongerius’ offene und prozesshafte Arbeitsweise ein und schafft so einen Rahmen, sich kritisch mit Fragen nach Produktion und Nachhaltigkeit, Gegenwart und Zukunft auseinanderzusetzen.

Neben Jongerius’ Recherchen zu Innovation und zukunftsgerichteten experimentellen Praktiken liegt ein weiterer Schwerpunkt der Ausstellung auf ihrer andauernden Auseinandersetzung mit der Frage, welches Verhältnis wir zu Gegenständen einnehmen – und wie diesen eine heilende Funktion zukommen kann. Die Ausstellung knüpft dabei an die Geschichte des Gropius Bau an, der als Kunstgewerbemuseum und -schule mit eigenen Werkstätten ein Ort der Verbindung von Kunst und Handwerk war. In dieser Tradition wird Hella Jongerius mit ihrem Studio Jongeriuslab in den Monaten vor der Ausstellungseröffnung im Gropius Bau neue Werke produzieren.

Kuratiert von Stephanie Rosenthal mit Clara Meister in Zusammenarbeit mit dem Studio Hella Jongerius


     
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/ Wild Times, Planetary Motions

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2021 werden die Berliner Festspiele 70 und organisieren aus diesem Anlass ein fünftägiges Programm, das die unterschiedlichen Disziplinen der Festivals im Gropius Bau zusammenbringt und miteinander resonieren lässt.

Internationale bildende Künstler*innen, Musiker*innen und Performer*innen präsentieren Arbeiten zwischen Improvisation und Partitur und schaffen so ein Programm, das als Tages- oder Nachtversion zu erleben ist. Es vereint Jazz und zeitgenössische Musik, Theater über Pflanzenintelligenz, Suiten von J. S. Bach im Dunkeln, humanoide Roboter im Dialog, eine performative Landschafts-Szenografie, historische Filme, Gespräche und Archivmaterial zur Festspielgeschichte.

Die Werke thematisieren Momente der Metamorphose, der Intimität und Verletzlichkeit. Wie kann der Umgang mit einer unsicheren Gegenwart zu einem Akt der Kreativität werden? Wild Times, Planetary Motions will unserem rissigen Ist-Zustand einen Funken Wildheit und Rebellion gegenüberstellen, einen Schaltkreis der Erneuerung schaffen.

Mit Monira Al Qadiri & Raed Yassin, Nikhil Chopra mit Yuko Kaseki, Doris Dziersk, Alexander Hawkins & Siska, Manuela Infante, Augustin Maurs, Jimmy Robert, SERAFINE1369, The Monochrome Project, Olivia Wenzel u. a.

Kuratiert von Natasha Ginwala, Jeroen Versteele mit den Festivalleiter*innen der Berliner Festspiele und Thilo Fischer (Archiv)


     
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/ Georges Adéagbo. La lumière qui fait le bonheur…

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Die Assemblagen des beninischen Künstlers Georges Adéagbo (* 1942 in Cotonou) zeichnen Lebenslinien und Schicksale von Menschen anhand hinterlassener Spuren nach: Objekte und Dokumente zeugen von Begegnungen und individuellen Entscheidungen. Indem er auf Reisen gesammelte Fotos und Drucksachen von Handwerkern in Benin in Bilder und Skulpturen umsetzen lässt, eröffnet der Künstler neue Perspektiven auf scheinbar Gewohntes. Für seine Ausstellung im KINDL entwickelt Adéagbo eine den gesamten Ausstellungsraum einnehmende Installation, in der er auf Elemente aus zentralen Werken wie "Tout de moi à tous" (2007) oder aus "Un espace avec le monde" (2007) zurückgreift, und durch Fundstücke aus Neukölln und aus dem KINDL-Archiv aktualisiert.

Kuratiert von Kathrin Becker in Zusammenarbeit mit Stephan Köhler


     
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/ Eli Cortiñas. Walls Have Feelings

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Eli Cortiñas (* 1979 in Las Palmas / Gran Canaria) verwendet in ihren Videoarbeiten gefundenes Material aus Filmen, YouTube-Videos, Werbung, Animationen und Bildarchiven, das sie vervielfacht, rhythmisiert und neu vertont. In dem bildgewaltigen Video-Essay "Walls Have Feelings" (2019) befasst sie sich unter anderem mit den Konzepten von Arbeit und Wertschöpfung. Cortiñas entwirft ein dystopisches Bild unserer Gegenwart, das historische, politische und ästhetische Aspekte miteinander verknüpft. Dabei befragt die Künstlerin Architektur als Erscheinungsform und Instrument politischer Macht sowie die Rolle vermeintlich unschuldiger Objekte und Interieurs in ihrer Funktion als stumme Zeugen, Bewahrer und Verstärker von Macht.

Kuratiert von Kathrin Becker


     
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/ Demokratie heute

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Künstler*innen: Pierre Bismuth, Claus Föttinger, Julia Lazarus, Erik van Lieshout, Marina Naprushkina, Oliver Ressler, Anja Schrey, Jonas Staal, Joulia Strauss, sowie Assembly RST (Nadira Husain, Daniel Johnston, Markus Schinwald u.a.) und Migrant*innen aus einem Lager Geflüchteter auf Lesbos (Hossini, Masoumeh, Nazgol u.a.)

Weltweit befinden sich Demokratien vielfach in einer Krise: Freiheitsrechte und die Optionen auf politische Partizipation werden eingeschränkt oder immer weniger in Anspruch genommen. Die gastkuratierte Ausstellung nimmt die Störanfälligkeit der demokratischen Grundordnung in gegenwärtigen Systemen als Ausgangspunkt und beleuchtet Problemfelder wie die Medialisierung von Politik, das Spannungsfeld von In- und Exklusion bei Entscheidungsprozessen, neue Formen der politischen Teilhabe und das Verhältnis von außerparlamentarischem Protest und offizieller Politik.

Kuratiert von Raimar Stange


     
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/ Louise Stomps

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Das menschliche Leid, die Erschütterung der Sinne und die schutzlose Kreatur sind zentrale Themen im Werk der Berliner Bildhauerin und Grafikerin Louise Stomps (1900–1988). Nach dem Besuch der Preußischen Akademie der Bildenden Künste zu Berlin und der Bildhauerklasse des Vereins der Berliner Künstlerinnen bei Milly Steger hatte sie ab 1930 ihr eigenes Atelier. Von den Arbeiten der 1930er Jahre sind infolge von Bombenangriffen auf das Atelier während des Zweiten Weltkriegs nur wenige erhalten. Im Herbst 1945 beteiligt sich Louise Stomps mit Werken unter anderem an der ersten Bildhauer*innen- Ausstellung der Galerie Rosen in Berlin. 1960 bezieht die Künstlerin eine alte Kumpfmühle in Bayern. Hier lässt sie sich von den Hölzern der Umgebung inspirieren, darunter Buche, Föhre oder Inn-Eiche. Holz wird zum Hauptakteur ihres Spätwerks, und Naturstoffe sind die wichtigsten Komponenten ihrer Arbeit. Stomps Auffassung von der Natur als Urquelle alles Lebendigen inspiriert sie formal zur organischen Abstraktion. In den 1970er Jahren entstehen drei bis vier Meter hohe Skulpturen wie »Eos«, »Pilger«, »Asket« oder »Gilgamesch«.

Ausstellung und Katalog setzen sich erstmals mit dem Werk dieser außergewöhnlichen Bildhauerin auseinander und stellen es in den internationalen Kontext.

Ausstellung und Katalog werden ermöglicht durch den Hauptstadtkulturfonds.


     
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/ Marc Brandenburg

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Marc Brandenburgs ins Negativ verkehrte Bleistiftzeichnungen halten alltägliche, ephemere Motive fest: kostümierte Demonstrant*innen, eine Bank im Berliner Tiergarten, Müll, Graffiti, Werbung, Schlafplätze von Obdachlosen. Der 1965 geborene Künstler durchstreift Städte wie Berlin, London oder Barcelona als Flaneur, fotografiert seine Eindrücke, um sie dann "wie ein menschlicher Kopierer" abzuzeichnen. Er findet in diesem fast meditativen Prozess Schönheit in sozialen Zuständen, die in unserer Gesellschaft immer mehr zum Gegenstand von Hass werden: dem Sensiblen, Gefährdeten, Traumatisierten, Prekären. Brandenburg interessieren hierbei die Momente, in denen innere und äußere Zustände ineinander übergehen, in denen der Mensch mit seiner Kostümierung, seiner Kleidung oder seiner Behausung verschmilzt. Dabei sind ihm die formalen und konzeptionellen Aspekte der Zeichnung, die grundsätzliche Auseinandersetzung mit Repräsentation bedeutsamer als die Motive selbst: „Die Leere hinter den Abbildern, das durchscheinende Weiß ist wichtig." Hirnsturm II ist ein visueller Essay, der Zeichnungen aus über 25 Jahren mit jüngeren Arbeiten wie der Videoinstallation Camouflage Pullover (2018) verbindet. Zusätzlich werden eigens für die Ausstellung im PalaisPopulaire zahlreiche neue Arbeiten entstehen.


     
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/ Ways of Seeing Abstraction

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Anhand von ausgewählten Arbeiten aus den 1960er Jahren bis in die jüngste Gegenwart zeigt die Ausstellung Ways of Seeing Abstraction die Vielfalt und aktuelle Entwicklungen der abstrakten Kunst. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts war die ungegenständliche Kunst ein wesentliches Ausdrucksmittel für die Ideen der Moderne. Die mehr als 100 Bilder, Zeichnungen und Graphiken aus der Sammlung der Deutschen Bank zeigen: Abstraktion ist auch heute weit mehr als nur reine Form. Viele der im PalaisPopulaire präsentierten internationalen Künstler*innen nutzen eine reduzierte Formensprache, um sich über zeitliche, historische und politische Begrenzungen hinweg mit anderen Formen und Traditionen auseinanderzusetzen und dabei die eigene Kultur und Perspektive zu hinterfragen. Auch gesellschaftliche Diskurse werden so „transportiert“ und im wahrsten Sinne transformiert.


     
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/ Ferdinand Hodler und die Berliner Moderne

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Ferdinand Hodlers ausdrucksstarke Figurenbilder, Berglandschaften und Porträts sind Ikonen der Moderne. Bereits zu Lebzeiten fand das Werk des Schweizer Malers (1853–1918), der den Symbolismus mitgeprägt hat, international große Beachtung. Zeitgenoss*innen sahen in Hodler vor allem den Menschendarsteller, „der durch den Körper die Seele zu gestalten weiß“, so der Künstler Paul Klee 1911. Was heute kaum bekannt ist: Hodlers Weg zum Ruhm führte auch über Berlin. Neben Paris, Wien und München hatte sich die Reichshauptstadt zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu einer der wichtigsten europäischen Kunstmetropolen entwickelt. Diese Städte boten Hodler die Chance, sein Werk über die Schweizer Landesgrenzen hinaus bekannt zu machen. Die Ausstellung „Ferdinand Hodler und die Berliner Moderne“ zeichnet seine Erfolgsgeschichte an der Spree nach. Von 1898 bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs stellte der Künstler nahezu jährlich hier aus: zunächst in der Großen Berliner Kunstausstellung, dann in der Berliner Secession und in verschiedenen Galerien.

Die Präsentation in der Berlinischen Galerie versammelt rund 50 Gemälde von Hodler aus deutschen und Schweizer Sammlungen, darunter allein 30 Bilder aus dem Kunstmuseum Bern, das Kooperationspartner der Schau ist. Hinzu kommen weitere Werke von Künstler*innen, die mit Hodler zusammen in Berlin ausgestellt haben, darunter Lovis Corinth, Walter Leistikow, Hans Thoma und Julie Wolfthorn.

Die Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft des Schweizerischen Botschafters in der Bundesrepublik Deutschland, Dr. Paul R. Seger. Sie wird gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds 2021, die Kulturstiftung der Länder und die Ernst von Siemens Kunststiftung.


     
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/ WIR. Nähe und Distanz

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Die erste Ausstellung im Jahr 2021 im Kunstforum der Berliner Volksbank ist ein gemeinschaftliches Experiment. „WIR. Nähe und Distanz - Jubiläumsausstellung mit Werken aus der Kunstsammlung der Berliner Volksbank“ steht im Zeichen des 75-jährigen Jubiläums der Berliner Volksbank eG, und auch von drei Jubiläen der Stiftung KUNSTFORUM der Berliner Volksbank gGmbH: des Kunstforums, der Kunstsammlung und der Werkstatt für Kreative. Aus diesem Anlass gestalten zehn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Berliner Volksbank eG die Ausstellung gemeinsam mit den zwei Kunsthistorikerinnen der Stiftung KUNSTFORUM.

Gemeinschaft entsteht auch durch die Balance zwischen Nähe und Distanz. Zwischen Abwesenheit und Abstand, zwischen Anwesenheit und Anziehung ist ein vielfältiges Zusammenspiel möglich.

Inhaltlich geht es in der Ausstellung einerseits um einen persönlichen Ansatz aus dem Blickwinkel der Gastkuratorinnen und -kuratoren. Andererseits rücken auch historische wie zeitaktuelle Themen, unterschiedliche Perspektiven auf Stadt und Gesellschaft, ins Blickfeld. Im Ergebnis zeigt die Ausstellung zugleich die Vielfalt der Positionen innerhalb der Kunstsammlung der Berliner Volksbank.

Zu sehen sind Werke aus der Kunstsammlung der Berliner Volksbank von Hermann Albert, Gerhard Altenbourg, Rolf Biebl, Christa Dichgans, Klaus Fußmann, Sylvia Hagen, Angela Hampel, Werner Heldt, Thomas Hornemann, Ingeborg Hunzinger, Karl-Ludwig Lange, Wolfgang Leber, Markus Lüpertz, Wolfgang Mattheuer, Harald Metzkes, Silke Miche, Kurt Mühlenhaupt, Roland Nicolaus, Wolfgang Peuker, Erich Fritz Reuter, Cornelia Schleime, Ludwig Gabriel Schrieber, Ruth Tesmar, Christian Thoelke, Hans Uhlmann und Ulla Walter.


     
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/ Design Lab #7

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In seiner siebten Ausgabe richtet das Design Lab den Fokus erstmals auf die eigene Sammlung des Kunstgewerbemuseums. Unter dem Slogan „Sprich mit mir! Die Sammlung befragen“ wird das Publikum in einer interaktiven Plakatausstellung mit begleitendem Reader auf eine Reise der multiperspektivischen Betrachtung von Museumsexponaten eingeladen. Im Sinne einer „entagled history of objects“ werden in zwölf Tiefenbohrungen die komplexen Vernetzungen zwischen Objekt, Material, Religion, Politik, Umwelt, Konsum, Geschmack, Museum und Design quer durch die Jahrhunderte aufgezeigt.

Ausgehend von der Frage: „Welche Geschichten erzählen eigentlich die Objekte, die in der Dauerausstellung präsentiert werden, jenseits hegemonialer musealer Deutungen?“ wählte das sechsköpfige Projektteam aus der Fülle der Sammlung insgesamt zwölf Exponate aus und befragte sie aus unterschiedlichen Perspektiven:

Ist der Taschenglobus der Vorläufer von Google Earth? Was hat er mit Machtstrukturen des Glaubens und Wissens zu tun? Welcher Bogen lässt sich von einem Schachspiel der Renaissance zur Schulung des menschlichen Geistes und der Entwicklung der Künstlichen Intelligenz schlagen? Wie konnte ein ägyptischer Hocker, der vermutlich fast 2000 Jahre alt ist, in die Sammlung des Kunstgewerbemuseums gelangen, und was sagt dies über die Sammlungsstrategien aus? Wieso wurden im 19. Jahrhundert ganz offiziell Kopien von wichtigen Stücken als Galvanoplastik angefertigt und im Unterschied zu heute sogar ausgestellt? Wo lassen sich Prunkpokale im Netzwerk von Propaganda und Fake News verorten? Welche Geschichten von Ausbeutung und kolonialer Macht, aber auch von technischer Innovation und Fortschritt, sind in ein Paisleykleid aus Baumwolle eingeschrieben? Wieso werden kaputte Stücke im Depot aufbewahrt? Welche Materialien lassen sich nur schwierig restaurieren? Wie wandelt sich die Bedeutung von Materialien wie etwa Eisen oder Kunststoff?

Die zentrale Idee des Design Lab #7 bestand darin, die ausgewählten Objekte in einer eigens entwickelten Ausstellungsszenografie in der Art eines U-Bahn-Fahrplans zu vernetzen. Die imaginären Haltestellen tragen Namen wie Form, Gesellschaft, Glaube, Konsum, Kunstgewerbemuseum, Material, Umwelt und Weltbild. Beim Stichwort „Kunstgewerbemuseum“ geht es nicht zuletzt  auch um die Befragung der eigenen Institution: Welche Bedeutung  haben  Kunstgewerbemuseen  als  kulturelles Archiv? Inwiefern können sie als Impulsgeber für den positiven Wandel der Gesellschaft agieren?

Das Design Lab #7 resultiert aus der gemeinsamen Recherchearbeit mit vier Studierenden, die ursprünglich in eine Ausstellung münden sollte. Aufgrund der durch die Covid-19-Pandemie bedingten Schließung des Kunstgewerbemuseums wurde die Ausstellung in das Format eines Readers sowie einer interaktiven Plakatausstellung transformiert. Der Titel „Sprich mit mir!“ verweist auf den Fokus des Design Lab #7: Im Zentrum stehen die Sammlungen des Kunstgewerbemuseums und jede Menge Fragen, die die hegemonialen Deutungshoheiten und Wissensdiskurse betreffen:

Wie entstehen Sammlungen in Museen? Wer entscheidet, was gesammelt wird? Nach welchen Kriterien wird gesammelt? Wer entscheidet, was und wie etwas ausgestellt wird? Welche Objekte werden ausgestellt und welche verbleiben im Depot? Auf welchen Ordnungskriterien basieren Sammlungen und ihre Präsentationsformen? Kunstgewerbemuseen spiegeln bis heute überwiegend Sammlungsstrategien, Systematisierungen und Epistemologien des 19. Jahrhunderts wider.

Neben der Publikation erhalten Besucher*innen in der Dauerausstellung des Kunstgewerbemuseums Zugang zu den Forschungsinhalten: Dort erwartet sie eine interaktive Pop-up-Plakatausstellung, in der die verschiedenen Zugänge zu den Exponaten mithilfe Ihres Smartphones erfahrbar werden.

Der Reader „Design Lab #7: Sprich mit mir! Die Sammlung befragen“ erscheint Mitte Dezember 2020.

Die Ausstellung wurde kuratiert von Claudia Banz, Kuratorin Design Kunstgewerbemuseum und Angeli Sachs, Leiterin des Masterstudiengangs Art Education, Curatorial Studies an der Zürcher Hochschule der Künste gemeinsam mit den Studierenden Yulia Fisch, Christian Imhof, Brooke Jackson und Hannah Spillmann.

Die Reihe „Design Lab“ wird kuratiert von Claudia Banz, Kuratorin Design Kunstgewerbemuseum. Sie wird gefördert durch das Kuratorium Preußischer Kulturbesitz.


     
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/ Pflanzen brechen aus der Erde

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„Unterirdisches Leben“, „Erdweh” oder „Raumkonzept. Natur“ von Jean Dubuffet, Roberto Matta bzw. Lucio Fontana – diese und andere Werke stehen im Zentrum der neuen Sonderpräsentation in der Sammlung Scharf-Gerstenberg. Sie alle umkreisen das Thema des Organischen und Vegetabilen.

Viele von ihnen sind in Zusammenhang mit Krisenzeiten entstanden, seien es die 1930er- oder die späten 1940er- und frühen 1950er-Jahre. Keines von ihnen zeigt einen Menschen, allenfalls nicht näher definierte Wesen sind zu erkennen. Was hier wächst und gedeiht, scheint wie von selbst entstanden.

„Pflanzen brechen aus der Erde“ ist eine Ausstellung über das geheime Leben der Natur, das sich dem gewohnten Blick verschließt und nur im Zauberspiegel der Kunst gelegentlich zum Vorschein kommt.


     
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/ Modebilder – Kunstkleider

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Noch deutlicher als die Kunst ist die Mode ein Spiegel gesellschaftlicher Veränderungen und individueller Bedürfnisse. In der Sammlung der Berlinischen Galerie ist das Thema Mode überraschend und auf vielfältige Weise präsent.

Neben einer großen Zahl von Modefotografien quer durch das 20. Jahrhundert sprechen ebenso viele Gemälde und Zeichnungen von der Rolle der Mode als Ausdrucks- und Repräsentationsmittel einer Zeit: vom Reformkleid um 1900 über die Dada-Dandies der 1920er Jahre bis zu avantgardistischen Kleidungsentwürfen in der heutigen Kunst. Auf dieser breiten Basis und mit Leihgaben ausgewählter Kleidungsstücke beleuchtet die Ausstellung das Verhältnis von Künstler*innen zur Mode. Welche Rolle spielt die Mode in Malerei, Zeichnung und Fotografie der letzten 100 Jahre? Nach welchen Regeln werden Kleidung und Kostüme in der Bildenden Kunst eingesetzt? Wie kleiden und inszenieren sich Künstler*innen damals und heute? Wie wird Mode als Medium in der zeitgenössischen Kunst genutzt? Die Ausstellung ermöglicht einen neuen Blick auf die Werke der Sammlung der Berlinischen Galerie und stellt aktuelle Positionen aus der zeitgenössischen Kunst vor.


Künstler*innen (Auswahl):

Karl Arnold, Martin Assig, Elvira Bach, Sibylle Bergemann, Rolf von Bergmann, BLESS, Tabea Blumenschein, Marc Brandenburg, Hans-Peter Feldmann, Rainer Fetting, Lieselotte Friedländer, Ulrike Grossarth, George Grosz, F.C. Gundlach, Gerd Hartung, Raoul Hausmann, Hannah Höch, Alexandra Hopf, Käthe Kruse, Alyssa De Luccia, Jeanne Mammen, Anna Muthesius, Helmut Newton, Ulrike Ottinger, Lilla von Puttkamer, Rafael Rheinsberg, Frieda Riess, Ursula Sax, Rudolf Schlichter, Wiebke Siem, Franz Skarbina, Claudia Skoda, Eugen Spiro, Herbert Tobias, Yva


     
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/ In den Kellern Berlins

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Ein weitgehend unbekanntes Kapitel Berliner Stadtgeschichte ist die Untertageverlagerung von Rüstungsproduktion zum Ende des Krieges 1944 / 1945. Die Ausstellung „In den Kellern Berlins“ widmet sich nun diesem Thema am Beispiel der Firma Telefunken, die das größte deutsche Röhrenwerk in der Sickingenstraße in Moabit betrieb.

Ab 1944 wurden Teile der Röhrenproduktion aus der Moabiter Sickingenstraße in drei große Brauereikeller in Kreuzberg und Prenzlauer Berg, sowie in einen U-Bahntunnel am Reichstag verlagert. Mit dem Frauennamen Lore sollte die unterirdischen Anlagen getarnt werden:

· Lore 1 - heutige Kulturbrauerei, Schönhauser Allee 36, Prenzlauer Berg

· Lore 2 - Bockbrauerei, Fidicinstraße 3, Kreuzberg

· Lore 3 - Königstadt-Brauerei, Saarbrücker Straße 24, Prenzlauer Berg

· Lore 4 - U-Bahntunnel, Reichstag, Mitte

Die Ausstellung begibt sich auf eine Spurensuche zu diesen vier historischen Orten. Thematisiert werden die Umbauten von Brauereikellern zu Rüstungsfabriken, die Rolle von Zwangsarbeit oder der Konflikt um die Frage, ob die Keller für den Schutz der Zivilbevölkerung oder die Rüstungsproduktion genutzt werden sollen.

Ohne das Hightech-Produkt Elektronenröhren konnten keine Funk- und Radaranlagen, Störsender oder Funksteuerungen für Raketen betrieben werden.

Nach der Präsentation im Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit geht die Ausstellung Ende April auf Wanderschaft. Geplant ist, vorbehaltlich aktueller Entwicklung in der Corona-Pandemie, sie auch an den historischen Orten, in den genannten Berliner Brauereien zu zeigen.


     
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/ Ethnologische Sammlungen und asiatische Kunst

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Ein Epochen und Kontinente umspannender Überblick über die Kunst und Kulturen der Welt ab Spätsommer 2021

Rund 20.000 Exponate aus den weltweit bedeutenden Sammlungen des Ethno­logischen Museums und des Museums für Asiatische Kunst der Staatlichen Museen zu Berlin eröffnen in der zweiten und dritten Etage neue Blicke auf die vergangenen und gegenwärtigen Kulturen Afrikas, Amerikas, Asiens und Ozeaniens.

Ein mit Schnitzereien reich verziertes Haus aus Palau, eindrucksvolle Boote aus Ozeanien und Tondokumente aus aller Welt im Berliner Phonogramm­ Archiv: Die Dauerausstellung des Ethno­logischen Museums rückt materielles wie immaterielles Erbe gleichermaßen in den Fokus.

An einer japanischen Teezusammenkunft teilnehmen, in die Schönheit indo­islamischer Gärten eintauchen oder vor Buddha-Statuen meditieren: All das bietet die Präsentation des Museums für Asiatische Kunst.

20.000 Objekte auf 17.000 Quadratmetern

Der Besuch macht neugierig auf Sammlungsgeschichte, religiöse Fragen, zeitgenössische Kunst und die Bedeutung von Handwerkstechniken, thematisiert Rituale, Inszenierungen und Perspektiven indigener Communities, um sich mit dem Erbe des Kolonialismus und der Rolle Europas kritisch auseinanderzusetzen.

Afrika

Bronze- und Elfenbeinreliefs aus dem Königreich Benin, Holzfiguren und Masken aus Kamerun, ästhetisch herausragende Skulpturen aus dem Kongo sowie mit Eisen- und Glasperlen geschmückte Lederkleidung aus Namibia gehören zu den bekanntesten und außergewöhnlichsten Werken aus Afrika in Berlin. Gleichzeitig verließen viele von ihnen den afrikanischen Kontinent als Folge kolonialer Eroberung und Herrschaft. Die Ausstellungen der Afrika-Sammlungen des Ethnologischen Museums im Humboldt Forum werfen drängende Fragen auf: nach den Gesellschaften in Afrika, aus denen die Artefakte stammen, nach den Bedingungen, unter denen sie gesammelt wurden, nach den Dilemmata, in denen sich die Akteure*innen in Afrika befanden, und nach der kooperativen Auseinandersetzung mit der Geschichte des Kolonialismus und seinen Auswirkungen bis in die Gegenwart.

Amerika

Der Ausstellungsbereich zeichnet ein umfangreiches Bild der historischen und gegenwärtigen indigenen Kulturen Amerikas. Highlights sind unter anderem die Bestände aus dem zentralen und südlichen Andenraum, die beindruckenden Cotzumalhuapa-Stelen aus dem heutigen Guatemala, die beiden Wappenpfähle von First Nations in British-Columbia oder die Sammlungen früher Forschungsreisender aus der Amazonasregion. Die Vielfalt der Keramiken aus Nord-, Meso- und Südamerika sowie die Sammlungen der Ebenen und Prärien Nordamerikas werden in einem separaten Schaumagazin erlebbar

Asien

Das dritte Obergeschoss ist den Künsten und Kulturen des größten Kontinents der Erde gewidmet. Hier treten die Sammlungen des Ethnologischen Museums und des Museums für Asiatische Kunst erstmals in einen direkten Dialog, trifft zeitgenössische Kunst auf jahrhundertealte Meisterwerke. Sie erlauben es, chinesische Hofkunst in einem spektakulären Thronsaal zu erleben, eine japanische Teezusammenkunft zu verfolgen, rekonstruierte, vor 1500 Jahren ausgemalte buddhistische Höhlentempel zu bewundern, in die Welt indo-islamischer Gärten einzutauchen, der Faszination religiöser Rituale um die göttlichen Skulpturen Indiens nachzuspüren oder fantastische Theatertraditionen Südostasiens und die Vielfalt islamischer Lebenswelten kennenzulernen.

Ozeanien

Der Pazifik ist der größte Ozean der Welt und in der Weite des Meeres erscheinen die Inseln Ozeaniens klein und isoliert. Für die indigene Bevölkerung aber war das Meer nie trennend. Bis heute ist es für viele Teil ihrer Identität. Ihre Vorfahren legten große Entfernungen zurück und entdeckten als erste Menschen die pazifischen Inseln. Von ihren herausragenden Navigations- und Bootsbaukünsten zeugen die Wasserfahrzeuge im Humboldt Forum. Weitere Highlights des Ausstellungsbereichs Ozeanien sind die Häuser aus Palau und die der Abelam aus Papua-Neuguinea.

Zeitgenössische Kunst

In allen Ausstellungsbereichen des Ethnologischen Museums und Museums für Asiatische Kunst finden sich zeitgenössisches Kunstwerke und Interventionen. Neben António Oles Township-Wall und dem raumgreifenden Kunstwerk von Marianna Castillo Deball beeindrucken vor allem Installationen, die sich mit den Auswirkungen der Kolonialzeit in der afrikanischen Gegenwart auseinandersetzen.


     
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/ Werner Düttmann. Berlin. Bau. Werk.

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Der Berliner Architekt und Stadtplaner Werner Düttmann wäre am 6. März 2021 hundert Jahre alt geworden. Dieses Jubiläum soll durch die großangelegte Ausstellung "Werner Düttmann. Berlin. Bau. Werk". gewürdigt werden. Als Architekt, Senatsbaudirektor (1960–66), Professor an der Technischen Universität Berlin (1966–70) und Präsident der Akademie der Künste, Berlin (1971–83) war Düttmann eine der zentralen Persönlichkeiten im Stadt- und Kulturleben von West-Berlin. Wirkmächtig prägte er in seinen unterschiedlichen Funktionen das Gesicht und die Struktur dieser Stadt – von Reinickendorf bis nach Dahlem, von Neukölln bis nach Spandau. Das Spektrum seiner Arbeiten umfasst dabei Wohn- und Kulturbauten, öffentliche Plätze, Gemeinschafts- und Verkehrsbauten.

Ganz im Sinne der äußerst kommunikativen Persönlichkeit Düttmanns ist das Projekt netzwerkartig angelegt. Rund 30 seiner heute noch existierenden Bauten und Plätze in Berlin werden in die Ausstellung aktiv einbezogen und als „real size“-Objekte kostenlos vor Ort erfahrbar gemacht. Neben der Akademie der Künste im Hansa-Viertel und der Hansabücherei zählen hierzu unter anderem die Verkehrskanzel am Ku’Damm und der Ernst-Reuter-Platz, die Kirchen St. Agnes/Galerie König in Kreuzberg und St. Martin im Märkischen Viertel sowie die dortigen Wohnbauten des Architekten und die U-Bahnhöfe entlang der U7 Blaschkoallee, Parchimer Allee und Britz-Süd.

Parallel zur Ausstellung entsteht die Website wernerduettmann.de als digitales und zentrales Informations- und Navigationstool. Sie öffnet virtuell Türen, beispielsweise zu geschlossenen Wohnbauten, gibt einen Überblick über Düttmanns Schaffen in Berlin und navigiert die Besucher*innen durch und an die Orte der Ausstellung im Stadtgebiet. 

Die Präsentation im Brücke-Museum bietet einen chronologischen Überblick über alle Berliner Gebäude und gibt so Impulse, die Bauten und den Stadtraum aktiv zu entdecken. Sie stellt ferner Düttmanns wenig bekannte künstlerischen Anfänge vor, ebenso wie Teile seiner eklektischen Kunstsammlung. Nicht zuletzt würdigt die Präsentation das Brücke-Museum selbst als Gebäude und als vorbildlichen Raum für Kunst. Ein Ausstellungsraum wird dafür in den historischen Zustand zurückgeführt und ausgewählte Meisterwerke der Sammlung in der ursprünglichen Hängung gezeigt.

"Werner Düttmann. Berlin. Bau. Werk" ist eine Kooperation mit der Akademie der Künste Berlin, dem Landesdenkmalamt Berlin und der Technischen Universität Berlin. Ein umfassender Katalog erscheint im Wasmuth & Zohlen Verlag in deutscher und englischer Sprache.

Die Ausstellung wird gefördert durch die LOTTO-Stiftung Berlin und den Hauptstadtkulturfonds.
Die Publikation wird gefördert durch die Wüstenrot Stiftung.


     
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/ Die Liste der Gottbegnadeten

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Die sogenannte Gottbegnadetenliste wurde im August 1944 von Adolf Hitler und Joseph Goebbels zusammengestellt: 1.041 „Künstler im Kriegseinsatz“, unter ihnen 104 Bildhauer und Maler, galten als „unabkömmlich“ und blieben vom Fronteinsatz verschont. Bis auf wenige Ausnahmen lebten und arbeiteten hochrangige Künstler des Nationalsozialismus wie Arno Breker, Hermann Kaspar, Willy Meller, Werner Peiner, Richard Scheibe und Adolf Wamper auch nach 1945 in der Bundesrepublik. Sie übernahmen Lehrtätigkeiten, beteiligten sich an Preisverleihungen und Wettbewerben, erhielten Aufträge aus Politik und Wirtschaft und produzierten vielfach Kunst im öffentlichen Raum. Ihre Gestaltungen von Denkmälern, Brunnen, Standbildern auf Plätzen, Fassaden und Foyers prägten und prägen das Gesicht prominenter Orte in westdeutschen Städten.

Die Ausstellung des Deutschen Historischen Museums nimmt nun erstmals die Nachkriegskarrieren sogenannter gottbegnadeter bildender Künstler, deren Rezeption und die damit verbundene Kontinuität einer antimodernen Kunstauffassung in den Blick. Begleitend zur Ausstellung „documenta. Politik und Kunst“ konterkariert sie das Bild des radikalen ästhetischen Neuanfangs, das seit ihrer Premiere 1955 mit der Großausstellung verbunden wird.

Die Ausstellung wird von kuratiert von Wolfgang Brauneis.


     
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/ documenta. Politik und Kunst

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Die ästhetisch-politische Geschichte der Bundesrepublik spiegelt sich in besonderer Weise in der documenta: Seit ihrer Gründung 1955 wurde sie immer wieder zu einem Ort, an dem sich zentrale Aspekte der deutschen Nachkriegs­geschichte, die Spuren des Nationalsozialismus, die Blockbildung des Kalten Krieges und das Selbstverständnis der bundesrepublikanischen Gesellschaft widerspiegelten. Die Ausstellung macht die kulturpolitischen Netzwerke sichtbar ebenso wie die Impulse, die die international angelegte Großausstellung zwischen 1955 und 1997 auf die bundes­republikanische Gesellschaft hatte. Erstmals kommen in Interviews die Künstler*innen und Ausstellungs­macher*innen selbst zu Wort.

Begleitend dazu konterkariert die Ausstellung „Die Liste der Gottbegnadeten. Künstler des Nationalsozialismus in der Bundesrepublik“ das Bild des radikalen ästhetischen Neuanfangs, das seit ihrer Premiere 1955 mit der Großausstellung verbunden wird.

Die Ausstellung wird kuratiert von Lars Bang Larsen, Julia Voss und Dorothee Wierling.


     
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/ Von der Sprache aus

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1985 trug Joseph Beuys an den Münchner Kammerspielen zu der Reihe „Reden über das eigene Land: Deutschland“ bei. In seiner Rede hielt er fest, dass er seine Werke „von der Sprache aus“ entwickle. Bildnerischen Gestaltungsmitteln ebenbürtig, verstand er die Sprache als plastisches Material, durch das jede Einzelne und jeder Einzelne körperlich, intellektuell und kommunikativ an der Neuordnung der Gesellschaft teilhaben könne. So reicht seine Auseinandersetzung mit Sprache vom Schweigen bis zur stundenlangen Diskussion, von animalisch klingenden Lauten bis zu präzisen Begriffserörterungen und verrätselten Schriften.

Zu Beuys‘ 100. Geburtstag rückt der Hamburger Bahnhof die Sprache in den Mittelpunkt einer Ausstellung, die Skulpturen, Zeichnungen, Installationen, Filme, Plakate und Dokumente – darunter der Zyklus „The secret block for a secret person in Ireland“ und die Installation „Das Kapital Raum 1970–1977“ – aus den Beständen der Nationalgalerie, der Sammlung Marx, des Kupferstichkabinetts und der Kunstbibliothek umfasst.

Eine Sonderausstellung der Nationalgalerie – Staatliche Museen zu Berlin


     
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/ Dante Modern

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Anlässlich des 700. Todesjahrs des italienischen Dichters und Philosophen Dante Alighieri (1265-1321) zeigt das Kupferstichkabinett eine Auswahl aus zwei Holzschnittfolgen der 1920er-Jahre.

Diese stammen von der Dänin Ebba Holm und dem Deutschen Klaus Wrage. Beide setzen sich facettenreich mit Dantes literarischem Hauptwerk, der „Göttlichen Komödie“, auseinander – und damit mit Dantes virtueller Wanderung durch die Hölle über den Läuterungsberg bis hin zum Paradies.

Ergänzend werden nicht nur Werke von Odilon Redon, Wilhelm Lehmbruck und Willy Jaeckel gezeigt, sondern auch farbige Computerzeichnungen des Berliner Künstlers Andreas Siekmann (geb. 1961) aus seinem 94-teiligen Werkkomplex „Die Exklusive – Zur Politik des ausgeschlossenen Vierten“ (2002-2011). Siekmann schildert in „Die Exklusive“ in mehreren Serien besonders gegenwärtige Höllenfahrten, die Dante und sein Wegführer, der antike Dichter Vergil, unternehmen.

Eine Sonderausstellung des Kupferstichkabinetts – Staatliche Museen zu Berlin


     
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/ Sachen Machen

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Als sich 1964 die europäische Fluxus-Gruppe auflöste, zog sich Tomas Schmit (1943–2006), der sich als Performer an den Aktivitäten der Gruppe beteiligt hatte, allmählich von der Aufführungspraxis zurück. Ab 1966 widmete er sich vorrangig dem Schreiben und Zeichnen.

Doch die Idee der Bühne als einem Ort, an dem eine Handlung vor einem Publikum zur Aufführung gelangt, war damit nicht aus seiner Kunst verschwunden: Das Zeichenpapier avancierte zum neuen Schauplatz seines künstlerischen Credos „sachen machen“. Auf dem Papier inszenierte Schmit fortan „die Aufführung des Zeichnens“.

Während sich die Ausstellung im Kupferstichkabinett auf Schmits zwischen 1966 und 2006 entstandene Arbeiten auf Papier konzentriert, werden die Fluxus-Aktivitäten des Künstlers parallel im Neuen Berliner Kunstverein beleuchtet.

Eine Sonderausstellung des Kupferstichkabinetts – Staatliche Museen zu Berlin in Kooperation mit dem Neuen Berliner Kunstverein (n.b.k.) und dem tomas schmit archiv, Berlin


     
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/ Spuren der Arbeit

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Unsichtbares sichtbar machen – das steht im Fokus der bereits weit gereisten Wanderausstellung, kuratiert von der Anthropologin Ewa Klekot und dem Keramikkünstler Arkadiusz Szwed aus Poznán.

Sie ließen von den Arbeiter*innen der Porzellanfabrik in Ćmielów das Tafelservice „Die menschliche Spur“ anfertigen, das ihr handwerkliches Können und ihr umfassendes Erfahrungswissen für die Fabrikproduktion durch einen ungewöhnlichen Kunstgriff sichtbar werden lässt: Während der Fertigung trugen sie Handschuhe, an deren Spitzen Kobaltsalze hafteten. Erst nach dem Brennen zeichneten sich ihre Fingerabdrücke in Dunkelblau auf dem Porzellan ab. Porträts und Zitate der beteiligten Fabrikarbeiter*innen umrahmen diese eingebrannten Spuren ihrer Arbeit. Damit rücken der „menschliche Faktor“ und seine Wertschätzung bei der industriellen Herstellung vermehrt in den Fokus – ein Themenfeld, das auch bei Verbraucher*innen zunehmend an Bedeutung gewinnt.

Eine Sonderausstellung des Adam Mickiewicz Instituts in Kooperation mit dem Museum Europäischer Kulturen – Staatliche Museen zu Berlin


     
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/ Der Sprung - 1961

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Das Foto des flüchtenden DDR-Grenzpolizisten Conrad Schumann aus dem Jahr 1961 gilt als Ikone des 20. Jahrhunderts. Laut „Time“-Magazin zählt das Bild, das sich nach dem Ereignis weltweit verbreitete, zu den hundert Fotografien, die die Welt veränderten. Heute ist es Teil des Weltdokumentenerbes der UNESCO.

Am 15. August gegen 16 Uhr sprang der Bereitschaftspolizist Conrad Schumann an der Straßenecke Ruppiner-/Bernauerstraße über den Stacheldrahtzaun in den Westteil Berlins. Festgehalten wurde dieser Augenblick von dem jungen Fotografen Peter Leibing. Im Deutschen Historischen Museum führt der Regisseur Boris Hars-Tschachotin in einer 360° Virtual Reality-Installation aus dem wiedervereinigten Berlin zurück in das Jahr 1961. Mit Hilfe einer VR-Brille bieten sich den Besucher*innen drei Filmperspektiven: Die des fliehenden Conrad Schumann in NVA-Uniform (Anton von Lucke), die des Fotografen Peter Leibing (Max von der Groeben) und die des Westberliner Polizisten Manfred Klumm (Daniel Axt). Der 360°-Raum in Farbe erfasst den historischen Moment des Sprungs multiperspektivisch und sprengt erstmals den Rahmen des zugrundeliegenden ikonischen Schwarzweiß-Fotos. So erlebt das Publikum aus diesen subjektiven Blickwinkeln die Ereignisse unmittelbar – mal aus Westberliner, mal aus Ostberliner Sicht.


     
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/ "zurückGESCHAUT"

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Die Ausstellung "zurückGESCHAUT" ist das Ergebnis einer vom Bezirksmuseum Treptow-Köpenick initiierten und auf Nachhaltigkeit angelegten Kooperation mit der Initiativer Schwarze Menschen in Deutschland (ISD) und Berlin postkolonial e. V.

Bundesweit ist dabei erstmalig eine Dauerausstellung zur Geschichte von Kolonialismus, Rassismus und Schwarzem Widerstand erarbeitet worden.  Die Beteiligung Schwarzer Menschen hatte dabei nicht nur Einfluss auf Details , sondern war entscheidend für die Entwicklung des Ausstellungskonzeptes, die Auswahl der Bilder und das Verfassen der Ausstellungstexte.

Die Erste Deusche Kolonialausstellung fand als eigenständiger Teil der Berliner Gewerbeausstellung von 1896 im Treptower Park statt. Von der deutschen Kolonialwirtschaft initiiert, wurde sie mit Unterstützung des Auswärtigen Amtes zu einer aufwendigen Inszenierung des deutschen Kolonialstaates.

Im Mittelpunkt der Ersten Deutschen Kolonialausstellung und auch der Ausstellung "zurückGESCHAUT" standen und stehen die 106 in den deuschen Kolonien "angeworbenen" Kinder, Frauen und Männer. Einen Sommer lang mussten sie sich vom Publikum in Berlin anstarren lassen. Doch sie schauten auch aufmerksam zurück. Gemeinsam wehrten sie sich gegen die ihnen zugewiesene Rolle in der Kolonialausstellung und die Ungerechtigkeiten des Kolonialstaates.


     
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/ Käthe Kollwitz - Mit Händen sprechen

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Käthe Kollwitz verleiht in ihren Werken den Händen eine besondere Bedeutung. Sie stellt sie oft übermäßig groß dar, so dass sie das Bildmotiv dominieren. Anfassen, tasten, schützen, fordern, stützen, beten: Berührungen unterschiedlicher Art finden sich in ihren Darstellungen. Sie zeigen Geborgenheit und Liebe, oder aber künden von Leid und Gefahr.

Die Hand fand in der bildenden Kunst des öfteren Verwendung als Motiv. Zunächst war es anatomisches Interesse an diesem Wunderwerk der Natur, gefolgt von der Vorstellung, dass die Hand das Werkzeug des Künstlergenies sei, was sich zu surrealen Gestaltformen entwickeln konnte. Somit gehörte die Hand seit Jahrhunderten zu einem beliebten Darstellungsobjekt, als emotionales Bildelement wurde sie indes seltener verwendet. Bei Käthe Kollwitz wird sie zum zentralen Motiv.

Liebe, Geborgenheit, Schutz, Trauer, Angst – Im Leben von Käthe Kollwitz spielten Begegnungen und innige Beziehungen eine wichtige Rolle. Aus ihren Tagebucheintragungen erhalten wir oftmals Eindrücke, wie sie Nähe und Distanz erlebt hat. In ihren Werken beschäftigen sie gerade diese emotionalen Erfahrungen besonders intensiv. Dabei entstehen gefühlsstarke Bilderfindungen, die unabhängig von einem konkreten Erlebnis einen allgemeinen Gemütszustand wiedergeben. Als stärkstes Ausdrucksmittel wird dabei immer wieder die Hand verwendet, die sanft berührt oder kraftvoll fordert. Emotionen, wie Trauer, Resignation und Nachdenklichkeit werden durch Hände, die nicht selten das Gesicht verdecken, vermittelt. Durch die Lichtführung oder eine überproportionale Ausformung lenkt die Künstlerin den Blick des Betrachters auf das ihr so wichtige Motiv.

Derzeit ist physische Nähe aus unserem sozialen Leben fast vollständig verschwunden. Hände schütteln, umarmen, unter den Arm greifen, festhalten – eigentlich selbstverständliche Handlungen, die wir zurzeit nur selten wagen. Daher scheint es gerade jetzt ein guter Zeitpunkt zu sein, die Darstellung dieser Form der physischen Nähe in der Kunst genau anzuschauen. Das Werk von Käthe Kollwitz bietet eine Fülle von Ausdrucksmöglichkeiten, die es zu entdecken gilt. In ihren Bildern „sprechen“ die Hände und erzählen von großen Emotionen.

In über vierzig Arbeiten – Zeichnungen, Druckgrafiken und Plastiken – aus allen Schaffensperioden von Käthe Kollwitz folgt die Ausstellung diesem wichtigen Motiv.


     
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/ Postscriptum

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Die Ausstellung „Postscriptum – ‚Ostarbeiter´ im Deutschen Reich“ der Gesellschaft Memorial erinnert an die sowjetischen Frauen, Männer und Kinder, die während des Zweiten Weltkrieges Zwangsarbeit für das NS-Regime leisten mussten.

Die Nationalsozialisten verschleppten rund 8,4 Millionen Zivilistinnen und Zivilisten zur Zwangsarbeit in das Deutsche Reich. Die rund 3 Millionen Menschen aus der Sowjetunion – die „Ostarbeiter“ – bildeten unter ihnen die größte Gruppe. Die deutsche Kriegswirtschaft war auf diese Arbeitskräfte zwingend angewiesen. Zugleich bestanden die NS-Sicherheitsbehörden darauf, die slawischen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter konsequent aus der deutschen Gesellschaft auszuschließen. Gekennzeichnet mit dem Abzeichen „OST“ waren sie extrem schlechten Arbeits- und Lebensbedingungen ausgesetzt.


     
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/ Achmîm

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Die Ausstellung ist der ältesten Stadt Ägyptens gewidmet und stellt ihre 6000jährige Geschichte in verschiedenen Themeninseln vor, die den Landschafts- und Lebensraum einer religiös, politisch und kulturell bedeutenden Region in all ihren Facetten widerspiegeln.

Achmîm als eines der wichtigsten religiösen Zentren im Altertum

Die heute fast unbekannte Stadt war im Altertum eines der wichtigsten religiösen Zentren. Schon seit der Frühzeit lag hier der Hauptkultort des Fruchtbarkeitsgottes Min, der später mit dem griechischen Gott Pan gleichgesetzt wird. Sein in ptolemäischer Zeit errichteter Tempel war einer der größten in Ägypten und wurde bis zu seiner Zerstörung im 14. Jh. n. Chr. von den arabischen Historikern als eine Art Weltwunder beschrieben. Nicht weniger gerühmt wurde die Stadt für ihre Steinmetzkunst und textilen Erzeugnisse. Bis heute gilt Achmîm als Zentrum der handwerklichen Textilproduktion.

Zahlreiche bekannte Persönlichkeiten stammten aus Achmîm

Mit der Stadt sind zahlreiche bekannte Persönlichkeiten eng verbunden. Beispielsweise stammten Teje, die Mutter Echnatons, Pharao Eje, der Alchemist Zosimus von Panopolis und der Dichter Nonnos aus Achmîm. In dessen Umgebung hat der berühmt-berüchtigte Abt Schenute in frühchristlicher Zeit einen florierenden Klosterverband gegründet. Die von ihm verfassten Regularien, beeinflussten die Ordensregeln des Heiligen Benedikt und werden bis heute befolgt.

Lange Besiedlungsgeschichte der Stadt

Die lange Besiedlungsgeschichte der Stadt lässt sich unter anderem an den weitläufigen Nekropolen der Umgebung ablesen, in denen sich Gräber aus sechs Jahrtausenden mit einem reichen Schatz an Funden erhalten haben. Etliche befinden sich heute in den Sammlungen des Ägyptischen Museums und Papyrussammlung und der Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst und werden zum Teil erstmals ausgestellt.

Leihgaben aus dem In- und Ausland ergänzen die Sonderausstellung. Abgerundet wird die historische Darstellung durch einen Blick auf die 100jährige Forschungsgeschichte.

Eine Ausstellung des Ägyptischen Museums und Papyrussammlung und der Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst der Staatlichen Museen zu Berlin in Kooperation mit dem Fachbereich Ägyptologie der Universität Göttingen.


     
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/ Vom Fragment zum Monument

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Das Vorderasiatische Museum widmet sich in einer wissenschafts-historischen Kabinettausstellung im Pergamonmuseum einem der beliebtesten Wahrzeichen der Museumsinsel Berlin: dem Ischtar-Tor. Von der Grabung in Babylon (Irak) bis zur visionären Rekonstruktion in Berlin stellt die Sonderpräsentation die Herkunft des Ischtar-Tores in den Mittelpunkt und setzt die Grabungs-, Erwerbungs- und Museumsgeschichte in ihren historischen Kontext. 

Die Rekonstruktion des Ischtar-Tores im Pergamonmuseum fasziniert die Besucher*innen der Museumsinsel Berlin seit rund 90 Jahren. Der babylonische König Nebukadnezar II. (604–562 v. Chr.) errichtete die spektakuläre Toranlage in Babylon (Irak). Nach dem Untergang des babylonischen Reichs im späten 6. Jahrhundert v. Chr. zerfiel das Tor nach und nach, sodass sich bei der Ausgrabung in Babylon nur kleine Bruchstücke fanden. Aus diesen wurde dann ein Teil der Toranlage in Berlin rekonstruiert. Heute fragen sich viele Museumsbesucher*innen, wie es in das Vorderasiatische Museum in Berlin kam.

1899 bis 1917: Grabung der Deutschen Orient-Gesellschaft in Babylon

Die Ziegelfragmente für die Rekonstruktionen stammen aus der Grabung der Deutschen Orient-Gesellschaft von 1899 bis 1917 in Babylon. Während das Britische Empire und Frankreich bereits seit den 1840er-Jahren Grabungen im Osmanischen Reich durchführten und zahlreiche Fundstücke öffentlichkeitswirksam in die heimischen Museen brachten, hatte Deutschland bis dato keine große Grabung vorzuweisen und die Wissenschaft zunehmend das Gefühl, ins Hintertreffen zu geraten. Ab den 1890er-Jahren baute das noch junge Deutsche Reich unter Wilhelm II. seinen Einfluss im Nahen Osten aus und erhielt mit Babylon ein prestigeträchtiges Grabungsprojekt.

Restaurierung und Rekonstruktion der Ziegelfragmente in Berlin

Von Anfang an war neben der wissenschaftlichen Erforschung Babylons der Erwerb von Ausstellungsstücken für die Berliner Museen Ziel der Ausgrabungen. Die Ziegelfragmente bekamen die Museen in zwei Fundteilungen mit Istanbul (1903) und Bagdad (1926) zugesprochen. In Berlin begann die mühevolle Arbeit der Restaurierung und Rekonstruktion. Zuerst wurden die Ziegelfragmente entsalzt, dann die Glasuren mit Wachs gefestigt und die Bruchstücke nach Motiven und Farben sortiert. Danach setzte eine Arbeitsgruppe aus bis zu 30 Personen innerhalb von nur zwei Jahren 72 Relieftiere zusammen. Ergänzt mit modernen Ziegeln wurden aus diesen Relieftieren das Ischtar-Tor, die Prozessionsstraße und die Thronsaalfassaden im Pergamonmuseum errichtet. Zur Eröffnung des Pergamonmuseums 1930 waren sie erstmals für das Publikum zu sehen.

Wiederaufbau des Ischtar-Tores als visionäre Rekonstruktion im Museum

Die Sonderpräsentation im Pergamonmuseum zeichnet den Weg des Ischtar-Tores von der Ausgrabung kleinster Glasurziegelfragmente im Bauschutt von Babylon bis zur visionären Rekonstruktion im Museum nach. Archäologisches Forschungsinteresse, imperiale Ambitionen des deutschen Kaiserreichs und die kreative Schaffenskraft der damaligen Ausgräber und Museumsmacher wirkten im Wiederaufbau des Ischtar-Tores in Berlin zusammen. Die Geschichte des Ischtar-Tores spiegelt daher zugleich die Geschichte dieser Zeit und die Geschichte des Vorderasiatischen Museums wider, dass 1899 gegründet wurde.

Mit diesen Gesichtspunkten ergänzt die Sonderpräsentation die aktuelle Dauerausstellung und trägt dem vermehrten Wissensbedürfnis der Besucher*innen nach der Herkunft der Ausstellungsstücke Rechnung. Ausgehend von Fragmenten glasierter Ziegel wird so die Wiedererschaffung des Ischtar-Tores nachvollziehbar, so wie sie durch historische Fotos und Rekonstruktionszeichnungen sowie Archivdokumente überliefert ist.

Die Ausstellung wird ermöglicht durch den Förderverein Freunde der Antike auf der Museumsinsel Berlin e.V. und Museum&Location.


     
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/ Björn Dahlem, Berta Fischer, Naum Gabo

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„Into Space“ thematisiert die Sehnsucht des Menschen nach dem Weltraum, nach Schwerelosigkeit, fernen Galaxien und den Glauben an bisher unfassbare Energien außerhalb unserer Wahrnehmung. Drei BildhauerInnen reflektieren die Schnittstellen zwischen Kunst und Wissenschaft über ein Jahrhundert hinweg und von Berlin aus. Nach der Ausstellung „Lynn Chadwick, Hans Uhlmann, Katja Strunz“, die 2019 im Haus am Waldsee dem Thema „Falte“ nachging, nehmen nun Björn Dahlem (*1974), Berta Fischer (*1973) und Naum Gabo (1890 – 1977) mit Installationen und Plastiken ein künstlerisches Gespräch über Raum und Zeit zwischen 1920 und 2020 auf.


     
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/ ON AIR

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Zwei Tage vor Weihnachten ertönt „Stille Nacht, heilige Nacht“ im Radio, intoniert von Klarinette, Harmonium, Streichinstrumenten und Klavier. Was heutzutage nichts Besonderes mehr ist, war vor rund 100 Jahren eine Sensation: Am 22. Dezember 1920 spielten Reichspostmitarbeitende der Hauptfunkstelle Königs Wusterhausen bei Berlin ein historisches Weihnachtskonzert – die erste öffentliche Rundfunkaussendung in Deutschland.

2020 jährt sich das historische Konzert zum 100. Mal. Die Ausstellung beleuchtet Erfolge, Brüche und Zukünfte des ersten elektronischen Massenmediums der Welt.

Eine Ausstellung im Museum für Kommunikation Berlin, gefördert von der Kulturstiftung der Länder. In Kooperation mit der Stiftung Deutsches Rundfunkarchiv und Deutschlandradio.

#100Jahre100Postings – Unser Countdown zu 100 Jahre Radio

Ein so bedeutendes Jubiläum wie der 100. Geburtstag des Radios will natürlich standesgemäß angekündigt werden. Auf Twitter, Facebook und Instagram können Sie daher einem ganz besonderen Countdown folgen.

Unter dem Hashtag #100Jahre100Postings schicken wir das ganze Jahr über 100 interessante Fakten rund um das Radio, Behind-the-scenes-Eindrücke von der Ausstellungsentwicklung und vieles mehr über den digitalen Äther zu Ihnen. Im Social Hub auf unserem Expotizer können Sie alle Postings verfolgen und sich bereits vorab über die Ausstellung informieren!


     
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/ Von Eva bis Greta

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Aus 2.500 Jahren begegnet uns die Weiblichkeit auf Münzen und Medaillen. Den ewigen anthropoiden Göttinnen werden alsbald lebendige Frauen zur Seite gestellt. Zwischen Ursprungsvorstellung und Aktualität – oder beispielsweise "Eva" und "Greta" – eröffnen sich zahlreiche Facetten und Themenfelder. Neben Berühmtheiten wie Kleopatra werden in der Sonderausstellung ganz unterschiedliche Bilder und Bedeutungen von Frauen, wie sie anhand von Münzen, aber vor allem durch Medaillen erfahrbar sind, beleuchtet.

Frauen begegnen uns dabei nicht nur als Dargestellte oder Auftraggeberin, sondern etwa auch als Gestalterin, Sammlerin oder Wissenschaftlerin. Die Schau präsentiert neben Beständen aus den Tresoren des Münzkabinetts insbesondere zwei Künstlereditionen, die eigens für diese Ausstellung angefertigt wurden. Die Arbeiten zum Jahresthema des Berliner Medailleurkreises treffen hierbei auf Beiträge aus der Auslobung des Nachwuchspreises für eine Kunstmedaille „Die Drei Grazien“. Die Ausstellung fragt, inwieweit Münzen und Medaillen durch andere Quellen geprägte Vorstellungen von Frauen in der Gesellschaft bestätigen oder herausfordern können.

Eine Sonderausstellung des Münzkabinetts in Kooperation mit der Numismatischen Gesellschaft zu Berlin e. V. und der Deutschen Gesellschaft für Medaillenkunst e. V.


     
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/ Generation 1975

9 Menschen aus Ost und West, die 1975 geboren sind, reden über ihre Erfahrungen mit der Teilung, dem Mauerfall und dem Zusammenwachsen. Sie kommen aus unterschiedlichen sozialen Verhältnissen und haben verschiedene politische Präferenzen. Sie stammen aus Brandenburg, Baden-Württemberg und beiden Teilen Berlins und haben zusammen einen breiten Schatz an Erinnerungen und Erfahrungen. Gemeinsam ist ihnen, dass sie 14 Jahre alt waren, als die Mauer fiel. Sie hatten schon Erfahrungen gemacht mit dem jeweiligen politischen System und sie erlebten den Mauerfall und den Transformationsprozess als Teenager in ihrer formativen Phase. Ihre Erinnerungen an das, was vor 1989 lag, sind immer noch frisch und sie sprechen darüber, weil sie frei von Verantwortung sind, sehr unbelastet.

Aus den umfangreichen Interviews mit diesen 9 auch heute noch jungen Frauen und Männern entstand eine Videoausstellung. In der Diskussion über das Vermächtnis der Teilung und des Transformationsprozesses, in der vielfach die seit 1989 diskutierten Argumente wiederholt werden, bieten die befragten Menschen pointierte Erin-nerungen, unverbrauchte Sichtweisen und erfrischend klare Standpunkte. Dabei ordnen die Befragten ihre Erfahrungen und Lebensverläufe in den Kontext der beiden politischen Sys-teme und der insbesondere im Osten auch chaotisch erfahrenen Phase des Zusammenwach-sens ein. Daraus entstand ein vielstimmiges Bild der Vergangenheit und Gegenwart des neu-en Deutschland.

Mit den Stimmen dieser Menschen, welche den Prozess des Umbruchs und der Neufindung in ihrem privaten Umfeld hautnah miterlebten und heute in der aktivsten Phase ihres Lebens stehen, eröffnet die Videoausstellung neue Perspektiven auf die Geschichte und die Gegenwart des Landes. Denn hier sprechen Menschen, die in den öffentlichen und medialen Debatten wenig gehört werden, deren Erfahrungen jedoch den Übergang zwischen Vergan-genheit und Zukunft besser verstehen lassen. Für die heutigen Diskussionen über die Chancen, Brüche und Verluste des Zusammenwachsens von Ost und West bilden sie eine unverzichtbare Ergänzung.


     
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/ Wohnverhältnisse

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1920 entstand Berlin in seinen heutigen Grenzen und die selbstständigen Städte Charlottenburg und Wilmersdorf wurden zu Berliner Bezirken. In den Jahrzehnten zuvor hatte sich ein Metropolenraum entwickelt, den soziale Unterschiede prägten. Die „Wohnungsfrage“ war eine der drängendsten Herausforderungen im großstädtischen Zusammenleben. Bereits um 1900 forderten Reformbewegungen und Sozialpolitiker umfassende Veränderungen der Wohnverhältnisse. Die Ausstellung nimmt Reformideen dieser Zeit und die Anfänge kommunaler Wohnungspolitik in Charlottenburg und Wilmersdorf in den Blick. Dabei zeigen die Positionen, Maßnahmen und Bauten in dieser Ausstellung: Ging es um Wohnverhältnisse, wurde auch soziale Ungleichheit in der Industriegesellschaft, kommunale Verantwortung für die Gesundheit der Bevölkerung und die Stellung von Frauen im öffentlichen Leben verhandelt.


     
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/ Immer wieder? Extreme Rechte und Gegenwehr in Berlin seit 1945

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Seit der Selbstenttarnung des NSU im Jahr 2011, den terroristischen Anschlägen von München, Halle und Hanau, dem Mord an Walter Lübcke und der massiven rassistischen Mobilisierung ist die extreme Rechte in der Bundesrepublik präsent wie nie zuvor. Tatsächlich ist sie jedoch kein neues Phänomen – auch nicht in Berlin. Die Ausstellung erzählt exemplarisch von acht Ereignissen, die unterschiedlichen Aktionsfeldern der extremen Rechten zuzuordnen sind sowie von dem gesellschaftlichen Widerstand dagegen.


     
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/ "Wir kommen nicht mit leeren Händen"

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Wenige Tage vor Inkrafttreten des Groß-Berlin-Gesetzes betonte der Köpenicker Baustadtrat Hugo Kinzer, die Stadt komme „nicht mit leeren Händen“ in die neue Einheitsgemeinde. Damit bezog er sich auf große Forstflächen, das 1914 eingeweihte Krankenhaus und eine gut ausgebaute städtische Infrastruktur. Köpenick hatte schon im Mittelalter Stadtrecht erhalten und blickte 1920 bereits auf eine lange Geschichte der kommunalen Selbstverwaltung zurück. Vergleichsweise jung waren Landgemeinden wie Treptow, Adlershof oder Oberschöneweide, als sie nach Groß-Berlin „eingemeindet“ wurden. Doch kamen auch sie vor 100 Jahre keineswegs „mit leeren Händen“ nach Groß-Berlin. Sie waren von strategischer Bedeutung für die neue Stadtgemeinde und brachten ausgedehnte Wald- und Wasserflächen, Einrichtungen der Daseinsvorsorge und bedeutende Industriestandorte mit ein. So versorgte das Wasserwerk Friedrichshagen, am Ufer des Müggelsees gelegen, Berlin seit 1893 mit Trinkwasser. Mit der Ansiedlung der Allgemeinen Elektricitäts-Gesellschaft (AEG) wurde die Landgemeinde Oberschöneweide zu einem der wichtigsten Standorte von „Elektropolis“, der elektrifizierten Metropole.

Doch wie erlebten die Gemeinden im Südosten, vom urbanen Alt-Treptow bis zum ländlichen Schmöckwitz, die Zeit vor der Bildung von „Groß-Berlin“? Welche Haltungen nahmen die bis dahin selbstständigen Gemeinden in der Groß-Berlin-Frage ein? Über welche Ressourcen verfügten sie und auf welche Weise konnten sie von den Projekten und Einrichtungen der neuen Stadtgemeinde profitieren? Die Ausstellung richtet den Blick auf die 15 sehr unterschiedlichen Ortsteile des heutigen Bezirks Treptow-Köpenick und zeigt, wie die Verwaltungsreform von 1920 das Leben der Menschen veränderte.


     
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/ Xinyi Cheng

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Xinyi Cheng (* 1989 in Wuhan, lebt und arbeitet in Paris) wurde 2019 mit dem Baloise Kunst-Preis prämiert. Wie schon in den vergangenen beiden Ausgaben mit Sam Pulitzer und Lawrence Abu Hamdan ist diese Auszeichnung mit einem Ankauf der Baloise Group für die Sammlung der Nationalgalerie verbunden. In ihrer ersten institutionellen Einzelausstellung im Hamburger Bahnhof präsentiert Cheng rund 30 Gemälde, darunter eine Vielzahl neuer Werke sowie sechs Fotografien.

Zentral in Chengs künstlerischer Praxis ist die Malerei. In ihren Bildern stehen häufig Männerfiguren im Mittelpunkt. Neben Einzeldarstellungen zeigt sie ihre Modelle auch in Interaktion miteinander. Der Umraum bleibt zumeist unbestimmt und besteht häufig aus in sich strukturierten, einfarbigen Hintergründen. Dadurch treten die Körper der Figuren aus der Fläche hervor. Ihre Beziehung zueinander, die durch zärtliche Gesten und intime Momente, aber auch rätselhafte Tätigkeiten angedeutet wird, lässt Cheng dabei offen.

Begleitend zur Ausstellung erscheint eine Publikation im Wienand Verlag mit einem Text der Künstlerin sowie einem Essay von Sven Beckstette.

Die Ausstellung wird ermöglicht durch die Baloise Group.

Eine Sonderausstellung der Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin