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/ Pflanzen brechen aus der Erde

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„Unterirdisches Leben“, „Erdweh” oder „Raumkonzept. Natur“ von Jean Dubuffet, Roberto Matta bzw. Lucio Fontana – diese und andere Werke stehen im Zentrum der neuen Sonderpräsentation in der Sammlung Scharf-Gerstenberg. Sie alle umkreisen das Thema des Organischen und Vegetabilen.

Viele von ihnen sind in Zusammenhang mit Krisenzeiten entstanden, seien es die 1930er- oder die späten 1940er- und frühen 1950er-Jahre. Keines von ihnen zeigt einen Menschen, allenfalls nicht näher definierte Wesen sind zu erkennen. Was hier wächst und gedeiht, scheint wie von selbst entstanden.

„Pflanzen brechen aus der Erde“ ist eine Ausstellung über das geheime Leben der Natur, das sich dem gewohnten Blick verschließt und nur im Zauberspiegel der Kunst gelegentlich zum Vorschein kommt.


     
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/ Spiel-Strasse

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Schüler*innen der Klasse 5c der Otto-Wels-Grundschule haben sich die Frage gestellt, was das Spiel im öffentlichen Raum heute bedeutet. Angeleitet wurden sie bei dem Vermittlungsprojekt des URBAN NATION Museums von dem Kunstvermittler und Fotografen Markus Georg. Eine Auswahl der Aufnahmen ist nun im Rahmen einer Outdoor-Ausstellung vom 27. November 2020 bis zum 31. Januar 2021 rund um den Kastanienplatz, im Quartier Wassertorplatz, in Kreuzberg zu sehen. Das Konzept von „Spiel-Strasse“ ist im Rahmen der aktuellen Ausstellung Martha Cooper: Taking Pictures im URBAN NATION Museum entstanden. Die Ausstellung findet nicht im Museum, sondern rund um den Kastanienplatz statt.


     
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/ Birds of all feathers

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Birds of all feathers celebrate together – dies ist das Motto unserer diesjährigen Weihnachtswerkstatt! Wir laden euch ein, mit unserer Vorlage zu Hause eigene Grußkarten zu gestalten und mit uns zu teilen. Der goldene Ast wartet auf eure bunt gefiederten Vögel!

Schickt eure Grüße hinaus in die Welt und eine Karte an uns, damit auch „Walters Baum“ im Schaufenster des temporary bauhaus-archiv so belebt und bunt wird, wie Walter Gropius ihn sich einst wünschte:

„Man hat mir mitgeteilt, daß … ein Baum gepflanzt werden wird, der meinen Namen tragen soll. Ich wünsche mir, daß in diesem Baum Vögel vieler Farben und Gestalten sitzen mögen und sich heimisch fühlen. … Ich möchte, daß es ein gastlicher Baum sei, aus dem vielerlei Lieder ertönen.“

Zur digitalen Weihnachtswerkstatt: bauhaus.de/birds


     
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/ Modebilder – Kunstkleider

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Noch deutlicher als die Kunst ist die Mode ein Spiegel gesellschaftlicher Veränderungen und individueller Bedürfnisse. In der Sammlung der Berlinischen Galerie ist das Thema Mode überraschend und auf vielfältige Weise präsent.

Neben einer großen Zahl von Modefotografien quer durch das 20. Jahrhundert sprechen ebenso viele Gemälde und Zeichnungen von der Rolle der Mode als Ausdrucks- und Repräsentationsmittel einer Zeit: vom Reformkleid um 1900 über die Dada-Dandies der 1920er Jahre bis zu avantgardistischen Kleidungsentwürfen in der heutigen Kunst. Auf dieser breiten Basis und mit Leihgaben ausgewählter Kleidungsstücke beleuchtet die Ausstellung das Verhältnis von Künstler*innen zur Mode. Welche Rolle spielt die Mode in Malerei, Zeichnung und Fotografie der letzten 100 Jahre? Nach welchen Regeln werden Kleidung und Kostüme in der Bildenden Kunst eingesetzt? Wie kleiden und inszenieren sich Künstler*innen damals und heute? Wie wird Mode als Medium in der zeitgenössischen Kunst genutzt? Die Ausstellung ermöglicht einen neuen Blick auf die Werke der Sammlung der Berlinischen Galerie und stellt aktuelle Positionen aus der zeitgenössischen Kunst vor.


Künstler*innen (Auswahl):

Karl Arnold, Martin Assig, Elvira Bach, Sibylle Bergemann, Rolf von Bergmann, BLESS, Tabea Blumenschein, Marc Brandenburg, Hans-Peter Feldmann, Rainer Fetting, Lieselotte Friedländer, Ulrike Grossarth, George Grosz, F.C. Gundlach, Gerd Hartung, Raoul Hausmann, Hannah Höch, Alexandra Hopf, Käthe Kruse, Alyssa De Luccia, Jeanne Mammen, Anna Muthesius, Helmut Newton, Ulrike Ottinger, Lilla von Puttkamer, Rafael Rheinsberg, Frieda Riess, Ursula Sax, Rudolf Schlichter, Wiebke Siem, Franz Skarbina, Claudia Skoda, Eugen Spiro, Herbert Tobias, Yva


     
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/ Alicja Kwade

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Die Arbeit von Alicja Kwade (*1979) ist inspiriert von naturwissenschaftlichen, philosophischen und gesellschaftlichen Fragestellungen. In ihren raumgreifenden Installationen verhandelt sie Modelle und Konstruktionen zur Wahrnehmung von Realität, um die Möglichkeiten objektiver und subjektiver Erkenntnis zu hinterfragen.

In der Ausstellung in der Berlinischen Galerie stellt die Künstlerin sich erstmals selbst ins Zentrum. „In Abwesenheit“ basiert auf neueren Arbeiten von Alicja Kwade, die sich im weiteren Sinn als Selbstporträts lesen lassen. Kwade geht der Frage nach, wie sich ein Mensch und seine physische Präsenz im Raum beschreiben lässt: über den eigenen Herzschlag, den individuellen DNA-Code oder mit den chemischen Elementen, aus denen sich der Mensch zusammensetzt.

Mit Kwades ortsspezifischer Installation setzt die Berlinische Galerie das erfolgreiche Format von in-situ-Projekten in Berlin arbeitender Gegenwartskünstler* innen fort. Kwade studierte von 1999 bis 2005 an der Universität der Künste Berlin und gehört heute international zu den gefragtesten Künstler*innen. Zuletzt stellte sie unter anderem in New York, Tours, Helsinki, Kopenhagen, Zürich, Barcelona, Shanghai, Reykjavik, Venedig und London aus.


     
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/ Hands Full of Air

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Wo enden die Ränder des Individuums und wo beginnen die der Gemeinschaft? Wie kann diese reflexive Beziehung genutzt werden, um Wissen und Techniken wiederzuerlangen, die den Korruptionen unterdrückender Systeme widerstehen und sie verändern können?

In Hands Full of Air erforscht Monilola Olayemi Ilupeju Verletzlichkeit und Intuition als Ausgangspunkt für eine Praxis der kollektiven Für/Sorge. Bezugnehmend auf den ephemeren Charakter eines blanket forts, einer improvisierten ‚Festung‘ aus Stoffen, entsteht eine immersive Rauminstallation aus Bettlaken und Textilien, die ihre Freund:innen und Künstler:innen aus der ganzen Welt beisteuern. Jeder Stoff verkörpert einen affektiven Moment, eine Spur von Intimität oder eine Geste der Liebe. In diese gemeinschaftlich getragene Struktur verwebt Ilupeju ihre Videoarbeiten, Bilder, Stoffe und Objekte, in denen sie sich mit der Formierung des Selbst innerhalb gesellschaftlicher Konstruktionen von Sexualität, Geschichte und Repräsentation auseinandersetzt.

Die Installation stellt den Versuch dar, im ambivalenten Raum zwischen Entblößung und Isolation zu verweilen, um im Unbehagen der gemeinsamen Verletzbarkeit Anerkennung zu finden. Im Verschwimmen der Grenzen von Autor:innenschaft wird die Konstitution von Identität hinterfragt und Empathie als Form des Widerstands erprobt. Ilupejus subversive Form einer ‚Festung‘ zeigt auf, inwiefern kollektive Zerbrechlichkeit und Porosität Räume schaffen kann, in denen ein anderes Sehen und Zuhören möglich ist und sich Verwundbarkeit in Widerstandskraft und Selbstermächtigung verwandelt.

Mit Beiträgen von Sharmeen Anjum, Peter Basma-Lord, Anguezomo Mba Bikoro, Lu Rose Biltucci, Ellie Lizbeth Brown, Federica Bueti, Lucia Pedroso Cabrera, Olivia Chou with Ally Zhao, Binta Diaw, Nathan Storey Freeman, Bambi Glass, Danny Greenberg, Riya Hamid, Nile Harris, Samhita Kamisetty, Avantika Khanna, Byron Kim, Eleanor Kipping, Beverly „KöTA WALi“, Kelly Krugman, Cooper Lovano, Markues, Adam Milner, Emily Velez Nelms, Luiza Prado, Thomias Radin, Elliot Reed, Djibril Sall, Lorenzo Sandoval, Lili Somogyi und anderen.

kuratiert von Jorinde Splettstößer

Monilola Olayemi Ilupeju ist eine transdisziplinäre nigerianisch-amerikanische Künstlerin, die in Berlin lebt und arbeitet. Ilupeju erwarb 2018 ihren Abschluss an der New York University, wo sie Studiokunst (Honors Studio) sowie Sozial- und Kulturanalyse studierte. In ihrer künstlerischen und multimedialen Praxis beschäftigt sie sich mit Entwicklungsprozessen von Sexualität im Zusammenhang mit Perversion, Intimität, Traumata, Körperbildern, sowie mit queeren und antikolonialen Methodologien. Sie interessiert sich für Praktiken der Improvisation und Intuition und der Wiederentdeckung des kindlichen Selbst. In ihrer künstlerischen Betrachtung der porösen Ränder und Risse konstruierter Realitäten eröffnet sie Räume, die einen Ort der Heilung, Befreiung und Regeneration bieten.

Hands Full of Air bildet den Auftakt der Ausstellungsreihe MY WORKING WILL BE THE WORK. on self/care, labour and solidarity kuratiert von Linnéa Meiners und Jorinde Splettstößer.

Ilupejus neue Arbeit für Hands Full of Air entstand während ihres Aufenthalts am TIER – Institute for Endotic Research im Rahmen der Ausstellungs- und Veranstaltungsreihe Maintenance! Domestics as Institutional Becomings.

Der Besuch der Ausstellung sowie Veranstaltungen finden unter strenger Beachtung der derzeit geltenden Hygiene- und Abstandsregeln statt.

www.galerie-im-turm.net  |  @galerie_im_turm

www.monilola.com  |  @monilola

Gefördert von der Senatsverwaltung für Kultur und Europa: der spartenoffenen Förderung, Präsentationsförderung, Ausstellungsfond Kommunale Galerien und Fonds Ausstellungsvergütung für bildende Künstlerinnen und Künstler. Die Galerie im Turm ist eine Einrichtung des Bezirksamts Friedrichshain-Kreuzberg.


     
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/ In den Kellern Berlins

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Ein weitgehend unbekanntes Kapitel Berliner Stadtgeschichte ist die Untertageverlagerung von Rüstungsproduktion zum Ende des Krieges 1944 / 1945. Die Ausstellung „In den Kellern Berlins“ widmet sich nun diesem Thema am Beispiel der Firma Telefunken, die das größte deutsche Röhrenwerk in der Sickingenstraße in Moabit betrieb.

Ab 1944 wurden Teile der Röhrenproduktion aus der Moabiter Sickingenstraße in drei große Brauereikeller in Kreuzberg und Prenzlauer Berg, sowie in einen U-Bahntunnel am Reichstag verlagert. Mit dem Frauennamen Lore sollte die unterirdischen Anlagen getarnt werden:

· Lore 1 - heutige Kulturbrauerei, Schönhauser Allee 36, Prenzlauer Berg

· Lore 2 - Bockbrauerei, Fidicinstraße 3, Kreuzberg

· Lore 3 - Königstadt-Brauerei, Saarbrücker Straße 24, Prenzlauer Berg

· Lore 4 - U-Bahntunnel, Reichstag, Mitte

Die Ausstellung begibt sich auf eine Spurensuche zu diesen vier historischen Orten. Thematisiert werden die Umbauten von Brauereikellern zu Rüstungsfabriken, die Rolle von Zwangsarbeit oder der Konflikt um die Frage, ob die Keller für den Schutz der Zivilbevölkerung oder die Rüstungsproduktion genutzt werden sollen.

Ohne das Hightech-Produkt Elektronenröhren konnten keine Funk- und Radaranlagen, Störsender oder Funksteuerungen für Raketen betrieben werden.

Nach der Präsentation im Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit geht die Ausstellung Ende April auf Wanderschaft. Geplant ist, vorbehaltlich aktueller Entwicklung in der Corona-Pandemie, sie auch an den historischen Orten, in den genannten Berliner Brauereien zu zeigen.


     
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Ein Epochen und Kontinente umspannender Überblick über die Kunst und Kulturen der Welt ab Spätsommer 2021 / Ethnologische Sammlungen und asiatische Kunst

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Rund 20.000 Exponate aus den weltweit bedeutenden Sammlungen des Ethno­logischen Museums und des Museums für Asiatische Kunst der Staatlichen Museen zu Berlin eröffnen in der zweiten und dritten Etage neue Blicke auf die vergangenen und gegenwärtigen Kulturen Afrikas, Amerikas, Asiens und Ozeaniens.

Ein mit Schnitzereien reich verziertes Haus aus Palau, eindrucksvolle Boote aus Ozeanien und Tondokumente aus aller Welt im Berliner Phonogramm­ Archiv: Die Dauerausstellung des Ethno­logischen Museums rückt materielles wie immaterielles Erbe gleichermaßen in den Fokus.

An einer japanischen Teezusammenkunft teilnehmen, in die Schönheit indo­islamischer Gärten eintauchen oder vor Buddha-Statuen meditieren: All das bietet die Präsentation des Museums für Asiatische Kunst.

Der Besuch macht neugierig auf Sammlungsgeschichte, religiöse Fragen, zeitgenössische Kunst und die Bedeutung von Handwerkstechniken, thematisiert Rituale, Inszenierungen und Perspektiven indigener Communities, um sich mit dem Erbe des Kolonialismus und der Rolle Europas kritisch auseinanderzusetzen.

Afrika

Bronze- und Elfenbeinreliefs aus dem Königreich Benin, Holzfiguren und Masken aus Kamerun, ästhetisch herausragende Skulpturen aus dem Kongo sowie mit Eisen- und Glasperlen geschmückte Lederkleidung aus Namibia gehören zu den bekanntesten und außergewöhnlichsten Werken aus Afrika in Berlin. Gleichzeitig verließen viele von ihnen den afrikanischen Kontinent als Folge kolonialer Eroberung und Herrschaft. Die Ausstellungen der Afrika-Sammlungen des Ethnologischen Museums im Humboldt Forum werfen drängende Fragen auf: nach den Gesellschaften in Afrika, aus denen die Artefakte stammen, nach den Bedingungen, unter denen sie gesammelt wurden, nach den Dilemmata, in denen sich die Akteure*innen in Afrika befanden, und nach der kooperativen Auseinandersetzung mit der Geschichte des Kolonialismus und seinen Auswirkungen bis in die Gegenwart.

Amerika

Der Ausstellungsbereich zeichnet ein umfangreiches Bild der historischen und gegenwärtigen indigenen Kulturen Amerikas. Highlights sind unter anderem die Bestände aus dem zentralen und südlichen Andenraum, die beindruckenden Cotzumalhuapa-Stelen aus dem heutigen Guatemala, die beiden Wappenpfähle von First Nations in British-Columbia oder die Sammlungen früher Forschungsreisender aus der Amazonasregion. Die Vielfalt der Keramiken aus Nord-, Meso- und Südamerika sowie die Sammlungen der Ebenen und Prärien Nordamerikas werden in einem separaten Schaumagazin erlebbar

Asien

Das dritte Obergeschoss ist den Künsten und Kulturen des größten Kontinents der Erde gewidmet. Hier treten die Sammlungen des Ethnologischen Museums und des Museums für Asiatische Kunst erstmals in einen direkten Dialog, trifft zeitgenössische Kunst auf jahrhundertealte Meisterwerke. Sie erlauben es, chinesische Hofkunst in einem spektakulären Thronsaal zu erleben, eine japanische Teezusammenkunft zu verfolgen, rekonstruierte, vor 1500 Jahren ausgemalte buddhistische Höhlentempel zu bewundern, in die Welt indo-islamischer Gärten einzutauchen, der Faszination religiöser Rituale um die göttlichen Skulpturen Indiens nachzuspüren oder fantastische Theatertraditionen Südostasiens und die Vielfalt islamischer Lebenswelten kennenzulernen.

Ozeanien

Der Pazifik ist der größte Ozean der Welt und in der Weite des Meeres erscheinen die Inseln Ozeaniens klein und isoliert. Für die indigene Bevölkerung aber war das Meer nie trennend. Bis heute ist es für viele Teil ihrer Identität. Ihre Vorfahren legten große Entfernungen zurück und entdeckten als erste Menschen die pazifischen Inseln. Von ihren herausragenden Navigations- und Bootsbaukünsten zeugen die Wasserfahrzeuge im Humboldt Forum. Weitere Highlights des Ausstellungsbereichs Ozeanien sind die Häuser aus Palau und die der Abelam aus Papua-Neuguinea.

Zeitgenössische Kunst

In allen Ausstellungsbereichen des Ethnologischen Museums und Museums für Asiatische Kunst finden sich zeitgenössisches Kunstwerke und Interventionen. Neben António Oles Township-Wall und dem raumgreifenden Kunstwerk von Marianna Castillo Deball beeindrucken vor allem Installationen, die sich mit den Auswirkungen der Kolonialzeit in der afrikanischen Gegenwart auseinandersetzen.

Ein Epochen und Kontinente umspannender Überblick über die Kunst und Kulturen der Welt ab Spätsommer 2021

     
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/ Werner Düttmann. Berlin.Bau.Werk

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Der Berliner Architekt und Stadtplaner Werner Düttmann wäre am 6. März 2021 hundert Jahre alt geworden. Dieses Jubiläum soll durch die großangelegte Ausstellung Werner Düttmann. Berlin.Bau.Werk gewürdigt werden. Als Architekt, Senatsbaudirektor (1960–66), Professor an der Technischen Universität Berlin (1966–70) und Präsident der Akademie der Künste, Berlin (1971–83) war Düttmann zu Lebzeiten eine der zentralen Persönlichkeiten im Stadt- und Kulturleben von West-Berlin. Wirkmächtig prägte er in seinen unterschiedlichen Funktionen das Gesicht und die Struktur dieser Stadt – von Reinickendorf bis nach Dahlem, von Neukölln bis nach Spandau. Das Spektrum seiner Arbeiten umfasst dabei Wohn- und Kulturbauten, öffentliche Plätze, Gemeinschafts- und Verkehrsbauten.

Ganz im Sinne der äußerst kommunikativen Persönlichkeit Düttmanns ist das Projekt netzwerkartig angelegt. Rund 30 seiner heute noch existierenden Bauten und Plätze in Berlin werden in die Ausstellung aktiv einbezogen und als „real size“-Objekte kostenlos vor Ort erfahrbar gemacht. Neben der Akademie der Künste im Hansa-Viertel und der Hansabücherei zählen hierzu unter anderem die Verkehrskanzel am Ku’Damm und der Ernst-Reuter-Platz, die Kirchen St. Agnes/Galerie König in Kreuzberg und St. Martin im Märkischen Viertel sowie die dortigen Wohnbauten des Architekten und die U-Bahnhöfe entlang der U7 Blaschkoallee, Parchimer Allee und Britz-Süd.

Parallel zur Ausstellung entsteht die Website wernerduettmann.de als digitales und zentrales Informations- und Navigationstool. Sie öffnet virtuell Türen, beispielsweise zu geschlossenen Wohnbauten, gibt einen Überblick über Düttmanns Schaffen in Berlin und navigiert die Besucher*innen durch und an die Orte der Ausstellung im Stadtgebiet. 

Die Präsentation im Brücke-Museum bietet einen chronologischen Überblick über alle Berliner Gebäude und gibt so Impulse, die Bauten und den Stadtraum aktiv zu entdecken. Sie stellt ferner Düttmanns wenig bekannte künstlerischen Anfänge vor, ebenso wie Teile seiner eklektischen Kunstsammlung. Nicht zuletzt würdigt die Präsentation das Brücke-Museum selbst als Gebäude und als vorbildlichen Raum für Kunst. Ein Ausstellungsraum wird dafür in den historischen Zustand zurückgeführt und ausgewählte Meisterwerke der Sammlung in der ursprünglichen Hängung gezeigt.

Werner Düttmann. Berlin.Bau.Werk ist eine Kooperation mit der Akademie der Künste Berlin, dem Landesdenkmalamt Berlin und der Technischen Universität Berlin. Ein umfassender Katalog erscheint im Wasmuth & Zohlen Verlag in deutscher und englischer Sprache.

Die Ausstellung wird gefördert durch die LOTTO-Stiftung Berlin und den Hauptstadtkulturfonds.
Die Publikation wird gefördert durch die Wüstenrot Stiftung.


     
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/ Die Liste der Gottbegnadeten. Künstler des Nationalsozialismus in der Bundesrepublik

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Die sogenannte Gottbegnadetenliste wurde im August 1944 von Adolf Hitler und Joseph Goebbels zusammengestellt: 1.041 „Künstler im Kriegseinsatz“, unter ihnen 104 Bildhauer und Maler, galten als „unabkömmlich“ und blieben vom Fronteinsatz verschont. Bis auf wenige Ausnahmen lebten und arbeiteten hochrangige Künstler des Nationalsozialismus wie Arno Breker, Hermann Kaspar, Willy Meller, Werner Peiner, Richard Scheibe und Adolf Wamper auch nach 1945 in der Bundesrepublik. Sie übernahmen Lehrtätigkeiten, beteiligten sich an Preisverleihungen und Wettbewerben, erhielten Aufträge aus Politik und Wirtschaft und produzierten vielfach Kunst im öffentlichen Raum. Ihre Gestaltungen von Denkmälern, Brunnen, Standbildern auf Plätzen, Fassaden und Foyers prägten und prägen das Gesicht prominenter Orte in westdeutschen Städten.

Die Ausstellung des Deutschen Historischen Museums nimmt nun erstmals die Nachkriegskarrieren sogenannter gottbegnadeter bildender Künstler, deren Rezeption und die damit verbundene Kontinuität einer antimodernen Kunstauffassung in den Blick. Begleitend zur Ausstellung „documenta. Politik und Kunst“ konterkariert sie das Bild des radikalen ästhetischen Neuanfangs, das seit ihrer Premiere 1955 mit der Großausstellung verbunden wird.

Die Ausstellung wird von kuratiert von Wolfgang Brauneis.


     
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/ documenta. Politik und Kunst

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Die ästhetisch-politische Geschichte der Bundesrepublik spiegelt sich in besonderer Weise in der documenta: Seit ihrer Gründung 1955 wurde sie immer wieder zu einem Ort, an dem sich zentrale Aspekte der deutschen Nachkriegs­geschichte, die Spuren des Nationalsozialismus, die Blockbildung des Kalten Krieges und das Selbstverständnis der bundesrepublikanischen Gesellschaft widerspiegelten. Die Ausstellung macht die kulturpolitischen Netzwerke sichtbar ebenso wie die Impulse, die die international angelegte Großausstellung zwischen 1955 und 1997 auf die bundes­republikanische Gesellschaft hatte. Erstmals kommen in Interviews die Künstler*innen und Ausstellungs­macher*innen selbst zu Wort.

Begleitend dazu konterkariert die Ausstellung „Die Liste der Gottbegnadeten. Künstler des Nationalsozialismus in der Bundesrepublik“ das Bild des radikalen ästhetischen Neuanfangs, das seit ihrer Premiere 1955 mit der Großausstellung verbunden wird.

Die Ausstellung wird kuratiert von Lars Bang Larsen, Julia Voss und Dorothee Wierling.


     
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/ Igor Vidor

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Igor Vidor untersucht Mechanismen von Unterdrückung und Macht und ihre Manifestation in Objekten oder sozialen Codes in unterschiedlichen, meist urbanen Kontexten in Brasilien. In Skulpturen, Performances und Videos zeigt er Zeichen von tief verwurzelter Gewalt sowie sozialer Ungerechtigkeit im alltäglichen Leben der Menschen.

Er reflektiert, wie sich diese Verhältnisse durch die Politik in Brasilien immerwährend wiederholen. Seine neuen Arbeiten analysieren den Einfluss und die Verantwortung der USA sowie europäischer Länder an der Verbreitung von Gewalt in Brasilien und Lateinamerika durch die Produktion und den Handel von Waffen. In der Berlinischen Galerie werden „v.a. 4598 (Rio Olympics)“ (2016, 15 Min.), „Carne e Agonia“ (Fleisch und Agonie) (2018, 9:38 Min.) sowie eine neue Arbeit „A Praga“ (Die Plage) (2020) präsentiert.

„v.a. 4598 (Rio Olympics)“ zeigt den Künstler in einer ruinenhaften Landschaft. Während der Bauarbeiten für die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro wurden tausende Familien der Vila Autódromo dazu gezwungen, ihre Wohnungen für immer zu verlassen. Die Häuser wurden abgerissen, um Raum für die Sportveranstaltung zu schaffen. Vidor begleitete diesen Prozess innerhalb von zwei Jahren und entwickelte gemeinsam mit den Einwohner*innen eine Video-Performance.

Für „Carne e Agonia“ (Fleisch und Agonie) wurden Drogenhändler*innen und Polizist*innen die gleichen Fragen gestellt. Ihre Antworten offenbaren ähnliche Aussagen im Gewaltszenario des sogenannten „Krieg gegen Drogen“. Die Bilder in Zeitlupe zeigen eine Reihe von Geschosseinschlägen auf ballistische Gelatine. Diese kriminaltechnischen Versuche werden von Munitionsfirmen durchgeführt, um zu testen, wie tödlich die Waffen sind, und wie diese verbessert werden können.

„A Praga“ (Die Plage) stellt Aufnahmen aus Oberndorf am Neckar in Baden-Württemberg und vom Künstler gesammelte Ausschnitte von Polizeieinsätzen gegenüber. Der Film untersucht die fatalen Verbindungen zwischen der deutschen Kleinstadt, der dort ansässigen Waffenindustrie und dem über hundert Jahre währenden Export von Gewalt ins Ausland durch deutsche Waffen.


Biografie

Igor Vidor (*1985, São Paulo, Brasilien) hat am Centro Universitário Belas Artes in São Paulo studiert. Er hat jahrelang im Bereich Bildung und Vermittlung im Museu de Arte do Rio (MAR) gearbeitet. Seine Arbeiten wurden in mehreren internationalen Ausstellungen gezeigt u.a. im Künstlerhaus Bethanien (2020); Pérez Art Museum Miami (2018); Mercosul Biennale (2018); Sesc 24 de Maio, São Paulo (2017); Museu Histórico Nacional, Rio de Janeiro (2017) und Museu de Arte do Rio (MAR) (2016). Seit 2019 lebt Igor Vidor in Berlin und ist artist-in-residency im Künstlerhaus Bethanien.


     
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/ Von der Sprache aus

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1985 trug Joseph Beuys an den Münchner Kammerspielen zu der Reihe „Reden über das eigene Land: Deutschland“ bei. In seiner Rede hielt er fest, dass er seine Werke „von der Sprache aus“ entwickle. Bildnerischen Gestaltungsmitteln ebenbürtig, verstand er die Sprache als plastisches Material, durch das jede Einzelne und jeder Einzelne körperlich, intellektuell und kommunikativ an der Neuordnung der Gesellschaft teilhaben könne. So reicht seine Auseinandersetzung mit Sprache vom Schweigen bis zur stundenlangen Diskussion, von animalisch klingenden Lauten bis zu präzisen Begriffserörterungen und verrätselten Schriften.

Zu Beuys‘ 100. Geburtstag rückt der Hamburger Bahnhof die Sprache in den Mittelpunkt einer Ausstellung, die Skulpturen, Zeichnungen, Installationen, Filme, Plakate und Dokumente – darunter der Zyklus „The secret block for a secret person in Ireland“ und die Installation „Das Kapital Raum 1970–1977“ – aus den Beständen der Nationalgalerie, der Sammlung Marx, des Kupferstichkabinetts und der Kunstbibliothek umfasst.

Eine Sonderausstellung der Nationalgalerie – Staatliche Museen zu Berlin


     
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/ Dante Modern

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Anlässlich des 700. Todesjahrs des italienischen Dichters und Philosophen Dante Alighieri (1265-1321) zeigt das Kupferstichkabinett eine Auswahl aus zwei Holzschnittfolgen der 1920er-Jahre.

Diese stammen von der Dänin Ebba Holm und dem Deutschen Klaus Wrage. Beide setzen sich facettenreich mit Dantes literarischem Hauptwerk, der „Göttlichen Komödie“, auseinander – und damit mit Dantes virtueller Wanderung durch die Hölle über den Läuterungsberg bis hin zum Paradies.

Ergänzend werden nicht nur Werke von Odilon Redon, Wilhelm Lehmbruck und Willy Jaeckel gezeigt, sondern auch farbige Computerzeichnungen des Berliner Künstlers Andreas Siekmann (geb. 1961) aus seinem 94-teiligen Werkkomplex „Die Exklusive – Zur Politik des ausgeschlossenen Vierten“ (2002-2011). Siekmann schildert in „Die Exklusive“ in mehreren Serien besonders gegenwärtige Höllenfahrten, die Dante und sein Wegführer, der antike Dichter Vergil, unternehmen.

Eine Sonderausstellung des Kupferstichkabinetts – Staatliche Museen zu Berlin


     
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/ Sachen Machen

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Als sich 1964 die europäische Fluxus-Gruppe auflöste, zog sich Tomas Schmit (1943–2006), der sich als Performer an den Aktivitäten der Gruppe beteiligt hatte, allmählich von der Aufführungspraxis zurück. Ab 1966 widmete er sich vorrangig dem Schreiben und Zeichnen.

Doch die Idee der Bühne als einem Ort, an dem eine Handlung vor einem Publikum zur Aufführung gelangt, war damit nicht aus seiner Kunst verschwunden: Das Zeichenpapier avancierte zum neuen Schauplatz seines künstlerischen Credos „sachen machen“. Auf dem Papier inszenierte Schmit fortan „die Aufführung des Zeichnens“.

Während sich die Ausstellung im Kupferstichkabinett auf Schmits zwischen 1966 und 2006 entstandene Arbeiten auf Papier konzentriert, werden die Fluxus-Aktivitäten des Künstlers parallel im Neuen Berliner Kunstverein beleuchtet.

Eine Sonderausstellung des Kupferstichkabinetts – Staatliche Museen zu Berlin in Kooperation mit dem Neuen Berliner Kunstverein (n.b.k.) und dem tomas schmit archiv, Berlin


     
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/ Spuren der Arbeit

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Unsichtbares sichtbar machen – das steht im Fokus der bereits weit gereisten Wanderausstellung, kuratiert von der Anthropologin Ewa Klekot und dem Keramikkünstler Arkadiusz Szwed aus Poznán.

Sie ließen von den Arbeiter*innen der Porzellanfabrik in Ćmielów das Tafelservice „Die menschliche Spur“ anfertigen, das ihr handwerkliches Können und ihr umfassendes Erfahrungswissen für die Fabrikproduktion durch einen ungewöhnlichen Kunstgriff sichtbar werden lässt: Während der Fertigung trugen sie Handschuhe, an deren Spitzen Kobaltsalze hafteten. Erst nach dem Brennen zeichneten sich ihre Fingerabdrücke in Dunkelblau auf dem Porzellan ab. Porträts und Zitate der beteiligten Fabrikarbeiter*innen umrahmen diese eingebrannten Spuren ihrer Arbeit. Damit rücken der „menschliche Faktor“ und seine Wertschätzung bei der industriellen Herstellung vermehrt in den Fokus – ein Themenfeld, das auch bei Verbraucher*innen zunehmend an Bedeutung gewinnt.

Eine Sonderausstellung des Adam Mickiewicz Instituts in Kooperation mit dem Museum Europäischer Kulturen – Staatliche Museen zu Berlin


     
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/ »VERGESST UNS NICHT …« OPFER DEUTSCHER VERNICHTUNGSPOLITIK IM NORDKAUKASUS 1942/43

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Mit der Ausstellung »Vergesst uns nicht …« leistet das Museum einen weiteren Beitrag, sogenannte vergessene Opfer des Vernichtungskrieges in Erinnerung zu rufen. Der gezielte und grausam effektiv durchgeführte Mord an den Patienten psychiatrischer Kliniken und an Kindern mit Behinderungen in der Region Nordkaukasus innerhalb der sehr kurzen Zeit deutscher Besatzung ist ein hierzulande unbekanntes Kapitel. Während der Recherche zur Ausstellung geriet eine zweite Opfergruppe in den Fokus. Zahlreiche jüdische Mediziner im Nordkaukasus wurden Opfer des Holocaust. Auch an sie möchte die Ausstellung erinnern. Der dritte Abschnitt der Ausstellung beschäftigt sich mit derErinnerungskultur gegenüber den vergessenen Opfergruppen im Nordkaukasus.

Der Historikerin Irina Rebrova ist es gelungen, in Russland dieses bislang unberücksichtigte Thema mit einer Wanderausstellung einem breiten Publikum im Nordkaukasus näherzubringen. Seit 2018 wurde die Ausstellung an zahlreichen Orten in der Region gezeigt. Sie stieß auf große Resonanz beim Publikum und in den Medien. Mit Unterstützung durch die Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft", dem Zentrum für Antisemitismusforschung an der TU Berlin sowie dem Verein Kontakte-Kontakty präsentieren wir nun für das deutsche Publikum eine in Zusammenarbeit mit der Kuratorin erarbeitete Adaption dieser Ausstellung.


     
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/ Impressionismus in Russland

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Paris war vor 1900 der Anziehungspunkt für russische Künstler. Hier begegneten sie den Werken von Claude Monet und Auguste Renoir und ließen sich von den Themen und der Malweise der französischen Impressionisten anregen. Zurück in Russland malten sie en plein air und spürten der Flüchtigkeit des Moments in Portraits der Szenen des russischen Alltags nach. Auch Maler, die später die russische Avantgarde bildeten, entwickelten aus dem impressionistischen Studium des Lichts ihre neue Kunst. Die Ausstellung im Museum Barberini widmet sich der bislang kaum erforschten Rezeption französischer Lichtmalerei in Russland. Sie zeigt anhand von über 80 Werken die Internationalität der Bildsprache um 1900 und integriert die russischen Künstler der damaligen Zeit – von Ilja Repin bis Kasimir Malewitsch – in das Projekt der künstlerischen Moderne.


     
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/ Der Sprung - 1961

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Das Foto des flüchtenden DDR-Grenzpolizisten Conrad Schumann aus dem Jahr 1961 gilt als Ikone des 20. Jahrhunderts. Laut „Time“-Magazin zählt das Bild, das sich nach dem Ereignis weltweit verbreitete, zu den hundert Fotografien, die die Welt veränderten. Heute ist es Teil des Weltdokumentenerbes der UNESCO.

Am 15. August gegen 16 Uhr sprang der Bereitschaftspolizist Conrad Schumann an der Straßenecke Ruppiner-/Bernauerstraße über den Stacheldrahtzaun in den Westteil Berlins. Festgehalten wurde dieser Augenblick von dem jungen Fotografen Peter Leibing. Im Deutschen Historischen Museum führt der Regisseur Boris Hars-Tschachotin in einer 360° Virtual Reality-Installation aus dem wiedervereinigten Berlin zurück in das Jahr 1961. Mit Hilfe einer VR-Brille bieten sich den Besucher*innen drei Filmperspektiven: Die des fliehenden Conrad Schumann in NVA-Uniform (Anton von Lucke), die des Fotografen Peter Leibing (Max von der Groeben) und die des Westberliner Polizisten Manfred Klumm (Daniel Axt). Der 360°-Raum in Farbe erfasst den historischen Moment des Sprungs multiperspektivisch und sprengt erstmals den Rahmen des zugrundeliegenden ikonischen Schwarzweiß-Fotos. So erlebt das Publikum aus diesen subjektiven Blickwinkeln die Ereignisse unmittelbar – mal aus Westberliner, mal aus Ostberliner Sicht.


     
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/ Sirene

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30 Jahre Goldrausch Künstlerinnenprojekt: Das renommierte feministische Projekt aus Berlin präsentiert seine Jahresausstellung; mit Arbeiten von 15 internationalen Künstlerinnen – mit Wohnsitz in Berlin und Wurzeln auf fast allen Kontinenten. Die Schau im Kunstraum Kreuzberg vereint Videofilme, Installationen, Malerei, Soundobjekte, Performances und Skulpturen. Die vielstimmigen Werke verhandeln persönliche und gesellschaftspolitische Fragen sowie Geschichte und Utopie, Mythen und Magie, Individualität und Gruppen. Sie dokumentieren belebte Dinge und Gefühle, die Auswirkungen des Anthropozäns auf Klima, Geografie und Mensch, das Leben in der digitalen Überwachung – und fragen danach, wie sich dies alles in Umwelt und Körpern manifestiert. Der Titel „Sirene“ erinnert an das Gerät, das einen akustischen Warnton ausstößt und Aufmerksamkeit für wichtige Informationen erzeugt, die für alle gleichermaßen relevant sind. Die Goldrausch-Sirene fordert: Vielstimmigkeit und die Überwindung von Ausschlussmechanismen im Kunstfeld.

Das Goldrausch Künstlerinnenprojekt ist ein Professionalisierungsprogramm. Das einjährige Kursprogramm vermittelt Hintergrundwissen, umfassende berufliche Sachkenntnis und erschließt Netzwerke. Das Ziel von Goldrausch ist nach wie vor Gleichberechtigung, aber diese ist noch lange nicht erreicht. Der deutsche Kulturrat kritisierte in diesem Jahr, dass der Gender Pay Gap 2019 in der Berufsgruppe Bildende Kunst bei 28 Prozent lag, unverändert seit der letzten Erhebung 2016. Je höher das Einkommen, desto höher der Pay Gap – für Künstlerinnen bedeutet geringere Marktpräsenz zugleich auch weniger Verkäufe zu niedrigeren Preisen. Das Phänomen der ungleichen Bezahlung beginnt früh in der Karriere: Eine Absolvent*innenstudie der Hochschule für bildende Künste Hamburg zeigt, dass Künstlerinnen sehr aktiv sind, zahlreicher als ihre männlichen Kollegen an Wettbewerben teilnehmen, diese auch gewinnen und außerdem auch häufiger ein Honorar und Budget aushandeln. Die Höhe eines Ausstellungshonorars allerdings ist im Mittel bei Männern mit 1.000 € doppelt so hoch wie bei Frauen.

Kuratorinnen: Surya Gied, Hannah Kruse

Mit den Künstler*innen: Yasmin Bassir, Chan Sook Choi, Solweig de Barry, Manja Ebert, Caterina Gobbi, Rosanna Graf, Mona Hermann, Emily Hunt, Sidsel Ladegaard, Gosia Lehmann, Julia Lübbecke, Silvia Noronha, Kristina Paustian, Eva Pedroza, Juliane Tübke

Künstlerinnenprojekt wird gefördert aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds und der Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung, Abteilung Frauen und Gleichstellung.


     
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/ "zurückGESCHAUT"

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Die Ausstellung "zurückGESCHAUT" ist das Ergebnis einer vom Bezirksmuseum Treptow-Köpenick initiierten und auf Nachhaltigkeit angelegten Kooperation mit der Initiativer Schwarze Menschen in Deutschland (ISD) und Berlin postkolonial e. V.

Bundesweit ist dabei erstmalig eine Dauerausstellung zur Geschichte von Kolonialismus, Rassismus und Schwarzem Widerstand erarbeitet worden.  Die Beteiligung Schwarzer Menschen hatte dabei nicht nur Einfluss auf Details , sondern war entscheidend für die Entwicklung des Ausstellungskonzeptes, die Auswahl der Bilder und das Verfassen der Ausstellungstexte.

Die Erste Deusche Kolonialausstellung fand als eigenständiger Teil der Berliner Gewerbeausstellung von 1896 im Treptower Park statt. Von der deutschen Kolonialwirtschaft initiiert, wurde sie mit Unterstützung des Auswärtigen Amtes zu einer aufwendigen Inszenierung des deutschen Kolonialstaates.

Im Mittelpunkt der Ersten Deutschen Kolonialausstellung und auch der Ausstellung "zurückGESCHAUT" standen und stehen die 106 in den deuschen Kolonien "angeworbenen" Kinder, Frauen und Männer. Einen Sommer lang mussten sie sich vom Publikum in Berlin anstarren lassen. Doch sie schauten auch aufmerksam zurück. Gemeinsam wehrten sie sich gegen die ihnen zugewiesene Rolle in der Kolonialausstellung und die Ungerechtigkeiten des Kolonialstaates.


     
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/ Käthe Kollwitz - Mit Händen sprechen

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Käthe Kollwitz verleiht in ihren Werken den Händen eine besondere Bedeutung. Sie stellt sie oft übermäßig groß dar, so dass sie das Bildmotiv dominieren. Anfassen, tasten, schützen, fordern, stützen, beten: Berührungen unterschiedlicher Art finden sich in ihren Darstellungen. Sie zeigen Geborgenheit und Liebe, oder aber künden von Leid und Gefahr.

Die Hand fand in der bildenden Kunst des öfteren Verwendung als Motiv. Zunächst war es anatomisches Interesse an diesem Wunderwerk der Natur, gefolgt von der Vorstellung, dass die Hand das Werkzeug des Künstlergenies sei, was sich zu surrealen Gestaltformen entwickeln konnte. Somit gehörte die Hand seit Jahrhunderten zu einem beliebten Darstellungsobjekt, als emotionales Bildelement wurde sie indes seltener verwendet. Bei Käthe Kollwitz wird sie zum zentralen Motiv.

Liebe, Geborgenheit, Schutz, Trauer, Angst – Im Leben von Käthe Kollwitz spielten Begegnungen und innige Beziehungen eine wichtige Rolle. Aus ihren Tagebucheintragungen erhalten wir oftmals Eindrücke, wie sie Nähe und Distanz erlebt hat. In ihren Werken beschäftigen sie gerade diese emotionalen Erfahrungen besonders intensiv. Dabei entstehen gefühlsstarke Bilderfindungen, die unabhängig von einem konkreten Erlebnis einen allgemeinen Gemütszustand wiedergeben. Als stärkstes Ausdrucksmittel wird dabei immer wieder die Hand verwendet, die sanft berührt oder kraftvoll fordert. Emotionen, wie Trauer, Resignation und Nachdenklichkeit werden durch Hände, die nicht selten das Gesicht verdecken, vermittelt. Durch die Lichtführung oder eine überproportionale Ausformung lenkt die Künstlerin den Blick des Betrachters auf das ihr so wichtige Motiv.

Derzeit ist physische Nähe aus unserem sozialen Leben fast vollständig verschwunden. Hände schütteln, umarmen, unter den Arm greifen, festhalten – eigentlich selbstverständliche Handlungen, die wir zurzeit nur selten wagen. Daher scheint es gerade jetzt ein guter Zeitpunkt zu sein, die Darstellung dieser Form der physischen Nähe in der Kunst genau anzuschauen. Das Werk von Käthe Kollwitz bietet eine Fülle von Ausdrucksmöglichkeiten, die es zu entdecken gilt. In ihren Bildern „sprechen“ die Hände und erzählen von großen Emotionen.

In über vierzig Arbeiten – Zeichnungen, Druckgrafiken und Plastiken – aus allen Schaffensperioden von Käthe Kollwitz folgt die Ausstellung diesem wichtigen Motiv.


     
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/ Postscriptum

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Die Ausstellung „Postscriptum – ‚Ostarbeiter´ im Deutschen Reich“ der Gesellschaft Memorial erinnert an die sowjetischen Frauen, Männer und Kinder, die während des Zweiten Weltkrieges Zwangsarbeit für das NS-Regime leisten mussten.

Die Nationalsozialisten verschleppten rund 8,4 Millionen Zivilistinnen und Zivilisten zur Zwangsarbeit in das Deutsche Reich. Die rund 3 Millionen Menschen aus der Sowjetunion – die „Ostarbeiter“ – bildeten unter ihnen die größte Gruppe. Die deutsche Kriegswirtschaft war auf diese Arbeitskräfte zwingend angewiesen. Zugleich bestanden die NS-Sicherheitsbehörden darauf, die slawischen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter konsequent aus der deutschen Gesellschaft auszuschließen. Gekennzeichnet mit dem Abzeichen „OST“ waren sie extrem schlechten Arbeits- und Lebensbedingungen ausgesetzt.


     
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Achmîm als eines der wichtigsten religiösen Zentren im Altertum / Achmîm

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Die Ausstellung ist der ältesten Stadt Ägyptens gewidmet und stellt ihre 6000jährige Geschichte in verschiedenen Themeninseln vor, die den Landschafts- und Lebensraum einer religiös, politisch und kulturell bedeutenden Region in all ihren Facetten widerspiegeln.

Die heute fast unbekannte Stadt war im Altertum eines der wichtigsten religiösen Zentren. Schon seit der Frühzeit lag hier der Hauptkultort des Fruchtbarkeitsgottes Min, der später mit dem griechischen Gott Pan gleichgesetzt wird. Sein in ptolemäischer Zeit errichteter Tempel war einer der größten in Ägypten und wurde bis zu seiner Zerstörung im 14. Jh. n. Chr. von den arabischen Historikern als eine Art Weltwunder beschrieben. Nicht weniger gerühmt wurde die Stadt für ihre Steinmetzkunst und textilen Erzeugnisse. Bis heute gilt Achmîm als Zentrum der handwerklichen Textilproduktion.

Mit der Stadt sind zahlreiche bekannte Persönlichkeiten eng verbunden. Beispielsweise stammten Teje, die Mutter Echnatons, Pharao Eje, der Alchemist Zosimus von Panopolis und der Dichter Nonnos aus Achmîm. In dessen Umgebung hat der berühmt-berüchtigte Abt Schenute in frühchristlicher Zeit einen florierenden Klosterverband gegründet. Die von ihm verfassten Regularien, beeinflussten die Ordensregeln des Heiligen Benedikt und werden bis heute befolgt.

Die lange Besiedlungsgeschichte der Stadt lässt sich unter anderem an den weitläufigen Nekropolen der Umgebung ablesen, in denen sich Gräber aus sechs Jahrtausenden mit einem reichen Schatz an Funden erhalten haben. Etliche befinden sich heute in den Sammlungen des Ägyptischen Museums und Papyrussammlung und der Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst und werden zum Teil erstmals ausgestellt.

Leihgaben aus dem In- und Ausland ergänzen die Sonderausstellung. Abgerundet wird die historische Darstellung durch einen Blick auf die 100jährige Forschungsgeschichte.

Eine Ausstellung des Ägyptischen Museums und Papyrussammlung und der Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst der Staatlichen Museen zu Berlin in Kooperation mit dem Fachbereich Ägyptologie der Universität Göttingen.

Achmîm als eines der wichtigsten religiösen Zentren im Altertum

     
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/ Voyage

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Das Reisen auf dem Papier kennt keine Beschränkungen, Beherbergungsverbote oder Risikogebiete. Umso entspannter macht man sich in dieser Kabinettausstellung auf den Spuren französischer Zeichner des 17. und 18. Jahrhunderts auf den Weg, um die unterschiedlichsten Orte in Nah und Fern zu entdecken: russische Landschaften ebenso wie die ewige Stadt oder ägyptische Tempel.

Künstler reisten nicht nur auf eigene Faust, sondern auch im akademischen Rahmen ihrer Ausbildung und begleiteten sogar Expeditionen. Nicht immer haben sie dabei mit ihrem Stift oder dem Pinsel in dokumentarischer Genauigkeit nur das festgehalten, was sie unterwegs sahen. Manch eine Ansicht ist auch inspiriert von künstlerischen Traditionen der Landschaftsdarstellung oder ihrer Phantasie.

Die etwa 20 Werke stellen eine kleine, aber feine Auswahl aus der insgesamt über 1000 Blätter französischer Zeichner umfassenden Sammlung des Kupferstichkabinetts dar, die zu den umfangreichsten und bedeutendsten außerhalb Frankreichs zählt. Wir treffen auf bekannte und weniger bekannte Künstler und auch auf einige Besonderheiten der Berliner Sammlung. Zum Teil handelt es sich dabei um Entdeckungen, die im Zuge des zweijährigen Forschungs- und Digitalisierungsprojekts „Die Französischen Zeichnungen des Kupferstichkabinetts“ gemacht wurden, das großzügig gefördert wurde von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und nun zu Ende geht.

Eine Kabinettausstellung des Kupferstichkabinetts in der Gemäldegalerie.


     
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1899 bis 1917: Grabung der Deutschen Orient-Gesellschaft in Babylon / Vom Fragment zum Monument

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Das Vorderasiatische Museum widmet sich in einer wissenschafts-historischen Kabinettausstellung im Pergamonmuseum einem der beliebtesten Wahrzeichen der Museumsinsel Berlin: dem Ischtar-Tor. Von der Grabung in Babylon (Irak) bis zur visionären Rekonstruktion in Berlin stellt die Sonderpräsentation die Herkunft des Ischtar-Tores in den Mittelpunkt und setzt die Grabungs-, Erwerbungs- und Museumsgeschichte in ihren historischen Kontext. 

Die Rekonstruktion des Ischtar-Tores im Pergamonmuseum fasziniert die Besucher*innen der Museumsinsel Berlin seit rund 90 Jahren. Der babylonische König Nebukadnezar II. (604–562 v. Chr.) errichtete die spektakuläre Toranlage in Babylon (Irak). Nach dem Untergang des babylonischen Reichs im späten 6. Jahrhundert v. Chr. zerfiel das Tor nach und nach, sodass sich bei der Ausgrabung in Babylon nur kleine Bruchstücke fanden. Aus diesen wurde dann ein Teil der Toranlage in Berlin rekonstruiert. Heute fragen sich viele Museumsbesucher*innen, wie es in das Vorderasiatische Museum in Berlin kam.

Die Ziegelfragmente für die Rekonstruktionen stammen aus der Grabung der Deutschen Orient-Gesellschaft von 1899 bis 1917 in Babylon. Während das Britische Empire und Frankreich bereits seit den 1840er-Jahren Grabungen im Osmanischen Reich durchführten und zahlreiche Fundstücke öffentlichkeitswirksam in die heimischen Museen brachten, hatte Deutschland bis dato keine große Grabung vorzuweisen und die Wissenschaft zunehmend das Gefühl, ins Hintertreffen zu geraten. Ab den 1890er-Jahren baute das noch junge Deutsche Reich unter Wilhelm II. seinen Einfluss im Nahen Osten aus und erhielt mit Babylon ein prestigeträchtiges Grabungsprojekt.

Von Anfang an war neben der wissenschaftlichen Erforschung Babylons der Erwerb von Ausstellungsstücken für die Berliner Museen Ziel der Ausgrabungen. Die Ziegelfragmente bekamen die Museen in zwei Fundteilungen mit Istanbul (1903) und Bagdad (1926) zugesprochen. In Berlin begann die mühevolle Arbeit der Restaurierung und Rekonstruktion. Zuerst wurden die Ziegelfragmente entsalzt, dann die Glasuren mit Wachs gefestigt und die Bruchstücke nach Motiven und Farben sortiert. Danach setzte eine Arbeitsgruppe aus bis zu 30 Personen innerhalb von nur zwei Jahren 72 Relieftiere zusammen. Ergänzt mit modernen Ziegeln wurden aus diesen Relieftieren das Ischtar-Tor, die Prozessionsstraße und die Thronsaalfassaden im Pergamonmuseum errichtet. Zur Eröffnung des Pergamonmuseums 1930 waren sie erstmals für das Publikum zu sehen.

Die Sonderpräsentation im Pergamonmuseum zeichnet den Weg des Ischtar-Tores von der Ausgrabung kleinster Glasurziegelfragmente im Bauschutt von Babylon bis zur visionären Rekonstruktion im Museum nach. Archäologisches Forschungsinteresse, imperiale Ambitionen des deutschen Kaiserreichs und die kreative Schaffenskraft der damaligen Ausgräber und Museumsmacher wirkten im Wiederaufbau des Ischtar-Tores in Berlin zusammen. Die Geschichte des Ischtar-Tores spiegelt daher zugleich die Geschichte dieser Zeit und die Geschichte des Vorderasiatischen Museums wider, dass 1899 gegründet wurde.

Mit diesen Gesichtspunkten ergänzt die Sonderpräsentation die aktuelle Dauerausstellung und trägt dem vermehrten Wissensbedürfnis der Besucher*innen nach der Herkunft der Ausstellungsstücke Rechnung. Ausgehend von Fragmenten glasierter Ziegel wird so die Wiedererschaffung des Ischtar-Tores nachvollziehbar, so wie sie durch historische Fotos und Rekonstruktionszeichnungen sowie Archivdokumente überliefert ist.

Die Ausstellung wird ermöglicht durch den Förderverein Freunde der Antike auf der Museumsinsel Berlin e.V. und Museum&Location.

1899 bis 1917: Grabung der Deutschen Orient-Gesellschaft in Babylon

     
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/ Björn Dahlem, Berta Fischer, Naum Gabo

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„Into Space“ thematisiert die Sehnsucht des Menschen nach dem Weltraum, nach Schwerelosigkeit, fernen Galaxien und den Glauben an bisher unfassbare Energien außerhalb unserer Wahrnehmung. Drei BildhauerInnen reflektieren die Schnittstellen zwischen Kunst und Wissenschaft über ein Jahrhundert hinweg und von Berlin aus. Nach der Ausstellung „Lynn Chadwick, Hans Uhlmann, Katja Strunz“, die 2019 im Haus am Waldsee dem Thema „Falte“ nachging, nehmen nun Björn Dahlem (*1974), Berta Fischer (*1973) und Naum Gabo (1890 – 1977) mit Installationen und Plastiken ein künstlerisches Gespräch über Raum und Zeit zwischen 1920 und 2020 auf.


     
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/ ON AIR

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Zwei Tage vor Weihnachten ertönt „Stille Nacht, heilige Nacht“ im Radio, intoniert von Klarinette, Harmonium, Streichinstrumenten und Klavier. Was heutzutage nichts Besonderes mehr ist, war vor rund 100 Jahren eine Sensation: Am 22. Dezember 1920 spielten Reichspostmitarbeitende der Hauptfunkstelle Königs Wusterhausen bei Berlin ein historisches Weihnachtskonzert – die erste öffentliche Rundfunkaussendung in Deutschland.

2020 jährt sich das historische Konzert zum 100. Mal. Die Ausstellung beleuchtet Erfolge, Brüche und Zukünfte des ersten elektronischen Massenmediums der Welt.

Eine Ausstellung im Museum für Kommunikation Berlin, gefördert von der Kulturstiftung der Länder. In Kooperation mit der Stiftung Deutsches Rundfunkarchiv und Deutschlandradio.

#100Jahre100Postings – Unser Countdown zu 100 Jahre Radio

Ein so bedeutendes Jubiläum wie der 100. Geburtstag des Radios will natürlich standesgemäß angekündigt werden. Auf Twitter, Facebook und Instagram können Sie daher einem ganz besonderen Countdown folgen.

Unter dem Hashtag #100Jahre100Postings schicken wir das ganze Jahr über 100 interessante Fakten rund um das Radio, Behind-the-scenes-Eindrücke von der Ausstellungsentwicklung und vieles mehr über den digitalen Äther zu Ihnen. Im Social Hub auf unserem Expotizer können Sie alle Postings verfolgen und sich bereits vorab über die Ausstellung informieren!


     
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/ Von Eva bis Greta

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Aus 2.500 Jahren begegnet uns die Weiblichkeit auf Münzen und Medaillen. Den ewigen anthropoiden Göttinnen werden alsbald lebendige Frauen zur Seite gestellt. Zwischen Ursprungsvorstellung und Aktualität – oder beispielsweise "Eva" und "Greta" – eröffnen sich zahlreiche Facetten und Themenfelder. Neben Berühmtheiten wie Kleopatra werden in der Sonderausstellung ganz unterschiedliche Bilder und Bedeutungen von Frauen, wie sie anhand von Münzen, aber vor allem durch Medaillen erfahrbar sind, beleuchtet.

Frauen begegnen uns dabei nicht nur als Dargestellte oder Auftraggeberin, sondern etwa auch als Gestalterin, Sammlerin oder Wissenschaftlerin. Die Schau präsentiert neben Beständen aus den Tresoren des Münzkabinetts insbesondere zwei Künstlereditionen, die eigens für diese Ausstellung angefertigt wurden. Die Arbeiten zum Jahresthema des Berliner Medailleurkreises treffen hierbei auf Beiträge aus der Auslobung des Nachwuchspreises für eine Kunstmedaille „Die Drei Grazien“. Die Ausstellung fragt, inwieweit Münzen und Medaillen durch andere Quellen geprägte Vorstellungen von Frauen in der Gesellschaft bestätigen oder herausfordern können.

Eine Sonderausstellung des Münzkabinetts in Kooperation mit der Numismatischen Gesellschaft zu Berlin e. V. und der Deutschen Gesellschaft für Medaillenkunst e. V.


     
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/ Generation 1975

9 Menschen aus Ost und West, die 1975 geboren sind, reden über ihre Erfahrungen mit der Teilung, dem Mauerfall und dem Zusammenwachsen. Sie kommen aus unterschiedlichen sozialen Verhältnissen und haben verschiedene politische Präferenzen. Sie stammen aus Brandenburg, Baden-Württemberg und beiden Teilen Berlins und haben zusammen einen breiten Schatz an Erinnerungen und Erfahrungen. Gemeinsam ist ihnen, dass sie 14 Jahre alt waren, als die Mauer fiel. Sie hatten schon Erfahrungen gemacht mit dem jeweiligen politischen System und sie erlebten den Mauerfall und den Transformationsprozess als Teenager in ihrer formativen Phase. Ihre Erinnerungen an das, was vor 1989 lag, sind immer noch frisch und sie sprechen darüber, weil sie frei von Verantwortung sind, sehr unbelastet.

Aus den umfangreichen Interviews mit diesen 9 auch heute noch jungen Frauen und Männern entstand eine Videoausstellung. In der Diskussion über das Vermächtnis der Teilung und des Transformationsprozesses, in der vielfach die seit 1989 diskutierten Argumente wiederholt werden, bieten die befragten Menschen pointierte Erin-nerungen, unverbrauchte Sichtweisen und erfrischend klare Standpunkte. Dabei ordnen die Befragten ihre Erfahrungen und Lebensverläufe in den Kontext der beiden politischen Sys-teme und der insbesondere im Osten auch chaotisch erfahrenen Phase des Zusammenwach-sens ein. Daraus entstand ein vielstimmiges Bild der Vergangenheit und Gegenwart des neu-en Deutschland.

Mit den Stimmen dieser Menschen, welche den Prozess des Umbruchs und der Neufindung in ihrem privaten Umfeld hautnah miterlebten und heute in der aktivsten Phase ihres Lebens stehen, eröffnet die Videoausstellung neue Perspektiven auf die Geschichte und die Gegenwart des Landes. Denn hier sprechen Menschen, die in den öffentlichen und medialen Debatten wenig gehört werden, deren Erfahrungen jedoch den Übergang zwischen Vergan-genheit und Zukunft besser verstehen lassen. Für die heutigen Diskussionen über die Chancen, Brüche und Verluste des Zusammenwachsens von Ost und West bilden sie eine unverzichtbare Ergänzung.


     
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/ Wohnverhältnisse

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1920 entstand Berlin in seinen heutigen Grenzen und die selbstständigen Städte Charlottenburg und Wilmersdorf wurden zu Berliner Bezirken. In den Jahrzehnten zuvor hatte sich ein Metropolenraum entwickelt, den soziale Unterschiede prägten. Die „Wohnungsfrage“ war eine der drängendsten Herausforderungen im großstädtischen Zusammenleben. Bereits um 1900 forderten Reformbewegungen und Sozialpolitiker umfassende Veränderungen der Wohnverhältnisse. Die Ausstellung nimmt Reformideen dieser Zeit und die Anfänge kommunaler Wohnungspolitik in Charlottenburg und Wilmersdorf in den Blick. Dabei zeigen die Positionen, Maßnahmen und Bauten in dieser Ausstellung: Ging es um Wohnverhältnisse, wurde auch soziale Ungleichheit in der Industriegesellschaft, kommunale Verantwortung für die Gesundheit der Bevölkerung und die Stellung von Frauen im öffentlichen Leben verhandelt.


     
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/ Immer wieder? Extreme Rechte und Gegenwehr in Berlin seit 1945

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Seit der Selbstenttarnung des NSU im Jahr 2011, den terroristischen Anschlägen von München, Halle und Hanau, dem Mord an Walter Lübcke und der massiven rassistischen Mobilisierung ist die extreme Rechte in der Bundesrepublik präsent wie nie zuvor. Tatsächlich ist sie jedoch kein neues Phänomen – auch nicht in Berlin. Die Ausstellung erzählt exemplarisch von acht Ereignissen, die unterschiedlichen Aktionsfeldern der extremen Rechten zuzuordnen sind sowie von dem gesellschaftlichen Widerstand dagegen.


     
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/ Oliver Thie. Die Wahrheit über den Ursprung der Welt

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Der Berliner Künstler Oliver Thie konserviert die Schatten von Gesteinen und lässt ihre lange Geschichte gegenwärtig werden.

Seit über zweihundert Jahren lagert im Berliner Museum für Naturkunde eine Sammlung von unscheinbaren grauen Basaltbrocken. Sie sind Zeugnisse einer im 18. Jahrhundert hitzig geführten Kontroverse über die Entstehung der Erde, dem sog. Basaltstreit. Oliver Thie hat sie im interdisziplinären Dialog mit Wissenschaftler_innen der Humboldt-Universität und des Museums für Naturkunde künstlerisch erforscht.

Indem Oliver Thie Aufzeichnungstechniken historischer Messinstrumente mit Schattenprojektionen verknüpfte, entwickelte er eine ganz eigene bildnerische Methode zur Fixierung von Schattenbildern. In einer Art „zeichnender Ausgrabung“, so Thie, werden die Schatten der Steine aus mit Ruß bedecktem Papier herausgearbeitet. Wie schwarze Häute schweben die konservierten Silhouetten nun vor der Wand und lassen sich bei vollem Licht betrachten. Aus den Schatten tritt eine Individualität hervor, die sonst in den unscheinbaren Steinen verborgen bleibt.


     
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/ "Wir kommen nicht mit leeren Händen"

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Wenige Tage vor Inkrafttreten des Groß-Berlin-Gesetzes betonte der Köpenicker Baustadtrat Hugo Kinzer, die Stadt komme „nicht mit leeren Händen“ in die neue Einheitsgemeinde. Damit bezog er sich auf große Forstflächen, das 1914 eingeweihte Krankenhaus und eine gut ausgebaute städtische Infrastruktur. Köpenick hatte schon im Mittelalter Stadtrecht erhalten und blickte 1920 bereits auf eine lange Geschichte der kommunalen Selbstverwaltung zurück. Vergleichsweise jung waren Landgemeinden wie Treptow, Adlershof oder Oberschöneweide, als sie nach Groß-Berlin „eingemeindet“ wurden. Doch kamen auch sie vor 100 Jahre keineswegs „mit leeren Händen“ nach Groß-Berlin. Sie waren von strategischer Bedeutung für die neue Stadtgemeinde und brachten ausgedehnte Wald- und Wasserflächen, Einrichtungen der Daseinsvorsorge und bedeutende Industriestandorte mit ein. So versorgte das Wasserwerk Friedrichshagen, am Ufer des Müggelsees gelegen, Berlin seit 1893 mit Trinkwasser. Mit der Ansiedlung der Allgemeinen Elektricitäts-Gesellschaft (AEG) wurde die Landgemeinde Oberschöneweide zu einem der wichtigsten Standorte von „Elektropolis“, der elektrifizierten Metropole.

Doch wie erlebten die Gemeinden im Südosten, vom urbanen Alt-Treptow bis zum ländlichen Schmöckwitz, die Zeit vor der Bildung von „Groß-Berlin“? Welche Haltungen nahmen die bis dahin selbstständigen Gemeinden in der Groß-Berlin-Frage ein? Über welche Ressourcen verfügten sie und auf welche Weise konnten sie von den Projekten und Einrichtungen der neuen Stadtgemeinde profitieren? Die Ausstellung richtet den Blick auf die 15 sehr unterschiedlichen Ortsteile des heutigen Bezirks Treptow-Köpenick und zeigt, wie die Verwaltungsreform von 1920 das Leben der Menschen veränderte.


     
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/ Xinyi Cheng

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Xinyi Cheng (* 1989 in Wuhan, lebt und arbeitet in Paris) wurde 2019 mit dem Baloise Kunst-Preis prämiert. Wie schon in den vergangenen beiden Ausgaben mit Sam Pulitzer und Lawrence Abu Hamdan ist diese Auszeichnung mit einem Ankauf der Baloise Group für die Sammlung der Nationalgalerie verbunden. In ihrer ersten institutionellen Einzelausstellung im Hamburger Bahnhof präsentiert Cheng rund 30 Gemälde, darunter eine Vielzahl neuer Werke sowie sechs Fotografien.

Zentral in Chengs künstlerischer Praxis ist die Malerei. In ihren Bildern stehen häufig Männerfiguren im Mittelpunkt. Neben Einzeldarstellungen zeigt sie ihre Modelle auch in Interaktion miteinander. Der Umraum bleibt zumeist unbestimmt und besteht häufig aus in sich strukturierten, einfarbigen Hintergründen. Dadurch treten die Körper der Figuren aus der Fläche hervor. Ihre Beziehung zueinander, die durch zärtliche Gesten und intime Momente, aber auch rätselhafte Tätigkeiten angedeutet wird, lässt Cheng dabei offen.

Begleitend zur Ausstellung erscheint eine Publikation im Wienand Verlag mit einem Text der Künstlerin sowie einem Essay von Sven Beckstette.

Die Ausstellung wird ermöglicht durch die Baloise Group.

Eine Sonderausstellung der Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin


     
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/ Ralf Marsault

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In den 1980er Jahren entwickelte sich West-Berlin zum Epizentrum sozialer Experimente gegen bürgerliche Lebensweisen. Aus vielen Teilen der Welt versammelten sich junge Menschen in Wagenburgen – Karawanenkolonien auf freien Flächen.
Mit seinen selbstbestimmten Lebensformen, seiner kulturellen und sprachlichen Vielfalt und seiner alternativen Musikszene eröffnete West-Berlin dem Fotografen Ralf Marsault neue Horizonte und die Möglichkeit, seine Serie „Fin de Siècle“ mit Porträts junger Anarchist*innen, Reisender und Punks in Paris oder London fortzusetzen. Seine Fotografien dokumentieren jedoch nicht die Wagenburgen als solche, sondern sie inszenieren eine neue Realität. Marsault reduziert dabei die Abgebildeten nicht auf ihr Erscheinungsbild, sondern gibt ihnen einen Raum zur Selbstdarstellung und integriert sie in bildliche Erzählungen. Seine Berliner Arbeiten erweitern die Bilder aus den anderen Städten, indem sie eine atemporale und atypische Vision eines Lebens an den Rändern der bürgerlichen Gesellschaft bieten.
Die Ausstellung zeigt eine Auswahl von 30 Porträts und Ansichten der Berliner Wagenburgen, die Ralf Marsault als visuelle Langzeitstudie angefertigt hat.
Kuratiert von Héléna Bastais.

Im Rahmen des Europäischen Monats der Photographie.

Aufgrund der Pandemie findet die Eröffnung NUR ONLINE statt.

Zu sehen am 15. Oktober um 19:00 Uhr bei Youtube:
https://youtu.be/dwyuRw5CVl4


     
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/ Moderne und Refugium

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Das Georg Kolbe Museum widmet seine Hauptausstellung der diesjährigen Herbstsaison dem herausragenden Bauwerk, welches das Ausstellungshaus seit seiner Gründung vor genau 70 Jahren beheimatet: dem ehemaligen Wohn- und Atelierhaus des Bildhauers Georg Kolbe. Für den einstigen Besitzer und Bauherrn, der als Künstler eine enge Beziehung zur sachlichen Architektur und ihren Protagonisten der 1920er-­Jahre pflegte, stand das Gebäude stets in direktem Bezug zu seinem bildhauerischen Schaffen. Anhand bislang ungesehenen Archivmaterials spürt die Ausstellung dem Zusammenspiel von Raum und Skulptur nach, welches Kolbe zeitlebens so wichtig war. Dabei gewährt sie Einblick in das Lebensumfeld des Künstlers, der seinen ikonischen Schaffens- und Rückzugsort in der Sensburger Allee seit den frühsten Entwurfsskizzen aktiv mitgestaltet hat.

In den späten 1920er-Jahren, der Bauzeit seines großzügigen Atelierhauses im Berliner Westend, befand sich der Bildhauer Georg Kolbe (1877-1947) auf dem Höhepunkt seines künstlerischen Erfolgs. Vertreten von den großen Galerien Cassierer und Flechtheim hatte er Käufer*innen auf der ganzen Welt und war in Berliner Künstlerkreisen bestens vernetzt. Nach dem frühen und unerwarteten Tod seiner Frau Benjamine sehnte er sich jedoch nach einem Rückzugs- und Schaffensort unweit ihres Grabes. So entstand die Sensburg, wie Kolbe selbst das kubische Backsteinensemble in der Sensburger Allee liebevoll nannte. Stadtnah und zugleich am Rande des Grunewalds gelegen, sollte die Architektur das fruchtbare Wechselspiel von Kunst, Natur und baulicher Form widerspiegeln, auf das der Künstler immer wieder gerne verwies.

Mit der sachlichen Baukunst seiner Zeit verband Georg Kolbe eine enge Beziehung. Im Rahmen seiner Zusammenarbeit mit Architekten wie Ludwig Mies van der Rohe, Bruno Taut, Hans Poelzig und Walter Gropius hatte der Bildhauer bereits früh aktiv Anteil am Diskurs um die Weiterentwicklung des Neuen Bauens genommen. Für die Realisierung seines eigenen maßgeschneiderten Wohnateliers verpflichtete er den Schweizer Architekten Ernst Rentsch, später den Bauhausschüler Paul Linder, und arbeitete in der Entwurfsphase aufs Engste mit beiden zusammen. Die gemeinschaftliche Gestaltungsarbeit profitierte sichtlich von Kolbes intensiver Auseinandersetzung mit der Beziehung von Skulptur und Raum.

Angebunden an den öffentlichen Nahverkehr, mit vollständiger Elektrifizierung, Telefonanschluss sowie voll ausgestatteten Bädern, entsprach der Backsteinbau im Westend Berlins den Ideen des modernen Wohnens und verkörperte dessen Definition eines neuen, schnörkellosen Lebenskomforts. Als Atelier erfüllte er zugleich alle Voraussetzungen, um exakt jene Arbeitsbedingungen zu schaffen, die Kolbe als Künstler suchte. Insbesondere die Blick- und Lichtführung wurde mit hoher Präzision angelegt, die luzide Verbindung von Innen- und Außenraum virtuos umgesetzt.

Mit seinen deckenhohen Fenstern öffnet sich der große Atelierraum zum Garten; ein komplexes Oberlicht führt neutrales Tageslicht zu; hohe Fensterbänder lenken gerahmte Blicke in die umgebende grüne Natur. Der 1935 angelegte, innenliegende Skulpturenhof weist Blickachsen auf, die dem Bildhauer erlaubten, die Wirkung seiner Arbeiten an öffentlichen Plätzen und Parkanlagen zu simulieren, für den er sie häufig schuf. Durch die Ziegelmauer, welche das gesamte Gelände umgibt, erlangt die Sensburg – kontrastierend zu ihrer lichten Atmosphäre – einen beinahe festungshaften Charakter. Als abgeschirmtes Refugium schützte sie den Künstler nicht zuletzt vor neugierigen Blicken und begünstigte seine Arbeit mit Modellen im Freien.

Vor genau 70 Jahren wurde Kolbes Künstleratelier der Öffentlichkeit zugänglich gemacht – als erstes nach dem Krieg neugegründetes Museum und einziges Berliner Künstlerhaus aus den 1920er-Jahren, dessen ursprüngliche Funktion sicht- und fühlbar geblieben ist. Bis heute strahlt der kubische Backsteinbau samt Skulpturengarten den modernen Geist seiner Entstehungszeit aus.

Die Ausstellung „Moderne und Refugium“ portraitiert Kolbes Sensburg im Spiegel ihrer reichen Geschichte. Von ersten Entwurfszeichnungen über die Bauphase bis hin zur privaten und schließlich öffentlichen Nutzung versammelt sie eine Vielzahl mitunter ungesehener Zeitdokumente, die den Künstler als einflussreichen und kreativen Bauherrn und zugleich in seinem privatesten Nukleus zeigen. Umgeben von Familie, Freundinnen und Freunden, sowie seinen Hunden und Katzen wird Kolbe als Mensch mit Facetten sichtbar, die bislang unter der öffentlichen Rolle und ihren Zuschreibungen verborgen blieben. Ein wesentlicher Teil der gezeigten Materialien entstammt dem Nachlass seiner Enkelin, der erst in diesem Jahr nach Berlin kam und aktuell im Museum erschlossen wird.

Eine ausführliche, reich bebilderte Publikation zur Ausstellung erscheint im November 2020.

Zeitgleich zur Ausstellung „Moderne und Refugium – Georg Kolbes Sensburg als Architekturdenkmal der 1920er-Jahre“ zeigt das Museum Keramiken des japanischen Künstlers Shinichi Sawada.


     
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/ Beletage & Zuckerwatte

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Die neue Präsentation im Foto-Grafischen Kabinett der Dauerausstellung BerlinZEIT im Märkischen Museum setzt zwei Bildnis-Serien des Berliner Fotografen in den Dialog: „Beletage“ und „Neuköllner Maientage“, inszenierte Portraits in Farbe und Momentaufnahmen in Schwarz-Weiß.

„Beletage“ stellt Menschen in ihrer privaten Wohnung als unmittelbares Lebensumfeld und Ausdruck gelebter Individualität vor. Die Serie bietet sensible Ansichten der und Einsichten in die Mittelklasse der Berliner Bevölkerung, von hilfebedürftigen Rentnern über berufstätige Eltern bis hin zu Besitzerinnen stilvollen Wohneigentums.

In den Beobachtungen von Menschen auf dem Volksfest „Neuköllner Maientage“ in der Hasenheide nutzt Nickel hingegen die intuitiven Möglichkeiten der Straßenfotografie. Kern seines Interesses sind hier vor allem Augenblicke von Konzentration, Faszination, oft auch der Entrückung. Es sind Momente voller Poesie, die sich beim Betrachten übertragen und zugleich den Blick auf die sozialen und kulturellen Hintergründe der Besucherinnen und Besucher des Festes freigeben. So wird die vielbeschworene „Berliner Mischung“ in Nickels schlüssig entwickelten Bildserien sichtbar.

Eine Präsentation im Rahmen des European Month of Photography Berlin (EMOP) 2020. Erworben aus Mitteln der Deutschen Klassenlotterie Berlin von der Kulturverwaltung des Berliner Senats, 2016

Über Lars Nickel
Kurzbiografie: Geboren 1969 in Berlin, seit 1986 autodidaktische Beschäftigung mit künstlerischer Fotografie, 1990er Jahre ausgedehnte Foto-Reisen durch West- und Osteuropa, USA, Mexiko, Guatemala. Ausbildung zum Mediengestalter, 2003 Studium an der Fotoschule „Fotografie am Schiffbauerdamm“ (fas) bei Arno Fischer. Selbstverständnis: künstlerischer Dokumentar. Immer wieder Hinwendung zum Genre Portrait.

Projekte: Situation in deutschen Altenpflegeheimen (2002); Westernstadt Old Texas Town, Berlin (2004); Grenzprobleme im Osteuropäischen Raum (2005); Ehemalige Kriegsgefangene und Kriegsgefangenenlager in Deutschland (2007). 2014 Abschluss „Beletage“ mit Buch im Verlag Edition Braus. Die Serie „Neuköllner Maientage“ aus dem Jahr 2004 wird im Märkischen Museum erstmals öffentlich gezeigt.


     
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/ Der proletarische Blick. Blackbox #9

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Im Rahmen des EMOP Berlin – European Month of Photography 2020 Berlin

Aufmerksam beobachtete Szenen, in Eile und meist heimlich fotografiert, technisch nicht immer makellos, jedoch inhaltlich hoch brisant – das sind die Schwarz-Weiß-Aufnahmen von Kurt Pfannschmidt (1900–1987), Ernst Thormann (1905–1984) und Richard Woike (1901–1976).

Auf ausgiebigen Foto-Streifzügen dokumentierten die aus der Arbeiterschaft stammenden Amateurfotografen ihre prekäre Lebenswelt. Ihr Anliegen war es, die Arbeiterbewegung durch aussagekräftiges Bildmaterial für die Berichterstattung zu unterstützen. Begeistert von der Technik der Fotografie und dem gemeinsamen Kampf für die Rechte und die Sichtbarkeit der Benachteiligten investieren sie und eine Reihe weiterer Arbeiterfotografen in kostspielige Fotoausrüstung und begeben sich auf ausgiebige Foto-Streifzüge. Dabei entstehen einmalige historische Aufnahmen: Ernst Thormann zeigt die Straßen von Berlin-Neukölln und den jüdischen Alltag im historischen Scheunenviertel in Berlin-Mitte, Richard Woike fotografiert Bilder der Armut und Kurt Pfannschmidts Aufnahmen präsentieren sein Umfeld als Arbeitersportler und KPD-Mitglied in Leipzig.


     
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/ A wie Advent, Z wie Zoff

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Was haben das Erzgebirge, Rovaniemi am finnischen Polarkreis und Yiwu in China gemeinsam? Sie alle leben von Weihnachten! Weihnachten hat als saisonales Fest einen beispiellosen Siegeszug angetreten und wird heute auf der ganzen Welt gefeiert – egal, ob christlich oder nicht.

Jenseits der religiösen Botschaft sind es vor allem die besondere Stimmung, der Familienbezug sowie der Konsum-Aspekt des Festes, die vielerorts anschlussfähig sind. Als „Fest der Liebe“ erzeugt es gleichzeitig hohe Erwartungshaltungen – und damit auch Enttäuschungen. Weihnachten führt ebenso zu Ausschlüssen – von denjenigen, die an Weihnachten allein sind, sich kein Festessen und keine Geschenke leisten können oder es aus religiösen oder kulturellen Gründen nicht feiern. Zudem lassen sich anhand des Weihnachtsfests verschiedene gesellschaftliche Konfliktfelder wie unter einem Brennglas untersuchen, so zum Beispiel die Debatten um Rassismus, die sich schon seit vielen Jahren am Zwarte Piet-Begleiter des Sinterklaas in den Niederlanden entzünden.

In einem Mix aus Objekten aus der Sammlung des MEK, Fotografien, Musik und Film umkreist die Sonderausstellung entlang des Alphabets Helles und Dunkles, Popkultur und Hochamt, Protest und Humor rund um Weihnachten. Typisch weihnachtliche Dinge wie Adventskalender und Pyramiden stehen neben aktuellen Musikvideos, Hollywood-Filmen und Selfies: Sie beleuchten so unterschiedliche Themen wie N wie Nachhaltigkeit am Beispiel der Weihnachtsproduktion in der chinesischen Großstadt Yiwu, F wie Fernsehen als ritualisierte familiäre Festtagspraxis oder auch T wie Tradition, die ganz unterschiedlich gelebt werden kann. 


     
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/ Neu in Szene

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Diese neu konzipierte und überarbeitete Dauerausstellung stellt Friedrich den Großen (1712–1786) als Bauherrn des Neuen Flügels in den Mittelpunkt und präsentiert den bedeutenden Monarchen der preußisch-deutschen und europäischen Geschichte jenseits der gängigen Klischees. Ermöglicht wird das Projekt durch die großzügige Förderung der Deutschen Klassenlotterie Berlin (DKLB) und der Freunde der Preußischen Schlösser und Gärten e.V.

Die Besucherinnen und Besucher werden in jedem der 16 Räume des Obergeschosses eine andere Facette des Königs kennenlernen. So wird die Funktion Charlottenburgs als Ort höfischer Feste verdeutlicht, die teils problematischen Beziehungen des Monarchen zu seinen Hofkünstlerinnen und Hofkünstlern werden diskutiert und es wird erklärt, wie und von wem das Bild vom sparsamen und aufopferungsvollen Monarchen eigentlich in die Welt gesetzt worden ist. Zudem kann der Frage nachgegangen werden, wie der König seine Kunstankäufe eigentlich tätigte. Ein Thema soll aber auch die Fotodokumentation aller Deckengemälde Antoine Pesnes (1683–1757) sein, die zwei Wochen vor deren endgültiger Zerstörung im Winter 1943 abgeschlossen wurde.

Nur zwei Monate nachdem Friedrich der Große den Thron bestiegen hatte, ließ er den Grundstein für den ersten Schlossbau seiner Regierungszeit legen: den Neuen Flügel in Charlottenburg. Unter der Federführung von Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff (1699–1753) entstanden dort Wohnungen für den jungen König und seine Frau Elisabeth Christine (1715–1797), vor allem aber auch zwei neue Festsäle, da Friedrich den Neuen Flügel in erster Linie für Familienfeiern nutzte. Vor allem anlässlich der Hochzeiten seiner Geschwister, Nichten und Neffen richtete der König in Charlottenburg große Feiern aus.

Nach den schweren Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg und dem Wiederaufbau entschied man sich zu einer Rekonstruktion der meisten dieser friderizianischen Innenräume. Während sich von den hochkarätigen Gemälden, mit denen Friedrich vor allem das Konzertzimmer und die Gris-de-Lin-Kammer ausstatten ließ, ein wichtiger Teil erhalten hat, wurden sämtliche Möbel aus friderizianischer Zeit jedoch schon im 19. Jahrhundert aus Charlottenburg entfernt. Damit diese Interieurs dennoch wieder für die Besucherinnen und Besucher erlebbar werden, erfolgt die Ausstattung mit erhaltenen Möbeln, die Friedrich für das im Zweiten Weltkrieg ebenfalls schwer beschädigte und anschließend abgetragene Potsdamer Stadtschloss in Auftrag gegeben hatte. Diese entstanden zwischen 1745 und 1747 und damit zur gleichen Zeit, in der die zweite Wohnung des Königs im Neuen Flügel eingerichtet wurde. Auch in ihrer Funktion entsprachen sich die Räume der Friedrichwohnungen in Charlottenburg und Potsdam vollständig. Gleichzeitig werden die meisten Gemälde, die zur friderizianischen Originalausstattung gehören, nun wieder in den Räumen zu sehen sein, in denen sie sich nachweislich von Anfang an befanden. Für Besucherinnen und Besucher eröffnet sich damit ein „Seherlebnis“, das der Situation des 18. Jahrhunderts weitgehend entspricht und einen Eindruck friderizianischer Hofkultur vermittelt.

Die grundsätzliche Überarbeitung der Rokoko-Räume ist neben den bereits vor einem Jahr eröffneten Räumen zur Dynastiegeschichte der Hohenzollern Resultat des Projekts „Charlottenburg 2030“, das die erste vollständige und übergreifende museale Neukonzeption des Schlosses seit dem Wiederaufbau umfasst.


     
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/ Luigi Colani und der Jugendstil

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„Das Bauhaus ist out!“ stellte Luigi Colani fest und forderte stattdessen 1977 die „Renaissance des Jugendstils“. Luigi Colani (1928-2019), gebürtiger Berliner, geniales Multitalent und Superstar der Selbstinszenierung, zettelte damit eine Revolution im deutschen Design an. Er war eine der facettenreichsten Designerpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts und ist nur schwer in seiner Gesamtheit zu fassen. Der streitbare Student der Berliner Hochschule der Künste und Absolvent der Pariser Sorbonne schrieb mit seinen visionären Ideen und biomorphen Formen Design-Geschichte. Die Natur war dabei seine wichtigste Inspirationsquelle, was den Querdenker mit dem Jugendstil verband.

Colani sorgte in den 1960er Jahren auch deshalb für eine Revolution im deutschen Design, weil er sich selbst und seinen Namen zur Marke machte. Er nutzte die Möglichkeiten des neuen Materials Kunststoff zu außergewöhnlichen und futuristischen Formen. Oft knüpft er dabei an florale und organische Formen des Jugendstils an, dessen grundlegende Ideen und Konzepte er weiterentwickeln wollte.

In der Ausstellung im Bröhan-Museum werden seine Entwürfe den Jugendstilobjekten der eigenen Sammlung gegenübergestellt. Die floralen Objekte aus der Zeit des Jugendstils und die Werke Colanis stehen für den Traum von einer besseren Welt.


     
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/ Palast der Republik

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30 Jahre nach seiner Schließung am 19. September 1990 zeigt das DDR Museum die Geschichte des Palasts der Republik sowie seines Standorts in einer neuen kleinen Sonderausstellung vom 24. September 2020 bis zum 5. April 2021 im Foyer des Museums. Der Eintritt zur Sonderausstellung ist kostenfrei.

»Kein Ort in Berlin hat in den letzten Jahrzehnten so radikale Umbrüche und Neubewertungen erfahren wie das Areal, auf dem der Palast der Republik stand. Das 1976 eröffnete Bauwerk sollte anstelle des 1950 gesprengten Schlosses der Hohenzollern die DDR repräsentieren. Der Palast mit der Volkskammer war das Zentrum der Staatsmacht, gleichzeitig aber auch ein Palast des Volkes,« so Sören Marotz, der die Ausstellung zusammen mit Dr. Stefan Wolle kuratierte.

Die kleine Sonderausstellung gibt Einblick in wichtige Ereignisse des wechselhaften und viel diskutierten Ortes von der Sprengung des Berliner Stadtschlosses 1950 über die Nutzung sowie Bedeutung des Palasts der Republik bis hin zur geplanten Eröffnung des Humboldt Forums im Berliner Stadtschloss.


     
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/ Felicity Hammond

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Lächelnd und riesig groß blickt uns die perfekt gestylte Singlefrau der Zukunft an. Ihr lichtdurchflutetes Luxusapartment in einem Hochhaus thront über einem futuristischen City-Panorama. Auch wenn wir uns längst an derartige Maxi-Werbeflächen im öffentlichen Raum gewöhnt haben, spielen diese Bilder geschickt mit unseren Sehnsüchten nach einem glänzenden urbanen Leben. In der Arbeit der britischen Künstlerin Felicity Hammond (*1988) trifft das selbstbewusste Versprechen der Immobilienunternehmen allerdings auf postindustrielle Szenerien aus Autoreifen und Bauschutt einer Großbaustelle – offensichtlich liegen beim Städtebau Utopie und Dystopie ganz nah beieinander.

Mit der Ausstellung Remains in Development präsentiert C/O Berlin Felicity Hammonds erste Einzelschau in Deutschland. Sie basiert auf der Monografie Property (2019) und übersetzt erstmals Elemente des Buches in die Dreidimensionalität. Dabei bringt Hammond zentrale Arbeiten ihres künstlerischen Werks in einer neuen Konstellation zusammen: Collagen und skulpturale Objekte sind gemeinsam mit einer Installation zu sehen, die das aus der Film- und Fototechnik bekannte Verfahren des Chroma Keyings thematisiert, das für die Freistellung von Hintergründen für Werbeprospekte oder Plakate verwendet wird. Ergänzend zur Ausstellung bei C/O Berlin hat die Künstlerin ihre Bildmotive auf Werbesäulen übertragen und bringt sie so zurück in die Stadt. Diese fünf Objekte sind beim B-Part Am Gleisdreieck, vor dem Kühlhaus Berlin in der Luckenwalder Straße sowie vor dem Amerika Haus zu sehen.


     
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/ Michael Danner

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Wie in einer Postkartenlandschaft versinkt die Sonne im Meer, am Strand wird eine Wassermelone angerichtet, golden glitzert eine Decke in der Sommerhitze. Doch Michael Danners Fotografien brechen mit unseren Klischees und Erwartungen an einen Aufenthalt im Mittelmeerraum. Fast unmerklich überschreiben sie die allbekannte Urlaubsidylle, um das bedrohliche Szenario einer humanitären Katastrophe hervorzukehren: Die Geflüchteten des 21. Jahrhunderts erleben unsere Ferienträume an den Küsten von Griechenland, Marokko oder Tunesien als Konfrontation mit Bedrohung, Untergang und Tod. Danners Langzeitprojekt (2008–2017) mit dem vordergründig provokanten Titel Migration as Avant-Garde ist ein Gegenentwurf zur klassischen Erzählung der Nachrichtenbilder. Anstatt nur zu informieren oder bewusst zu schockieren, eröffnet Michael Danner (*1967) einen visuellen Dialog über eines der ältesten Phänomene der Menschheit: Die Bewegung von einem Ort zum anderen.

C/O Berlin präsentiert das Projekt, für das Michael Danner 2018 mit dem Dummy Award des Kasseler Fotobookfestivals ausgezeichnet wurde, weltweit erstmals in Form einer institutionellen Ausstellung. Das auf Schichtung und Collage basierende komplexe Buchdesign wird durch die Kuration von Dr. Kathrin Schönegg in Form von gerahmten Fotografien, Projektionen und gestalteten Textfragmenten in den Raum übersetzt.


     
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/ Harald Hauswald

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Harald Hauswalds Bilder sind voller Sympathie für das fotografierte Objekt und die Menschen vor seiner Kamera. Es sind Bilder von der Eintönigkeit, aber auch von der Langsamkeit des Lebens in der DDR, Zeugnisse einer abgeschotteten und eingeschlossenen Welt kurz vor ihrem Untergang. Entgegen dem vorherrschenden Bild des Westens über den Osten Deutschlands, dominiert von SED und FDJ, Mauer und Stacheldraht, Aufmärschen und Militärparaden, liefert Harald Hauswald (*1954) eindringliche und einmalige Momentaufnahmen und Zeugnisse des sozialistischen Alltags, insbesondere der Entwicklung des Ostberliner Stadtraums und des Wirkens oppositioneller Gruppen, von Künstler*innen sowie verschiedenen Jugendkulturen. Hauswalds Fotografien dokumentieren nicht einfach nur das Zusammenleben der Menschen in der DDR, sondern sie visualisieren Erinnerungen deutsch-deutscher Geschichte ebenso wie die Herausforderungen des Systemwandels im wiedervereinten Deutschland. Die von Felix Hoffmann in Zusammenarbeit mit Ute Mahler und Laura Benz kuratierte Ausstellung Harald Hauswald . Voll das Leben! ist mit rund 250 zwischen Ende der 1970er- bis Mitte der 1990er-Jahre entstandenen Fotografien die erste große Retrospektive des Gründungsmitglieds der Berliner Fotografenagentur OSTKREUZ.


     
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/ Nahaufnahme Ostdeutschland

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Es ist Anfang der 1990er Jahre in Ostdeutschland, die Phase der großen Veränderungen nach dem Fall der Mauer. Der 30-jährige Ost-Berliner Fotograf Jürgen Hohmuth dokumentiert diese Umbruchszeit. Er bereist Dörfer und Städte und fotografiert die erlangten Freiheiten, die neuen Konsummöglichkeiten, aber auch den Stillstand in vielen Betrieben.

Ein Kind auf dem Fahrrad, junge Männer in einem verbeulten Auto, Schriftzüge an Hausfassaden: Augenblicke, wie sie uns fast immer und überall begegnen können. Diese gewöhnlichen Szenen lassen die Zeiten tiefgreifender Umbrüche nur erahnen. Mit seiner Kamera blickt Jürgen Hohmuth auf die Spuren des Wandels im Spiegel des Alltäglichen. Er hält die fundamentalen Veränderungen im öffentlichen Leben, der Arbeitswelt und des Familienlebens mit seiner Kamera fest.

Ob in Angermünde, Berlin, Halle-Neustadt oder Leipzig: Sein Werk vermittelt ein tiefes Gespür für die Alltagsstimmung in Ostdeutschland und gleicht einem kollektiven Fotoalbum. Es konfrontiert uns auch heute noch mit der Frage: Gibt es Normalität in Zeiten radikaler Veränderung?

Diese Fotografien von Jürgen Hohmuth werden erstmalig in einer Ausstellung präsentiert. Ergänzt werden die Bilder durch eine Audiospur mit den Erinnerungen an die Umbruchszeit von ostdeutschen Schriftstellerinnen und Schriftstellern, darunter Peter Richter, Kathrin Schmidt und Ingo Schulze. Die Audiospur kann per Smartphone im hauseigenen W-LAN abgerufen werden.


     
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/ Der kalte Blick

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Ende 1941 entwickelten zwei Wiener Wissenschaftlerinnen ein Projekt zur »Erforschung typischer Ostjuden«. Mit »kaltem Blick« fotografierten sie im März 1942 in der deutsch besetzten polnischen Stadt Tarnów mehr als hundert jüdische Familien, insgesamt 565 Männer, Frauen und Kinder. Von diesen überlebten nur 26 den Holocaust und konnten später davon berichten. Erhalten geblieben sind die Bilder und Kurzbiografien der Ermordeten. Die Ausstellung dokumentiert zum einen das ehrgeizige Vorgehen der beiden Wissenschaftlerinnen. Zum anderen erzählt sie vom Leben der Juden in Tarnów vor 1939 und von deren Ermordung unter deutscher Herrschaft – exemplarisch für die Verfolgung und Vernichtung hunderter jüdischer Gemeinden in dem von Deutschen beherrschten und terrorisierten Polen.

Eine Ausstellung des Naturhistorischen Museums Wien, der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas und der Stiftung Topographie des Terrors


     
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/ Ideal und Form. Skulpturen des 19. Jahrhunderts aus der Sammlung der Nationalgalerie

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Die Ausstellung „Ideal und Form“ zeichnet mit Skulpturen und Plastiken von der Schinkelzeit bis zum Kaiserreich die Entwicklungslinien des langen 19. Jahrhunderts in die Moderne nach und lädt ein, die seinerzeit bereits international ausgerichtete Berliner Bildhauerschule neu zu entdecken.

Die von Karl Friedrich Schinkel geplante und in den Jahren 1824 bis 1830 erbaute Friedrichswerdersche Kirche ist seit 1987 Museumskirche und zugleich Dependance der Alten Nationalgalerie. Sie bietet die einzigartige Möglichkeit, Skulpturen des 19. Jahrhunderts in einer noch weitestgehend original erhaltenen Architektur aus eben jener Zeit zu erleben – und das bei wechselndem Licht immer wieder neu. Als die umfassendste Sammlung skulpturaler Kunst des 19. Jahrhunderts nimmt der Skulpturenbestand der Nationalgalerie eine herausragende Stellung innerhalb der deutschen Museumslandschaft ein.


     
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/ Amelie von Wulffen

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Mit der Einzelausstellung von Amelie von Wulffen (*1966, DE) widmen sich die KW Institute for Contemporary Art einer Berliner Künstlerin, die sich schon lange international als eine der wichtigsten deutschen Maler*innen etabliert hat. Die Ausstellung in den KW stellt die erste institutionelle Einzelausstellung der Künstlerin in Berlin dar und präsentiert neben einer Auswahl bereits existierender Arbeiten eine umfassende Gruppe an Neuproduktionen.

Seit den 1990er Jahren hat Amelie von Wulffen ein komplexes und eigenwilliges Werk entwickelt, das Fragen nach den historischen, ökonomischen und sozialen Bedingungen von Malerei aufwirft und dabei in einem hohen Maße selbstreflexiv vorgeht. Dies erstreckt sich auch auf die Figur der Künstlerin selbst, die immer wieder in unterschiedlicher Gestalt in ihren Arbeiten auftaucht und dabei oft ihre persönliche Familienchronik mit nationaler Geschichte und existentiellen Fragen nach einem kulturellen und spezifisch deutschen Erbe verbindet. In von Wulffens Bildern werden ästhetische Widersprüche gezielt kontrastiert und verschiedene Malstile der Kunstgeschichte und der Hobbykunst miteinander verwoben, womit deren assoziatives Gewicht lustvoll neu besetzt wird. Ihr Werk erscheint vor diesem Hintergrund wie eine Meta-Reflexion der ästhetischen Widersprüche im Nachkriegsdeutschland und gegenwärtiger Pop- und Politkultur, in die die Künstlerin auch kunstgewerbliche Zitate wie Möbel und architektonische Versatzstücke miteinbezieht.

Wie schon frühere Bildzyklen von Wulffens handeln auch ihre neuen Bilder von den teils abgründigen Dimensionen von Familie als einem Ort, an dem neben Liebe und Kultur auch bleierne Probleme und Verdrängtes weitergegeben werden. Besonders emotional werden diese Arbeiten dadurch, dass die Dimension des Abschieds von den Eltern hinzutritt. In einer szenographischen, gemalten Genreinstallation werden neue Kleinskulpturen platziert – eine Art dramatische Wunderkammer verhandelt das Verhältnis von Mensch und Natur, das auch in Zeiten der totalen Umweltzerstörung noch von romantischen Landschafts- und Naturprojektionen bestimmt wird. Begleitet werden diese neuen Arbeiten von ausgewählten existierenden Malereien, Zeichnungen, Möbeln, Skulpturen und Filmen der Künstlerin.

Kuratorin: Anna Gritz
Assistenzkuratorin: Kathrin Bentele


Die Ausstellung von Amelie von Wulffen wird von der Senatsverwaltung für Kultur und Europa gefördert.