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/ "Wir kommen nicht mit leeren Händen"

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Wenige Tage vor Inkrafttreten des Groß-Berlin-Gesetzes betonte der Köpenicker Baustadtrat Hugo Kinzer, die Stadt komme „nicht mit leeren Händen“ in die neue Einheitsgemeinde. Damit bezog er sich auf große Forstflächen, das 1914 eingeweihte Krankenhaus und eine gut ausgebaute städtische Infrastruktur. Köpenick hatte schon im Mittelalter Stadtrecht erhalten und blickte 1920 bereits auf eine lange Geschichte der kommunalen Selbstverwaltung zurück. Vergleichsweise jung waren Landgemeinden wie Treptow, Adlershof oder Oberschöneweide, als sie nach Groß-Berlin „eingemeindet“ wurden. Doch kamen auch sie vor 100 Jahre keineswegs „mit leeren Händen“ nach Groß-Berlin. Sie waren von strategischer Bedeutung für die neue Stadtgemeinde und brachten ausgedehnte Wald- und Wasserflächen, Einrichtungen der Daseinsvorsorge und bedeutende Industriestandorte mit ein. So versorgte das Wasserwerk Friedrichshagen, am Ufer des Müggelsees gelegen, Berlin seit 1893 mit Trinkwasser. Mit der Ansiedlung der Allgemeinen Elektricitäts-Gesellschaft (AEG) wurde die Landgemeinde Oberschöneweide zu einem der wichtigsten Standorte von „Elektropolis“, der elektrifizierten Metropole.

Doch wie erlebten die Gemeinden im Südosten, vom urbanen Alt-Treptow bis zum ländlichen Schmöckwitz, die Zeit vor der Bildung von „Groß-Berlin“? Welche Haltungen nahmen die bis dahin selbstständigen Gemeinden in der Groß-Berlin-Frage ein? Über welche Ressourcen verfügten sie und auf welche Weise konnten sie von den Projekten und Einrichtungen der neuen Stadtgemeinde profitieren? Die Ausstellung richtet den Blick auf die 15 sehr unterschiedlichen Ortsteile des heutigen Bezirks Treptow-Köpenick und zeigt, wie die Verwaltungsreform von 1920 das Leben der Menschen veränderte.


     
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/ Baloise 2019 Xinyi Cheng

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Xinyi Cheng (* 1989 in Wuhan, lebt und arbeitet in Paris) wurde 2019 mit dem Baloise Kunst-Preis ausgezeichnet. Zentral in Chengs künstlerischer Praxis ist die Malerei. In ihren Bildern stehen häufig Männerfiguren im Mittelpunkt. Neben Porträts zeigt sie ihre Modelle auch in Interaktion miteinander. Der Umraum bleibt zumeist unbestimmt und besteht häufig aus in sich strukturierten, einfarbigen Flächen. Dadurch werden die Körper der Dargestellten hervorgehoben. Ihre Beziehung zueinander, die durch zärtliche Gesten und intime Momente, aber auch rätselhafte Tätigkeiten angedeutet wird, lässt Cheng dabei offen. In ihrer ersten institutionellen Einzelausstellung präsentiert Cheng eine Reihe von neuen Gemälden.

Die Ausstellung wird ermöglicht durch die Baloise Group.


     
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/ Ralf Marsault

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In den 1980er Jahren entwickelte sich West-Berlin zum Epizentrum sozialer Experimente gegen bürgerliche Lebensweisen. Aus vielen Teilen der Welt versammelten sich junge Menschen in Wagenburgen – Karawanenkolonien auf freien Flächen.
Mit seinen selbstbestimmten Lebensformen, seiner kulturellen und sprachlichen Vielfalt und seiner alternativen Musikszene eröffnete West-Berlin dem Fotografen Ralf Marsault neue Horizonte und die Möglichkeit, seine Serie „Fin de Siècle“ mit Porträts junger Anarchist*innen, Reisender und Punks in Paris oder London fortzusetzen. Seine Fotografien dokumentieren jedoch nicht die Wagenburgen als solche, sondern sie inszenieren eine neue Realität. Marsault reduziert dabei die Abgebildeten nicht auf ihr Erscheinungsbild, sondern gibt ihnen einen Raum zur Selbstdarstellung und integriert sie in bildliche Erzählungen. Seine Berliner Arbeiten erweitern die Bilder aus den anderen Städten, indem sie eine atemporale und atypische Vision eines Lebens an den Rändern der bürgerlichen Gesellschaft bieten.
Die Ausstellung zeigt eine Auswahl von 30 Porträts und Ansichten der Berliner Wagenburgen, die Ralf Marsault als visuelle Langzeitstudie angefertigt hat.
Kuratiert von Héléna Bastais.

Im Rahmen des Europäischen Monats der Photographie.


     
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/ Moderne und Refugium

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Das Georg Kolbe Museum widmet seine Hauptausstellung der diesjährigen Herbstsaison dem herausragenden Bauwerk, welches das Ausstellungshaus seit seiner Gründung vor genau 70 Jahren beheimatet: dem ehemaligen Wohn- und Atelierhaus des Bildhauers Georg Kolbe. Für den einstigen Besitzer und Bauherrn, der als Künstler eine enge Beziehung zur sachlichen Architektur und ihren Protagonisten der 1920er-­Jahre pflegte, stand das Gebäude stets in direktem Bezug zu seinem bildhauerischen Schaffen. Anhand bislang ungesehenen Archivmaterials spürt die Ausstellung dem Zusammenspiel von Raum und Skulptur nach, welches Kolbe zeitlebens so wichtig war. Dabei gewährt sie Einblick in das Lebensumfeld des Künstlers, der seinen ikonischen Schaffens- und Rückzugsort in der Sensburger Allee seit den frühsten Entwurfsskizzen aktiv mitgestaltet hat.

In den späten 1920er-Jahren, der Bauzeit seines großzügigen Atelierhauses im Berliner Westend, befand sich der Bildhauer Georg Kolbe (1877-1947) auf dem Höhepunkt seines künstlerischen Erfolgs. Vertreten von den großen Galerien Cassierer und Flechtheim hatte er Käufer*innen auf der ganzen Welt und war in Berliner Künstlerkreisen bestens vernetzt. Nach dem frühen und unerwarteten Tod seiner Frau Benjamine sehnte er sich jedoch nach einem Rückzugs- und Schaffensort unweit ihres Grabes. So entstand die Sensburg, wie Kolbe selbst das kubische Backsteinensemble in der Sensburger Allee liebevoll nannte. Stadtnah und zugleich am Rande des Grunewalds gelegen, sollte die Architektur das fruchtbare Wechselspiel von Kunst, Natur und baulicher Form widerspiegeln, auf das der Künstler immer wieder gerne verwies.

Mit der sachlichen Baukunst seiner Zeit verband Georg Kolbe eine enge Beziehung. Im Rahmen seiner Zusammenarbeit mit Architekten wie Ludwig Mies van der Rohe, Bruno Taut, Hans Poelzig und Walter Gropius hatte der Bildhauer bereits früh aktiv Anteil am Diskurs um die Weiterentwicklung des Neuen Bauens genommen. Für die Realisierung seines eigenen maßgeschneiderten Wohnateliers verpflichtete er den Schweizer Architekten Ernst Rentsch, später den Bauhausschüler Paul Linder, und arbeitete in der Entwurfsphase aufs Engste mit beiden zusammen. Die gemeinschaftliche Gestaltungsarbeit profitierte sichtlich von Kolbes intensiver Auseinandersetzung mit der Beziehung von Skulptur und Raum.

Angebunden an den öffentlichen Nahverkehr, mit vollständiger Elektrifizierung, Telefonanschluss sowie voll ausgestatteten Bädern, entsprach der Backsteinbau im Westend Berlins den Ideen des modernen Wohnens und verkörperte dessen Definition eines neuen, schnörkellosen Lebenskomforts. Als Atelier erfüllte er zugleich alle Voraussetzungen, um exakt jene Arbeitsbedingungen zu schaffen, die Kolbe als Künstler suchte. Insbesondere die Blick- und Lichtführung wurde mit hoher Präzision angelegt, die luzide Verbindung von Innen- und Außenraum virtuos umgesetzt.

Mit seinen deckenhohen Fenstern öffnet sich der große Atelierraum zum Garten; ein komplexes Oberlicht führt neutrales Tageslicht zu; hohe Fensterbänder lenken gerahmte Blicke in die umgebende grüne Natur. Der 1935 angelegte, innenliegende Skulpturenhof weist Blickachsen auf, die dem Bildhauer erlaubten, die Wirkung seiner Arbeiten an öffentlichen Plätzen und Parkanlagen zu simulieren, für den er sie häufig schuf. Durch die Ziegelmauer, welche das gesamte Gelände umgibt, erlangt die Sensburg – kontrastierend zu ihrer lichten Atmosphäre – einen beinahe festungshaften Charakter. Als abgeschirmtes Refugium schützte sie den Künstler nicht zuletzt vor neugierigen Blicken und begünstigte seine Arbeit mit Modellen im Freien.

Vor genau 70 Jahren wurde Kolbes Künstleratelier der Öffentlichkeit zugänglich gemacht – als erstes nach dem Krieg neugegründetes Museum und einziges Berliner Künstlerhaus aus den 1920er-Jahren, dessen ursprüngliche Funktion sicht- und fühlbar geblieben ist. Bis heute strahlt der kubische Backsteinbau samt Skulpturengarten den modernen Geist seiner Entstehungszeit aus.

Die Ausstellung „Moderne und Refugium“ portraitiert Kolbes Sensburg im Spiegel ihrer reichen Geschichte. Von ersten Entwurfszeichnungen über die Bauphase bis hin zur privaten und schließlich öffentlichen Nutzung versammelt sie eine Vielzahl mitunter ungesehener Zeitdokumente, die den Künstler als einflussreichen und kreativen Bauherrn und zugleich in seinem privatesten Nukleus zeigen. Umgeben von Familie, Freundinnen und Freunden, sowie seinen Hunden und Katzen wird Kolbe als Mensch mit Facetten sichtbar, die bislang unter der öffentlichen Rolle und ihren Zuschreibungen verborgen blieben. Ein wesentlicher Teil der gezeigten Materialien entstammt dem Nachlass seiner Enkelin, der erst in diesem Jahr nach Berlin kam und aktuell im Museum erschlossen wird.

Eine ausführliche, reich bebilderte Publikation zur Ausstellung erscheint im November 2020.

Zeitgleich zur Ausstellung „Moderne und Refugium – Georg Kolbes Sensburg als Architekturdenkmal der 1920er-Jahre“ zeigt das Museum Keramiken des japanischen Künstlers Shinichi Sawada.


     
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/ 11. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst

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Seit September 2019 entwickelt sich die 11. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst prozesshaft mit „exp. 1“, „exp. 2“ und „exp. 3“. In einem letzten Kapitel, einem Epilog, werden die gemachten Erfahrungen und die damit einhergehenden Fragen vom 5. September bis zum 1. November 2020 an vier Orten – unter anderem dem Gropius Bau – zusammengeführt.

Die Beiträge finden unterschiedliche Wege, Solidarität, Verletzlichkeit und Widerstand zu thematisieren. Sie schwingen sich auf, um inmitten dieser turbulenten Zeiten der komplizierten Schönheit des Lebens Gestalt zu geben.

Die 11. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst wird von María Berríos, Renata Cervetto, Lisette Lagnado und Agustín Pérez Rubio kuratiert.


     
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/ Beletage & Zuckerwatte

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Die neue Präsentation im Foto-Grafischen Kabinett der Dauerausstellung BerlinZEIT im Märkischen Museum setzt zwei Bildnis-Serien des Berliner Fotografen in den Dialog: „Beletage“ und „Neuköllner Maientage“, inszenierte Portraits in Farbe und Momentaufnahmen in Schwarz-Weiß.

„Beletage“ stellt Menschen in ihrer privaten Wohnung als unmittelbares Lebensumfeld und Ausdruck gelebter Individualität vor. Die Serie bietet sensible Ansichten der und Einsichten in die Mittelklasse der Berliner Bevölkerung, von hilfebedürftigen Rentnern über berufstätige Eltern bis hin zu Besitzerinnen stilvollen Wohneigentums.

In den Beobachtungen von Menschen auf dem Volksfest „Neuköllner Maientage“ in der Hasenheide nutzt Nickel hingegen die intuitiven Möglichkeiten der Straßenfotografie. Kern seines Interesses sind hier vor allem Augenblicke von Konzentration, Faszination, oft auch der Entrückung. Es sind Momente voller Poesie, die sich beim Betrachten übertragen und zugleich den Blick auf die sozialen und kulturellen Hintergründe der Besucherinnen und Besucher des Festes freigeben. So wird die vielbeschworene „Berliner Mischung“ in Nickels schlüssig entwickelten Bildserien sichtbar.

Eine Präsentation im Rahmen des European Month of Photography Berlin (EMOP) 2020. Erworben aus Mitteln der Deutschen Klassenlotterie Berlin von der Kulturverwaltung des Berliner Senats, 2016

Über Lars Nickel
Kurzbiografie: Geboren 1969 in Berlin, seit 1986 autodidaktische Beschäftigung mit künstlerischer Fotografie, 1990er Jahre ausgedehnte Foto-Reisen durch West- und Osteuropa, USA, Mexiko, Guatemala. Ausbildung zum Mediengestalter, 2003 Studium an der Fotoschule „Fotografie am Schiffbauerdamm“ (fas) bei Arno Fischer. Selbstverständnis: künstlerischer Dokumentar. Immer wieder Hinwendung zum Genre Portrait.

Projekte: Situation in deutschen Altenpflegeheimen (2002); Westernstadt Old Texas Town, Berlin (2004); Grenzprobleme im Osteuropäischen Raum (2005); Ehemalige Kriegsgefangene und Kriegsgefangenenlager in Deutschland (2007). 2014 Abschluss „Beletage“ mit Buch im Verlag Edition Braus. Die Serie „Neuköllner Maientage“ aus dem Jahr 2004 wird im Märkischen Museum erstmals öffentlich gezeigt.


     
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/ Der proletarische Blick - Arbeiterfotografie der 19202er Jahre von Kurt Pfannschmidt, Ernst Thormann und Richard Woike

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Im Rahmen des EMOP Berlin – European Month of Photography 2020 Berlin

Aufmerksam beobachtete Szenen, in Eile und meist heimlich fotografiert, technisch nicht immer makellos, jedoch inhaltlich hoch brisant – das sind die Schwarz-Weiß-Aufnahmen von Kurt Pfannschmidt (1900–1987), Ernst Thormann (1905–1984) und Richard Woike (1901–1976).

Auf ausgiebigen Foto-Streifzügen dokumentierten die aus der Arbeiterschaft stammenden Amateurfotografen ihre prekäre Lebenswelt. Ihr Anliegen war es, die Arbeiterbewegung durch aussagekräftiges Bildmaterial für die Berichterstattung zu unterstützen. Begeistert von der Technik der Fotografie und dem gemeinsamen Kampf für die Rechte und die Sichtbarkeit der Benachteiligten investieren sie und eine Reihe weiterer Arbeiterfotografen in kostspielige Fotoausrüstung und begeben sich auf ausgiebige Foto-Streifzüge. Dabei entstehen einmalige historische Aufnahmen: Ernst Thormann zeigt die Straßen von Berlin-Neukölln und den jüdischen Alltag im historischen Scheunenviertel in Berlin-Mitte, Richard Woike fotografiert Bilder der Armut und Kurt Pfannschmidts Aufnahmen präsentieren sein Umfeld als Arbeitersportler und KPD-Mitglied in Leipzig.


     
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/ A wie Advent, Z wie Zoff

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Was haben das Erzgebirge, Rovaniemi am finnischen Polarkreis und Yiwu in China gemeinsam? Sie alle leben von Weihnachten! Weihnachten hat als saisonales Fest einen beispiellosen Siegeszug angetreten und wird heute auf der ganzen Welt gefeiert – egal, ob christlich oder nicht.

Jenseits der religiösen Botschaft sind es vor allem die besondere Stimmung, der Familienbezug sowie der Konsum-Aspekt des Festes, die vielerorts anschlussfähig sind. Als „Fest der Liebe“ erzeugt es gleichzeitig hohe Erwartungshaltungen – und damit auch Enttäuschungen. Weihnachten führt ebenso zu Ausschlüssen – von denjenigen, die an Weihnachten allein sind, sich kein Festessen und keine Geschenke leisten können oder es aus religiösen oder kulturellen Gründen nicht feiern. Zudem lassen sich anhand des Weihnachtsfests verschiedene gesellschaftliche Konfliktfelder wie unter einem Brennglas untersuchen, so zum Beispiel die Debatten um Rassismus, die sich schon seit vielen Jahren am Zwarte Piet-Begleiter des Sinterklaas in den Niederlanden entzünden.

In einem Mix aus Objekten aus der Sammlung des MEK, Fotografien, Musik und Film umkreist die Sonderausstellung entlang des Alphabets Helles und Dunkles, Popkultur und Hochamt, Protest und Humor rund um Weihnachten. Typisch weihnachtliche Dinge wie Adventskalender und Pyramiden stehen neben aktuellen Musikvideos, Hollywood-Filmen und Selfies: Sie beleuchten so unterschiedliche Themen wie N wie Nachhaltigkeit am Beispiel der Weihnachtsproduktion in der chinesischen Großstadt Yiwu, F wie Fernsehen als ritualisierte familiäre Festtagspraxis oder auch T wie Tradition, die ganz unterschiedlich gelebt werden kann. 


     
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/ Neu in Szene

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Diese neu konzipierte und überarbeitete Dauerausstellung stellt Friedrich den Großen (1712–1786) als Bauherrn des Neuen Flügels in den Mittelpunkt und präsentiert den bedeutenden Monarchen der preußisch-deutschen und europäischen Geschichte jenseits der gängigen Klischees. Ermöglicht wird das Projekt durch die großzügige Förderung der Deutschen Klassenlotterie Berlin (DKLB).

Die Besucherinnen und Besucher werden in jedem der 16 Räume des Obergeschosses eine andere Facette des Königs kennenlernen. So wird die Funktion Charlottenburgs als Ort höfischer Feste verdeutlicht, die teils problematischen Beziehungen des Monarchen zu seinen Hofkünstlerinnen und Hofkünstlern werden diskutiert und es wird erklärt, wie und von wem das Bild vom sparsamen und aufopferungsvollen Monarchen eigentlich in die Welt gesetzt worden ist. Zudem kann der Frage nachgegangen werden, wie der König seine Kunstankäufe eigentlich tätigte. Ein Thema soll aber auch die Fotodokumentation aller Deckengemälde Antoine Pesnes (1683–1757) sein, die zwei Wochen vor deren endgültiger Zerstörung im Winter 1943 abgeschlossen wurde.

Kostbares Rokoko

Nur zwei Monate nachdem Friedrich der Große den Thron bestiegen hatte, ließ er den Grundstein für den ersten Schlossbau seiner Regierungszeit legen: den Neuen Flügel in Charlottenburg. Unter der Federführung von Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff (1699–1753) entstanden dort Wohnungen für den jungen König und seine Frau Elisabeth Christine (1715–1797), vor allem aber auch zwei neue Festsäle, da Friedrich den Neuen Flügel in erster Linie für Familienfeiern nutzte. Vor allem anlässlich der Hochzeiten seiner Geschwister, Nichten und Neffen richtete der König in Charlottenburg große Feiern aus.

Nach den schweren Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg und dem Wiederaufbau entschied man sich zu einer Rekonstruktion der meisten dieser friderizianischen Innenräume. Während sich von den hochkarätigen Gemälden, mit denen Friedrich vor allem das Konzertzimmer und die Gris-de-Lin-Kammer ausstatten ließ, ein wichtiger Teil erhalten hat, wurden sämtliche Möbel aus friderizianischer Zeit jedoch schon im 19. Jahrhundert aus Charlottenburg entfernt. Damit diese Interieurs dennoch wieder für die Besucherinnen und Besucher erlebbar werden, erfolgt die Ausstattung mit erhaltenen Möbeln, die Friedrich für das im Zweiten Weltkrieg ebenfalls schwer beschädigte und anschließend abgetragene Potsdamer Stadtschloss in Auftrag gegeben hatte. Diese entstanden zwischen 1745 und 1747 und damit zur gleichen Zeit, in der die zweite Wohnung des Königs im Neuen Flügel eingerichtet wurde. Auch in ihrer Funktion entsprachen sich die Räume der Friedrichwohnungen in Charlottenburg und Potsdam vollständig. Gleichzeitig werden die meisten Gemälde, die zur friderizianischen Originalausstattung gehören, nun wieder in den Räumen zu sehen sein, in denen sie sich nachweislich von Anfang an befanden. Für Besucherinnen und Besucher eröffnet sich damit ein „Seherlebnis“, das der Situation des 18. Jahrhunderts weitgehend entspricht und einen Eindruck friderizianischer Hofkultur vermittelt.

Die grundsätzliche Überarbeitung der Rokoko-Räume ist neben den bereits vor einem Jahr eröffneten Räumen zur Dynastiegeschichte der Hohenzollern Resultat des Projekts „Charlottenburg 2030“, das die erste vollständige und übergreifende museale Neukonzeption des Schlosses seit dem Wiederaufbau umfasst.


     
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/ Luigi Colani und der Jugendstil

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„Das Bauhaus ist out!“ stellte Luigi Colani fest und forderte stattdessen 1977 die „Renaissance des Jugendstils“. Luigi Colani (1928-2019), gebürtiger Berliner, geniales Multitalent und Superstar der Selbstinszenierung, zettelte damit eine Revolution im deutschen Design an. Er war eine der facettenreichsten Designerpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts und ist nur schwer in seiner Gesamtheit zu fassen. Der streitbare Student der Berliner Hochschule der Künste und Absolvent der Pariser Sorbonne schrieb mit seinen visionären Ideen und biomorphen Formen Design-Geschichte. Die Natur war dabei seine wichtigste Inspirationsquelle, was den Querdenker mit dem Jugendstil verband.

Colani sorgte in den 1960er Jahren auch deshalb für eine Revolution im deutschen Design, weil er sich selbst und seinen Namen zur Marke machte. Er nutzte die Möglichkeiten des neuen Materials Kunststoff zu außergewöhnlichen und futuristischen Formen. Oft knüpft er dabei an florale und organische Formen des Jugendstils an, dessen grundlegende Ideen und Konzepte er weiterentwickeln wollte.

In der Ausstellung im Bröhan-Museum werden seine Entwürfe den Jugendstilobjekten der eigenen Sammlung gegenübergestellt. Die floralen Objekte aus der Zeit des Jugendstils und die Werke Colanis stehen für den Traum von einer besseren Welt.


     
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/ Palast der Republik

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30 Jahre nach seiner Schließung am 19. September 1990 zeigt das DDR Museum die Geschichte des Palasts der Republik sowie seines Standorts in einer neuen kleinen Sonderausstellung vom 24. September 2020 bis zum 5. April 2021 im Foyer des Museums. Der Eintritt zur Sonderausstellung ist kostenfrei.

»Kein Ort in Berlin hat in den letzten Jahrzehnten so radikale Umbrüche und Neubewertungen erfahren wie das Areal, auf dem der Palast der Republik stand. Das 1976 eröffnete Bauwerk sollte anstelle des 1950 gesprengten Schlosses der Hohenzollern die DDR repräsentieren. Der Palast mit der Volkskammer war das Zentrum der Staatsmacht, gleichzeitig aber auch ein Palast des Volkes,« so Sören Marotz, der die Ausstellung zusammen mit Dr. Stefan Wolle kuratierte.

Die kleine Sonderausstellung gibt Einblick in wichtige Ereignisse des wechselhaften und viel diskutierten Ortes von der Sprengung des Berliner Stadtschlosses 1950 über die Nutzung sowie Bedeutung des Palasts der Republik bis hin zur geplanten Eröffnung des Humboldt Forums im Berliner Stadtschloss.


     
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/ Felicity Hammond

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Lächelnd und riesig groß blickt uns die perfekt gestylte Singlefrau der Zukunft an. Ihr lichtdurchflutetes Luxusapartment in einem Hochhaus thront über einem futuristischen City-Panorama. Auch wenn wir uns längst an derartige Maxi-Werbeflächen im öffentlichen Raum gewöhnt haben, spielen diese Bilder geschickt mit unseren Sehnsüchten nach einem glänzenden urbanen Leben. In der Arbeit der britischen Künstlerin Felicity Hammond (*1988) trifft das selbstbewusste Versprechen der Immobilienunternehmen allerdings auf postindustrielle Szenerien aus Autoreifen und Bauschutt einer Großbaustelle – offensichtlich liegen beim Städtebau Utopie und Dystopie ganz nah beieinander.

Mit der Ausstellung Remains in Development präsentiert C/O Berlin Felicity Hammonds erste Einzelschau in Deutschland. Sie basiert auf der Monografie Property (2019) und übersetzt erstmals Elemente des Buches in die Dreidimensionalität. Dabei bringt Hammond zentrale Arbeiten ihres künstlerischen Werks in einer neuen Konstellation zusammen: Collagen und skulpturale Objekte sind gemeinsam mit einer Installation zu sehen, die das aus der Film- und Fototechnik bekannte Verfahren des Chroma Keyings thematisiert, das für die Freistellung von Hintergründen für Werbeprospekte oder Plakate verwendet wird. Ergänzend zur Ausstellung bei C/O Berlin hat die Künstlerin ihre Bildmotive auf Werbesäulen übertragen und bringt sie so zurück in die Stadt. Diese fünf Objekte sind beim B-Part Am Gleisdreieck, vor dem Kühlhaus Berlin in der Luckenwalder Straße sowie vor dem Amerika Haus zu sehen.


     
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/ Michael Danner

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Wie in einer Postkartenlandschaft versinkt die Sonne im Meer, am Strand wird eine Wassermelone angerichtet, golden glitzert eine Decke in der Sommerhitze. Doch Michael Danners Fotografien brechen mit unseren Klischees und Erwartungen an einen Aufenthalt im Mittelmeerraum. Fast unmerklich überschreiben sie die allbekannte Urlaubsidylle, um das bedrohliche Szenario einer humanitären Katastrophe hervorzukehren: Die Geflüchteten des 21. Jahrhunderts erleben unsere Ferienträume an den Küsten von Griechenland, Marokko oder Tunesien als Konfrontation mit Bedrohung, Untergang und Tod. Danners Langzeitprojekt (2008–2017) mit dem vordergründig provokanten Titel Migration as Avant-Garde ist ein Gegenentwurf zur klassischen Erzählung der Nachrichtenbilder. Anstatt nur zu informieren oder bewusst zu schockieren, eröffnet Michael Danner (*1967) einen visuellen Dialog über eines der ältesten Phänomene der Menschheit: Die Bewegung von einem Ort zum anderen.

C/O Berlin präsentiert das Projekt, für das Michael Danner 2018 mit dem Dummy Award des Kasseler Fotobookfestivals ausgezeichnet wurde, weltweit erstmals in Form einer institutionellen Ausstellung. Das auf Schichtung und Collage basierende komplexe Buchdesign wird durch die Kuration von Dr. Kathrin Schönegg in Form von gerahmten Fotografien, Projektionen und gestalteten Textfragmenten in den Raum übersetzt.


     
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/ Harald Hauswald

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Harald Hauswalds Bilder sind voller Sympathie für das fotografierte Objekt und die Menschen vor seiner Kamera. Es sind Bilder von der Eintönigkeit, aber auch von der Langsamkeit des Lebens in der DDR, Zeugnisse einer abgeschotteten und eingeschlossenen Welt kurz vor ihrem Untergang. Entgegen dem vorherrschenden Bild des Westens über den Osten Deutschlands, dominiert von SED und FDJ, Mauer und Stacheldraht, Aufmärschen und Militärparaden, liefert Harald Hauswald (*1954) eindringliche und einmalige Momentaufnahmen und Zeugnisse des sozialistischen Alltags, insbesondere der Entwicklung des Ostberliner Stadtraums und des Wirkens oppositioneller Gruppen, von Künstler*innen sowie verschiedenen Jugendkulturen. Hauswalds Fotografien dokumentieren nicht einfach nur das Zusammenleben der Menschen in der DDR, sondern sie visualisieren Erinnerungen deutsch-deutscher Geschichte ebenso wie die Herausforderungen des Systemwandels im wiedervereinten Deutschland. Die von Felix Hoffmann in Zusammenarbeit mit Ute Mahler und Laura Benz kuratierte Ausstellung Harald Hauswald . Voll das Leben! ist mit rund 250 zwischen Ende der 1970er- bis Mitte der 1990er-Jahre entstandenen Fotografien die erste große Retrospektive des Gründungsmitglieds der Berliner Fotografenagentur OSTKREUZ.


     
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/ Nahaufnahme Ostdeutschland

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Es ist Anfang der 1990er Jahre in Ostdeutschland, die Phase der großen Veränderungen nach dem Fall der Mauer. Der 30-jährige Ost-Berliner Fotograf Jürgen Hohmuth dokumentiert diese Umbruchszeit. Er bereist Dörfer und Städte und fotografiert die erlangten Freiheiten, die neuen Konsummöglichkeiten, aber auch den Stillstand in vielen Betrieben.

Ein Kind auf dem Fahrrad, junge Männer in einem verbeulten Auto, Schriftzüge an Hausfassaden: Augenblicke, wie sie uns fast immer und überall begegnen können. Diese gewöhnlichen Szenen lassen die Zeiten tiefgreifender Umbrüche nur erahnen. Mit seiner Kamera blickt Jürgen Hohmuth auf die Spuren des Wandels im Spiegel des Alltäglichen. Er hält die fundamentalen Veränderungen im öffentlichen Leben, der Arbeitswelt und des Familienlebens mit seiner Kamera fest.

Ob in Angermünde, Berlin, Halle-Neustadt oder Leipzig: Sein Werk vermittelt ein tiefes Gespür für die Alltagsstimmung in Ostdeutschland und gleicht einem kollektiven Fotoalbum. Es konfrontiert uns auch heute noch mit der Frage: Gibt es Normalität in Zeiten radikaler Veränderung?

Diese Fotografien von Jürgen Hohmuth werden erstmalig in einer Ausstellung präsentiert. Ergänzt werden die Bilder durch eine Audiospur mit den Erinnerungen an die Umbruchszeit von ostdeutschen Schriftstellerinnen und Schriftstellern, darunter Peter Richter, Kathrin Schmidt und Ingo Schulze. Die Audiospur kann per Smartphone im hauseigenen W-LAN abgerufen werden.


     
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/ Der kalte Blick

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Ende 1941 entwickelten zwei Wiener Wissenschaftlerinnen ein Projekt zur »Erforschung typischer Ostjuden«. Mit »kaltem Blick« fotografierten sie im März 1942 in der deutsch besetzten polnischen Stadt Tarnów mehr als hundert jüdische Familien, insgesamt 565 Männer, Frauen und Kinder. Von diesen überlebten nur 26 den Holocaust und konnten später davon berichten. Erhalten geblieben sind die Bilder und Kurzbiografien der Ermordeten. Die Ausstellung dokumentiert zum einen das ehrgeizige Vorgehen der beiden Wissenschaftlerinnen. Zum anderen erzählt sie vom Leben der Juden in Tarnów vor 1939 und von deren Ermordung unter deutscher Herrschaft – exemplarisch für die Verfolgung und Vernichtung hunderter jüdischer Gemeinden in dem von Deutschen beherrschten und terrorisierten Polen.

Eine Ausstellung des Naturhistorischen Museums Wien, der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas und der Stiftung Topographie des Terrors


     
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/ Anthropogene Landschaften

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Beide Künstlerinnen untersuchen die Wirklichkeit europäischer Landschaften mit der Kamera. Dabei geht es den Künstlerinnen um mehr als nur eine dokumentarische Bestandsaufnahme, vielmehr stellen sie kritische Fragen zum schleichenden Wandel von Natur- zu Kulturlandschaften und somit zu unserem Verhältnis zur Natur.

Petra Spielhagens Fotoserien beschäftigen sich mit der zu Arbeits- und Nutzraum umgeformten Natur. Ihre zumeist nächtlichen Fotografien entstanden z. B. in Westland, dem größten Gewächshausgebiet Europas oder bei der nächtlichen Maisernte. Die in der Dunkelheit stark ausgeleuchtete Landschaft verstärkt den Eindruck des unnatürlichen Eingriffs in die Natur.

Anja Teske untersucht in ihren Fotoserien “Neighbour’s garden” und “Limitations” minimale, private Landschaften in den Gärten verschiedener europäischer Nachbarn. Die auf den ersten Blick abstrakt wirkenden Ausschnitte von Rasenstücken oder Einfriedungen verweisen auf fragile Zustände von landestypisch domestizierter Natur, nicht ohne auch auf das Verschwinden von Landschaft hinzuweisen.

Kuratiert von Gabriele Büchner

Mit freundlicher Unterstützung des bezirklichen Förderfonds der Senatsverwaltung für Kultur und Europa.


     
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/ Norm und Form

Was ist inklusive Gestaltung? Was ist wünschenswert für das zukünftige Bauhaus-Archiv / Museum für Gestaltung, was ist umsetzbar? Diese Fragestellungen sind Ausgangspunkt eines kleinen Forschungsprojekts zu inklusiv gestalteten Dingen im temporary bauhaus-archiv. Das Projekt erkundet lokale Geschichten von Barrieren, Hilfsmitteln und Möglichkeiten in der unmittelbaren Nachbarschaft des temporary in Berlin-Charlottenburg. Die im Ausstellungsbetrieb geltenden Normen werden spielerisch hinterfragt und ebenso humorvolle wie eigensinnige Lösungen aufgezeigt.


     
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/ Ideal und Form. Skulpturen des 19. Jahrhunderts aus der Sammlung der Nationalgalerie

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Die Ausstellung „Ideal und Form“ zeichnet mit Skulpturen und Plastiken von der Schinkelzeit bis zum Kaiserreich die Entwicklungslinien des langen 19. Jahrhunderts in die Moderne nach und lädt ein, die seinerzeit bereits international ausgerichtete Berliner Bildhauerschule neu zu entdecken.

Die von Karl Friedrich Schinkel geplante und in den Jahren 1824 bis 1830 erbaute Friedrichswerdersche Kirche ist seit 1987 Museumskirche und zugleich Dependance der Alten Nationalgalerie. Sie bietet die einzigartige Möglichkeit, Skulpturen des 19. Jahrhunderts in einer noch weitestgehend original erhaltenen Architektur aus eben jener Zeit zu erleben – und das bei wechselndem Licht immer wieder neu. Als die umfassendste Sammlung skulpturaler Kunst des 19. Jahrhunderts nimmt der Skulpturenbestand der Nationalgalerie eine herausragende Stellung innerhalb der deutschen Museumslandschaft ein.


     
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/ Amelie von Wulffen

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Mit der Einzelausstellung von Amelie von Wulffen (*1966, DE) widmen sich die KW Institute for Contemporary Art einer Berliner Künstlerin, die sich schon lange international als eine der wichtigsten deutschen Maler*innen etabliert hat. Die Ausstellung in den KW stellt die erste institutionelle Einzelausstellung der Künstlerin in Berlin dar und präsentiert neben einer Auswahl bereits existierender Arbeiten eine umfassende Gruppe an Neuproduktionen.

Seit den 1990er Jahren hat Amelie von Wulffen ein komplexes und eigenwilliges Werk entwickelt, das Fragen nach den historischen, ökonomischen und sozialen Bedingungen von Malerei aufwirft und dabei in einem hohen Maße selbstreflexiv vorgeht. Dies erstreckt sich auch auf die Figur der Künstlerin selbst, die immer wieder in unterschiedlicher Gestalt in ihren Arbeiten auftaucht und dabei oft ihre persönliche Familienchronik mit nationaler Geschichte und existentiellen Fragen nach einem kulturellen und spezifisch deutschen Erbe verbindet. In von Wulffens Bildern werden ästhetische Widersprüche gezielt kontrastiert und verschiedene Malstile der Kunstgeschichte und der Hobbykunst miteinander verwoben, womit deren assoziatives Gewicht lustvoll neu besetzt wird. Ihr Werk erscheint vor diesem Hintergrund wie eine Meta-Reflexion der ästhetischen Widersprüche im Nachkriegsdeutschland und gegenwärtiger Pop- und Politkultur, in die die Künstlerin auch kunstgewerbliche Zitate wie Möbel und architektonische Versatzstücke miteinbezieht.

Wie schon frühere Bildzyklen von Wulffens handeln auch ihre neuen Bilder von den teils abgründigen Dimensionen von Familie als einem Ort, an dem neben Liebe und Kultur auch bleierne Probleme und Verdrängtes weitergegeben werden. Besonders emotional werden diese Arbeiten dadurch, dass die Dimension des Abschieds von den Eltern hinzutritt. In einer szenographischen, gemalten Genreinstallation werden neue Kleinskulpturen platziert – eine Art dramatische Wunderkammer verhandelt das Verhältnis von Mensch und Natur, das auch in Zeiten der totalen Umweltzerstörung noch von romantischen Landschafts- und Naturprojektionen bestimmt wird. Begleitet werden diese neuen Arbeiten von ausgewählten existierenden Malereien, Zeichnungen, Möbeln, Skulpturen und Filmen der Künstlerin.

Kuratorin: Anna Gritz
Assistenzkuratorin: Kathrin Bentele


Die Ausstellung von Amelie von Wulffen wird von der Senatsverwaltung für Kultur und Europa gefördert.


     
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/ Leonilson

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Die KW Institute for Contemporary Art freuen sich, die erste groß angelegte Retrospektive des brasilianischen Künstlers José Leonilson (1957–1993) in Europa zu präsentieren. Leonilson zählt zu den wichtigsten Vertreter*innen einer Generation brasilianischer Künstler*innen, die unter dem Namen Geração 80 (Generation 80) bekannt wurde. Nach dem Ende der Militärdiktatur in Brasilien Mitte der 1980er Jahre verlieh diese Künstler*innengruppe der neu gewonnen Freiheit mit einer gestischen, farbreichen und expressiven Malerei Ausdruck. Anders als die US-amerikanische Pop Art der 1980er Jahre, die sich die Symbole einer stark industrialisierten Gesellschaft aneignete, war die Kunst der Geração 80 sozialkritisch.

Der 1957 geborene José Leonilson studierte von 1978 bis 1981 bildende Kunst in São Paulo (BR). Neben Eva Hesse und Blinky Palermo, die er in den frühen 1980er Jahren auf Reisen durch Europa kennenlernte, war sein frühes Werk vor allem von der italienischen Transavanguardia-Bewegung beeinflusst, die sich Ende der 1970er Jahre formierte und deren Vertreter*innen sich der Figuration, antiker Mythologie und einer expressiven Farbigkeit zuwandten. So sind Leonlisons Malereien und Zeichnungen aus dieser Zeit von einem eklektizistischen Subjektivismus und der Verwendung einer emblematischen Bildsprache gekennzeichnet. Ein wichtiger Moment in der frühen Schaffensphase des Künstlers war der Besuch einer Ausstellung zu Textilarbeiten der Shakers, einer amerikanisch-christlichen Sekte. Vor allem die gestickten Karten der Shakers, die unter anderem deren Ländereien darstellten, beeinflussten Leonilson und führten zur verstärkten Arbeit des Künstlers mit Stoff. Mit seiner HIV-Diagnose 1991 änderte sich Leonilsons Bildsprache erkennbar: Die Auseinandersetzung mit dem Tod sowie sein immer schlechter werdender körperlicher Zustand prägten die tagebuchartigen Arbeiten aus den Jahren 1991 bis 1993. Gegen Ende seines Lebens war es ihm nur noch möglich, mit Stoff, Nadel und Faden zu arbeiten – gleichzeitig spielen in jener letzten Schaffensphase Sprache und Abstraktion sowie religiöse Bild- und Formensprache eine wichtige Rolle.

Die Retrospektive in den KW zeigt eine Auswahl von über 250 Arbeiten mannigfaltiger Medien und Stile, von frühen Malereien bis hin zu den introspektiven Stickereien und bietet damit einen Überblick über Leonilsons künstlerisches Œuvre. Im Anschluss wird die Ausstellung im Moderna Museet in Stockholm (März – Mai 2021), in der Malmö Konsthall (Juni – August 2021) sowie im Museu de Arte Contemporânea de Serralves in Porto (November 2021 – April 2022) präsentiert.

Kurator: Krist Gruijthuijsen
Assistenzkurator: Léon Kruijswijk


Die Ausstellung Leonilson: Drawn 1975–1993 wird durch die Kulturstiftung des Bundes gefördert


     
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/ The Invented History

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Yael Bartana, Ramesch Daha, Anna Dasović, Jean-Ulrick Désert, Andrew Gilbert, Aslan Ġoisum, Maryam Jafri, Nadia Kaabi-Linke, Zartosht Rahimi, Larissa Sansour / Søren Lind, Maja Weyermann, Akram Zaatari

Die Gruppenausstellung untersucht die Notwendigkeit, historische Narrative kritisch zu hinterfragen. Geschichte wird nicht mehr als reine Ansammlung von Daten und Fakten, als eine linear nachzuerzählende Abfolge von eindeutigen Ereignissen betrachtet. Stattdessen wächst das Bewusstsein, dass Geschichtsschreibung immer auch unter den politischen Vorzeichen ihrer „Autor*innen“ gelesen werden muss. Heute finden sich zunehmend Versuche, sich der Deutung von Geschichte zu bemächtigen – vor allem durch antidemokratische Kräfte weltweit. Die Künstler*innen der Ausstellung spüren bisher verschwiegene oder unterdrückte historische Phänomene auf, betrachten Geschichte durch den Filter ihrer eigenen Biografie und arbeiten so an einer kritischen Geschichtsschreibung in Abgrenzung zu bestehenden Herrschaftssystemen.

Die Ausstellung wird von Kathrin Becker kuratiert.

Die Ausstellung findet im Rahmen der Berlin Art Week (9. – 13. September 2020) statt.


     
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/ Ann Oren. Passage

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Der M1 VideoSpace im Maschinenhaus des KINDL ist ein neu geschaffener Präsentationsraum für Videoarbeiten internationaler Künstler*innen. Eröffnet wird der Raum mit dem neuesten Film Passage (2020) von Ann Oren (*1979 in Tel Aviv, lebt in Berlin), dem die Künstlerin in ihrer Installation eine Geruchs- und Tastebene hinzufügt. Oren reflektiert darin über die Grenzen zwischen dem Humanen und dem Animalischen, über fiktive Geschlechterrollen und ihre Überwindung wie auch über die frühen filmischen Experimente Eadweard Muybridges.

Die Ausstellung wird von Kathrin Becker kuratiert.

Die Ausstellung findet im Rahmen der Berlin Art Week (9. – 13. September 2020) statt.


     
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/ Lerato Shadi. Maru a Pula Is a Song of Happiness

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Lerato Shadi (geboren in Mahikeng, Südafrika, lebt in Berlin) macht in ihren Arbeiten Unsichtbares oder Übersehenes sichtbar und kritisiert rein westliche Vorstellungen von Geschichte. Dabei stellt sie ihren Körper ins Zentrum ihres Werks – oftmals in ausdauernden, körperlich herausfordernden Performances. Die Einzelausstellung im KINDL präsentiert Videos, Neonschriften und Fotoarbeiten sowie eine neue Serie von Textilarbeiten, die das Verhältnis von Tafelbild und Performativität thematisieren.

Die Ausstellung wird von Kathrin Becker kuratiert.

Die Ausstellung findet im Rahmen der Berlin Art Week (9. – 13. September 2020) statt.


     
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/ Nik Nowak. Schizo Sonics

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Nik Nowak (*1981 in Mainz, lebt in Berlin) setzt sich in seiner künstlerischen Arbeit kritisch mit der Verwendung von Klang als Waffe und Propagandamedium auseinander. Mit Schizo Sonics realisiert er eine raumgreifende audiovisuelle Installation mit zwei soundgewaltigen Klangskulpturen. In einem speziell dafür produzierten Hörstück werden Aspekte der Politik des Kalten Krieges am Beispiel ideologisch-akustischer Stellvertreterkriege laut, wie sie im Berlin der 1960er Jahre an der innerdeutschen Grenze oder auch im Jamaika der 1970er Jahre ausgetragen wurden und, wie in der Grenzzone des geteilten Korea, noch immer werden.

Die Ausstellung wird von Kathrin Becker kuratiert.

Die Ausstellung findet im Rahmen der Berlin Art Week (9. – 13. September 2020) statt.


     
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/ Unvergessen - Jüdisches Leben in Spandau

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Anlässlich des diesjährigen Gedenkens an das Ende des Zweiten Weltkrieges zeigen wir auf der Zitadelle Ausstellungen und Interventionen, die die Spuren jener Zeit in unserer Gegenwart thematisieren.

Die Ausstellung verbindet drei Einzelausstellungen miteinander, die den Spuren jüdischen Lebens in Spandau auf den Grund gehen. “UNVERGESSEN – Die Pogromnacht 1938 in Spandau” und “Über jüdisches Leben in Spandau” sind Projekte, die von der Jugendgeschichtswerkstatt Spandau unter Uwe Hofschläger erstellt wurden. Ergänzt werden diese durch die Ausstellung des Evangelischen Kirchkreises “Wir waren Nachbarn”. Die Zusammenführung der drei Schwerpunktthemen zu einer Schau ermöglicht den Besucher*innen nicht nur den Erhalt eines umfangreicheren Bildes von Spandau zu jener Zeit, sondern gibt auch die Möglichkeit individuelle Biografien zu entdecken.

Die Geschichte der Familie Hannes zeigt beispielhaft wie Ausgrenzung, Entrechtung, Raub, Vertreibung, Zwangsarbeit, Deportation und Ermordung die Existenz jüdischen Lebens bestimmten. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Pogromnacht 1938 in Spandau. Ein Teil der Ausstellung beschreibt die Ausmaße der Zerstörung sowie die Auswirkungen auf die Bevölkerung. Erzählt wird unter anderem das Schicksal der Familie Stein aus Siemensstadt, deren Geschäft geplündert wurde. Flucht und Deportation zerriss die Familie.

Die Ausstellungen der Jugendgeschichtswerkstatt entstanden unter Beteiligung verschiedener Oberschulen mit jungen Spandauer*innen. Weitere Informationen zur JGW Spandau erhalten sie hier.


     
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/ DIE PAMPA LEBT. Hellersdorf als Großwohnsiedlung gestern, heute und morgen

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Eva Hertzsch & Adam Page mit Sabine Büttner, Mike Hartwig, Rosel Juhl, Siegfried Nord, Evelin Paap, und Lutz Reineke

Großplakate an drei Standorten in Hellersdorf:
*Alice-Salomon-Platz (vor dem Rathaus)
*Cottbusser Platz (vor dem U-Bhf.-Ausgang Carola-Neher-Str.)
*Kastanienboulevard (Nähe zentraler Platz)

Das soziale, politische und kulturelle Gefüge eines immer kosmopolitischeren und widersprüchlichen Hellersdorf ist Ausgangspunkt des künstlerischen Rechercheprojekts »Die Pampa lebt« im Quartier Boulevard Kastanienallee (2019-2021). Seit März 2019 arbeitet eine Gruppe von Anwohner_innen mit den Künstler_innen Eva Hertzsch und Adam Page zu beispielsweise den Fragen: Welche Hoffnungen, Ängste, Glücksversprechen und Kränkungen gab es hier in den 1990ern und heute? Welche Auswirkungen hat der Wegfall vieler Arbeitsplätze in der Industrie? Welche Zukunftsvisionen gibt es für Hellersdorf?
Während gemeinsamer Ausflüge zu anderen Großsiedlungen und Ausstellungen sammelten sie über 300 Antworten in Form von Dokumenten, Fotos und Statements.

Von diesem Material inspiriert malten Eva Hertzsch und Adam Page Aquarellbilder, die wiederum zentrale Motive für eine Reihe von Großplakaten an drei Standorten im Quartier Boulevard Kastanienallee bilden.

Das Motiv »Kienberg Gas« vor dem U-Bahnhof Cottbusser Platz zeigt die künstlerische Utopie der zukünftigen Umwandlung des Kienbergs vom IGA-Standort zur Energiequelle: Aus den unter dem Kienberg kompostierenden Ablagerungen der Vergangenheit wird Biogas produziert und in der Großsiedlung verteilt.
Ein weiteres dort aufgestelltes Motiv »Wohnen am Cotti« schlägt eine alternative Bebauung für die Grünfläche vor: Statt den aktuell von Investor_innen vorgesehenen flächendeckenden Zweistöckern, die die bewachsene Fläche versiegeln, wird der Bau eines Wohnhochhauses vorgestellt. Durch die viel kleinere Grundfläche, bleiben Sport- und Pflanzaktivitäten für die Anwohner_innen erhalten.

Auf dem zentralen Platz des Kastanienboulevards zeigt das Motiv »Brunnen am Wilde-Mathilde-Platz« die Wiederinbetriebnahme eines defekten Springbrunnens. Dieser wird der heutigen Eigentümerin Deutsche Wohnen entzogen und an das städtische Bauunternehmen GESOBAU übergeben. Durch die Flutung einer GESOBAU-Tiefgarage mit Grundwasser bekommt der instandgesetzte Springbrunnen wieder Wasser.

Das Motiv »Haus der urbanen Kulturen der Welt« vor dem Rathaus am Alice-Salomon-Platz greift die Debatte um die geplante Umgestaltung des Platzes auf. Hier wird die Versetzung des angrenzenden Expo-Pavillons auf den Platz vorgeschlagen. Das Gebäude wird in ein Centre Pompidou-ähnliches Haus für Bildung und Kunst umgestaltet.

Die Motive werden wöchentlich an den jeweiligen Standorten durch die Künstler_innen geändert und die Inhalte und Rechercheergebnisse mit Passant_innen diskutiert (Termine werden in Kürze bekannt gegeben).

nGbK-Projektgruppe: Jochen Becker, Fabian Bovens, Eva Hertzsch, Margarete Kiss, Constanze Musterer, Adam Page
In Zusammenarbeit mit Sven Eggers

DIE PAMPA LEBT wird gefördert aus Mitteln aus dem Programm „Soziale Stadt“ und unterstützt vom Amt für Weiterbildung und Kultur Marzahn-Hellersdorf


     
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/ Janosch Ausstellung

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Die Kulturstiftung Schloss Britz präsentiert in Kooperation mit der Tübinger Galerie Art28 eine Auswahl von rund hundert Unikaten und Grafiken
aus dem umfangreichen Schaffen des Künstlers Janosch.
Mit Papa Löwe, Bär, Tiger und vor allem der Tigerente prägte und prägt der 1931 geborene Zeichner, Schriftsteller und Grafiker seit vielen
Jahrzehnten die Kindheit und Jugend vieler Menschen.
Mit seinen zu Recht berühmten Figuren und Illustrationen richtet sich Janosch auch an ein erwachsenes Publikum. In weniger bekannten Arbeiten beschäftigt er sich mal derb, mal sinnlich mit der facettenreichen Schilderung von Beziehungen und Stimmungen, aber auch von Städten und Landschaften.
In vielen Arbeiten zeigt er sich als pointierter Erzähler, aber auch als kritischer Kommentator und genauer Beobachter, dem nichts Menschliches fremd ist.
Zu erleben ist eine Ausstellung für die ganze Familie, in der man geliebte Figuren wiedersehen und die vielschichtige Künstlerpersönlichkeit Janosch kennenlernen kann. Ergänzend wird ein vielfältiges Mitmach- und Begleitprogramm für Kinder, Familien, Schulen und Erwachsene angeboten.


     
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/ Robert Capa, Berlin Sommer 1945

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Robert Capa (1913–1954) ist einer der größten Fotografen des 20. Jahrhunderts: Seine Bilder von Europas Kriegsschauplätzen haben sich in unser Gedächtnis eingeprägt. Weitgehend unbekannt
jedoch blieben die über 600 Fotos, die Robert Capa im Sommer 1945, in US-amerikanischer Uniform, in Berlin aufnahm:
Ein subjektiver, auch distanzierter Blick auf die befreite, zerstörteStadt und ihre Menschen, auf alliierte Soldaten, Berlinerinnen und Berliner und immer wieder auf Kinder.
75 Jahre nach der Befreiung Europas vom Nationalsozialismus werden zum ersten Mal 120 Fotografien aus Capas Berlin-Konvolut in einer Ausstellung gezeigt. Die Bilder folgen dem imaginierten Stadtrundgang des Fotografen, für den die Tage in Berlin im Sommer 1945 eine Wende in seiner Karriere und in seinem Leben bedeuteten.
In Kooperation mit dem Robert Capa Archive des International Center of Photography, New York


     
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/ Report from Exile - Fotografien von Fred Stein

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In seiner Ausstellung „Report from Exile – Fotografien von Fred Stein“ stellt das Deutsche Historische Museum den deutsch-amerikanischen jüdischen Fotografen Fred Stein (1909–1967) vor, dessen umfangreiches fotografisches Werk untrennbar mit den Themen Emigration und Exil verbunden ist. Der Dresdener Jude wurde im Juni 1933 aus dem sächsischen Justizdienst entlassen und musste im Herbst 1933 aus Deutschland fliehen. Im Pariser Exil begann er als Porträt- und Pressefotograf zu arbeiten und zählte damit zu den zahlreichen autodidaktischen Fotografinnen und Fotografen jüdischer Herkunft. Nach der erneuten Flucht 1941 nach New York führte Stein die Porträtfotografie mit einem Schwerpunkt auf Schriftstellerporträts fort und trug – wie er selbst es bezeichnet hat – „die größte Sammlung von Fotos solcher Autoren [Emigranten], die ein Fotograf je selbst gemacht hat“, zusammen.

Die Ausstellung zeichnet parallel zu diesem historischen Schwerpunkt anhand von zahlreichen Presse- und Straßenfotografien, Publikationen und Dokumenten den beruflichen Weg des Autodidakten nach. Ausgewählte Beispiele belegen, wie Stein, der 1930 in Leipzig ein Studium der Rechtswissenschaften abgeschlossen hatte, um die Durchsetzung seiner Bildrechte kämpfen musste, um den Lebensunterhalt für seine Familie zu verdienen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf Steins Pariser Schaffensperiode und der Thematik des Exils. Dokumente und Objekte aus den Sammlungen des Deutschen Historischen Museums und anderen Archiven zur Tätigkeit der deutschsprachigen Emigranten in Paris verdeutlichen den politischen und kulturellen Kontext.

Die Ausstellung wird kuratiert von Ulrike Kuschel.


     
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/ Veronika Kellndorfer: Screens and Sieves

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In der Ausstellung SCREENS AND SIEVES geht es um eine Reise durch Raum und Zeit. Die Künstlerin Veronika Kellndorfer bringt das europäische und amerikanische Werk Ludwig Mies van der Rohes in einen Dialog, indem sie großformatige Ansichten der Neuen Nationalgalerie (1962-68) mit der Architektur des Landhaus Lemke (1932/33) verknüpft. Auf Einladung von Joachim Jäger fotografierte Veronika Kellndorfer die leere Halle der Neuen Nationalgalerie kurz nach ihrer Schließung im Jahr 2015. Es entstanden Aufnahmen, die bereits jetzt historische Dimension haben, denn sie zeigen die Neue Nationalgalerie in einer Art archäologischen Zwischenzustand, der so nie wieder zu sehen sein wird. Einige dieser Arbeiten werden nun zum ersten Mal in Berlin ausgestellt, als Ouvertüre und Referenz zur Wiedereröffnung der Neuen Nationalgalerie, die für Dezember 2020 geplant ist.

Kellndorfer skaliert die Fotografien als raumbezogene Formate in die Dimension von Architektur. Ihre Fotografien sind als Siebdruck auf Glas gefertigt. Im Ausstellungskontext machen bedruckte Gläser und für den Prozess der Fertigung verwendete Siebe – textiles Gewebe, gespannt auf riesige Alu-Rahmen – das vielschichtige Verfahren sichtbar und eröffnen Ambivalenzen von Spiegelung, Transparenz und Durchdringung. Der Nationalgalerie-Zyklus entstand 2017 als Beitrag zur Architekturbiennale in Chicago und war 2018 in einer von Berry Bergdoll kuratierten Schau im Elmhurst Art Museum zu sehen.


     
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/ Martha Cooper: Taking Pictures

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"Martha Cooper: Taking Pictures" zeichnet mithilfe von Fotografien und persönlichen Gegenständen Coopers Leben nach – angefangen von ihrer ersten Kamera im Jahr 1946 bis hin zu ihrem heutigen Renommee als weltberühmte Fotografin. Die dokumentarische Retrospektive zeigt die facettenreiche Sicht der Fotografin auf eine Welt, in der Kreativität an jeder Ecke zu finden ist. Die Ausstellung beginnt mit Bildern aus Subway Art, Martha Coopers richtungsweisendem Buch (zusammen mit Henry Chalfant,1984), das der weltweiten Urban-Art-Bewegung zum Durchbruch verhalf. Ihre Fotografien dokumentieren die damals noch verborgene Subkultur junger Graffiti-Künstler*innen und ihrer illegalen Kunstwerke auf tausenden Zügen in New York City. Viele ihrer Fotografien sind zu ikonischen Stellvertretern einer Zeit, eines Ortes oder einer Kultur geworden. Zudem zeigt die Ausstellung bisher unveröffentlichte Fotografien, Zeichnungen, Zeitschriften, Artikel, Briefe und Gegenstände – und bietet so einen seltenen Einblick in Coopers Archive. Skizzenhefte, Sticker, Kodak-Filmtaschen und Kinderspielzeug, die Martha Cooper ihr Leben lang eifrig gesammelt hat, werden ebenfalls zu sehen sein. Das Augenmerk gilt zudem ihren ausgiebigen Reisen und ihren Freundschaften mit Künstler*innen aus aller Welt. Der Eintritt ist frei.

Eröffnungswochenende:

Freitag, 02.10. 
20:00 bis 23:00 Uhr

Samstag, 03.10.
10:00 bis 22:00 Uhr

Sonntag, 04.10.
10:00 bis 20:00 Uhr


     
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/ Kunst am Bau Spandau

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Für die Musikschule Spandau und den Sport- und Jugendclub Wildwuchs in der Spandauer Wilhelmstadt wurden 2020 Kunst-am-Bau-Wettbewerbe ausgelobt, die als anonymisierte Wettbewerbe mit jeweils 7 eingeladenen Künstler*innen durchgeführt wurden. In der Lounge des ZAK werden neben den beiden Siegerentwürfen alle eingereichten Beiträge zu sehen sein.

Wettbewerb Musikschule Spandau: Axel Anklam (Siegerentwurf), Jenny Brockmann, Friederike Feldmann, Tom Früchtl, Ulrike Mohr, Matej Rízek, Gloria Zein

Wettbewerb SJC Wildwuchs: Kai Schiemenz (Siegerentwurf), Raphael Beil, Birgit Cauer, Reinhard Haverkamp, Vanessa Henn, Marina Schreiber, Michael Konstantin Wolke.

realisieren. Dazu hat der Stadtrat für Kultur einen Referenten für Kunst am Bau berufen, der in Zusammenarbeit mit den zuständigen Fachämtern dem Thema Kunst am Bau eine neue Stellung im gesamtbezirklichen Kontext geben wird.

Kunst am Bau hat in Berlin eine lange Tradition: Als künstlerische Aufgabe mit unmittelbar öffentlichem Bezug ist sie ein wichtiger Bestandteil der öffentlichen Bauherrenaufgaben. Kunst am Bau setzt sich mit Ort und Raum, Inhalt und Funktion der Bauaufgabe auseinander. Sie kann einen Bau unterstreichen oder auf ihn reagieren, Akzeptanz und Identifikation fördern, Öffentlichkeit herstellen und Standorten ein zusätzliches Profil verleihen.


     
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/ not for sale

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Die Ausstellung not for sale verbindet im Zusammenspiel von Zeichnungen und Fotografien drei Positionen zum Thema „Wasser“. Die realen Bilder und Imaginationen basieren auf unserem menschlichen Wissen: Natur ist nicht unbegrenzt nutzbar, ohne Schaden zu nehmen. Der menschgemachte Klimawandel beweist es längst in seinen vielfältigen Auswirkungen wie zum Beispiel dem ansteigenden Meeresspiegel oder Wassermangel in vielen Teilen der Erde infolge von Erderwärmung.

Antonia Bisig lässt ihre großformatigen Zeichnungen „angezählt“ sensuell erlebbar von der Decke in den Raum schweben, einer scheinbaren Leichtigkeit der Arbeit zum Trotz mit schwerem Inhalt beladen. Ihre eindringliche Botschaft lautet in all ihren hier gezeigten Arbeiten: Wasser ist nicht verhandelbar.

Doris Hinzen-Röhrig widmet sich in ihren Bildanordnungen aus Zeichnungen und kleineren Fotografien dem bedrohten Ökosystem der Weltmeere, mit Fokus auf sterbende Korallenriffe. Ihre Arbeiten changieren zwischen ästhetischer Überhöhung und Hinterfragung.

Silvia Sinhas Fotografien geben den Blick auf Ambivalenz in unserer emotionalen Beziehung zu Wasser frei: Wir fühlen uns von seiner natürlichen Schönheit angesprochen; empfinden es als erfrischend und beruhigend; wir fürchten es und wir brauchen es. Wasser verdient – so oder so – unseren verantwortungsvollen Umgang.


     
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/ Radikale Passivität: Politiken des Fleisches

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Anmeldung bis 20:00 unter https://www.berlinartweek.de/reservierung-ngbk-neue-gesellschaft-fuer-bildende-kunst/
Nach 20:00 werden die Plätze an der Tür vergeben. Die Besucher*innenkapazität ist begrenzt. Es gelten die gängigen SARS-CoV-2-Schutzverordnungen

Mit: aLifveForms (cared for by J.P. Raether), Jimmy DeSana, Sophia Eisenhut/ Christian Kölbl, Till Gathmann, Oliver Husain/ Kerstin Schroedinger, Jeroen Jacobs, KAYA, Richard Kern/ Lydia Lunch, Jutta Koether, Andreas Langfeld, Deana Lawson, Lee Lozano, N.O. Madski, Sidsel Meineche Hansen, Henrik Olesen, Ovartaci, Vika Prokopaviciute, Eran Schaerf, Alina Szapocznikow, Paul Thek, Wu Tsang, Clemens von Wedemeyer, Marianne Wex, Andrea Winkler u.a.

Die Ausstellung widmet sich in drei aufeinander folgenden ›Szenen‹ neuen Formen von Sensibilität und Fleischlichkeit in den Künsten. Das thematische Spektrum reicht von Auseinandersetzungen mit Schmerz, Sucht und Erregung (1. Szene) über die Idee eines neuen digitalen Fleisches (2. Szene) bis hin zu Fragen nach der gesellschaftlichen Formierung einer nicht mehr subjektzentrierten Empfindsamkeit (3. Szene).

Ausgangspunkt für die Ausstellung ist Paul B. Preciados biopolitische These, die Machtform der heutigen Gesellschaft sei ›pharmakopornografisch‹: Die Weise, in der man gegenwärtig subjektiviert wird, verlaufe zum einen über Pharmazeutika – gemeint sind Medikamente, Hormone, Aufputschmittel, Tranquilizer und Drogen. Zum anderen funktioniere die heutige Machtform über Erregung, wobei nicht nur die Pornoindustrie gemeint ist, sondern auch andere gesellschaftliche Mechanismen, die der masturbatorischen Logik: ›Erregung – Frustration – Erregung‹ gehorchen. Adressat dieser Regulierungen ist das sensible Fleisch in seiner nervlichen Ausgesetztheit, Passibilität und Verwundbarkeit.

Die gezeigten künstlerischen Arbeiten exponieren die Zusammenhänge von Macht, Krankheit, Sex, exzessiver Empfindsamkeit und Kunst. Sie lenken die Aufmerksamkeit auf das Unwillkürliche wie Hinfällige und hinterfragen Politiken der Affizierung. Neben Werken aus den 1960er und 1980er Jahren werden vor allem zeitgenössische Positionen gezeigt, die dasjenige thematisieren, was in Kunst und Leben nicht Gegenstand der Wahl und nicht im Möglichkeitsspielraum des Einzelnen vorgezeichnet ist. Schwäche, Altern, Erschöpfung oder Sterblichkeit, aber auch Geburt, Verletz- und Erregbarkeit sind Phänomene radikaler Passivität, die in ihrer künstlerischen Brechung als Kritik an einer vermeintlichen Regierbarkeit des fleischlichen Seins zu verstehen sind.

Szene 1 »Ästhetiken der Affizierung: Schmerz und Erregung« ab 11. Sept. 2020
Szene 2 »Digitale Fleischlichkeit: Mensch-Maschine-Sex« ab 2. Okt. 2020
Szene 3 »Politiken des Fleisches: Formierungen des Körpers« ab 16. Okt. 2020

Ein Teil der Ausstellung wandert in die HGB-Galerie Leipzig.

Ein Kooperationsprojekt der neuen Gesellschaft für bildende Kunst (nGbK) und der Gesellschaft für künstlerische Forschung in Deutschland (gkfd)
Kuratorisches Team: Kathrin Busch und Ilse Lafer
Kuratorische Mitarbeit: Jonas von Lenthe

Finanziert aus Joint Venture Mitteln der Senatsverwaltung für Kultur und Europa.


     
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/ Bárbara Wagner & Benjamin de Burca

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Bárbara Wagner und Benjamin de Burca arbeiten vor allem in den Bereichen Film und Fotografie. Ihre Werke weisen dokumentarische wie auch fiktionale Züge auf. Insbesondere populäre Musik-Genres und deren identitätsstiftende Rolle für unterschiedliche Gruppierungen sowie deren Selbstdarstellung sind integrale Bestandteile der Recherche des Künstler*innen-Duos. Durch Rhythmus, Songtexte und Tanz verhandeln die Filme von Wagner und de Burca Aspekte wie Sichtbarkeit, Vorurteile und scheinbar marginale kulturelle Phänomene, die im Leben der porträtierten Menschen aber von großer Bedeutung sind.


Swinguerra, 2019, 21:00 Min.

Der Film „Swinguerra“ wurde in Zusammenarbeit mit Tanzgruppen aus den Außenbezirken von Recife entwickelt, abseits der wirtschaftlichen und politischen Macht des Nordostens Brasiliens. Eine vielfältige lokale Popmusikszene — die von einer Tradition festlicher und religiöser afrikanischer Rituale bis hin zur Einbeziehung amerikanischer Pop-Einflüsse reicht — wird hier anhand von drei Musik- und Tanzrichtungen beispielhaft präsentiert: Swingueira, Brega funk und Passinho do maloka.

In der traditionellen „Swingueira“ trainieren unabhängige Tanzgruppen, die aus bis zu 50 Jugendlichen bestehen, auf Sportplätzen eifrig darauf hin, bei jährlichen Wettbewerben gegeneinander anzutreten. Entstehend aus dem Bedürfnis nach sozialer Integration, erschaffen diese Wettbewerbe Erfahrungen von Zugehörigkeit. „Brega funk“ stammt von „Swingueira“ ab. Die Tänzer*innen treten im Unterschied aber kommerziell auf Bühnen in Nachtclubs und bei Konzerten mit einem MC auf. In der „Passinho do Maloka“ kreieren Jugendliche Choreographien zum Spaß und für soziale Medien.

Inmitten allgegenwärtiger politischer und gesellschaftlicher Kämpfe um soziale Gerechtigkeit und Wiedergutmachung mit der Vergangenheit ist der Film eine empathische Beobachtung lokaler — aber nicht einzelner — Konflikte. Die im Video repräsentierten Schwarzen Männer, Frauen und Transgender Künstler*innen nutzen den Tanz als ein Mittel zum Widerstand. In einem Land mit der weltweit höchsten Mordrate an Transvestiten, Transgender und Homosexuellen haben die Protagonist*innen die Chance, vor der Kamera und beim Tanzen sie selbst zu sein. „Swinguerra“ ist ein Fest der Vielfalt und ein Spiel aus zwei Worten: „Swingueira“, die Tanzrichtung, und aus dem portugiesischen „guerra“ für Krieg oder Kampf.


     
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/ Das Coming Out von Ost-Berlin

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Schwule, Lesben, Trans* und bisexuelle Menschen in der DDR organisierten sich verstärkt ab Anfang der 1980er Jahre. Sie forderten eigene Räume, kämpften für Anerkennung und Teilhabe und setzten sich für ihre Rechte ein. Dabei war gerade die Szene in Ost-Berlin vielfältig: mal feierten Schwule, Lesben, Trans* und Bisexuelle gemeinsam, mal getrennt; es gab Wandergruppen genauso wie Künstler*innenkollektive. Auch die politischen Positionen zur DDR und später zu den politischen Veränderungen ab 1989/90 gingen stark auseinander. Die Menschen trafen sich in oppositionellen Kirchengemeinden, vereinzelten Clubhäusern und sie willkommen heißenden Kneipen – oder, in Ermangelung solcher Freiräume, in ihren Wohnzimmern. In den 1990ern verschwanden die meisten dieser Orte und oft auch die Gruppen, die sie erkämpft hatten. Die Ausstellung „Ost-Berlins Coming Out“ macht sie erneut sichtbar. Sie zeigt DDR-Geschichte einmal anders: es geht um Lesben und Schwule in der Kirche, transsexuelle Gesprächskreise, Bart-Gruppen und vieles mehr.

Kuratiert von Lotte Thaa und Birga U. Meyer

Gefördert mit Mitteln der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur


     
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/ Intimacy

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Spätestens seit die Fotografin Nan Goldin in den 1980er Jahren begann, mit schonungsloser Nähe ihr eigenes Leben zu dokumentieren, gehört Intimität zu den zentralen Anliegen queerer Kunst. Mit ihr zeigt sich das Verhältnis von Öffentlichem und Privatem auf besondere Weise. Ist das Öffentlichmachen von Intimität für queere Minderheiten zwar riskant, haben sich hier auch stets neue Formen von Intimität herausgebildet, vor allem auch in Berlin – vom gemeinsamen Feiern über Darkroom-Sex zu polyamourösen Beziehungen. Gerahmt werden diese Lebensformen von medialen und pharmakologischen Entwicklungen. Die Digitalisierung hat hier Spuren hinterlassen wie die Medizingeschichte von HIV/AIDS bis zu Covid 19. Die Ausstellung Intimacy zeigt zu diesen Themen ca. 30 Positionen der queeren Gegenwartskunst: von Fotografien über Malerei und Skulpturen zu Videoinstallationen und Filmen. U.a. mit AA Bronson, Abel Burger, Elijah Burgher, Simon Fujiwara, Nan Goldin, Florian Hetz, Donna Huanca, Victor Luque, Michaela Melián, Slava Mogutin, Spyros Rennt, Paul Sepuya und Tejal Schah.

Gefördert mit Mitteln aus dem Hauptstadtkulturfonds.


     
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/ StadtRandLage

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Für die Ortsteile des heutigen Bezirks Marzahn-Hellersdorf war der Weg nach Groß-Berlin durchaus kompliziert und umstritten. Die Gemeinde Mahlsdorf beispielsweise sollte anders als Biesdorf, Hellersdorf, Kaulsdorf und Marzahn zunächst gar nicht einbezogen werden, da sie etwas mehr als 15 km vom Berliner Stadtzentrum entfernt lag. Letztlich setzten sich aber die Befürworter innerhalb und außerhalb des Ortes durch. Eines aber blieb - die Stadtrandlage des gesamten Territoriums. Den roten Faden der Ausstellung bildet daher die Frage: Wie veränderten die „100 Jahre in der großen Stadt“ die ehemals vorstädtischen bzw. ländlichen Orte?
Ausgehend von den Bedingungen und dem Verlauf der Eingemeindung der bis dahin zum Kreis Niederbarnim gehörenden Gemeinden umreißt die Ausstellung die wechselvolle Beziehungsgeschichte zwischen Marzahn-Hellersdorf und Berlin in historischen und aktuellen Beispielen - von A wie Alice-Salomon-Hochschule bis Z wie Zwangsarbeit.


     
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/ Poröse Stadt

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Der Kunstraum Kreuzberg präsentiert mit Poröse Stadt — Grenzgänge des Urbanen eine Ausstellung, deren unterschiedliche künstlerische und aktivistische Positionen den Stadtraum Berlin als Wohn-, Lebens- und Erfahrungsraum verhandeln und marginalisierte Räume mit ihren Erzählungen, Widersprüchen und Überlagerungen sichtbar machen.

Poröse Stadt eröffnet einen Blick auf das Bewohnen von Stadt als poröses und prekäres Beziehungsgeflecht, das immer wieder neu verhandelt werden muss. Die Ausstellung versucht, die (unsichtbaren) Grenzziehungen und Machtverhältnisse im städtischen Raum, aber auch die kreativen Möglichkeiten ihrer Umdeutung und Aneignung sichtbar zu machen. Gerade durch die Einblendung dieser Machtverhältnisse innerhalb städtischer Verwertungsprozesse wird die Verwicklung und Verdichtung unterschiedlicher Regime der Marginalisierung für bestimmte Körper und Erinnerungen in denselben Räumen einer Stadt deutlich. Die Auseinandersetzung mit der Stadt wird somit zu einer Auseinandersetzung mit der gelebten Erfahrung im Stadtraum, den sozialen Formen, die bestimmte Architekturen (v)er(un)möglichen, als auch der ‘wohnenden Gesellschaft’ als sozialer Architektur selbst.

Eine Ausstellung von Caroline Adler & Eylem Sengezer im Kunstraum Kreuzberg/Bethanien.

Ein Ausstellungsprojekt mit Arbeiten von: Akbar Behkalam, Nathalie Anguezomo Mba Bikoro & Anaïs Héraud-Louisadat, Filipa César, Alice Creischer & Andreas Siekmann, Harun Farocki, Micz Flor & Merle Kröger & Philip Scheffner, Emily Hass, Juliane Henrich, Kämpfende Hütten, Aykan Safoğlu, Anri Sala, Hadas Tapouchi, Nasan Tur, Pınar Öğrenci, Ultra-red, Bárbara Wagner & Benjamin de Búrca

Gefördert aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds und der Senatsverwaltung für Kultur und Europa: Fonds für Kommunale Galerien und dem Fonds für Ausstellungsvergütungen für Bildende Künstlerinnen und Künstler.


     
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/ Orange over White

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In der Ausstellung „Orange over White“ des Künstlers Daniel Sambo-Richter nimmt ein acht Meter großes Bild die zentrale Wand des Ausstellungsraumes ein. Mit diesem Bild ist die Grundidee der Ausstellung formuliert. Das die gesamte Wandbreite überspannende Werk stellt eine riesige Eiswand dar, die dem Betrachter jeden Ausblick verwehrt. Das Bild ist in seiner Gänze nicht zu erfassen. Der Abstand zum Bild erlaubt dem Betrachter das Bild als einen Landschaftsausschnitt zu
erkennen, der sich aber bei nahem Herantreten zu einer reinen abstrakten Fläche auflöst. Über die Darstellung einer Eislandschaft hinaus geht es um reine Malerei.
Farbe, Rhythmus, Form. Der Betrachter soll sich in dem Bild vollkommen verlieren. Auf der inhaltlichen Ebene ist dieser mit einer Ruinenlandschaft konfrontiert, die den Zerfall eines ursprünglich in sich geschlossenen Systems zeigt.
Darum geht es in der Ausstellung: Um die Welt als Ruine. Zerbrechen, Zerfall, Auflösung.
Eine auf Papier gearbeitete Serie führt dieses Thema fort. Sie zeigt auf schwarz und weiß reduzierte Ausschnitte von Vulkaneruptionen, Bränden und Lavaströmen, düster
und unheilvoll, dennoch voller Kraft und energiereich. Verdichtung und Potenzial für Neues. Die Zeichnungen dieser Serie, obwohl sie in einem Spektrum von schwarzen und grauen Farben gehalten sind, thematisieren das Gegenteil von Eis: Feuer.
In der Ausstellung finden sich auch ältere Arbeiten, die in intensiven Gelb-, Orange- und Rottönen Feuersbrünste darstellen. Brennende Wälder, brennende Häuser. Einige Arbeiten in der Ausstellung erweitern den Gesamtkontext hin zu einem
irrationalen Moment, der unter der dystopisch und unheilvollen Szenerie, ein eigentliches mystisch/magisches Geschehen erkennen lassen.

Gefördert durch die DKB AG


     
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/ »Aufbruch und Reformen – Pioniere der modernen Sozialarbeit in Prenzlauer Berg während der Weimarer Republik«

Die soziale Not großer Teile der Bevölkerung durch die Folgen des Ersten Weltkrieges und der Inflation traf besonders Kinder und Jugendliche. Viele blieben ohne Ausbildung und Beschäftigung. Unter Leitung von Walter Friedländer setzten engagierte Mitarbeitende des neu gegründeten Jugendamtes Prenzlauer Berg zahlreiche Reformen für die Jugend um. Ihre Arbeit von überregionaler Strahlkraft ist heute weitgehend unbekannt. Die Ausstellung stellt die zentralen Akteure erstmalig in den Mittelpunkt. Exkurse zu den historischen Zäsuren 1933,1945 und 1990 ergänzen die Perspektive der Kinder- und Jugendhilfe bis in die Gegenwart.


     
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/ K. H. Hödicke

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Der Maler K. H. Hödicke (*1938 Nürnberg) zählt zu Beginn der 1960er-Jahre zu den Wortführern einer kleinen Gruppe ungestümer jugendlicher Querdenker, die die Malerei revolutionieren wollen. Kaum dass die deutsche Nachkriegsmoderne wieder Anschluss an internationale künstlerische Tendenzen der Abstraktion gefunden hat, begehren sie gegen diese neuerliche Doktrin auf und halten mit einer Renaissance der für obsolet erklärten figurativen Malerei dagegen. Die retrospektiv angelegte Ausstellung K. H. Hödicke, die nach ihrer Premiere in der Staatlichen Graphischen Sammlung München nun in Berlin zu sehen ist, gibt einen Einblick in ein nahezu unerschöpfliches künstlerisches Werk und demonstriert in der Zusammenschau von Zeichnung, Gemälde und Skulptur, dass K. H. Hödicke heute zweifellos zu den Klassikern gehört, sein Jahrzehnte übergreifender Werklauf aber hat seine Frische und Aktualität bewahrt.


     
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/ Haushaltsgeräte

Eine kleine Auswahl.


     
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/ Querschnitt

Braun-Produktion 1950–2000


     
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/ Talkshop Museum

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Das Bauhaus-Archiv / Museum für Gestaltung bekommt einen Neubau. Im „Talkshop Museum“ verhandeln wir Fragen, die uns auf dem Weg zum neuen Museum beschäftigen – mit Gästen und Publikum, live im temporary bauhaus-archiv und zum Nachhören vor Ort und im Netz. Wie erreicht man Menschen, die bisher nicht ins Museum kommen? Sollten Museen sich einen jugendlichen Beirat holen? Wie stellt man inklusiv aus? Und wie gestaltet man Ausstellungen nachhaltig?

Zu sechs Themen und Terminen laden wir Gäste aus der Museumspraxis, aus den Bereichen Bildung, Kunst und Design ins temporary bauhaus-archiv ein, die von ihrer Arbeit berichten und mit uns diskutieren. Audio-Aufzeichnungen der jeweiligen Talkshops werden online sowie im temporary längerfristig zur Verfügung stehen. Das Architekturlabor REFUNC gestaltet die Möbel für die Talks und Hör-Lounges aus Restmaterialien. Nach Ende der Veranstaltungsreihe können alle Objekte vom Publikum abgeholt werden und neue Verwendungen finden.

Anmeldung möglich ab 17. August 2020

Projektleitung:
Tullia Tarsia in Curia, Bauhaus Agentin am Bauhaus-Archiv / Museum für Gestaltung

Moderation:
Ivy Nortey, freie Journalistin (u.a. Deutschlandradio, rbb Kultur, taz)
Elke Buhr, Chefredakteurin Monopol – Magazin für Kunst und Leben

In Kooperation mit Monopol – Magazin für Kunst und Leben


     
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/ Postscriptum

Die Ausstellung „Postscriptum – ‚Ostarbeiter´ im Deutschen Reich“ der Gesellschaft Memorial erinnert an die sowjetischen Frauen, Männer und Kinder, die während des Zweiten Weltkrieges Zwangsarbeit für das NS-Regime leisten mussten.

Sie wurde im Rahmen eines Bildungsprojekts mit Moskauer Schüler*innen und Studierenden erarbeitet und von der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ gefördert.

Die Ausstellung ist erstmals in Deutschland zu sehen. Sie befindet sich im Außengelände des Museums und kann außerhalb der Öffnungszeiten besichtigt werden.


     
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/ Bunny Rogers

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Bunny Rogers’ künstlerische Praxis ist geprägt von persönlichen Erfahrungen und Erinnerungen. In ihren Arbeiten thematisiert die US-amerikanische Künstlerin Empfindsamkeit und Verletzlichkeit, Freundschaft und Außenseitertum und spielt mit Identitätsvorstellungen. Oft inspirieren sie Charaktere aus Fernsehserien, Videospielen und dem Internet.

So adaptiert Rogers die Figur Joan of Arc aus der Kult-Zeichentrickserie Clone High, in der eine Schule von Klonen historischer Persönlichkeiten bevölkert wird. In 15 Prints ihrer Installation "Self Portrait as clone of Jeanne d’Arc" (2019) wandelt sie sich zu Joan of Arcs Alter Ego in unterschiedlichen Situationen voller persönlicher wie popkultureller Referenzen. In diesem Spiel mit Maskeraden reflektiert Rogers die Vielschichtigkeit jugendlicher Weiblichkeit, mit ihr verbundener Angst, Intensität und Narzissmus, und verwandelt den Raum in eine intime Stimmungsbühne.

Der Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin freut sich über die Schenkung dieses zentralen Werks von Bunny Rogers durch private Förder*innen als Dank an den im Herbst 2020 scheidenden Direktor der Nationalgalerie Udo Kittelmann.


     
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Arbeit als Grundlage / STATUS MACHT BEWEGUNG

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Was vereint eine Sänfte und einen sogenannten „Lotosschuh“ mit Gemälden und Druckgraphiken, die Szenen der Arbeit und Jagd, des Spiels und Sports darstellen? Sie alle erzählen von den Möglichkeiten und Zwängen der abgebildeten Personen bzw. der Besitzer*innen des Objektes den eigenen Körper zu bewegen und zeugen von deren Status. Die Ausstellung „STATUS MACHT BEWEGUNG. Lust und Last körperlicher Aktivität“ beleuchtet das Potenzial der Bewegung als Mittel der Statusrepräsentation über verschiedene kulturelle, zeitliche und geografische Räume hinweg.

Die fünf Ausstellungskapitel untersuchen, wie sich zum einen Status und Macht und zum anderen Notwendigkeit und Pflicht durch bestimmte Bewegungsformen ausdrücken können:

In der ersten Sektion steht zunächst Bewegung, die der Existenzsicherung dient, im Fokus. Die Exponate – vom Lederschuh bis zur Fliese, von Amphoren bis zur Druckgraphik – erzählen von arbeitenden Menschen und den Mühen des Nahrungserwerbs.

Daran anknüpfend wird veranschaulicht, dass sich die Jagd von einer ursprünglich der Existenzsicherung dienenden Bewegung hin zu einem Statussymbol gewandelt hat und in vielen Kulturen mit großem Prestige und Privilegien verbunden war.

Über Jahrtausende hinweg war die Überwindung von Distanzen bestimmt durch das, was tierische und menschliche Körper physisch leisten konnten. Bis in die Gegenwart ist es wichtig, sich nicht nur komfortabel, sondern auch dem eigenen Status angemessen fortzubewegen, wie die Markenturnschuhe oder die prunkvolle Sänfte, die in der Ausstellung gezeigt werden, bezeugen können.

Die Abwesenheit von zielorientierter, zweckgebundener Bewegung wird in der vierten Sektion beleuchtet. Die Exponate – u. a. Fotografien mit Freizeitmotiven, Trinkgefäße, Brettspiele aus Babylon und ein Game Boy Classic – geben Aufschluss darüber, wie bestimmte Bewegungsarten im Kontext von freier Zeit und Muße, aber auch die demonstrative Nicht-Bewegung den sozialen Status repräsentieren können.

Abschließend gilt es, eine gezielte Beeinflussung des menschlichen Körpers durch Bewegung oder ihre gezielte Einschränkung in den Blick zu nehmen. Die Kultivierung des Körpers durch z. B. Sport, die in zahlreichen Kulturen ursprünglich Teil der aristokratischen Erziehung war, spiegelt sich oftmals in der Herausbildung markanter Körperformen wider, die physische Überlegenheit und Leistungsfähigkeit signalisieren. Im Gegensatz dazu schränkt etwa der Gebrauch eines Korsetts die Möglichkeiten des Körpers stark ein und kann seine Integrität teilweise unumkehrbar verletzen.

Die Ausstellung ist ein gemeinschaftliches Projekt von Nachwuchswissenschaftler*innen der Staatlichen Museen zu Berlin sowie des Musikinstrumenten-Museums des Staatlichen Instituts für Musikforschung. Sie vereint Objekte aus den vielfältigen Beständen der verschiedenen Häuser. Die sammlungsübergreifende Schau ermöglicht neuartige Interpretationen und Sichtweisen auf die ausgestellten Exponate, wodurch die Besucher*innen angeregt werden, gängige Vorstellungen von Bewegung neu zu befragen.

Durch die Corona-Pandemie gewinnt Bewegung zusätzlich an Aktualität: Die Möglichkeiten, sich zu bewegen, sind für Menschen weltweit stark eingeschränkt. Die Art und Weise, wie wir uns bewegen, wie wir zur Arbeit gehen, wie wir reisen oder wie wir unsere Freizeit gestalten, hat sich grundlegend verändert. Was noch vor wenigen Monaten selbstverständlich war, gilt derzeit nur noch bedingt. Als Ein- und Rückblick auf die Entwicklung von Bewegungsformen im Laufe der Zeit und der Kulturen bietet die Ausstellung einen Denkraum, um über Bewegung als ein Privileg oder eine Last zu reflektieren.

Zur Ausstellung ist die Publikation „STATUS MACHT BEWEGUNG. Lust und Last körperlicher Aktivität“ (herausgegeben von Frederik Grosser, Teresa Laudert, Silvia Massa und Philipp Zobel, 104 Seiten, ca. 50 Abbildungen) erschienen. Anhand von 16 von den Volontär*innen verfassten Essays sowie einem vollständigen Objektverzeichnis wird das Ausstellungsprojekt dokumentiert und bietet so einen interdisziplinären, sammlungsübergreifenden Ausblick auf das Verhältnis von Status, Macht und Bewegung. 

Arbeit als Grundlage

     
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/ Jakob Ganslmeier: Haut, Stein

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In seinem fotografischen Projekt „Haut, Stein“ thematisiert Jakob Ganslmeier den Ausstieg ehemaliger Neonazis sowie den Umgang mit historischen NS-Symbolen in der Architektur des öffentlichen Raums. Dabei geht es um Einschreibungen von Zeichen: Bei den Tätowierungen um Einschreibungen in die Haut, bei den baulichen NS-Symbolen um Fixierungen im Gebäude. Farbfotografien dokumentieren den Ausstieg ehemaliger Neonazis. Individuelle Portraits stellen den Prozess des Ausstiegs dar, indem sie die langwierige Entfernung von rechtsextremen Tattoos und damit die Entwicklung des Ausstiegs ehemaliger Neonazis aufzeigen. Schwarzweißfotografien zeigen historische NS-Symbole in der Architektur unseres öffentlichen Raums, die trotz der Entnazifizierung entweder belassen wurden oder trotz Übermalungen und anderer Verfremdungen immer noch erkennbar sind. Sie bilden die NS-Symbole im Einzelnen, an Häusern, Schmuckbändern, Fassaden, und in ihrem räumlichen Zusammenhang, im Dorf, an Straßen, in Siedlungen,ab.
Die Ausstellung stellt individuelle Geschichten in einen gesellschaftlich-politischen Zusammenhang. Aus der Zusammensetzung von einerseits den Werdegängen, Geschichten und Portraits der Aussteiger*innen und andererseits den Architektur-Fotografien entsteht eine Analyse, die den Umgang mit Zeichen und Praktiken aus dem Nationalsozialismus von damals bis heute reflektiert. Oftmals wird die deutsche Vergangenheit wie ein abgeschlossenes Kapitel behandelt; „Haut, Stein“ stellt diesen Umgang mit der Geschichte in Frage.

Mit Kommunikationsmittlung in deutschen Gebärden.