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Philosophie und Beratung

I GING - Das "Buch der Wandlungen"

Das I Ging, das „Buch der Wandlungen“ ist der älteste der klassischen chinesischen Texte. Das Buch ist auch als Chou bekannt, was so viel wie „Wandlungen von Zhou“ bedeutet. Hieraus kann man schließen, dass die Tradition einen Ursprung in der Zhou-Dynastie sah.

Das I Ging enthält die Kosmologie und Philosophie des alten China. Grundideen sind eine Ausgewogenheit der Gegenteile und ein Akzeptieren der Veränderung. Das Buch beschreibt die Welt in 64 Bildern, die aus je sechs durchgehenden oder unterbrochenen Linien bestehen (Hexagramme).

In den westlichen Kulturen wird es vor allem als Weisheits- und Weissagungsbuch verstanden. Es wird von jeher in China als Orakel befragt. Die ursprüngliche Herkunft der Orakel-Tradition hat schamanistische Wurzeln und beruht auf dem Deuten von Kerben und Linien in durch Hitzeeinwirkung zerplatzten Schildkröten-Panzern.

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Philosophischer Hintergrund

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Im Verständnis der Schöpfer des I Ging ist die Welt ein nach bestimmten Gesetzen ablaufendes Ganzes, dessen Formen aus der permanenten Wandlung der beiden polaren Urkräfte entstehen. Die Grundprinzipien sind das Schöpferische (yang) und das Empfangende (yin). Alle Weltsituationen bestehen aus je einer spezifischen Yin-Yang-Mischung. Das Schöpferische ist immer stark, ohne Mühe, und zeigt daher das Leichte, das Empfangende ist immer nachgiebig und zeigt daher das Einfache. Ihr Zusammenwirken ist das eigentliche Geheimnis der Wandlungen und ihre Ursache. Yin und Yang („Tai Chi“) haben ihrerseits ihren Ursprung im Dao („Wuji“), dem „Weg“, dem Wandel oder der Form, nach der sich die Dinge bewegen.

Die 64 Bilder oder Zeichen leiten sich von Hexagrammen ab und sind sozusagen Abbilder von göttlichen Ideen, von in den Dingen erscheinenden Grund-Konstellationen der lichten, himmlischen Kraft yang und der dunklen, irdischen Kraft yin. Im I Ging ist "eine Zusammenordnung der Situationen des Lebens in all seinen Schichten, persönlichen sowohl wie kollektiven, und in all seiner Ausbreitung versucht."
Die Orientierung in der Welt. Der Überlieferung nach sind die 64 Bilder (Hexagramme) des I Ging von den Weisen des Altertums durch Beobachtung der Erscheinungsformen geschaffen worden und sollen „alle möglichen Zustände auf Erden“ abbilden und damit ausschöpfen können. Wer daher das I Ging kenne, kenne auch die Gesetzlichkeiten des Wandels und könne sich mit diesen verbünden. Die Veränderungen der Welt gelten als beeinflussbar und nicht nur als Schicksal. Veränderungen bieten Chancen und Möglichkeiten, bergen aber auch Gefahren in sich. Das I Ging, welches den Anspruch erhebt, durch Gefahren und Chancen zu leiten, ist daher nicht nur ein Orakel-, sondern auch ein „Lernbuch“ für die Wissenden, Kompendium der Weisheit.

Hexagramme

Das I Ging wird durch 64 verschiedene Linienzusammenstellungen dargestellt, die sich von Hexagrammen herleiten. Ein Hexagramm besteht aus sechs Linien, von denen drei ungebrochen (hart, durchgehend) und drei gebrochen (weich, in der Mitte unterbrochen) sind. Aus diesen sechs Linien lassen sich waagerecht angeordnet 26, d. h. 64 Kombinationen bilden.

Die Zeichen werden aus 2 × 3 Linien, also aus zwei „Trigrammen“ hergeleitet. Die durchgehenden Linien gelten als die festen und lichten, die unterbrochenen Linien gelten als die weichen und dunklen. Die Linien haben nach ihrem Platz innerhalb des Hexagramms (von unten nach oben gesehen) unterschiedlichen Rang und Bedeutung. Die betonten Linien des unteren Halbzeichens treten in das Zeichen ein, sind „kommend“, die betonten Linien im oberen Halbzeichen sind „gehend“. Die unterste und die oberste Linie eines Zeichens stehen immer in Verbindung zu anderen Zeichen und gehören nicht zu den Kernzeichen.

Die 64 Bilder oder Grundzeichen (identisch mit dem Ausdruck Hexagramm) beschreiben Kräfte (1 + 2), Situationen oder Aufgaben (3 + 5 + 6 + 10 …), Familie (31 + 37 + 54), persönliche Eigenschaften oder Fähigkeiten (4 + 8 + 9 + 14…), konkrete Tätigkeiten (Wanderer, 56), politische Phasen (11 + 12 + 18 + 21…) – meist enthalten sie abstrakte Begriffe mit mehreren Deutungsmöglichkeiten. Ein Beispiel aus dem Bild Nr. 1, „Das Schöpferische“: Das Schöpferische wirkt erhabenes Gelingen, fördernd durch Beharrlichkeit. Des Himmels Bewegung ist kraftvoll. So macht der Edle sich stark und unermüdlich. (Übers.: Wilhelm, 1922) Ohne Erläuterungen sind solche Epigramme rätselhaft und wenig verständlich. Daher entstand im Laufe der Jahrhunderte eine Reihe von Kommentaren, die diese Epigramme erläuterten.

Die zwei Linien

chinazeichen

Historisch ist das I Ging viel älter als die Yin-Yang-Lehre (Yin Yáng), folgende Zuordnungen für die zwei „Linien“ (Liang Yí) sind jedoch mit der Zeit üblich geworden:
Die durchgezogene Linie steht für das yáng: Ausdehnung, maskuliner Aspekt, Licht, Leben, ungerade Zahlen, Durchdringung, Berge; in Indien der Lingam. Symbol ist der Drache. Die unterbrochene Linie steht für das yin: Zusammenziehung, femininer Aspekt, Dunkelheit, Nacht, Tod, gerade Zahlen, Widerstand, Wasserläufe; in Indien die Yoni. Symbol ist der Tiger.

Durch Hinzufügen jeweils eines Yáng oder Yin entstehen aus den vier Xiàng acht Trigramme oder „Orakelzeichen“. Diese geben allerdings nur ein statisches Bild. Erst die Erweiterung zu den 64 Hexagrammen erlaubt es, ein dynamisches Geschehen darzustellen, da hier die Trigramme in Wechselwirkung zueinander stehen.

Trigramme

Die Hexagramme werden also jeweils aus zwei Trigrammen zusammengesetzt aufgefasst. Die acht Trigramme sind:

Das erste oder untere Trigramm eines Hexagramms wird als der innere Aspekt der ablaufenden Veränderung angesehen; das zweite oder obere Trigramm heißt der äußere Aspekt.

Der beschriebene Wechsel verbindet somit den inneren Aspekt (Person) mit der äußeren Situation. Gelesen werden die Hexagramme von unten nach oben, wobei jeweils die sog. Ränge 1–4, 2–5, 3–6 der beiden Trigramme in Verbindung gesehen werden müssen.

Der Text des I Ging beschreibt jedes der vierundsechzig Hexagramme. Später wurden Kommentare und Interpretationen angefügt. All diese zusammengenommen bilden das I Ging.
Die Hexagramme stellen Merkregeln der in ihnen enthaltenen Konzepte dar, die auf einer Philosophie der Ausgewogenheit der Gegenteile und Akzeptieren der Veränderung basieren.