Die esoterische Bewegung des "Wassermann-Zeitalters"

NEW AGE

Die Rennaissande der alten esoterischen Lehren in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts - Die bedeutendsten und prägenden "Meister" und Wesen des New Age

Einige der bekanntesten und einflußreichsten Persönlichkeiten des New Age:

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New Age (engl. „Neues Zeitalter“) war eine im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts gebräuchliche Bezeichnung für Esoterisches im Umfeld der Hippie-Bewegung. Ursprünglich etwa synonym mit dem astrologisch begründeten Begriff „Wassermannzeitalter“, wurde „New Age“ jedoch bald unabhängig davon in sehr freier Weise verwendet. Oft ist auch von einer „New-Age-Bewegung“ die Rede, was aus Sicht der Soziologie jedoch problematisch ist. Gegen Ende des 20. Jahrhunderts kam die Bezeichnung „New Age“ aus der Mode.

„New Age“ ist ein sehr unscharfer Sammelbegriff. Es etablierte sich nie eine klare Definition, und die Bezeichnung wurde in sehr freier Weise verschiedensten Strömungen und Gruppierungen zugeordnet.

Laut Kocku von Stuckrads Einführung Was ist Esoterik? (2004) konnten zwar ideengeschichtlich gewisse Kontinuitäten in den beteiligten religiösen Traditionen aufgezeigt werden, die empirisch-soziologische Analyse ergebe jedoch, „dass von einer einheitlichen Bewegung mit übereinstimmenden Ansichten keine Rede sein kann“.

Beispiele für Versuche einer engeren Begriffsbestimmung reichen von der These des Soziologen Hans Sebald, die New-Age-Bewegung sei eine „romantische Bewegung“, über den Entwurf einer Weltanschauung des New Age durch den Philosophen und Soziologen Christof Schorsch[4] bis zu der (speziell auf Deutschland bezogenen) Ansicht des Religionswissenschaftlers Christoph Bochinger, es handele sich weder um eine Bewegung noch um eine Weltanschauung, sondern um eine Marketing-Inszenierung.

Im Rückblick wird „New Age“ vielfach mit der Protestbewegung der 1960er Jahre in Zusammenhang gebracht, obwohl die Bezeichnung damals noch kaum gebräuchlich war. In dieser Perspektive bezeichnet „New Age“ die gesamte alternative Bewegung seit den 1960er Jahren. Demgegenüber weist der Kulturhistoriker und Religionswissenschaftler Wouter J. Hanegraaff in seiner Monographie New Age Religion and Western Culture (1996) auf bedeutende Unterschiede zwischen der Bewegung der 1960er und jener der 1980er Jahre hin: In den 60ern handelte es sich vorwiegend um Jugendliche, die politisch links orientiert waren und zu radikalen politischen Aktionen neigten; auch war der Gebrauch psychedelischer Drogen sehr verbreitet.

In den 80ern hingegen beschränkte sich die Bewegung nicht mehr auf eine bestimmte Generation, Karl Marx und Che Guevara spielten keine Rolle mehr, politische Aktionen gehörten nicht mehr zum typischen Handlungsrepertoire, und anstelle von Drogen bevorzugte man Meditationen und andere spirituelle Techniken der „Bewusstseinserweiterung“.

Durch die zunehmende kommerzielle Verwendung der Bezeichnung „New Age“ erhielt diese ab den 80er Jahren für bisherige Anhänger einen negativen Beigeschmack, und auch prominente Vertreter wie Fritjof Capra distanzierten sich davon. Heute wird „New Age“, wie von Stuckrad schreibt, nur noch selten als Selbstbezeichnung verwendet und häufig sogar als Schimpfwort betrachtet.

Geschichte der Bewegung

Die Ursprünge der Bewegung oder des kultischen Milieus (Hanegraaff), das mit dem Begriff „New Age“ verbunden ist, lassen sich mindestens bis zum Okkultismus des 18. Jahrhunderts zurückverfolgen. In einem engeren Sinn bezeichnet Hanegraaff die UFO-Kulte der 1950er Jahre als „Proto-New-Age-Bewegung“. Dabei handelt es sich um ein Milieu, in welchem vermeintliche Sichtungen von UFOs mit einer herannahenden Apokalypse in Verbindung gebracht wurden. Diese UFO-Kulte waren teilweise von der theosophischen Lehre von Alice Bailey beeinflusst, die auch die Bezeichnung „New Age“ einbrachte.

In den 60er Jahren kamen „alternative“ Lebensgemeinschaften wie die im schottischen Findhorn hinzu, in denen anfangs auch eine apokalyptische Erwartungshaltung herrschte. Da die Apokalypse jedoch ausblieb, etablierte sich stattdessen (anscheinend ausgehend von Findhorn) der Glaube, dass das neue Zeitalter bereits begonnen habe, aber nicht, wie erwartet, als Katastrophe über die Menschheit hereingebrochen sei, sondern lediglich die Möglichkeit eröffne, durch eine veränderte Lebensweise und innere Haltung der Menschen verwirklicht zu werden. Diese frühe New-Age-Bewegung (Hanegraaff nennt sie new age sensu stricto) ging von Großbritannien aus, war stark theosophisch und anthroposophisch geprägt, und das zentrale Thema war das neue Wassermannzeitalter.

Den 70er Jahren wurde die Bezeichnung „New Age“ im englischen Sprachraum in weiteren Kreisen gebräuchlich und mit einer Vielzahl „alternativer“ Ideen und Zielsetzungen verbunden. Parallel dazu entwickelte sich das Bewusstsein, einer Bewegung anzugehören. Der Schwerpunkt verlagerte sich nach Nordamerika, wo vor allem die kalifornische „Gegenkultur“ (counterculture) und die Tradition der Neugeist-Bewegung (new thought movement) bedeutende Einflüsse ausübten. Theosophische und anthroposophische Elemente wie das Konzept des Wassermannzeitalters traten in der Vielfalt der Themen in den Hintergrund.

In den 80ern fasste diese breitere Bewegung (new age sensu lato bei Hanegraaff) dann auch im deutschsprachigen Raum Fuß, und der Philosoph und Soziologe Christof Schorsch schrieb 1988, in Deutschland sei „eine soziale Bewegung entstanden, die längst eine auch soziologisch relevante Größenordnung erreicht“ habe. Demgegenüber vertrat der Religionswissenschaftler Christoph Bochinger in seiner 1994 publizierten Dissertation „New Age“ und moderne Religion die Auffassung, dass hierzulande von einer konsistenten Bewegung oder gar von einer Weltanschauung nicht die Rede sein könne, sondern in erster Linie von einer Marketing-Inszenierung einiger Buchverlage. Vor allem in den USA war in den 80er und 90er Jahren ein starker Trend zu beobachten, New-Age-Spiritualität mit dem Streben nach materiellem Erfolg zu verbinden, und das war nach Heelas das auffallendste Kennzeichen des späten New Age und in den 90er Jahren der am schnellsten wachsende Sektor.

Mitte der 90er Jahre trat insbesondere im deutschsprachigen New-Age-Milieu ein starkes Interesse an Verschwörungstheorien auf, wie sie etwa Jan van Helsing verbreitet. In diesem Zusammenhang öffnete sich das bislang eher links-liberale und großenteils unpolitische Milieu rechtsextremem Gedankengut. Als Gründe für dieses plötzliche Umschwenken in einen pessimistischen Diskurs sieht Nicholas Goodrick-Clarke die politische Situation nach Margaret Thatcher und Ronald Reagan und das Ausbleiben der erhofften spirituellen Wandlung, das durch Verschwörungsfantasien plausibel werden konnte. Eine bedeutende Rolle spielte auch die verstärkte Hinwendung zu keltisch und germanisch orientierten Richtungen des Neuheidentums.

Da der Terminus „New Age“ seit den 80er Jahren in Misskredit geriet und heute nur noch selten als Selbstbezeichnung verwendet wird, betrachtet von Stuckrad die New-Age-Bewegung als eine bereits abgeschlossene Episode der Religionsgeschichte, die nur noch durch externe Zuschreibungen (von Kritikern und mit der Sache befassten Wissenschaftlern) künstlich am Leben gehalten werde. Das Milieu, das zeitweilig als New-Age-Szene bestand, sei allerdings – ebenso wie die hauptsächlichen Themen – weiterhin vorhanden und könne zu großen Teilen einfach als moderne Esoterik bezeichnet werden.

Bedeutende Vertreter

Wesentlich zur Verbreitung des Begriffs New Age beigetragen hat das Buch Revelation: The Birth of a New Age (1971) von David Spangler, der sich einige Jahre in der Findhorn-Gemeinschaft in Schottland aufhielt und dort seine Visionen eines neuen Zeitalters niederschrieb. Als Quelle gab er erchannelte Botschaften an; seine beigefügten Kommentare lassen einen starken Einfluss der Theosophie Alice Baileys erkennen. Dieses Buch avancierte in den USA schnell zu einem der grundlegenden Texte der sich formierenden New Age-Subkultur.

Ebenfalls ein typischer Vertreter des frühen, in Großbritannien heimischen New Age (New Age sensu stricto) war George Trevelyan mit A Vision of the Aquarian Age (1977). Trevelyan entwarf eine sehr idealistisch-spirituelle Weltsicht, die stark anthroposophisch und theosophisch geprägt war und besonders an den britischen Idealismus der Romantik anknüpfte.

Ein vielzitiertes Werk der mittleren Phase des New Age ist das Buch The Aquarian Conspiracy: Personal and Social Transformation in the 1980s (1980) von Marilyn Ferguson. Hanegraaff bezeichnet es als das „Manifest“ des mittleren New Age (frühe New Age-Bewegung sensu lato), in dem das in weiten Kreisen aufkommende Bewusstsein, einer Bewegung anzugehören, repräsentativ formuliert sei. Ferguson prognostizierte darin für die gerade angebrochenen 80er Jahre einen tiefgreifenden gesellschaftlichen Wandel, der von Netzwerken von New Age-Anhängern ausgehen werde. Nachdem dieser prognostizierte Wandel nicht eingetreten war, ersetzte sie bei einer Neuauflage in den frühen 90er Jahren das „in the 1980s“ durch „in our time“.

An Ferguson schloss der Physiker Fritjof Capra mit The Turning Point (1982) an, worin er einen Paradigmenwechsel in der Wissenschaft verkündete: Das bisherige mechanistische, newtonisch-cartesische Paradigma sei überholt und werde durch ein neues holistisch-systemtheoretisches und ökologisches Paradigma abgelöst, welches auch eine spirituelle Dimension einschließe und sowohl mit aktuellen Entwicklungen der Naturwissenschaft wie mit alten mystischen Traditionen im Einklang stehe. Das werde die Gesellschaft grundlegend verändern und zahlreiche Probleme, die Capra dem „alten“ Paradigma anlastete, lösen. Capras Buch war im deutschen Sprachraum das meistverkaufte „Standardwerk“ des New Age.