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Spielplan für Oktober 2020

Noch kaum geboren, erkennt Oskar Matzerath die Welt als universales Desaster – und lehnt sie ab. Einzig die von seiner Mutter versprochene Blechtrommel eröffnet ihm eine akzeptable Überlebensperspektive: die Existenzform als Trommler, ein groteskes Künstlerdasein mit ambivalenten Motivationen und Wirkungen. So beschließt Oskar an seinem dritten Geburtstag, nicht mehr zu wachsen, sondern zu beobachten und zu trommeln. Aus der Froschperspektive schildert er das Aufziehen des faschistischen Denkens und Handelns, berichtet von Ehebruch und Pogromnacht, verknüpft Privatgeschichte mit Zeitgeschichte. Er ist Zeuge, zugleich Außenseiter wie Beteiligter einer Welt, in welcher ein Zivilisationsbruch wie der Holocaust möglich ist. Nicht schuldig, aber verantwortlich für das Grauen, das in deutschem Namen begangen wurde, hat Günter Grass sich zeitlebens gefühlt. "Die Blechtrommel" ist auch ein Versuch, die Mechanismen der eigenen Verführung durchsichtig zu machen. Trotz aller Kontroversen um den Roman und Nobelpreisträger Günter Grass, gilt der Text bis heute als Meilenstein der deutschen Nachkriegsliteratur. Regisseur Oliver Reese erzählt die Geschichte des ewigen Trommlers in einer ganz auf die Perspektive der Hauptfigur zugeschnitten Fassung. "Cultural highlights of the year": Für New York Times-Feuilletonredakteur Matthew Anderson zählt Oliver Reeses Inszenierung von "Die Blechtrommel" zu den Theaterhighlights 2019.


Kategorie: Theater

Noch kaum geboren, erkennt Oskar Matzerath die Welt als universales Desaster – und lehnt sie ab. Einzig die von seiner Mutter versprochene Blechtrommel eröffnet ihm eine akzeptable Überlebensperspektive: die Existenzform als Trommler, ein groteskes Künstlerdasein mit ambivalenten Motivationen und Wirkungen. So beschließt Oskar an seinem dritten Geburtstag, nicht mehr zu wachsen, sondern zu beobachten und zu trommeln. Aus der Froschperspektive schildert er das Aufziehen des faschistischen Denkens und Handelns, berichtet von Ehebruch und Pogromnacht, verknüpft Privatgeschichte mit Zeitgeschichte. Er ist Zeuge, zugleich Außenseiter wie Beteiligter einer Welt, in welcher ein Zivilisationsbruch wie der Holocaust möglich ist. Nicht schuldig, aber verantwortlich für das Grauen, das in deutschem Namen begangen wurde, hat Günter Grass sich zeitlebens gefühlt. "Die Blechtrommel" ist auch ein Versuch, die Mechanismen der eigenen Verführung durchsichtig zu machen. Trotz aller Kontroversen um den Roman und Nobelpreisträger Günter Grass, gilt der Text bis heute als Meilenstein der deutschen Nachkriegsliteratur. Regisseur Oliver Reese erzählt die Geschichte des ewigen Trommlers in einer ganz auf die Perspektive der Hauptfigur zugeschnitten Fassung. "Cultural highlights of the year": Für New York Times-Feuilletonredakteur Matthew Anderson zählt Oliver Reeses Inszenierung von "Die Blechtrommel" zu den Theaterhighlights 2019.


Kategorie: Theater

Es ist heiß, Europa ist weit entfernt und der letzte Kontakt auf Augenhöhe lange her. Seit sieben Jahren schon verharrt der namenlose Arzt aus Stefan Zweigs Novelle "Der Amokläufer" in dieser Situation, als ihn eine einzige Begegnung mit einem anderen Menschen, einem anderen Willen aus der Fassung bringt – angesichts der kleinsten Gefühlsregung lässt er sein altes Leben komplett hinter sich. In der Nähe zu Sigmund Freud sucht Zweig in seiner Novellensammlung "Amok" die psychologische Analyse der Menschen seiner Zeit. Er zeigt die seelischen Deformationen einer Generation, der zwischen spanischer Grippe und Weltwirtschaftskrise die vertraute Ordnung unter den Füßen weggezogen wurde, die nun auf der Suche nach irgendeinem Halt durch die Welt irrt und die sich an jeden vermeintlichen Strohhalm – sei es Liebe, Ehre oder Stolz – klammert. Laut Zweigs Frau Friderike Maria, sollten diese Portraits die "verborgende Wesensheit aufdecken, innerhalb der Glätte des bürgerlichen Lebens, das vergeblich und oft nicht ungestraft die Menschen zu nivellieren sucht."


Kategorie:

Hendrik Höfgen ist Schauspieler und er will spielen – um jeden Preis einfach nur spielen. Er wähnt sich auf der richtigen Seite, auf der Seite der Kunst. Er verlangt unpolitisch sein zu dürfen, in einer Zeit, die das unmöglich macht.  Klaus Mann porträtierte mit seinem Roman von 1936 den berühmten Schauspieler Gustaf Gründgens, der im Berlin der NS-Zeit zum Intendanten aufstieg. Mephisto war die Rolle seines Lebens. In der Maske des Teufels erlebt auch Manns Romanfigur Höfgen seinen Aufstieg bis zum Staatstheaterintendanten, während ein Regime sich installiert, das die Kunst und die Theater bestenfalls als Amüsement toleriert, schlechtestenfalls für seine Propagandamaschine einspannt. Künstlerinnen und Künstler werden, wie alle, entweder zu linientreuen Spießgenossen oder aus dem Weg geräumt. Am Ende muss Höfgen begreifen, welchen Preis er für seinen Aufstieg bezahlt hat – wenn er nämlich selbst seine engsten Freunde verraten hat. Mit seinen Worten endet der Roman: "Was wollen die Menschen von mir? Warum verfolgen sie mich? Weshalb sind sie so hart? Ich bin doch nur ein ganz gewöhnlicher Schauspieler." In der Regie von Till Weinheimer erarbeitet das Ensemble aus fünf jungen Spielerinnen und Spielern eine musikalische und gegenwärtige Theateradaption des Romans.


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Hendrik Höfgen ist Schauspieler und er will spielen – um jeden Preis einfach nur spielen. Er wähnt sich auf der richtigen Seite, auf der Seite der Kunst. Er verlangt unpolitisch sein zu dürfen, in einer Zeit, die das unmöglich macht.  Klaus Mann porträtierte mit seinem Roman von 1936 den berühmten Schauspieler Gustaf Gründgens, der im Berlin der NS-Zeit zum Intendanten aufstieg. Mephisto war die Rolle seines Lebens. In der Maske des Teufels erlebt auch Manns Romanfigur Höfgen seinen Aufstieg bis zum Staatstheaterintendanten, während ein Regime sich installiert, das die Kunst und die Theater bestenfalls als Amüsement toleriert, schlechtestenfalls für seine Propagandamaschine einspannt. Künstlerinnen und Künstler werden, wie alle, entweder zu linientreuen Spießgenossen oder aus dem Weg geräumt. Am Ende muss Höfgen begreifen, welchen Preis er für seinen Aufstieg bezahlt hat – wenn er nämlich selbst seine engsten Freunde verraten hat. Mit seinen Worten endet der Roman: "Was wollen die Menschen von mir? Warum verfolgen sie mich? Weshalb sind sie so hart? Ich bin doch nur ein ganz gewöhnlicher Schauspieler." In der Regie von Till Weinheimer erarbeitet das Ensemble aus fünf jungen Spielerinnen und Spielern eine musikalische und gegenwärtige Theateradaption des Romans.


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Hendrik Höfgen ist Schauspieler und er will spielen – um jeden Preis einfach nur spielen. Er wähnt sich auf der richtigen Seite, auf der Seite der Kunst. Er verlangt unpolitisch sein zu dürfen, in einer Zeit, die das unmöglich macht.  Klaus Mann porträtierte mit seinem Roman von 1936 den berühmten Schauspieler Gustaf Gründgens, der im Berlin der NS-Zeit zum Intendanten aufstieg. Mephisto war die Rolle seines Lebens. In der Maske des Teufels erlebt auch Manns Romanfigur Höfgen seinen Aufstieg bis zum Staatstheaterintendanten, während ein Regime sich installiert, das die Kunst und die Theater bestenfalls als Amüsement toleriert, schlechtestenfalls für seine Propagandamaschine einspannt. Künstlerinnen und Künstler werden, wie alle, entweder zu linientreuen Spießgenossen oder aus dem Weg geräumt. Am Ende muss Höfgen begreifen, welchen Preis er für seinen Aufstieg bezahlt hat – wenn er nämlich selbst seine engsten Freunde verraten hat. Mit seinen Worten endet der Roman: "Was wollen die Menschen von mir? Warum verfolgen sie mich? Weshalb sind sie so hart? Ich bin doch nur ein ganz gewöhnlicher Schauspieler." In der Regie von Till Weinheimer erarbeitet das Ensemble aus fünf jungen Spielerinnen und Spielern eine musikalische und gegenwärtige Theateradaption des Romans.


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Das Stück "Die Mutter" erzählt die Emanzipationsgeschichte einer einfachen Frau, die sich von einer sorgenden Mutter, die die Verhältnisse in denen sie lebt, akzeptiert hat, zu einer entschiedenen Revolutionärin entwickelt. Anstoß gibt hier ihr Sohn Pawel, der sich im Russland der Nachkriegswende der revolutionären Arbeiterbewegung anschließt. Um ihn nicht zu verlieren, setzt sie sich mit der marxistisch-proletarischen Bewegung auseinander, begreift, dass sie im Leben eine Wahl hat und entflammt so für die Revolution. Ihren Sohn allerdings kann sie trotzdem nicht retten. Brecht hat "Die Mutter" im Stil eines Lehrstücks geschrieben. Die Aufführungen in den 30ern verfolgten den Zweck, ihre Zuschauer gewissermaßen des politischen Kampfes zu lehren. Die Arbeiten der österreichisch-bulgarischen Regisseurin Christina Tscharyiski zeichnet eine hohe Musikalität, Kraft und Bildgewalt aus. Für "Die Mutter" arbeitet sie mit der Bühnenbildnerin Janina Audick (Professorin an der UdK und langjährige Weggefährtin von Christoph Schlingensief und René Pollesch) und der bildenden Künstlerin Verena Dengler als Kostümbildnerin zusammen.


Kategorie:

Abigail Williams hat mit einer Gruppe junger Frauen entgegen der strengen, religiösen Regeln Salems nachts im Wald getanzt. Um sich zu verteidigen, gehen sie auf das Gerücht ein, jemand im Dorf habe den Teufel beschworen – und so die Mädchen zu diesen heidnischen Tänzen verführt. Ein Gericht wird einberufen, das sein Urteil allein auf die Ausrufungen und Wahnszenen der Mädchen gründet. Wer gesteht, macht sich selbst zur Hexe und bestätigt das Gericht. Wer bei der Wahrheit bleibt, wird gehängt. Das Klima des Misstrauens und die Angst vor der gerichtlichen Willkür fördern die schlechteste Seite der Menschen in Salem zu Tage: Eifersucht, Machtgier und Rache befeuern die Beschuldigungen und Anklagen. Hexenjagd basiert auf den Hexenprozessen von Salem, Massachusetts, bei denen 1692 hunderte Menschen verurteilt wurden. Arthur Millers Bearbeitung entstand in Reaktion auf die Kommunistenverfolgung der so genannte McCarthy-Ära Anfang der 1950er Jahre in den USA. Mit dem ständigen Verdacht auch in den eigenen Reihen gäbe es verdeckte Kommunisten, konnte gegen sämtliche Oppositionelle mit unverhältnismäßig harten Mitteln vorgegangen werden – auch gegen bloße Sympathisant:innen und gegen viele Künstler:innen wurde ermittelt. So gelingt Miller mithilfe historischer Ereignisse die Beschreibung einer durch und durch gegenwärtigen Dynamik: öffentliche Debatten, die in Freund-Feind-Schemata, ideologische Verhärtungen und schließlich in gefährliche Radikalisierung kippen. Mateja Koležnik ist eine der wichtigsten Theatermacherinnen Sloweniens. Seit 2012 inszeniert sie auch im deutschsprachigen Raum Schauspiel und Oper, u. a. am Burgtheater Wien, der Bayrischen Staatsoper und am Residenztheater in München. Am Berliner Ensemble inszenierte sie bislang Gespenster von Hendrik Ibsen (2020) und Nichts von mir von Arne Lygre (2017).


Kategorie: Theater

Das Stück "Die Mutter" erzählt die Emanzipationsgeschichte einer einfachen Frau, die sich von einer sorgenden Mutter, die die Verhältnisse in denen sie lebt, akzeptiert hat, zu einer entschiedenen Revolutionärin entwickelt. Anstoß gibt hier ihr Sohn Pawel, der sich im Russland der Nachkriegswende der revolutionären Arbeiterbewegung anschließt. Um ihn nicht zu verlieren, setzt sie sich mit der marxistisch-proletarischen Bewegung auseinander, begreift, dass sie im Leben eine Wahl hat und entflammt so für die Revolution. Ihren Sohn allerdings kann sie trotzdem nicht retten. Brecht hat "Die Mutter" im Stil eines Lehrstücks geschrieben. Die Aufführungen in den 30ern verfolgten den Zweck, ihre Zuschauer gewissermaßen des politischen Kampfes zu lehren. Die Arbeiten der österreichisch-bulgarischen Regisseurin Christina Tscharyiski zeichnet eine hohe Musikalität, Kraft und Bildgewalt aus. Für "Die Mutter" arbeitet sie mit der Bühnenbildnerin Janina Audick (Professorin an der UdK und langjährige Weggefährtin von Christoph Schlingensief und René Pollesch) und der bildenden Künstlerin Verena Dengler als Kostümbildnerin zusammen.


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Abigail Williams hat mit einer Gruppe junger Frauen entgegen der strengen, religiösen Regeln Salems nachts im Wald getanzt. Um sich zu verteidigen, gehen sie auf das Gerücht ein, jemand im Dorf habe den Teufel beschworen – und so die Mädchen zu diesen heidnischen Tänzen verführt. Ein Gericht wird einberufen, das sein Urteil allein auf die Ausrufungen und Wahnszenen der Mädchen gründet. Wer gesteht, macht sich selbst zur Hexe und bestätigt das Gericht. Wer bei der Wahrheit bleibt, wird gehängt. Das Klima des Misstrauens und die Angst vor der gerichtlichen Willkür fördern die schlechteste Seite der Menschen in Salem zu Tage: Eifersucht, Machtgier und Rache befeuern die Beschuldigungen und Anklagen. Hexenjagd basiert auf den Hexenprozessen von Salem, Massachusetts, bei denen 1692 hunderte Menschen verurteilt wurden. Arthur Millers Bearbeitung entstand in Reaktion auf die Kommunistenverfolgung der so genannte McCarthy-Ära Anfang der 1950er Jahre in den USA. Mit dem ständigen Verdacht auch in den eigenen Reihen gäbe es verdeckte Kommunisten, konnte gegen sämtliche Oppositionelle mit unverhältnismäßig harten Mitteln vorgegangen werden – auch gegen bloße Sympathisant:innen und gegen viele Künstler:innen wurde ermittelt. So gelingt Miller mithilfe historischer Ereignisse die Beschreibung einer durch und durch gegenwärtigen Dynamik: öffentliche Debatten, die in Freund-Feind-Schemata, ideologische Verhärtungen und schließlich in gefährliche Radikalisierung kippen. Mateja Koležnik ist eine der wichtigsten Theatermacherinnen Sloweniens. Seit 2012 inszeniert sie auch im deutschsprachigen Raum Schauspiel und Oper, u. a. am Burgtheater Wien, der Bayrischen Staatsoper und am Residenztheater in München. Am Berliner Ensemble inszenierte sie bislang Gespenster von Hendrik Ibsen (2020) und Nichts von mir von Arne Lygre (2017).


Kategorie: Theater

Das Stück "Die Mutter" erzählt die Emanzipationsgeschichte einer einfachen Frau, die sich von einer sorgenden Mutter, die die Verhältnisse in denen sie lebt, akzeptiert hat, zu einer entschiedenen Revolutionärin entwickelt. Anstoß gibt hier ihr Sohn Pawel, der sich im Russland der Nachkriegswende der revolutionären Arbeiterbewegung anschließt. Um ihn nicht zu verlieren, setzt sie sich mit der marxistisch-proletarischen Bewegung auseinander, begreift, dass sie im Leben eine Wahl hat und entflammt so für die Revolution. Ihren Sohn allerdings kann sie trotzdem nicht retten. Brecht hat "Die Mutter" im Stil eines Lehrstücks geschrieben. Die Aufführungen in den 30ern verfolgten den Zweck, ihre Zuschauer gewissermaßen des politischen Kampfes zu lehren. Die Arbeiten der österreichisch-bulgarischen Regisseurin Christina Tscharyiski zeichnet eine hohe Musikalität, Kraft und Bildgewalt aus. Für "Die Mutter" arbeitet sie mit der Bühnenbildnerin Janina Audick (Professorin an der UdK und langjährige Weggefährtin von Christoph Schlingensief und René Pollesch) und der bildenden Künstlerin Verena Dengler als Kostümbildnerin zusammen.


Kategorie:

Noch kaum geboren, erkennt Oskar Matzerath die Welt als universales Desaster – und lehnt sie ab. Einzig die von seiner Mutter versprochene Blechtrommel eröffnet ihm eine akzeptable Überlebensperspektive: die Existenzform als Trommler, ein groteskes Künstlerdasein mit ambivalenten Motivationen und Wirkungen. So beschließt Oskar an seinem dritten Geburtstag, nicht mehr zu wachsen, sondern zu beobachten und zu trommeln. Aus der Froschperspektive schildert er das Aufziehen des faschistischen Denkens und Handelns, berichtet von Ehebruch und Pogromnacht, verknüpft Privatgeschichte mit Zeitgeschichte. Er ist Zeuge, zugleich Außenseiter wie Beteiligter einer Welt, in welcher ein Zivilisationsbruch wie der Holocaust möglich ist. Nicht schuldig, aber verantwortlich für das Grauen, das in deutschem Namen begangen wurde, hat Günter Grass sich zeitlebens gefühlt. "Die Blechtrommel" ist auch ein Versuch, die Mechanismen der eigenen Verführung durchsichtig zu machen. Trotz aller Kontroversen um den Roman und Nobelpreisträger Günter Grass, gilt der Text bis heute als Meilenstein der deutschen Nachkriegsliteratur. Regisseur Oliver Reese erzählt die Geschichte des ewigen Trommlers in einer ganz auf die Perspektive der Hauptfigur zugeschnitten Fassung. "Cultural highlights of the year": Für New York Times-Feuilletonredakteur Matthew Anderson zählt Oliver Reeses Inszenierung von "Die Blechtrommel" zu den Theaterhighlights 2019.


Kategorie: Theater

"Ich bin geboren worden. Ich bin in das Geburtenregister eingetragen worden. Ich bin älter geworden." Was so unschuldig beginnt, ändert sich plötzlich: "Ich bin verantwortlich geworden. Ich bin schuldig geworden." Ein Start in die Auseinandersetzung mit höheren und niedrigeren Ordnungsmächten. Handkes teils vergnügliche, teils bittere Sprachkritik entstand vor 50 Jahren im Kontext von sprechenden Titeln wie Hilferufe, Weissagung und, berühmterweise, Publikumsbeschimpfung. Spielerisch schickt Peter Handke seine*n Sprecher*in zur Beichte und nötigt ihm oder ihr eine Selbstbezichtigung ab, wie totalitäre Regime sie ihren Sünder*innen abnehmen. Damit zeigt er etwa die Nähe von Katholizismus und Kommunismus auf und diskutiert die bigotten gesellschaftlichen Schuldbegriffe, bis hin zum eigenen Medium: "Gegen welche Gesetze des Theaters habe ich mich vergangen?" Diese Beichte kann im Theater nur das Publikum abnehmen. Eine Produktion des Volkstheater Wien.


Kategorie: Theater

"Ich bin geboren worden. Ich bin in das Geburtenregister eingetragen worden. Ich bin älter geworden." Was so unschuldig beginnt, ändert sich plötzlich: "Ich bin verantwortlich geworden. Ich bin schuldig geworden." Ein Start in die Auseinandersetzung mit höheren und niedrigeren Ordnungsmächten. Handkes teils vergnügliche, teils bittere Sprachkritik entstand vor 50 Jahren im Kontext von sprechenden Titeln wie Hilferufe, Weissagung und, berühmterweise, Publikumsbeschimpfung. Spielerisch schickt Peter Handke seine*n Sprecher*in zur Beichte und nötigt ihm oder ihr eine Selbstbezichtigung ab, wie totalitäre Regime sie ihren Sünder*innen abnehmen. Damit zeigt er etwa die Nähe von Katholizismus und Kommunismus auf und diskutiert die bigotten gesellschaftlichen Schuldbegriffe, bis hin zum eigenen Medium: "Gegen welche Gesetze des Theaters habe ich mich vergangen?" Diese Beichte kann im Theater nur das Publikum abnehmen. Eine Produktion des Volkstheater Wien.


Kategorie: Theater

Abigail Williams hat mit einer Gruppe junger Frauen entgegen der strengen, religiösen Regeln Salems nachts im Wald getanzt. Um sich zu verteidigen, gehen sie auf das Gerücht ein, jemand im Dorf habe den Teufel beschworen – und so die Mädchen zu diesen heidnischen Tänzen verführt. Ein Gericht wird einberufen, das sein Urteil allein auf die Ausrufungen und Wahnszenen der Mädchen gründet. Wer gesteht, macht sich selbst zur Hexe und bestätigt das Gericht. Wer bei der Wahrheit bleibt, wird gehängt. Das Klima des Misstrauens und die Angst vor der gerichtlichen Willkür fördern die schlechteste Seite der Menschen in Salem zu Tage: Eifersucht, Machtgier und Rache befeuern die Beschuldigungen und Anklagen. Hexenjagd basiert auf den Hexenprozessen von Salem, Massachusetts, bei denen 1692 hunderte Menschen verurteilt wurden. Arthur Millers Bearbeitung entstand in Reaktion auf die Kommunistenverfolgung der so genannte McCarthy-Ära Anfang der 1950er Jahre in den USA. Mit dem ständigen Verdacht auch in den eigenen Reihen gäbe es verdeckte Kommunisten, konnte gegen sämtliche Oppositionelle mit unverhältnismäßig harten Mitteln vorgegangen werden – auch gegen bloße Sympathisant:innen und gegen viele Künstler:innen wurde ermittelt. So gelingt Miller mithilfe historischer Ereignisse die Beschreibung einer durch und durch gegenwärtigen Dynamik: öffentliche Debatten, die in Freund-Feind-Schemata, ideologische Verhärtungen und schließlich in gefährliche Radikalisierung kippen. Mateja Koležnik ist eine der wichtigsten Theatermacherinnen Sloweniens. Seit 2012 inszeniert sie auch im deutschsprachigen Raum Schauspiel und Oper, u. a. am Burgtheater Wien, der Bayrischen Staatsoper und am Residenztheater in München. Am Berliner Ensemble inszenierte sie bislang Gespenster von Hendrik Ibsen (2020) und Nichts von mir von Arne Lygre (2017).


Kategorie: Theater

Wir haben die freie Wahl, oder? Die Bundestagswahl verdeutlicht das. Aber sind wir wirklich frei? Und was bedeutet die Freiheit des Einzelnen noch im globalen Kontext? Eins ist sicher, die Pandemie hat tiefe Kerben in das Freiheitsempfinden der Gesellschaft geschlagen. Der Konflikt zwischen den Genrationen war selten so greifbar, wie jetzt. Die junge Generation hat in der Pandemie zum Wohle der älteren Menschen auf ihre Freiheiten verzichtet. Aber gilt diese Bereitschaft auch umgekehrt? Wird sich die ältere Generation freiwillig zugunsten des Klimas für die Jüngeren einschränken? Bernd Ulrich, Vize-Chefredakteur der Zeit und Co-Autor der Aktivistin Luisa Neubauer für das Buch „Noch haben wir die Wahl“ ist skeptisch: „Es bedarf einer fundamentalen Wende unsrer Lebensweise, um den Klimawandel aufzuhalten“, erklärt er. Doch ist die Gesellschaft dazu bereit? Wieviel Freiheit müssen die Menschen jetzt aufgeben, um sie in Zukunft noch zu ermöglichen? Und was bedeutet der Begriff „Freiheit“ eigentlich heute?Darüber diskutiert Freitag-Verleger Jakob Augstein mit Bernd Ulrich bei „2 um acht“.Live übertragen von Radioeins vom rbb, 20.00 – 21.00 Uhr (95,8 MHz).


Kategorie: Dialog & Lesung

Mit ihren legendären Songs und einer ebenso unverschämt wie klug im Hinblick auf Sozialkritik umgearbeiteten, im Kern trivialen Geschichte um Liebe, Verrat, Geschäft und Moral wurde die 1928 an diesem Theater uraufgeführte "Dreigroschenoper" über Nacht zu einem weltweiten Überraschungshit. "Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral", lauten die berühmten Zeilen – doch wer im Wohlstand lebt, lebt zwar angenehm, ist aber noch lange nicht gut. So haben Mackie Messer, Peachum und Co notgedrungen vor allem ihren eigenen materiellen Vorteil im Blick und betreiben einen erheblichen theatralen Aufwand, um ihn ohne Skrupel durchzusetzen und gleichzeitig genau das zu verschleiern oder gar zu beschönigen. Denn wer wäre nicht gern gut? In Barrie Koskys Lesart wird die "Dreigroschenoper" zu einer Großstadtballade über Menschen, die in einer funktionalen, nüchternen Welt ihr Glück suchen. Das würde zunächst damit beginnen, dass man nicht ständig befürchten muss, übervorteilt zu werden oder zu kurz zu kommen. Doch eben das ist in der Welt, die Brecht beschreibt, nicht der Fall. Im Gegenteil. Die Angst vor dem Absturz lauert im System, das keine Regeln, sondern nur Gewinner:innen oder Verlierer:innen kennt: Zerrspiegel des totalen Kapitalismus. So sind es bei Brecht nicht menschliche Untugenden, die gesellschaftliche Missstände erzeugen, sondern umgekehrt. Um daraus jedoch entsprechende Schlüsse zu ziehen und an den Verhältnissen grundsätzlich etwas zu ändern, sind die Figuren zu sehr damit beschäftigt, anderen und sich selbst etwas vorzuspielen. Gespielt wird mit gängigen, bis zum Klischee geronnenen Vorstellungen von der einmaligen Liebe als romantische Zweierbeziehung, mit Ideen von ewiger Freundschaft, von familiärer Fürsorge und von Mitleid als unabdingbare Voraussetzung für den Kampf gegen Unrecht.- mit Versatzstücken aus dem Melodram, aus moralischen Rührstücken, aus Groschenromanen, aus dem Singspiel, der Oper, der Operette und vielem mehr. Die Autoren haben sich damit einerseits einen großen theatralen Spaß erlaubt und gleichzeitig erzeugt dieser ganze falsche Schein viel Einsamkeit, in manchen Fällen vielleicht so etwas wie "splendid isolation", in anderen führt der Weg eher ins Dunkel, in all die gesellschaftlichen Bereiche, die ausgeschlossen werden. Brecht gelingt das Kunststück, über soziale Kälte zu erzählen, ohne die Figuren herzlos erscheinen zu lassen. Ihr Verlangen nach Sicherheit, Nähe und Verbindlichkeit bleibt vor allem dadurch präsent, dass es sich nicht erfüllt – und durch die unvergessliche Musik von Kurt Weill. Barrie Kosky, dem Berliner Publikum als Chefregisseur und Intendant der Komischen Oper bekannt, übernimmt die fünfte Inszenierung der "Dreigroschenoper" an diesem Theater. Er hat sich unter anderem auch mit seiner Lust an zeitgenössischer und frecher Unterhaltung einen Namen gemacht. Kosky gehört zu den gefragtesten Opernregisseure der Gegenwart. Engagements führten ihn rund um die Welt. Unter der Intendanz von Oliver Reese inszenierte er auch am Deutschen Theater sowie am Schauspiel Frankfurt.


Kategorie:

Hendrik Höfgen ist Schauspieler und er will spielen – um jeden Preis einfach nur spielen. Er wähnt sich auf der richtigen Seite, auf der Seite der Kunst. Er verlangt unpolitisch sein zu dürfen, in einer Zeit, die das unmöglich macht.  Klaus Mann porträtierte mit seinem Roman von 1936 den berühmten Schauspieler Gustaf Gründgens, der im Berlin der NS-Zeit zum Intendanten aufstieg. Mephisto war die Rolle seines Lebens. In der Maske des Teufels erlebt auch Manns Romanfigur Höfgen seinen Aufstieg bis zum Staatstheaterintendanten, während ein Regime sich installiert, das die Kunst und die Theater bestenfalls als Amüsement toleriert, schlechtestenfalls für seine Propagandamaschine einspannt. Künstlerinnen und Künstler werden, wie alle, entweder zu linientreuen Spießgenossen oder aus dem Weg geräumt. Am Ende muss Höfgen begreifen, welchen Preis er für seinen Aufstieg bezahlt hat – wenn er nämlich selbst seine engsten Freunde verraten hat. Mit seinen Worten endet der Roman: "Was wollen die Menschen von mir? Warum verfolgen sie mich? Weshalb sind sie so hart? Ich bin doch nur ein ganz gewöhnlicher Schauspieler." In der Regie von Till Weinheimer erarbeitet das Ensemble aus fünf jungen Spielerinnen und Spielern eine musikalische und gegenwärtige Theateradaption des Romans.


Kategorie:

Mit ihren legendären Songs und einer ebenso unverschämt wie klug im Hinblick auf Sozialkritik umgearbeiteten, im Kern trivialen Geschichte um Liebe, Verrat, Geschäft und Moral wurde die 1928 an diesem Theater uraufgeführte "Dreigroschenoper" über Nacht zu einem weltweiten Überraschungshit. "Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral", lauten die berühmten Zeilen – doch wer im Wohlstand lebt, lebt zwar angenehm, ist aber noch lange nicht gut. So haben Mackie Messer, Peachum und Co notgedrungen vor allem ihren eigenen materiellen Vorteil im Blick und betreiben einen erheblichen theatralen Aufwand, um ihn ohne Skrupel durchzusetzen und gleichzeitig genau das zu verschleiern oder gar zu beschönigen. Denn wer wäre nicht gern gut? In Barrie Koskys Lesart wird die "Dreigroschenoper" zu einer Großstadtballade über Menschen, die in einer funktionalen, nüchternen Welt ihr Glück suchen. Das würde zunächst damit beginnen, dass man nicht ständig befürchten muss, übervorteilt zu werden oder zu kurz zu kommen. Doch eben das ist in der Welt, die Brecht beschreibt, nicht der Fall. Im Gegenteil. Die Angst vor dem Absturz lauert im System, das keine Regeln, sondern nur Gewinner:innen oder Verlierer:innen kennt: Zerrspiegel des totalen Kapitalismus. So sind es bei Brecht nicht menschliche Untugenden, die gesellschaftliche Missstände erzeugen, sondern umgekehrt. Um daraus jedoch entsprechende Schlüsse zu ziehen und an den Verhältnissen grundsätzlich etwas zu ändern, sind die Figuren zu sehr damit beschäftigt, anderen und sich selbst etwas vorzuspielen. Gespielt wird mit gängigen, bis zum Klischee geronnenen Vorstellungen von der einmaligen Liebe als romantische Zweierbeziehung, mit Ideen von ewiger Freundschaft, von familiärer Fürsorge und von Mitleid als unabdingbare Voraussetzung für den Kampf gegen Unrecht.- mit Versatzstücken aus dem Melodram, aus moralischen Rührstücken, aus Groschenromanen, aus dem Singspiel, der Oper, der Operette und vielem mehr. Die Autoren haben sich damit einerseits einen großen theatralen Spaß erlaubt und gleichzeitig erzeugt dieser ganze falsche Schein viel Einsamkeit, in manchen Fällen vielleicht so etwas wie "splendid isolation", in anderen führt der Weg eher ins Dunkel, in all die gesellschaftlichen Bereiche, die ausgeschlossen werden. Brecht gelingt das Kunststück, über soziale Kälte zu erzählen, ohne die Figuren herzlos erscheinen zu lassen. Ihr Verlangen nach Sicherheit, Nähe und Verbindlichkeit bleibt vor allem dadurch präsent, dass es sich nicht erfüllt – und durch die unvergessliche Musik von Kurt Weill. Barrie Kosky, dem Berliner Publikum als Chefregisseur und Intendant der Komischen Oper bekannt, übernimmt die fünfte Inszenierung der "Dreigroschenoper" an diesem Theater. Er hat sich unter anderem auch mit seiner Lust an zeitgenössischer und frecher Unterhaltung einen Namen gemacht. Kosky gehört zu den gefragtesten Opernregisseure der Gegenwart. Engagements führten ihn rund um die Welt. Unter der Intendanz von Oliver Reese inszenierte er auch am Deutschen Theater sowie am Schauspiel Frankfurt.


Kategorie:

Hendrik Höfgen ist Schauspieler und er will spielen – um jeden Preis einfach nur spielen. Er wähnt sich auf der richtigen Seite, auf der Seite der Kunst. Er verlangt unpolitisch sein zu dürfen, in einer Zeit, die das unmöglich macht.  Klaus Mann porträtierte mit seinem Roman von 1936 den berühmten Schauspieler Gustaf Gründgens, der im Berlin der NS-Zeit zum Intendanten aufstieg. Mephisto war die Rolle seines Lebens. In der Maske des Teufels erlebt auch Manns Romanfigur Höfgen seinen Aufstieg bis zum Staatstheaterintendanten, während ein Regime sich installiert, das die Kunst und die Theater bestenfalls als Amüsement toleriert, schlechtestenfalls für seine Propagandamaschine einspannt. Künstlerinnen und Künstler werden, wie alle, entweder zu linientreuen Spießgenossen oder aus dem Weg geräumt. Am Ende muss Höfgen begreifen, welchen Preis er für seinen Aufstieg bezahlt hat – wenn er nämlich selbst seine engsten Freunde verraten hat. Mit seinen Worten endet der Roman: "Was wollen die Menschen von mir? Warum verfolgen sie mich? Weshalb sind sie so hart? Ich bin doch nur ein ganz gewöhnlicher Schauspieler." In der Regie von Till Weinheimer erarbeitet das Ensemble aus fünf jungen Spielerinnen und Spielern eine musikalische und gegenwärtige Theateradaption des Romans.


Kategorie:

In 90 Minuten widmen wir uns den Themen und der Ästhetik der jeweiligen Inszenierung. Anhand von Schauspielübungen und selbstgespielten, kleine Szenen werden praktische Zugänge zum Theater geschaffen und Einblicke in Inhalt und Spiel auf der Bühne gegeben.


Kategorie: Anderes

Mit ihren legendären Songs und einer ebenso unverschämt wie klug im Hinblick auf Sozialkritik umgearbeiteten, im Kern trivialen Geschichte um Liebe, Verrat, Geschäft und Moral wurde die 1928 an diesem Theater uraufgeführte "Dreigroschenoper" über Nacht zu einem weltweiten Überraschungshit. "Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral", lauten die berühmten Zeilen – doch wer im Wohlstand lebt, lebt zwar angenehm, ist aber noch lange nicht gut. So haben Mackie Messer, Peachum und Co notgedrungen vor allem ihren eigenen materiellen Vorteil im Blick und betreiben einen erheblichen theatralen Aufwand, um ihn ohne Skrupel durchzusetzen und gleichzeitig genau das zu verschleiern oder gar zu beschönigen. Denn wer wäre nicht gern gut? In Barrie Koskys Lesart wird die "Dreigroschenoper" zu einer Großstadtballade über Menschen, die in einer funktionalen, nüchternen Welt ihr Glück suchen. Das würde zunächst damit beginnen, dass man nicht ständig befürchten muss, übervorteilt zu werden oder zu kurz zu kommen. Doch eben das ist in der Welt, die Brecht beschreibt, nicht der Fall. Im Gegenteil. Die Angst vor dem Absturz lauert im System, das keine Regeln, sondern nur Gewinner:innen oder Verlierer:innen kennt: Zerrspiegel des totalen Kapitalismus. So sind es bei Brecht nicht menschliche Untugenden, die gesellschaftliche Missstände erzeugen, sondern umgekehrt. Um daraus jedoch entsprechende Schlüsse zu ziehen und an den Verhältnissen grundsätzlich etwas zu ändern, sind die Figuren zu sehr damit beschäftigt, anderen und sich selbst etwas vorzuspielen. Gespielt wird mit gängigen, bis zum Klischee geronnenen Vorstellungen von der einmaligen Liebe als romantische Zweierbeziehung, mit Ideen von ewiger Freundschaft, von familiärer Fürsorge und von Mitleid als unabdingbare Voraussetzung für den Kampf gegen Unrecht.- mit Versatzstücken aus dem Melodram, aus moralischen Rührstücken, aus Groschenromanen, aus dem Singspiel, der Oper, der Operette und vielem mehr. Die Autoren haben sich damit einerseits einen großen theatralen Spaß erlaubt und gleichzeitig erzeugt dieser ganze falsche Schein viel Einsamkeit, in manchen Fällen vielleicht so etwas wie "splendid isolation", in anderen führt der Weg eher ins Dunkel, in all die gesellschaftlichen Bereiche, die ausgeschlossen werden. Brecht gelingt das Kunststück, über soziale Kälte zu erzählen, ohne die Figuren herzlos erscheinen zu lassen. Ihr Verlangen nach Sicherheit, Nähe und Verbindlichkeit bleibt vor allem dadurch präsent, dass es sich nicht erfüllt – und durch die unvergessliche Musik von Kurt Weill. Barrie Kosky, dem Berliner Publikum als Chefregisseur und Intendant der Komischen Oper bekannt, übernimmt die fünfte Inszenierung der "Dreigroschenoper" an diesem Theater. Er hat sich unter anderem auch mit seiner Lust an zeitgenössischer und frecher Unterhaltung einen Namen gemacht. Kosky gehört zu den gefragtesten Opernregisseure der Gegenwart. Engagements führten ihn rund um die Welt. Unter der Intendanz von Oliver Reese inszenierte er auch am Deutschen Theater sowie am Schauspiel Frankfurt.


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"Ich will die Menschen nicht ändern. Ich will sie lieben, denn das ist der einzige Weg überhaupt etwas zu ändern – indem man liebt." - Scott McClanahan Scott ist ein Durchschnittstyp: Lehrer für Literatur an der Berufsschule, zwei Kinder, verheiratet, versucht immer alles richtig zu machen. Doch was ist das eigentlich: das "Richtige"? – Immer authentisch sein? Immer den Konventionen folgen? Wenn alle für ihr eigenes Glück verantwortlich sind, braucht es eigentlich nur eines – Selbstvertrauen. Dumm nur, wenn dann dieses Selbst nichts so richtig auf die Reihe kriegt. Auf der Suche nach dem Eigenen, inmitten einer Gesellschaft, die blind dem American Dream folgt, obwohl alle ahnen, dass er eine Lüge ist, gerät Scott immer wieder an seine Grenzen und die seiner Mitmenschen. Sarah ist eine Hymne an das Leben am Abgrund, die Geschichte einer Ehe, die zu Ende geht und der Versuch, das Gemeinsame in einer Welt voller Individuen zu finden.  Scott McClanahan (*1978) ist Autor und lebt in West Virginia. "Sarah" ist sein dritter Roman und der erste, der, 2020, auf Deutsch erschien. McClanahan schreibt vom realen Amerika – jenseits der glatten und repräsentativen Fassade Hollywoods.- seine Figuren sind die alltäglichen Versager der Mittelschicht, deren Fehler vielleicht nur darin bestehen, glücklich sein zu wollen, ohne zu wissen wie Einblicke hinter die Kulissen und Gespräche mit Autor Scott McClanahan, Übersetzer Clemens Setz, Regisseur Oliver Reese und Schauspieler Marc Oliver Schulze  finden Sie auf "BE at home".


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Es ist heiß, Europa ist weit entfernt und der letzte Kontakt auf Augenhöhe lange her. Seit sieben Jahren schon verharrt der namenlose Arzt aus Stefan Zweigs Novelle "Der Amokläufer" in dieser Situation, als ihn eine einzige Begegnung mit einem anderen Menschen, einem anderen Willen aus der Fassung bringt – angesichts der kleinsten Gefühlsregung lässt er sein altes Leben komplett hinter sich. In der Nähe zu Sigmund Freud sucht Zweig in seiner Novellensammlung "Amok" die psychologische Analyse der Menschen seiner Zeit. Er zeigt die seelischen Deformationen einer Generation, der zwischen spanischer Grippe und Weltwirtschaftskrise die vertraute Ordnung unter den Füßen weggezogen wurde, die nun auf der Suche nach irgendeinem Halt durch die Welt irrt und die sich an jeden vermeintlichen Strohhalm – sei es Liebe, Ehre oder Stolz – klammert. Laut Zweigs Frau Friderike Maria, sollten diese Portraits die "verborgende Wesensheit aufdecken, innerhalb der Glätte des bürgerlichen Lebens, das vergeblich und oft nicht ungestraft die Menschen zu nivellieren sucht."


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"Ich will die Menschen nicht ändern. Ich will sie lieben, denn das ist der einzige Weg überhaupt etwas zu ändern – indem man liebt." - Scott McClanahan Scott ist ein Durchschnittstyp: Lehrer für Literatur an der Berufsschule, zwei Kinder, verheiratet, versucht immer alles richtig zu machen. Doch was ist das eigentlich: das "Richtige"? – Immer authentisch sein? Immer den Konventionen folgen? Wenn alle für ihr eigenes Glück verantwortlich sind, braucht es eigentlich nur eines – Selbstvertrauen. Dumm nur, wenn dann dieses Selbst nichts so richtig auf die Reihe kriegt. Auf der Suche nach dem Eigenen, inmitten einer Gesellschaft, die blind dem American Dream folgt, obwohl alle ahnen, dass er eine Lüge ist, gerät Scott immer wieder an seine Grenzen und die seiner Mitmenschen. Sarah ist eine Hymne an das Leben am Abgrund, die Geschichte einer Ehe, die zu Ende geht und der Versuch, das Gemeinsame in einer Welt voller Individuen zu finden.  Scott McClanahan (*1978) ist Autor und lebt in West Virginia. "Sarah" ist sein dritter Roman und der erste, der, 2020, auf Deutsch erschien. McClanahan schreibt vom realen Amerika – jenseits der glatten und repräsentativen Fassade Hollywoods.- seine Figuren sind die alltäglichen Versager der Mittelschicht, deren Fehler vielleicht nur darin bestehen, glücklich sein zu wollen, ohne zu wissen wie Einblicke hinter die Kulissen und Gespräche mit Autor Scott McClanahan, Übersetzer Clemens Setz, Regisseur Oliver Reese und Schauspieler Marc Oliver Schulze  finden Sie auf "BE at home".


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Mit ihren legendären Songs und einer ebenso unverschämt wie klug im Hinblick auf Sozialkritik umgearbeiteten, im Kern trivialen Geschichte um Liebe, Verrat, Geschäft und Moral wurde die 1928 an diesem Theater uraufgeführte "Dreigroschenoper" über Nacht zu einem weltweiten Überraschungshit. "Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral", lauten die berühmten Zeilen – doch wer im Wohlstand lebt, lebt zwar angenehm, ist aber noch lange nicht gut. So haben Mackie Messer, Peachum und Co notgedrungen vor allem ihren eigenen materiellen Vorteil im Blick und betreiben einen erheblichen theatralen Aufwand, um ihn ohne Skrupel durchzusetzen und gleichzeitig genau das zu verschleiern oder gar zu beschönigen. Denn wer wäre nicht gern gut? In Barrie Koskys Lesart wird die "Dreigroschenoper" zu einer Großstadtballade über Menschen, die in einer funktionalen, nüchternen Welt ihr Glück suchen. Das würde zunächst damit beginnen, dass man nicht ständig befürchten muss, übervorteilt zu werden oder zu kurz zu kommen. Doch eben das ist in der Welt, die Brecht beschreibt, nicht der Fall. Im Gegenteil. Die Angst vor dem Absturz lauert im System, das keine Regeln, sondern nur Gewinner:innen oder Verlierer:innen kennt: Zerrspiegel des totalen Kapitalismus. So sind es bei Brecht nicht menschliche Untugenden, die gesellschaftliche Missstände erzeugen, sondern umgekehrt. Um daraus jedoch entsprechende Schlüsse zu ziehen und an den Verhältnissen grundsätzlich etwas zu ändern, sind die Figuren zu sehr damit beschäftigt, anderen und sich selbst etwas vorzuspielen. Gespielt wird mit gängigen, bis zum Klischee geronnenen Vorstellungen von der einmaligen Liebe als romantische Zweierbeziehung, mit Ideen von ewiger Freundschaft, von familiärer Fürsorge und von Mitleid als unabdingbare Voraussetzung für den Kampf gegen Unrecht.- mit Versatzstücken aus dem Melodram, aus moralischen Rührstücken, aus Groschenromanen, aus dem Singspiel, der Oper, der Operette und vielem mehr. Die Autoren haben sich damit einerseits einen großen theatralen Spaß erlaubt und gleichzeitig erzeugt dieser ganze falsche Schein viel Einsamkeit, in manchen Fällen vielleicht so etwas wie "splendid isolation", in anderen führt der Weg eher ins Dunkel, in all die gesellschaftlichen Bereiche, die ausgeschlossen werden. Brecht gelingt das Kunststück, über soziale Kälte zu erzählen, ohne die Figuren herzlos erscheinen zu lassen. Ihr Verlangen nach Sicherheit, Nähe und Verbindlichkeit bleibt vor allem dadurch präsent, dass es sich nicht erfüllt – und durch die unvergessliche Musik von Kurt Weill. Barrie Kosky, dem Berliner Publikum als Chefregisseur und Intendant der Komischen Oper bekannt, übernimmt die fünfte Inszenierung der "Dreigroschenoper" an diesem Theater. Er hat sich unter anderem auch mit seiner Lust an zeitgenössischer und frecher Unterhaltung einen Namen gemacht. Kosky gehört zu den gefragtesten Opernregisseure der Gegenwart. Engagements führten ihn rund um die Welt. Unter der Intendanz von Oliver Reese inszenierte er auch am Deutschen Theater sowie am Schauspiel Frankfurt.


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Obwohl Brechts Liebe zum Sport plato­nisch war, schätzte er den Boxsport sehr. 1924 lernte Brecht den amtierenden Boxmeister im Halbschwer- und Schwergewicht Paul Samson-­Körner kennen. Brecht hielt ihn für einen "bedeutsamen Typus" und ließ sich die Geschichte seiner Jugend erzählen: Das Leben eines Ausreißers und Taugenichts, der zur See fuhr, der sich treiben ließ und schließlich zum Boxsport fand. Nicht die Siege und Triumphe, sondern vielmehr die kleinen Niederlagen und alltäglichen Demütigungen waren es, die ihn erkennen ließen, dass wir möglicherweise nicht nur für das verantwortlich sind, was wir selbst tun, sondern auch für das, was uns angetan wird. "Ich halte allerhand von der Wirklichkeit. Allerdings sind solche Wirklichkeiten wie Samson-­Körner an den Fingern herzuzählen: Glücksfälle. Denn das Erste, was da sein muss, damit ein richtiger Boxer zustande kommt, ist das Herz." – diese Erkenntnis ist das Faszinierende an dem Lebenslauf des Boxers Samson-­Körner und wird erst durch die Form des Biografie­-Interviews und die schriftstellerische Bearbeitung durch Brecht und Hauptmann sichtbar. Dennis Krauß, geboren 1991 in Berlin, studierte an der Hochschule für Musik "Hanns Eisler" Berlin Regie. Seit 2012 folgten freie Schauspiel­ und Musiktheaterarbeiten unter anderem am Heimathafen Neukölln und beim 100 Grad Festival. Von 2014 bis 2017 arbeitet er als Regieassistent am Schauspiel Frankfurt u.a. mit Kay Voges, Falk Richter, Ulrich Rasche und Michael Thalheimer und inszeniert in der BOX des Schauspiel Frankfurt Albert Camus’ "Caligula". "Das Leben des Boxers Samson-Körner" ist seine erste Regiearbeit am Berliner Ensemble.


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Obwohl Brechts Liebe zum Sport plato­nisch war, schätzte er den Boxsport sehr. 1924 lernte Brecht den amtierenden Boxmeister im Halbschwer- und Schwergewicht Paul Samson-­Körner kennen. Brecht hielt ihn für einen "bedeutsamen Typus" und ließ sich die Geschichte seiner Jugend erzählen: Das Leben eines Ausreißers und Taugenichts, der zur See fuhr, der sich treiben ließ und schließlich zum Boxsport fand. Nicht die Siege und Triumphe, sondern vielmehr die kleinen Niederlagen und alltäglichen Demütigungen waren es, die ihn erkennen ließen, dass wir möglicherweise nicht nur für das verantwortlich sind, was wir selbst tun, sondern auch für das, was uns angetan wird. "Ich halte allerhand von der Wirklichkeit. Allerdings sind solche Wirklichkeiten wie Samson-­Körner an den Fingern herzuzählen: Glücksfälle. Denn das Erste, was da sein muss, damit ein richtiger Boxer zustande kommt, ist das Herz." – diese Erkenntnis ist das Faszinierende an dem Lebenslauf des Boxers Samson-­Körner und wird erst durch die Form des Biografie­-Interviews und die schriftstellerische Bearbeitung durch Brecht und Hauptmann sichtbar. Dennis Krauß, geboren 1991 in Berlin, studierte an der Hochschule für Musik "Hanns Eisler" Berlin Regie. Seit 2012 folgten freie Schauspiel­ und Musiktheaterarbeiten unter anderem am Heimathafen Neukölln und beim 100 Grad Festival. Von 2014 bis 2017 arbeitet er als Regieassistent am Schauspiel Frankfurt u.a. mit Kay Voges, Falk Richter, Ulrich Rasche und Michael Thalheimer und inszeniert in der BOX des Schauspiel Frankfurt Albert Camus’ "Caligula". "Das Leben des Boxers Samson-Körner" ist seine erste Regiearbeit am Berliner Ensemble.


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Felix – der Glückliche –, Sohn eines bankrotten Schaumweinfabrikanten, ist Meister darin, den Menschen genau das vorzuspielen, was diese in ihm sehen wollen. Sein Glück ist, alles sein zu können in einer Welt der Fälschungen, die keine Wahrheit mehr kennt. So ist er, was er scheint, authentisch, indem er täuscht, Experte der kreativen Selbstvermarktung. Felix Krull – Thomas Manns hinreißende Parodie auf ein Künstlertum brillanter Äußerlichkeiten, die am Ende genau das erzeugen, was sie nicht sind: das Leben selbst – ein echter Schwindel. Nachdem sich der Autor und Regisseur Alexander Eisenach mit dem Paradebeispiel eines Hochstaplers der Literaturgeschichte befasste, schreibt er fürs Neue Haus unter dem Titel "Stunde der Hochstapler - Das Krull-Prinzip" eine Komödie über das Hochstapeln als Inbegriff der menschlichen Evolution. Was war die erste Lüge der Menschheit? Und führt die gegenwärtige Perfektionierung des Fake die Menschheit letztlich zur Abschaffung ihrer selbst? We regularly present performances of "Felix Krull - Stunde der Hochstapler" with English surtitles. You can find the dates here. Our box office staff will be happy to tell you from which seats you will have a good sight-line to the surtitles. For the best view of both stage and surtitles, we recommend seats in the stalls (Parkett) from row 11, or in the balconies (1. Rang, 2. Rang). Seats in the side boxes have a partially obstructed view.


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Serge hat sich für eine beachtliche Summe ein Gemälde gekauft: weiße Streifen auf weißem Untergrund. An diesem Bild entzündet sich der Streit zwischen drei Freunden, in dessen Verlauf sich ihr Leben und ihre Beziehungen grundlegend ändern. Serge begeistert sich für das Gemälde, Marc bekämpft es auf das Heftigste und Yvan bezieht, da er es sich mit keinem der anderen verderben will, keine Stellung. Das Kunstwerk dient als Katalysator, mit dessen Hilfe Yasmina Reza auf psychologisch fein gezeichnete Weise die drei Männer, ihre Gefühle, ihre Befindlichkeit, ihre Freundschaft, ja ihr gesamtes bisheriges Dasein auf den Prüfstand stellt – eine wortgewandte Komödie über die Halbwertszeit von Freundschaften für ein furioses Schauspieler-Trio. "Lachen schützt, entschärft, erleichtert, rettet. Sinn für Humor zu haben, in der erhabenen Bedeutung des Wortes, also nicht nur über Witze zu lachen, sondern über sich selbst lachen zu können, ohne Tabu, und jederzeit von Lachen geschüttelt zu werden – das ist eine beneidenswerte Gabe. Wer sie hat, ist vom Schicksal oder von den Göttern gesegnet. Das Lachen stellt das Vertrauen in uns selbst wieder her, es erhebt uns über die Situation. Das Drama von 'Kunst' ist ja nicht, dass sich Serge das weiße Bild kauft, sondern dass man mit ihm nicht mehr lachen kann. Wenn Sie mit einem Freund lachen können, dann können Sie alle möglichen Differenzen mit ihm haben. Sie können sogar schwarzweiß denken, bis zu einem gewissen Grad, wenn Sie über diese Differenzen lachen können, denn eine Freundschaft ist jenseits von Meinungen begründet. Wenn man nicht mehr lachen kann, gewinnt die Meinung die Oberhand, und es gibt nichts mehr jenseits von ihr." Yasmina Reza


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Wer sich Gedanken über die Zukunft unseres Landes aber auch der gesamten Welt macht, kommt nicht darum herum über Verantwortung nachzudenken. Für wen und für was sind wir verantwortlich? Als Individuen? Als Gesellschaft? Nur für uns? Oder auch für diejenigen die Not leiden? In Europa? Weltweit? Wo liegen die Grenzen der Verantwortung? Decken sie sich mit denen von Freiheit? Gibt es Gerechtigkeit ohne Verantwortung? In der Spielzeit 2021/22 nimmt die Veranstaltungsreihe Friedman im Gespräch die existenziellen und politischen Themen der Zukunft in den Fokus. Im Gespräch mit Gästen aus Politik, Kunst und Wissenschaft sucht der Publizist und Philosoph Michel Friedman monatlich die Auseinandersetzung. Intensiv, kontrovers, neugierig auf emanzipatorisches Potential und eindeutige Positionierungen greift er aktuelle Debatten und Ereignisse auf, um sie in Hinsicht auf das, was unsere Gesellschaft sein wird – und sein soll – zu hinterfragen.


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Serge hat sich für eine beachtliche Summe ein Gemälde gekauft: weiße Streifen auf weißem Untergrund. An diesem Bild entzündet sich der Streit zwischen drei Freunden, in dessen Verlauf sich ihr Leben und ihre Beziehungen grundlegend ändern. Serge begeistert sich für das Gemälde, Marc bekämpft es auf das Heftigste und Yvan bezieht, da er es sich mit keinem der anderen verderben will, keine Stellung. Das Kunstwerk dient als Katalysator, mit dessen Hilfe Yasmina Reza auf psychologisch fein gezeichnete Weise die drei Männer, ihre Gefühle, ihre Befindlichkeit, ihre Freundschaft, ja ihr gesamtes bisheriges Dasein auf den Prüfstand stellt – eine wortgewandte Komödie über die Halbwertszeit von Freundschaften für ein furioses Schauspieler-Trio. "Lachen schützt, entschärft, erleichtert, rettet. Sinn für Humor zu haben, in der erhabenen Bedeutung des Wortes, also nicht nur über Witze zu lachen, sondern über sich selbst lachen zu können, ohne Tabu, und jederzeit von Lachen geschüttelt zu werden – das ist eine beneidenswerte Gabe. Wer sie hat, ist vom Schicksal oder von den Göttern gesegnet. Das Lachen stellt das Vertrauen in uns selbst wieder her, es erhebt uns über die Situation. Das Drama von 'Kunst' ist ja nicht, dass sich Serge das weiße Bild kauft, sondern dass man mit ihm nicht mehr lachen kann. Wenn Sie mit einem Freund lachen können, dann können Sie alle möglichen Differenzen mit ihm haben. Sie können sogar schwarzweiß denken, bis zu einem gewissen Grad, wenn Sie über diese Differenzen lachen können, denn eine Freundschaft ist jenseits von Meinungen begründet. Wenn man nicht mehr lachen kann, gewinnt die Meinung die Oberhand, und es gibt nichts mehr jenseits von ihr." Yasmina Reza


Kategorie: Theater

"Ich will die Menschen nicht ändern. Ich will sie lieben, denn das ist der einzige Weg überhaupt etwas zu ändern – indem man liebt." - Scott McClanahan Scott ist ein Durchschnittstyp: Lehrer für Literatur an der Berufsschule, zwei Kinder, verheiratet, versucht immer alles richtig zu machen. Doch was ist das eigentlich: das "Richtige"? – Immer authentisch sein? Immer den Konventionen folgen? Wenn alle für ihr eigenes Glück verantwortlich sind, braucht es eigentlich nur eines – Selbstvertrauen. Dumm nur, wenn dann dieses Selbst nichts so richtig auf die Reihe kriegt. Auf der Suche nach dem Eigenen, inmitten einer Gesellschaft, die blind dem American Dream folgt, obwohl alle ahnen, dass er eine Lüge ist, gerät Scott immer wieder an seine Grenzen und die seiner Mitmenschen. Sarah ist eine Hymne an das Leben am Abgrund, die Geschichte einer Ehe, die zu Ende geht und der Versuch, das Gemeinsame in einer Welt voller Individuen zu finden.  Scott McClanahan (*1978) ist Autor und lebt in West Virginia. "Sarah" ist sein dritter Roman und der erste, der, 2020, auf Deutsch erschien. McClanahan schreibt vom realen Amerika – jenseits der glatten und repräsentativen Fassade Hollywoods.- seine Figuren sind die alltäglichen Versager der Mittelschicht, deren Fehler vielleicht nur darin bestehen, glücklich sein zu wollen, ohne zu wissen wie Einblicke hinter die Kulissen und Gespräche mit Autor Scott McClanahan, Übersetzer Clemens Setz, Regisseur Oliver Reese und Schauspieler Marc Oliver Schulze  finden Sie auf "BE at home".


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"Ich will die Menschen nicht ändern. Ich will sie lieben, denn das ist der einzige Weg überhaupt etwas zu ändern – indem man liebt." - Scott McClanahan Scott ist ein Durchschnittstyp: Lehrer für Literatur an der Berufsschule, zwei Kinder, verheiratet, versucht immer alles richtig zu machen. Doch was ist das eigentlich: das "Richtige"? – Immer authentisch sein? Immer den Konventionen folgen? Wenn alle für ihr eigenes Glück verantwortlich sind, braucht es eigentlich nur eines – Selbstvertrauen. Dumm nur, wenn dann dieses Selbst nichts so richtig auf die Reihe kriegt. Auf der Suche nach dem Eigenen, inmitten einer Gesellschaft, die blind dem American Dream folgt, obwohl alle ahnen, dass er eine Lüge ist, gerät Scott immer wieder an seine Grenzen und die seiner Mitmenschen. Sarah ist eine Hymne an das Leben am Abgrund, die Geschichte einer Ehe, die zu Ende geht und der Versuch, das Gemeinsame in einer Welt voller Individuen zu finden.  Scott McClanahan (*1978) ist Autor und lebt in West Virginia. "Sarah" ist sein dritter Roman und der erste, der, 2020, auf Deutsch erschien. McClanahan schreibt vom realen Amerika – jenseits der glatten und repräsentativen Fassade Hollywoods.- seine Figuren sind die alltäglichen Versager der Mittelschicht, deren Fehler vielleicht nur darin bestehen, glücklich sein zu wollen, ohne zu wissen wie Einblicke hinter die Kulissen und Gespräche mit Autor Scott McClanahan, Übersetzer Clemens Setz, Regisseur Oliver Reese und Schauspieler Marc Oliver Schulze  finden Sie auf "BE at home".


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Mehr als 3 Million Kilometer sind sie zusammen im Auto gereist, meist friedlich, manchmal hitzig diskutierend, stets unfallfrei. Gerhard Polt und die Brüder Michael, Christoph und Hans Well trafen sich 1979 – die genauen Umstände liegen im Ungefähren – und betraten fortan gemeinsam die Bühnen Bayerns und der Welt. Vieles ist seitdem passiert. Zum Jubiläumsabend zeigen Gerhard Polt und die drei Wells Teile aus ihrem aktuellen Programm sowie einige Klassiker. Mit Gerhard Polt, Christoph Well, Hans Well, Michael Well


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Mehr als 3 Million Kilometer sind sie zusammen im Auto gereist, meist friedlich, manchmal hitzig diskutierend, stets unfallfrei. Gerhard Polt und die Brüder Michael, Christoph und Hans Well trafen sich 1979 – die genauen Umstände liegen im Ungefähren – und betraten fortan gemeinsam die Bühnen Bayerns und der Welt. Vieles ist seitdem passiert. Zum Jubiläumsabend zeigen Gerhard Polt und die drei Wells Teile aus ihrem aktuellen Programm sowie einige Klassiker. Mit Gerhard Polt, Christoph Well, Hans Well, Michael Well


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Berlin am Vorabend der Machtergreifung Hitlers, die Metropole taumelt auf ihren Untergang zu. Fabian irrt als melancholischer, humorvoller Beobachter durch den sich bis zur Bewusstlosigkeit amüsierenden Moloch. Kästner, dessen Bücher von den Nationalsozialist:innen verbrannt wurden, schrieb 1950 über seinen zensierten Roman Fabian, der erst 2013 in seiner Urfassung erschien: "Heute sind bereits neue, genauer, sehr alte Mächte fanatisch dabei, wieder standardisierte Meinungen durch Massenimpfung zu verbreiten. Noch wissen viele nicht, viele nicht mehr, dass man sich Urteile selber bilden kann und sollte. Der Roman 'Der Gang vor die Hunde' wollte vor dem Abgrund warnen, dem sich Deutschland und damit Europa näherten!“


Kategorie: Theater

Es ist heiß, Europa ist weit entfernt und der letzte Kontakt auf Augenhöhe lange her. Seit sieben Jahren schon verharrt der namenlose Arzt aus Stefan Zweigs Novelle "Der Amokläufer" in dieser Situation, als ihn eine einzige Begegnung mit einem anderen Menschen, einem anderen Willen aus der Fassung bringt – angesichts der kleinsten Gefühlsregung lässt er sein altes Leben komplett hinter sich. In der Nähe zu Sigmund Freud sucht Zweig in seiner Novellensammlung "Amok" die psychologische Analyse der Menschen seiner Zeit. Er zeigt die seelischen Deformationen einer Generation, der zwischen spanischer Grippe und Weltwirtschaftskrise die vertraute Ordnung unter den Füßen weggezogen wurde, die nun auf der Suche nach irgendeinem Halt durch die Welt irrt und die sich an jeden vermeintlichen Strohhalm – sei es Liebe, Ehre oder Stolz – klammert. Laut Zweigs Frau Friderike Maria, sollten diese Portraits die "verborgende Wesensheit aufdecken, innerhalb der Glätte des bürgerlichen Lebens, das vergeblich und oft nicht ungestraft die Menschen zu nivellieren sucht."


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"Ich bin geboren worden. Ich bin in das Geburtenregister eingetragen worden. Ich bin älter geworden." Was so unschuldig beginnt, ändert sich plötzlich: "Ich bin verantwortlich geworden. Ich bin schuldig geworden." Ein Start in die Auseinandersetzung mit höheren und niedrigeren Ordnungsmächten. Handkes teils vergnügliche, teils bittere Sprachkritik entstand vor 50 Jahren im Kontext von sprechenden Titeln wie Hilferufe, Weissagung und, berühmterweise, Publikumsbeschimpfung. Spielerisch schickt Peter Handke seine*n Sprecher*in zur Beichte und nötigt ihm oder ihr eine Selbstbezichtigung ab, wie totalitäre Regime sie ihren Sünder*innen abnehmen. Damit zeigt er etwa die Nähe von Katholizismus und Kommunismus auf und diskutiert die bigotten gesellschaftlichen Schuldbegriffe, bis hin zum eigenen Medium: "Gegen welche Gesetze des Theaters habe ich mich vergangen?" Diese Beichte kann im Theater nur das Publikum abnehmen. Eine Produktion des Volkstheater Wien.


Kategorie: Theater

Abigail Williams hat mit einer Gruppe junger Frauen entgegen der strengen, religiösen Regeln Salems nachts im Wald getanzt. Um sich zu verteidigen, gehen sie auf das Gerücht ein, jemand im Dorf habe den Teufel beschworen – und so die Mädchen zu diesen heidnischen Tänzen verführt. Ein Gericht wird einberufen, das sein Urteil allein auf die Ausrufungen und Wahnszenen der Mädchen gründet. Wer gesteht, macht sich selbst zur Hexe und bestätigt das Gericht. Wer bei der Wahrheit bleibt, wird gehängt. Das Klima des Misstrauens und die Angst vor der gerichtlichen Willkür fördern die schlechteste Seite der Menschen in Salem zu Tage: Eifersucht, Machtgier und Rache befeuern die Beschuldigungen und Anklagen. Hexenjagd basiert auf den Hexenprozessen von Salem, Massachusetts, bei denen 1692 hunderte Menschen verurteilt wurden. Arthur Millers Bearbeitung entstand in Reaktion auf die Kommunistenverfolgung der so genannte McCarthy-Ära Anfang der 1950er Jahre in den USA. Mit dem ständigen Verdacht auch in den eigenen Reihen gäbe es verdeckte Kommunisten, konnte gegen sämtliche Oppositionelle mit unverhältnismäßig harten Mitteln vorgegangen werden – auch gegen bloße Sympathisant:innen und gegen viele Künstler:innen wurde ermittelt. So gelingt Miller mithilfe historischer Ereignisse die Beschreibung einer durch und durch gegenwärtigen Dynamik: öffentliche Debatten, die in Freund-Feind-Schemata, ideologische Verhärtungen und schließlich in gefährliche Radikalisierung kippen. Mateja Koležnik ist eine der wichtigsten Theatermacherinnen Sloweniens. Seit 2012 inszeniert sie auch im deutschsprachigen Raum Schauspiel und Oper, u. a. am Burgtheater Wien, der Bayrischen Staatsoper und am Residenztheater in München. Am Berliner Ensemble inszenierte sie bislang Gespenster von Hendrik Ibsen (2020) und Nichts von mir von Arne Lygre (2017).


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Abigail Williams hat mit einer Gruppe junger Frauen entgegen der strengen, religiösen Regeln Salems nachts im Wald getanzt. Um sich zu verteidigen, gehen sie auf das Gerücht ein, jemand im Dorf habe den Teufel beschworen – und so die Mädchen zu diesen heidnischen Tänzen verführt. Ein Gericht wird einberufen, das sein Urteil allein auf die Ausrufungen und Wahnszenen der Mädchen gründet. Wer gesteht, macht sich selbst zur Hexe und bestätigt das Gericht. Wer bei der Wahrheit bleibt, wird gehängt. Das Klima des Misstrauens und die Angst vor der gerichtlichen Willkür fördern die schlechteste Seite der Menschen in Salem zu Tage: Eifersucht, Machtgier und Rache befeuern die Beschuldigungen und Anklagen. Hexenjagd basiert auf den Hexenprozessen von Salem, Massachusetts, bei denen 1692 hunderte Menschen verurteilt wurden. Arthur Millers Bearbeitung entstand in Reaktion auf die Kommunistenverfolgung der so genannte McCarthy-Ära Anfang der 1950er Jahre in den USA. Mit dem ständigen Verdacht auch in den eigenen Reihen gäbe es verdeckte Kommunisten, konnte gegen sämtliche Oppositionelle mit unverhältnismäßig harten Mitteln vorgegangen werden – auch gegen bloße Sympathisant:innen und gegen viele Künstler:innen wurde ermittelt. So gelingt Miller mithilfe historischer Ereignisse die Beschreibung einer durch und durch gegenwärtigen Dynamik: öffentliche Debatten, die in Freund-Feind-Schemata, ideologische Verhärtungen und schließlich in gefährliche Radikalisierung kippen. Mateja Koležnik ist eine der wichtigsten Theatermacherinnen Sloweniens. Seit 2012 inszeniert sie auch im deutschsprachigen Raum Schauspiel und Oper, u. a. am Burgtheater Wien, der Bayrischen Staatsoper und am Residenztheater in München. Am Berliner Ensemble inszenierte sie bislang Gespenster von Hendrik Ibsen (2020) und Nichts von mir von Arne Lygre (2017).


Kategorie: Theater

Bitte beachten Sie die Informationen zum Berliner Pilotprojekt Testing. 18 Jahre nach seinem Debüt "Soloalbum" schreibt Benjamin von Stuckrad-Barre sie doch, die Autobiographie, mit der keiner gerechnet hat. Ein Greatest-Hits Album, ein Best-Of: kein Soloalbum – sondern der Soundtrack eines selbstzerstörerischen Lebens. Im legendären Hotel Chateau Marmont am Sunset Boulevard schaut Stuckrad-Barre sich selbst beim Schreiben zu – und erzählt von zwanzig Jahren Nachtleben, Drogen, Ruhm und Realitätsverlust, vom Aufstehen und Hinfallen. Keine Recherche, sondern pures Leben. "Das Kokain ließ mich Tage und Nächte manisch herumrotieren, gegen das lästige Herzrasen goss ich Alkohol drauf, schlief irgendwann vollkommen betäubt ein, dabei half das Rohypnol, das der neue, zum Heroin ratende Dealer mir mitgebracht hatte, weil, so seine fachmännische Blickdiagnose, ich auch mal wieder runterkommen müsse, zwischendurch. Wenn ich erwachte, brauchte ich eine Weile, um einen Zusammenhang herzustellen zwischen den durch die Gardinen hindurch sichtbaren Tageszeitindizien und der zuletzt erinnerten Tageszeit, ich unterschied nur mehr zwischen hell und dunkel, Tag und Nacht. Manchmal schlief ich wohl 26 Stunden, manchmal auch nur zwei, es war alles nicht so klar und sollte das auch auf gar keinen Fall werden. Aufstieg und Fall in einem Rutsch. Nur aufschreiben würde ich es halt noch müssen, irgendwann, aber natürlich erstmal bis zum letzten Kapitel durcherleben – ohne retardierenden zweiten Akt (where the slow stuff happens) direkt in die Katastrophe."


Kategorie: Theater

Bitte beachten Sie die Informationen zum Berliner Pilotprojekt Testing. 18 Jahre nach seinem Debüt "Soloalbum" schreibt Benjamin von Stuckrad-Barre sie doch, die Autobiographie, mit der keiner gerechnet hat. Ein Greatest-Hits Album, ein Best-Of: kein Soloalbum – sondern der Soundtrack eines selbstzerstörerischen Lebens. Im legendären Hotel Chateau Marmont am Sunset Boulevard schaut Stuckrad-Barre sich selbst beim Schreiben zu – und erzählt von zwanzig Jahren Nachtleben, Drogen, Ruhm und Realitätsverlust, vom Aufstehen und Hinfallen. Keine Recherche, sondern pures Leben. "Das Kokain ließ mich Tage und Nächte manisch herumrotieren, gegen das lästige Herzrasen goss ich Alkohol drauf, schlief irgendwann vollkommen betäubt ein, dabei half das Rohypnol, das der neue, zum Heroin ratende Dealer mir mitgebracht hatte, weil, so seine fachmännische Blickdiagnose, ich auch mal wieder runterkommen müsse, zwischendurch. Wenn ich erwachte, brauchte ich eine Weile, um einen Zusammenhang herzustellen zwischen den durch die Gardinen hindurch sichtbaren Tageszeitindizien und der zuletzt erinnerten Tageszeit, ich unterschied nur mehr zwischen hell und dunkel, Tag und Nacht. Manchmal schlief ich wohl 26 Stunden, manchmal auch nur zwei, es war alles nicht so klar und sollte das auch auf gar keinen Fall werden. Aufstieg und Fall in einem Rutsch. Nur aufschreiben würde ich es halt noch müssen, irgendwann, aber natürlich erstmal bis zum letzten Kapitel durcherleben – ohne retardierenden zweiten Akt (where the slow stuff happens) direkt in die Katastrophe."


Kategorie: Theater

Drei Frauen, drei Generationen: Carol – die scheinbar das perfekte Kleinfamilienleben führt – begeht Suizid, als ihre Tochter Anna 16 Jahre alt ist. Anna, die später in einer Kommune lebt und der Drogensucht verfällt, begeht ebenfalls, kurz nach der Geburt ihrer ersten Tochter Bonnie, Suizid. Bonnie versucht vehement, sich von diesem unheilvollen Familienmuster zu befreien: Sie wird Ärztin und stellt der genetisch vererbbaren Depression und Selbstmordgefährdung radikale Selbstbestimmung entgegen. Die mehrfach ausgezeichnete junge Autorin Alice Birch hat eine filigrane Partitur geschrieben, in der Unaussprechliches erahnbar wird. Drei Frauenleben, deren Biografien über die Generationen hinweg miteinander verwoben sind, werden simultan erzählt, gleich einer Fuge. In allen drei Lebensläufen spielt dabei auf ganz unterschiedliche Weise das allgegenwärtige Tabu der "nicht funktionierenden" Mutter eine zentrale Rolle. Nanouk Leopold ist eine der bekanntesten niederländischen Filmemacherinnen. Ihre Filme wurden auf verschiedenen Filmfestivals ausgezeichnet, u.a. auf der Berlinale und den Internationalen Filmfestspielen Cannes. Zuletzt inszenierte Nanouk Leopold am Internationaal Theater Amsterdam. "Anatomie eines Suizids" ist ihr Debut im deutschsprachigen Theater.


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Unsere 90-minütigen Workshops stellen eine praktische Annäherung an Inhalt und ästhetische Prinzipien der jeweiligen Inszenierung dar. Hier erforschen Sie inhaltliche Fragen genauso wie ästhetische Formen und analysieren Figuren des Stücks sowie einzelne Themenaspekte. Theaterpädagogische Spiele und Schauspielübungen vermitteln Ihnen einen praktischen Zugang zum Theater. So werden Sie temporär zu Schauspielerinnen und Schauspielern, erhalten durch selbstgespielte, kleine Szenen Einblicke in Inhalt und Spiel auf der Bühne und treten mit uns und untereinander in den Austausch.   Eine Theaterpädagogin des Berliner Ensembles erforscht mit Ihnen theaterpraktisch die Inszenierung "wagner - der ring des nibelungen" in der Regie von Ersan Mondtag. Im Werkraum lassen wir der Spielfreude und Kreativität freien Lauf.


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25 Jahre beschäftigte sich Richard Wagner mit dem "Ring des Nibelungen", seinem Hauptwerk, dem die Nibelungensaga zu Grunde liegt. Er eignete sich den urdeutschen Mythos an und erschuf im Zusammenklang mit der Komposition ein zu seiner Zeit inhaltlich wie musikalisch revolutionäres Werk.  Zentrales Thema des Mythos – schon bei Wagner – ist der Raubbau an der Natur durch den Menschen. Der Raub des Goldes durch den Nibelungen Alberich aus dem Rhein, der am Anfang des Ringes steht, läutet die Götterdämmerung und damit den Untergang der Welt ein. 150 Jahre später hat nun der österreichische Autor Thomas Köck den Wagnerschen Ring für das Berliner Ensemble überschrieben. Dabei arbeitet er mit Versatzstücken des Originaltextes, die er spannungsvoll mit den eigenen Texten verwebt. Dem Text von Thomas Köck steht die Musik von Max Andrzejewski gegenüber. Der Komponist hat für die vier Teile des Rings eigene Ouvertüren für ein ungewöhnlich besetztes 12köpfiges Kammerensemble (Klassische Instrumente plus E-Gitarre, Synthesizer, Drumset und Elektronik) als musikalischen Kommentar auf Wagners Ouvertüren geschrieben. Wagners Personage, Inbegriff deutscher Geschichte und vermeintlichen Heldentums, irrlichtert durch eine Nervenheilanstalt. Am Helden Siegfried soll eine Lobotomie vollzogen werden, Erzfeind Hagen will sein Gedächtnis auslöschen. Im Anblick des nahenden Endes verliert sich Siegfried mehr und mehr in der Welt des Ringes und das Publikum trifft mit ihm auf Nibelungen, Riesen, Zwerge, Walküren, Rheintöchter und all die anderen mythischen Figuren des Wagnerschen Ring, die allerdings – von Köck mit der Gegenwart konfrontiert – das eigene Handeln und den Status Quo von Gesellschaft, Wirtschaft, Natur, Gesetze und Macht der Märkte sowie Richard Wagners Antisemitismus diskutieren. Regisseur Ersan Mondtag arbeitet in Schauspiel und Oper, national und international. Seine bildgewaltigen und hoch artifiziellen Regiearbeiten wurden u.a.  drei Mal zum Berliner Theatertreffen eingeladen. Am Berliner Ensemble hat er zuletzt "Baal" von Bertolt Brecht inszeniert. Autor Thomas Köck wurde für seine Theatertexte mehrfach ausgezeichnet, u.a. 2018 mit dem Literaturpreis "Text & Sprache" des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft sowie 2018 und 2019 mit dem Mülheimer Dramatikerpreis, zuletzt auch mit dem Publikumspreis der Mülheimer Theatertage NRW. Max Andrzejewski (*1986) ist Schlagzeuger und Komponist, wohnhaft in Berlin. Seine musikalische Arbeit bewegt sich zwischen experimentellem Jazz und zeitgenössischer Komposition. Andrzejewski ist weltweit als tourender Musiker unterwegs und erhielt Kompositionsaufträge für das das Ensemble Resonanz Hamburg, das Podium Festival Esslingen, das aDevantgarde Festival München, das Thalia Theater Hamburg, die Münchner Kammerspiele, das Theater Basel, das Maxim Gorki Theater uvm.


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Drei Frauen, drei Generationen: Carol – die scheinbar das perfekte Kleinfamilienleben führt – begeht Suizid, als ihre Tochter Anna 16 Jahre alt ist. Anna, die später in einer Kommune lebt und der Drogensucht verfällt, begeht ebenfalls, kurz nach der Geburt ihrer ersten Tochter Bonnie, Suizid. Bonnie versucht vehement, sich von diesem unheilvollen Familienmuster zu befreien: Sie wird Ärztin und stellt der genetisch vererbbaren Depression und Selbstmordgefährdung radikale Selbstbestimmung entgegen. Die mehrfach ausgezeichnete junge Autorin Alice Birch hat eine filigrane Partitur geschrieben, in der Unaussprechliches erahnbar wird. Drei Frauenleben, deren Biografien über die Generationen hinweg miteinander verwoben sind, werden simultan erzählt, gleich einer Fuge. In allen drei Lebensläufen spielt dabei auf ganz unterschiedliche Weise das allgegenwärtige Tabu der "nicht funktionierenden" Mutter eine zentrale Rolle. Nanouk Leopold ist eine der bekanntesten niederländischen Filmemacherinnen. Ihre Filme wurden auf verschiedenen Filmfestivals ausgezeichnet, u.a. auf der Berlinale und den Internationalen Filmfestspielen Cannes. Zuletzt inszenierte Nanouk Leopold am Internationaal Theater Amsterdam. "Anatomie eines Suizids" ist ihr Debut im deutschsprachigen Theater.


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25 Jahre beschäftigte sich Richard Wagner mit dem "Ring des Nibelungen", seinem Hauptwerk, dem die Nibelungensaga zu Grunde liegt. Er eignete sich den urdeutschen Mythos an und erschuf im Zusammenklang mit der Komposition ein zu seiner Zeit inhaltlich wie musikalisch revolutionäres Werk.  Zentrales Thema des Mythos – schon bei Wagner – ist der Raubbau an der Natur durch den Menschen. Der Raub des Goldes durch den Nibelungen Alberich aus dem Rhein, der am Anfang des Ringes steht, läutet die Götterdämmerung und damit den Untergang der Welt ein. 150 Jahre später hat nun der österreichische Autor Thomas Köck den Wagnerschen Ring für das Berliner Ensemble überschrieben. Dabei arbeitet er mit Versatzstücken des Originaltextes, die er spannungsvoll mit den eigenen Texten verwebt. Dem Text von Thomas Köck steht die Musik von Max Andrzejewski gegenüber. Der Komponist hat für die vier Teile des Rings eigene Ouvertüren für ein ungewöhnlich besetztes 12köpfiges Kammerensemble (Klassische Instrumente plus E-Gitarre, Synthesizer, Drumset und Elektronik) als musikalischen Kommentar auf Wagners Ouvertüren geschrieben. Wagners Personage, Inbegriff deutscher Geschichte und vermeintlichen Heldentums, irrlichtert durch eine Nervenheilanstalt. Am Helden Siegfried soll eine Lobotomie vollzogen werden, Erzfeind Hagen will sein Gedächtnis auslöschen. Im Anblick des nahenden Endes verliert sich Siegfried mehr und mehr in der Welt des Ringes und das Publikum trifft mit ihm auf Nibelungen, Riesen, Zwerge, Walküren, Rheintöchter und all die anderen mythischen Figuren des Wagnerschen Ring, die allerdings – von Köck mit der Gegenwart konfrontiert – das eigene Handeln und den Status Quo von Gesellschaft, Wirtschaft, Natur, Gesetze und Macht der Märkte sowie Richard Wagners Antisemitismus diskutieren. Regisseur Ersan Mondtag arbeitet in Schauspiel und Oper, national und international. Seine bildgewaltigen und hoch artifiziellen Regiearbeiten wurden u.a.  drei Mal zum Berliner Theatertreffen eingeladen. Am Berliner Ensemble hat er zuletzt "Baal" von Bertolt Brecht inszeniert. Autor Thomas Köck wurde für seine Theatertexte mehrfach ausgezeichnet, u.a. 2018 mit dem Literaturpreis "Text & Sprache" des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft sowie 2018 und 2019 mit dem Mülheimer Dramatikerpreis, zuletzt auch mit dem Publikumspreis der Mülheimer Theatertage NRW. Max Andrzejewski (*1986) ist Schlagzeuger und Komponist, wohnhaft in Berlin. Seine musikalische Arbeit bewegt sich zwischen experimentellem Jazz und zeitgenössischer Komposition. Andrzejewski ist weltweit als tourender Musiker unterwegs und erhielt Kompositionsaufträge für das das Ensemble Resonanz Hamburg, das Podium Festival Esslingen, das aDevantgarde Festival München, das Thalia Theater Hamburg, die Münchner Kammerspiele, das Theater Basel, das Maxim Gorki Theater uvm.


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Hendrik Höfgen ist Schauspieler und er will spielen – um jeden Preis einfach nur spielen. Er wähnt sich auf der richtigen Seite, auf der Seite der Kunst. Er verlangt unpolitisch sein zu dürfen, in einer Zeit, die das unmöglich macht.  Klaus Mann porträtierte mit seinem Roman von 1936 den berühmten Schauspieler Gustaf Gründgens, der im Berlin der NS-Zeit zum Intendanten aufstieg. Mephisto war die Rolle seines Lebens. In der Maske des Teufels erlebt auch Manns Romanfigur Höfgen seinen Aufstieg bis zum Staatstheaterintendanten, während ein Regime sich installiert, das die Kunst und die Theater bestenfalls als Amüsement toleriert, schlechtestenfalls für seine Propagandamaschine einspannt. Künstlerinnen und Künstler werden, wie alle, entweder zu linientreuen Spießgenossen oder aus dem Weg geräumt. Am Ende muss Höfgen begreifen, welchen Preis er für seinen Aufstieg bezahlt hat – wenn er nämlich selbst seine engsten Freunde verraten hat. Mit seinen Worten endet der Roman: "Was wollen die Menschen von mir? Warum verfolgen sie mich? Weshalb sind sie so hart? Ich bin doch nur ein ganz gewöhnlicher Schauspieler." In der Regie von Till Weinheimer erarbeitet das Ensemble aus fünf jungen Spielerinnen und Spielern eine musikalische und gegenwärtige Theateradaption des Romans.


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Hendrik Höfgen ist Schauspieler und er will spielen – um jeden Preis einfach nur spielen. Er wähnt sich auf der richtigen Seite, auf der Seite der Kunst. Er verlangt unpolitisch sein zu dürfen, in einer Zeit, die das unmöglich macht.  Klaus Mann porträtierte mit seinem Roman von 1936 den berühmten Schauspieler Gustaf Gründgens, der im Berlin der NS-Zeit zum Intendanten aufstieg. Mephisto war die Rolle seines Lebens. In der Maske des Teufels erlebt auch Manns Romanfigur Höfgen seinen Aufstieg bis zum Staatstheaterintendanten, während ein Regime sich installiert, das die Kunst und die Theater bestenfalls als Amüsement toleriert, schlechtestenfalls für seine Propagandamaschine einspannt. Künstlerinnen und Künstler werden, wie alle, entweder zu linientreuen Spießgenossen oder aus dem Weg geräumt. Am Ende muss Höfgen begreifen, welchen Preis er für seinen Aufstieg bezahlt hat – wenn er nämlich selbst seine engsten Freunde verraten hat. Mit seinen Worten endet der Roman: "Was wollen die Menschen von mir? Warum verfolgen sie mich? Weshalb sind sie so hart? Ich bin doch nur ein ganz gewöhnlicher Schauspieler." In der Regie von Till Weinheimer erarbeitet das Ensemble aus fünf jungen Spielerinnen und Spielern eine musikalische und gegenwärtige Theateradaption des Romans.


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Es ist heiß, Europa ist weit entfernt und der letzte Kontakt auf Augenhöhe lange her. Seit sieben Jahren schon verharrt der namenlose Arzt aus Stefan Zweigs Novelle "Der Amokläufer" in dieser Situation, als ihn eine einzige Begegnung mit einem anderen Menschen, einem anderen Willen aus der Fassung bringt – angesichts der kleinsten Gefühlsregung lässt er sein altes Leben komplett hinter sich. In der Nähe zu Sigmund Freud sucht Zweig in seiner Novellensammlung "Amok" die psychologische Analyse der Menschen seiner Zeit. Er zeigt die seelischen Deformationen einer Generation, der zwischen spanischer Grippe und Weltwirtschaftskrise die vertraute Ordnung unter den Füßen weggezogen wurde, die nun auf der Suche nach irgendeinem Halt durch die Welt irrt und die sich an jeden vermeintlichen Strohhalm – sei es Liebe, Ehre oder Stolz – klammert. Laut Zweigs Frau Friderike Maria, sollten diese Portraits die "verborgende Wesensheit aufdecken, innerhalb der Glätte des bürgerlichen Lebens, das vergeblich und oft nicht ungestraft die Menschen zu nivellieren sucht."


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Änderungen vorbehalten! - Angaben ohne Gewähr! - Stand:18.10.21
© Fotos der Vorstellungen: [+][-]
Die Blechtrommel(Lukáš Horký/Flora Theatre Festival/Lukáš Horký/Flora Theatre Festival) Amok(Matthias Horn/Matthias Horn) Mephisto(Matthias Horn/Matthias Horn) Die Mutter(JR/Berliner Ensemble/JR/Berliner Ensemble) Hexenjagd(Matthias Horn/Matthias Horn) Selbstbezichtigung(Ulrike Rindermann / Volkstheater Wien/Ulrike Rindermann / Volkstheater Wien) 2 um acht(Franziska Sinn/Franziska Sinn) Die Dreigroschenoper(JR Berliner Ensemble/JR Berliner Ensemble) Einblicke: Workshop zu "Die Dreigroschenoper"(Moritz Haase/Moritz Haase) Sarah(Matthias Horn/Matthias Horn) Der Lebenslauf des Boxers Samson-Körner(Matthias Horn/Matthias Horn) Felix Krull(JR Berliner Ensemble/JR Berliner Ensemble) "Kunst"(Birgit Hupfeld/Birgit Hupfeld) Verantwortung(Promo/) 40 Jahre Polt / Well-Brüder(Wilfried Hösl/Wilfried Hösl) Fabian oder Der Gang vor die Hunde(Matthias Horn/Matthias Horn) Panikherz(Moritz Haase/Moritz Haase) Anatomie eines Suizids(Julian Röder/Julian Röder) Einblicke: Workshop zu "wagner - der ring des nibelungen"(Promo/) wagner - der ring des nibelungen(Birgit Hupfeld/Birgit Hupfeld)

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